Modedesignerin Uli Schneider über den Businesslook 2010: Alternativen zu Seidenbluse und Perlenkette

von Gil Eilin Jung

02.05.2010

Sind Jeans bürotauglich? Muss es immer Perlenkette und Kostüm sein? Stehen sich modischer Zeitgeist und seriöses Auftreten im Weg? Im LTO-Interview verrät die Hamburger Modedesignerin Uli Schneider alles über den Business-Look für Juristinnen in diesem Jahr.

LTO: Frau Schneider, in deutschen Anwaltskanzleien sind Frauen deutlich auf dem Vormarsch. Glaubt man Trendforschern, gehört ihnen die Zukunft. Wie darf eine Anwältin auftreten, ohne als langweilige Kopie ihres Anzug tragenden Kollegen zu erscheinen?

Uli Schneider: Eine Anwältin sollte immer topp gekleidet sein, mit Stil, ihrer Persönlichkeit und dem Anlass entsprechend. In ihrem Metier muss sie einen Auftritt haben, der ihrem Gegenüber Souveränität, Klasse und fachliche Kompetenz signalisiert. Das braucht weder bieder noch asexuell rüberkommen, darf aber nie auffordernd wirken. Sie überzeugen ihre Mandanten mit Stilsicherheit und Understatement. Das schließt ein modisches Gespür nicht aus. Bei Juristinnen gilt fast mehr als bei anderen berufstätigen Frauen: What you see is what you get. Bei einer sehr anspruchsvollen Klientel muss das Image zu 100 Prozent stimmen und dem sollte man auch optisch Rechnung tragen.

LTO: Kommen wir auf den typischen Juristinnen-Einheitslook: Kostümchen, Bluse, Pumps mit kleinem Absatz, Perlenkette...

Uli Schneider: Die weiße Bluse mit Perlenkette und Seidentuch ist ja ein Klischee. Es gibt inzwischen so viele akzeptable Alternativen. Wichtig ist neben hochwertiger Qualität, dass der Schnitt stimmt. Der perfekte Schnitt ist das A und O! Er muss die Haltung, die Figur und das Weibliche optimal ins Licht setzen. Denn Weiblichkeit ist nichts, was im Job versteckt werden müsste.

LTO: Wie sieht für eine Anwältin das perfekte gerichts- und kanzleitaugliche Business-Outfit 2010 aus?

Uli Schneider: Ein gut geschnittener Hosenanzug ist immer richtig, wobei das Jackett nicht unbedingt den Po bedecken muss. Ein schönes Kostüm mit Top oder ein sportlich-elegantes Kleid sind ebenfalls perfekt. Im Sommer kann das ein Polokleid in einer gedeckten Farbe wie Karamell, Schwarz oder Dunkelblau sein, dazu passende Schuhe im selben Farbton oder ein Etuikleid mit Kaschmir-Strickjacke. Anzughosen mit unifarbenem Twinset gehen auch.

LTO: Darf man Haut zeigen? Sind nackte Arme erlaubt?

Uli Schneider: Tiefe Ausschnitte sind natürlich ein NoGo, aber nackte Arme, etwa beim Etuikleid, sind altersabhängig im Hochsommer erlaubt. Das Styling muss nur immer elegant sein, abgestimmt mit edlen Accessoires wie schönen Ketten, schlichten Armbändern aus Leder und Silber, einem schönen Tuch.

LTO: Sind Jeans nach wie vor inakzeptabel im Job, oder gibt es inzwischen Ausnahmen?

Uli Schneider: Jeans sind längst salonfähig geworden, natürlich keine Röhren- oder 5-Pocket-Jeans. Eine junge Anwältin kann in ihrer Kanzlei überzeugend modern und trotzdem seriös rüberkommen, wenn sie schlichte dunkle Jeans trägt, am besten Bootcut, mit leicht ausgestelltem Bein oder einem gemäßigtem Marlene-Schnitt. Dazu kann sie edle Gürtel aus Kroko, Eidechse oder Lack tragen mit einer schönen Schnalle, Seidenbluse, Kaschmir-Twinset oder Blazer.

LTO: Welche Farben darf die Lady in der Business-Klasse tragen?

Uli Schneider: In diesem Sommer ist die gesamte Beigepallette angesagt. Laute, starke und schrille Farben oder Muster gehören ohnehin nicht in eine Kanzlei. Alles, was zu bunt, grell oder großgemustert ist, passt nicht zum Metier. Mit aktuellen Farben wie Pink, Orange oder Gelb kann man Highlights setzen, dann sollte das entsprechende Stück aber ohne Schnickschnack auskommen und extrem edel sein.

LTO: Modische Stolperfalle: Auf was muss eine Anwältin bei Schmuck und Schuhen achten?

Uli Schneider: Die Tendenz geht zu weniger Schmuck, edler Modeschmuck, nicht zu klein, hochwertig. Für Schuhe gilt jede Absatzhöhe bis maximal sieben Zentimeter. Alles darüber hinaus, am besten noch mit Plateau und Zwölf-Zentimter-Hacke, ist indiskutabel. Das untergräbt die eigene Seriosität.

LTO: Wie sexy darf sich eine Anwältin kleiden?

Uli Schneider: Gegen eine subtile Erotik ist nichts einzuwenden, aber mit viel Understatement. Es gilt immer noch: Ein bisschen weniger ist mehr! Dazu gehört auch der richtige Duft. Er sollte leicht sein, dezent und möglichst nicht synthetisch. Natürliche Essenzen entfalten sich auf der Haut angenehmer.

LTO: Gibt es modische No Gos für Anwältinnen auf der Karriereleiter?

Uli Schneider: Peinlich sind Netzstrümpfe mit High Heels, Schleifen, antoupierte Hochfrisuren, dunkellila Nagellack und Gelnägel. Ein Superkleid, das knalleng getragen wird, sieht immer billig aus. Männer wissen, wie Frauen anatomisch beschaffen sind, müssen es aber nicht unbedingt so direkt sehen. Beim Rocksaum gilt: Bis zum Knie oder maximal eine Handbreit darüber. Alles war kürzer ist, ist tabu! Auch zu legere Wallewalle-Sachen gehen weder in der Kanzlei noch zum Business-Lunch, sondern nur nach Feierabend.

Zitiervorschlag

Gil Eilin Jung, Modedesignerin Uli Schneider über den Businesslook 2010: Alternativen zu Seidenbluse und Perlenkette . In: Legal Tribune Online, 02.05.2010 , https://www.lto.de/persistent/a_id/14/ (abgerufen am: 15.02.2019 )

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