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Max Brod: Kafkas Mentor aus der Postdirektion

Ass. jur. Jürgen Seul

27.05.2011

"Brod ist berühmt für das, was er nicht getan hat", befand einmal der Literaturhistoriker Peter Demetz über den jüdischen Schriftsteller Max Brod und spielte damit auf dessen Verdienst an, Franz Kafkas Manuskripte nicht vernichtet zu haben, wie es dieser von ihm gewünscht hatte. Der Jurist wurde am 27. Mai 1884 geboren.

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Während sein eigenes umfangreiches Werk heute fast unbeachtet ist, strahlt Max Brods Name als Herausgeber der Werke seines 1924 verstorbenen Freundes Franz Kafka nach wie vor. Schon 1925 begann er mit der Veröffentlichung von Kafkas Romanfragmenten und ließ in den dreißiger Jahren eine sechsbändige Werkausgabe und eine Biografie Kafkas folgen.

Max Brod wurde am 27. Mai 1884 in Prag als Sohn eines Bankbeamten geboren. Aufgrund eigener schwerer Erkrankungen – unter anderem die Folgen einer starken Rückgratverkrümmung - und bedingt durch die psychische Störung seiner Mutter verlief seine Kindheit problematisch. Nach dem Besuch einer christlichen Grundschule und des Stephan-Gymnasiums studierte er ab Herbst 1902 an der deutschen Karl-Ferdinands-Universität in Prag Jura, daneben auch Musikwissenschaft, Komposition und Klavier. Wie bei vielen Dichterkollegen geschah das Jura-Studium weniger aus Neigung, sondern "dem Willen meines Vaters gemäß".

Die Begegnung mit Kafka

Am 23. Oktober 1902 kam es zu einer für die Literaturgeschichte folgenschweren Begegnung Brods in der Prager "Lese- und Redehalle der deutschen Studenten" mit Franz Kafka. Es war der Beginn einer engen Freundschaft zwischen dem quirligen Brod und dem blassen, schweigsamen Perfektionisten Kafka. Für dessen Vater war der neue Freund seines Sohnes ein "meschuggener Ritoch" –  ein "verrückter Querkopf".

Nach der juristischen Promotion 1907 erhielt Brod eine Anstellung bei der Prager Postdirektion, für die er nur eine mäßige Begeisterung aufbrachte:
"Ich saß im Büro nicht allein, dicht neben meinem Schreibtisch stand der Schreibtisch eines Kollegen, wir arbeiteten in einer der juristischen Abteilungen der Postdirektion […] eine richtige verstaubte, häßliche, unpersönliche Amtslokalität."

Vorteilhaft an der Beamtenstellung war, dass sie Brod genügend Zeit für seine literarischen Ambitionen ließ. Er verfasste Theater- und Musikkritiken, daneben schrieb er historische, im jüdischen Milieu spielende Geschichten, Unterhaltungsromane, autobiographisch gefärbte Novellen aus dem alten Prag sowie religions-und kulturphilosophische und musikwissenschaftliche Schriften.

Mit 24 Jahren veröffentlichte Brod seinen Roman "Schloss Nornepygge", der vor allem in Berliner Literaturkreisen enthusiastisch als Meisterwerk des Expressionismus gefeiert wurde. Als Hauptwerk Brods gilt der Roman "Tycho Brahes Weg zu Gott" (1916), mit dem er berühmt wurde.

Vor allem aber avancierte Brod zum entscheidenden Förderer und Mentor der Werke Kafkas. Immer wieder versuchte er, das zweifelnde Genie Kafka in seinen literarischen Bestrebungen zu unterstützen, und drängte ihn, seine Arbeiten zu veröffentlichen.

Max Brod hat jedoch nicht nur Kafka gefördert, sondern auch die Dichter Franz Werfel und Robert Walser oder den mährischen Komponisten Leos Janácek. Außerdem sorgte Brod dafür, dass Jaroslav Haseks Weltkriegssatire "Der brave Soldat Schwejk" auf Berliner Bühnen gespielt wurde.

Emigration nach Palästina

Brod blieb bis 1924 als Beamter bei der Postdirektion beschäftigt; anschließend wurde er Kulturreferent im Ministerratspräsidium. Als Mitbegründer des jüdischen Nationalrates seines Landes setzte er sich später in seiner Funktion als Vizepräsident auch und vor allem für die Errichtung von jüdischen Schulen ein.

1933 wurde Brod von den Nationalsozialisten auf die erste Liste der verbotenen und verfemten Literatur gesetzt. Als deutsche Truppen im März 1939 Gebiete der Tschechoslowakei besetzten, verließ Brod mit dem letzten Zug, der die tschechisch-polnische Grenze vor der Besetzung passierte, Prag. Er emigrierte nach Palästina.

Erst zehn Jahre nach seiner Emigration begann Brod wieder zu veröffentlichen. Er schrieb u.a. in deutscher Sprache "Galilei in Gefangenschaft" (1948) – was ihm die Kritik jüdischer Nationalisten einbrachte. Sie befanden, dass er besser ein hebräisches Buch geschrieben hätte. Trotzdem wurde er für dieses Werk mit dem Bialik-Preis ausgezeichnet. Es folgten weitere Romane, wie der Jesusroman "Der Meister" (1952), in dem Brod aus jüdischer Sicht die Gestalt Jeshuas vor dem Hintergrund der politischen und geistigen Situation darstellt und Jeshua auf sein ursprüngliches Judesein zurückführt, da er ihn als Menschen und thoratreuen Juden porträtiert.

Einen Großteil seiner Zeit widmete Brod der Musik. Für die deutschsprachige Tageszeitung "Neueste Nachrichten" in Tel Aviv war er jahrelang als Musikkritiker tätig. Und mit dem Komponisten Alexander Uriah Boskovitch schuf er Werke im "volkstümlichen Sinne" sowie einige klassische längst vergessene Werke.

Mit Beginn der fünfziger Jahre reiste Brod jährlich nach Europa, um Vorträge zu halten, an Theateraufführungen teilzunehmen und um junge Künstler zu treffen. Seine Heimat betrat er erst 1964 wieder, als er in Prag vor Hunderten von Lesern und Freunden von Kafkas Werk die literarische Szene seiner Vaterstadt betrat. Er hielt einen Vortrag in tschechischer Sprache im Festsaal des Klosters Strahov. Für manche Zeitgenossen stellte dieser Auftritt ein Vorzeichen des Prager Frühlings von 1968 dar.

Brod wandte sich stets gegen jene Stimmen in Israel, die gegen eine Versöhnung mit Deutschland waren. "Vergessen kann man freilich nie, was geschehen ist." Doch müsse man zugeben, so Brod, dass in Deutschland vieles getan werde, um Strömungen, die einst zum Nazismus führten, nie wieder aufkommen zu lassen.

Max Brod starb am 20. Dezember 1968 in Tel Aviv.

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Jürgen Seul, Max Brod: . In: Legal Tribune Online, 27.05.2011 , https://www.lto.de/persistent/a_id/3384 (abgerufen am: 12.03.2026 )

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