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Nagellack-Trends: 200 Euro für 13 ml Braun-Lila-Grau

Gil Eilin Jung

28.07.2010

grau lackierter Fingernagel

Bild: Chanel

Wer Nagellack für einen Teil des weiblichen Putzes und French Manicure für die Inkarnation des Understatements hält, wird seit dieser Saison eines besseren belehrt. Gänzlich neue Farben haben unter stilbewussten Frauen einen wahren Hype ausgelöst und aus einem Anstrich ein Fashion-Statement gemacht. Und ein absolut bürotaugliches noch dazu.

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Kosmetische Fachkräfte weisen sich in erster Linie durch ihre fachliche Kompetenz und ein makelloses Make-up aus. Humor zählt nicht zu ihren vordersten Eigenschaften. Möchte man die perfekt gestylten Damen jedoch einmal herzhaft lachen sehen, muss man nur nach "Particulière" fragen.

Die Rede ist von einem 13-ml-Nagellackfläschchen von Chanel in bräunlich-lila- grauem Ton, der farblich eher an Großmutters Stützstrümpfe erinnert, als an Sex and the City. Wer also nach dem "Besonderen" fragt – wie Particulière übersetzt heißt – wird wahre Lachsalven ernten. Denn das Fläschchen zu 22 Euro ist seit Wochen ausverkauft und wird im Internet mit bis zu 200 Euro gehandelt.

Peter Philips heißt der für den Hype verantwortliche Mann. Der Kreativ-Direktor von Chanel hat die Nuance "505" geschaffen. Farblich lehnte er den Ton an die pastellfarbene Frühjahr-/Sommer-Kollektion des berühmten Pariser Couturehauses an und landete eine Bombe. Sein zweiter Riesenerfolg, nachdem Philips 2009 mit dem Grünton "Jade 407" bereits einen Überraschungscoup gelandet hatte. Ein "Kosmetikphänomen" jubelte die Londoner "Times", angesichts der völlig untypischen Nagellackfarbe. "Jade" war in kürzester Zeit vergriffen und flugs zum Kultobjekt avanciert.

"Wir sind geplündert worden"

Extremer jedoch als bei "Jade" löste "Particulière 505" eine – für Männer völlig unverständliche – Massenhysterie aus. "Wir sind regelrecht geplündert worden", bestätigt Uschi Ackermann, die Sprecherin Deutschlands führender Parfümerie "Douglas", gegenüber der LTO. Ackermann berichtet, dass man das Hundertfache hätte verkaufen können, "und dann hätte es wahrscheinlich noch nicht gereicht". Frauen hätten sie privat angerufen, um an den heißbegehrten Lack zu kommen, obwohl Ackermann weder in den Filialen ist, noch etwas mit dem operativen Geschäft zu tun hat. "Das war total verrückt", erzählt die PR-Dame.

Der mauvefarbene "Particulière"-Ton ist neu, elegant und atemberaubend edel. Anbieter wie Art Deco, OPI oder Dior sind längst nachgezogen. Der Ton macht "Finger zu Trend-Accessoires", wie die Frauenzeitschrift "Glamour" schon im letzten Herbst prophezeite.

Ein Accessoire offenbar, das für alle funktioniert, vom jungen It-Girl über die Mittdreißigerin bis hin zur Lady, die Karriere macht, oder der neuen Bundespräsidenten-Gattin Bettina Wulff, die den "Particulière" bei der Abstimmung im Deutschen Bundestag trug. "Das Wunderbare und wohl Erfolgreiche an dem neuen Farbton ist, dass er jede Trägerin aufwertet und sowohl tagsüber zur Business-Garderobe funktioniert, als auch abends auf der stylishen Party", erklärt die Douglas-Sprecherin Ackermann.

"Die Farbe ist Ausdruck für Stilbewusstsein"

Waren es früher Accessoires der Kategorie "Dafür würde ich notfalls töten" wie die ganz bestimmte Handtasche von Chloe oder Prada, die Sonnenbrille von Tom Ford oder der neuste Mini Clubman , so ist es heute Nagellack. "Gepflegte Nägel sind ein Muss, die richtige Farbe ein Ausdruck für Stilbewusstsein und Trendempfinden", sagt Uschi Ackermann.

Manchmal setzen Prominente Trends wie Dita von Teese, Heidi Klum oder Viktoria Beckham. Manchmal lösen Schauspielerinnen einen Run auf bestimmte Farben aus, wie Uma Thurman, die mit schrägen Tanzeinlagen und tiefroten Nägeln im Kultfilm "Pulp Fiction" dem "Rouge Noir" von Chanel zu seiner Dauerbrenner-Popularität verhalf. Nicht zu vergessen die schwarzlackierten Nägel der Eurovision-Songcontest-Gewinnerin Lena Meyer-Landruth, die eine Art Edel-Grufti-Look schuf.

Ob der "Particulière" mit seinem anspruchsvollen Namen das Zeug zum Klassiker hat, wird sich herausstellen müssen. "Mit Sicherheit wird es 2011 einen neuen Trend geben", sagt Uschi Ackermann. Jade und Mint sind sehr aktuell und kommen wieder. Rot bleibt. Ackermann: "Rote Nägel sind und werden immer ein Eyecatcher sein, ein ewiger Klassiker. Rote Nägel kommen nie aus der Mode, damit ist man immer angezogen. Sie sind der Inbegriff von Eleganz und Weiblichkeit." Schlechte Zeiten sind dagegen für die bislang so beliebte Französische Maniküre angebrochen. "French", so das Urteil aller Fachleute, "ist ja so was von yesterday". Da hilft dann nur noch umlackieren.

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Gil Eilin Jung, Nagellack-Trends: . In: Legal Tribune Online, 28.07.2010 , https://www.lto.de/persistent/a_id/1031 (abgerufen am: 12.05.2026 )

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