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Museum für gefälschte Markenartikel: Vom Uhu-Kleber bis zum Mercedes-Stern

von Christian Oberwetter

01.12.2012

Museum of Counterfeit Goods Fotos

Bild: Tilleke&Gibbins

Thailand ist bei Urlaubern nicht nur für seine Strände und Kulturschätze bekannt. Auch die Märkte, auf denen Handtaschen von Louis Vuitton und Rolex-Uhren zu günstigen Preisen angeboten werden, vermögen so manchen Touristen zu locken. Eine Kanzlei in Bangkok trug echte und gefälschte Produkte ihrer Mandanten in einer Ausstellung zusammen – ein PR-Gag, der einen Besuch lohnt.

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Bilderstrecke: Museum of Counterfeit Goods

Markeninhaber verfolgen Rechtsverletzungen in Thailand, so gut es geht. Hinter den Fakes steht mittlerweile eine ganze Industrie, der die Kanzlei Tilleke & Gibbins in Bangkok ein Museum widmete: das Museum of Counterfeit Goods. Dort können Besucher ca. 4.000 gefälschte und beschlagnahmte Waren zusammen mit den jeweiligen Originalen besichtigen.

Das 1989 eröffnete Museum zieht Besucher aus aller Welt an. "Meist sind es Juristen und Jurastudenten mit Schwerpunkt im Bereich Intellectual Property. Unter den Besuchern sind aber auch viele Mandanten", erzählt die Pressesprecherin Hathaya Tungkahotara. Obwohl das Museum nicht frei zugänglich ist und interessierte Besucher sich vorher anmelden müssen, kommen ca. 100 Besucher im Monat.

Deutsche Produkte werden gerne gefälscht

Bereits ein erster Blick öffnet die Augen über die Dimension der Fälschungen: Nicht nur Uhren, Taschen und Markentextilien finden sich in den Auslagen. Vielmehr ist die ganze Bandbreite des Marktes ausgestellt: Lebensmittel, alkoholische Getränke, Medikamente, Waren des täglichen Bedarfs und sogar Motorräder. "Die ausgestellte Fake-Ware stammt aus Fällen, in denen wir die Markeninhaber vertreten haben", sagt James Evans, Rechtsanwalt für geistiges Eigentum in der Kanzlei. "Sie haben uns die Ware und die Originale zur Verfügung gestellt."

Deutsche Produkte werden gerne gefälscht: Silberblitzende Leichtmetallfelgen mit dem Mercedes-Stern, Adidas und Puma, aber auch Bleistifte von Staedtler und sogar Uhu-Klebestifte. Lohnt sich das denn überhaupt? "Allerdings", erklärt der Anwalt. "Lebensmittel und Kleinwaren werden an Supermarktketten und Restaurants zum regulären Einkaufspreis verkauft. Die Erwerber glauben ja, es handele sich um Originalprodukte."

In der nächsten Auslage befindet sich eine Flasche Stolichnaya-Wodka. Evans erläutert, dass bei solchen Fälschungen erhebliche Gesundheitsgefahren für den Konsumenten bestünden, da die Ware selbstverständlich keine gesetzlichen Lebensmittelkontrollen durchlaufe.

Gefälschte Ware lässt sich durchaus beim Kauf erkennen. "Zunächst einmal gibt der Ort des Kaufs Aufschlüsse und dann der Preis." Das ist nachvollziehbar. Wer an einem Marktstand Medikamente ersteht, wird sicher nicht die Originalware kaufen, sondern vermutlich gesundheitsgefährdende Fälschungen. Und eine Ray Ban Aviator zu einem Preis von 15 Euro spricht nicht für ein Original. "Das geschulte Auge kann außerdem schon an der Verpackung das Fake-Produkt  erkennen", sagt Evans.

Hinweise auf Markenverletzungen eher von Mandanten als von der Polizei

Die Vitrinen mit den gefälschten Textilien präsentieren ein Bild, das in vielen Straßen Bangkoks und den Touristenzentren Thailands zu sehen ist: T-Shirts von Fred Perry, Adidas, Puma und Lacoste liegen offen nebeneinander. Die Polizei könnte überall durchgreifen.

Hinweise auf Markenverletzungen erhalten die Anwälte in der Regel aber von ihren eigenen Mandanten. Meist geht es um Fabriken, die die Ware herstellen, oder Unternehmer, die ein ganzes Lager unterhalten. "Wir ziehen dann die Polizei hinzu, die zusammen mit uns die Fälscherwerkstätten räumt und die Ware beschlagnahmt", sagt Evans.

Den Mandanten komme es darauf an, die Hintermänner dieser Massenfälschungen zu ermitteln. "Das ist organisierte Kriminalität. Die Fälscher arbeiten mit ähnlich hohen Margen wie Drogenhändler." Im Gegensatz zum Rauschgifthandel, der mit der Todesstrafe geahndet wird, müssten ertappte Fälscher aber lediglich mit einer Geldstrafe rechnen. Das mache die Fake-Industrie für Kriminelle so attraktiv.

Evans: "Natürlich auch ein Marketingeffekt für uns"

Mit dem Museum geht es der Kanzlei darum, das Ausmaß der Fälschungsindustrie deutlich zu machen, und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, welcher Schaden entsteht. "Daneben hat das Ganze natürlich auch einen Marketingeffekt für uns."

Touristen, die sich zum Abschluss ihrer Reise eine Uhr und ein T-Shirt ins Gepäck packen, würden in Thailand kaum von den Ermittler belangt werden. "In ihren Heimatländern ist das eine Frage des nationalen Rechts." Die Touristen, die in ihrem Gepäck fünfzig Uhren hätten, um damit ihre Reise zu finanzieren, gäbe es heute allerdings nur noch selten. "Der Kleinhandel mit gefälschter Ware hat sich in das Internet verlagert. Heute kaufen die Kunden bequem in Online-Shops einen Satz gefälschte Rolex und verkaufen die Ware dann weiter."

In der Hitparade der Fakes belegten Waren, die international gefragt seien, die Spitzenplätze, etwa Designerhandtaschen: "Die sind auf jeden Fall sehr begehrt."

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Christian Oberwetter, Museum für gefälschte Markenartikel: . In: Legal Tribune Online, 01.12.2012 , https://www.lto.de/persistent/a_id/7682 (abgerufen am: 17.03.2026 )

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