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Sechs Fragen an … Gregor Gysi: "Auf keinen Fall Freunde vertreten"

Patrick Buse, LL.M.

19.01.2013

Wer waren die Menschen, die ihr Leben prägten? Woran hätten sie gern mitgewirkt, um die Welt zu verändern? Bekannten Juristen könnte man viele Fragen stellen. Sechs davon beantwortet heute: Der Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag.

1. Mein Jurastudium habe ich in erster Linie dazu genutzt…

… logisches und soziales Denken zu fördern und meine Gefühle für Gerechtigkeit zu vertiefen. Vor allem habe ich es aber genutzt, um später einen Beruf ausüben zu können.

2. Juristen spielen immer wieder eine tragende Rolle bei historisch bedeutenden Ereignissen, etwa als einer der Väter des Grundgesetzes oder als Verteidiger von Ulrike Meinhof. Ich hätte gerne …

… an der Menschenrechtskonvention mitgewirkt und darüber hinaus folgende Frau verteidigt: Sie ist von drei Männern überfallen und brutal vergewaltigt worden. Anschließend hat sie die Männer gefragt, ob man es sich nicht zu Hause nett machen könne, sie wäre dazu auch freiwillig bereit. Die besonders dämlichen Männer haben ihr das geglaubt und sind mit ihr nach Hause gefahren. Sie gab ihnen etwas zu trinken und sorgte als Tierärztin dafür, dass alle drei betäubt einschliefen. Daraufhin hat sie die Männer – medizinisch hervorragend – kastriert, die Wunden versorgt und dann die Polizei und die Rettungsstelle gerufen. Sie wurde wegen schwerer Körperverletzung angeklagt, da sie erst nach Beendigung der Vergewaltigung und ohnehin in Überschreitung ihrer Notwehrrechte gehandelt habe. Ich hätte sie mit Leidenschaft verteidigt.

3. Die schwierigste Entscheidung meiner Laufbahn war…

… Vorsitzender meiner Partei (Anm. der Redaktion: der SED) im Dezember 1989 zu werden.

4. Wenn ich nicht Jurist geworden wäre, würde ich heute…

… als Facharzt für Neurologie und Psychiatrie arbeiten. Zumindest wäre dies mein Wunsch.

5. Am meisten beeinflusst haben mich…

… selbstverständlich meine Eltern, meine Schwester, meine Partnerinnen, meine Freundinnen und Freunde und vor allem meine Kinder. Gerade von kleinen Kindern kann man besonders viel lernen. Sie sind noch so grundehrlich, was sich später leider in der Regel gibt.

6. Juristen sollten auf keinen Fall, …

… rechtliche Angelegenheiten ihrer Angehörigen, ihrer Freundinnen und Freunde vertreten. In aller Regel geht das schief.

Gregor Gysi ist Vorsitzender der Fraktion Die Linke im Bundestag und Rechtsanwalt.

Zitiervorschlag

Patrick Buse, Sechs Fragen an … Gregor Gysi: "Auf keinen Fall Freunde vertreten" . In: Legal Tribune Online, 19.01.2013 , https://www.lto.de/persistent/a_id/7999/ (abgerufen am: 27.06.2019 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 19.01.2013 12:55, Kant 2.0

    Die Geschichte mit der Kastration klingt spannend. Das Netz spuckt aber keine Nachweise aus; doch einen: es würde sich um eine Sage handeln. Hat jemand mehr Infos oder hat Herr Gysi hier eine Märchengeschichte zum Besten gegeben?

    • 24.01.2013 15:21, Wizorke

      Die Kastrationsgeschichte erinnert auf verblüffende Weise der Kurzgeschichte "Catgut" von Anna Gavalda. Seltsamerweise spielt diese Geschichte in Frankreich und von einer Strafverfolgung wegen schwerer Körperverletzung ist dort eher nichts geschrieben (http://www.zeit.de/2002/10/200210_l-galvada_xml).

      Immerhin lernen wir so, dass Herr Gysi auch gerne einen französischen Kurzgeschichtenband zur Hand nimmt. ;-)

  • 19.01.2013 14:54, Andreas Moser

    Solche Leute werden Anwälte: http://andreasmoser.wordpress.com/2013/01/19/criminals-who-become-lawyers/

  • 24.01.2013 15:11, L. Eser

    Freunde und Bekannte zu vertreten hat bei mir bisher gut geklappt. Der Ehrgeiz ist enormer Ansporn, auch das letzte herauszuquetschen. Die persönliche Verbindung führt dazu, nicht zu riskanten Entscheidungen zu raten (Klage nur bei 100%iger Erfolgsaussicht)

    Eine Verteidigung im Strafrecht halte ich aber auch für schwierig.

  • 24.01.2013 15:29, Strafverteidiger

    Ach Gottchen, welch plumpe Anbiederung an die Vergewaltigungsopfer. So unprofessionell kann nur ein Nichtjurist schwafeln bzw. einer, der unser geltendes Recht nicht studiert hat. Herr Gysi, endweder Sie verteidigen JEDEN Mandanten, nämlich auch den mutmaßlichen bestialischen Vergewaltiger oder Mörder "leidenschaftlich", oder sie lassen es besser ganz sein!

  • 04.02.2013 14:40, <a href="http://osmanisfen.wordpress.com" >osmanisfen.wordpress.com</a>

    osmanisfen.wordpress.com verlinkt auf diesen Artikel mit folgendem Linktext: <br /><a href="http://osmanisfen.wordpress.com/2013/02/04/lieber-andere-machen-lassen-wenn-die-liebsten-vertreten-werden-mussen-und-ein-vergewaltigungsfall/">Wo er als Rechtsanwalt Recht hat, hat er Recht.</a>

  • 15.04.2015 05:17, Markus

    Also ich bin echt entsetzt, sympathisiert Herr Gysi hier etwa mit Selbstjustiz ? Die Männer waren betäubt die Frau hätte die Polizei rufen können, aber schwere Körperverletzung ist auch ein schweres Verbrechen wie Vergewaltigung ! Und wann und wie Notwehr eingesetzt werden darf sollte Herr Gysi auch wissen. Ich setzte mich übrigen seit Jahren für Vergewaltigungsopfer ein.

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