Eigentlich wollte sie Rechtsanwältin für Steuer- und Gesellschaftsrecht werden. Jetzt ist Anke Gimbal Geschäftsführerin des Deutschen Juristinnenbunds. Sie erzählt von ihrer größten Herausforderung und hat einen Stylingtipp für Deniz Undav.
Anke Gimbal ist seit 2002 Geschäftsführerin des Deutschen Juristinnenbunds e.V. (djb) und von Amts wegen Mitglied des Präsidiums bzw. des Bundesvorstands mit beratender Stimme. Sie hat unter anderem die djb-Projekte "Juristinnen in der DDR", "Jüdische Juristinnen" und "100 Jahre Frauen in juristischen Berufen" realisiert.
Anke Gimbal wurde von Prof. Dr. Dana-Sophia Valentiner für LTO Most Wanted nominiert.
Mein Getränk und meine Bar:
Wasser und Wein, schließlich bin ich in Mainz aufgewachsen. Bar: Tante Käthe – Betreutes Fußballschauen im Berliner Mauerpark.
Ein Song, ein Buch, ein Ort:
"Viva la Vida" von Coldplay bringt mich immer wieder auf den Teppich bzw. versetzt mich in die Lage, eine Sache mit Abstand zu betrachten.
"Das siebte Kreuz" von Anna Seghers hat mein Deutschlehrer Anfang der 1980er Jahre in der Oberstufe besprochen, kann man immer wieder lesen. Derzeit liegt „Alle meine Mütter“ von Lena Gorelik auf dem Tisch und wartet, dass ich Zeit für das Buch habe.
Mich zieht es immer wieder und wieder in die Ägäis.
Mein Wunschtransfer für den BVB:
Deniz Undav würde schwarz-gelb sicher sehr gut stehen. Leider hat er in der letzten Saison seinen bestehenden Vertrag mit einem anderen Club verlängert.
Mein typischer Freitag:
Den Tag verbringe ich im Büro mit Aufräumen – Check der To-do-Liste, abarbeiten, was liegen geblieben ist, insbesondere E-Mails. Wenn nicht gerade Bundesvorstandssitzungen sind, bemühe ich mich, freitags um 17 Uhr zu Hause zu sein. Nachdem die Kinder in andere Städte gezogen sind, bin ich da aber nicht mehr so diszipliniert.
Warum Jura?
Nach mehreren Jahren Job in einem Anwaltsbüro, um mein erstes – naturwissenschaftliches – Studium zu finanzieren, wollte ich das auch sein: Rechtsanwältin mit Schwerpunkt Steuer- und Gesellschaftsrecht. Auf dem Weg dahin bin ich, vor allem auch wegen meines weiteren Jobs am Institut für Politikwissenschaft der Mainzer Universität, von diesem Weg abgekommen. Rechtspolitik – Menschenrechte, Verfassungsrecht und (Geschlechter-)Gerechtigkeit – motivieren mich bis heute, meinen Job zu machen.
Mein Job, erklärt in maximal 250 Zeichen:
Organisation und Kommunikation im Zusammenspiel von Haupt- (Personal Geschäftsstelle) und Ehrenamt (Bundesvorstand, Arbeitsgruppen, Netzwerke) sowie aktuell ca. 6.500 Mitgliedern, die in Landesverbänden und Regionalgruppen organisiert sind.
Das erste juristische Problem, das mich heute beschäftigt hat:
Der Check, ob wir in Sachen Arbeitssicherheit (Ersthelfende, Brandschutz, Gefährdungsbeurteilungen usw.) in der djb-Geschäftsstelle auf dem neuesten Stand sind.
Was ich an meiner Arbeit mag und was mich nervt:
Es wurde und wird nie langweilig und das ist gut. Die Vielseitigkeit meiner Arbeit hat mich die Jahre über bei der Stange gehalten. Zum einen wechseln die ehrenamtlich tätigen Kolleginnen, zum anderen die Projekte und weiteren Herausforderungen wie z.B. die enorme (auch coronabedingte) Weiterentwicklung von IT. Es nervt, über Jahrzehnte dieselben Dinge zu fordern, wie etwa die Abschaffung des Ehegattensplittings.
Die bisher größte Herausforderung in meiner Karriere:
Das war wohl das djb-Projekt "European Women Shareholders Demand Gender Equality", das von 2014 bis 2016 von der Europäischen Kommission in einem für den djb vergleichsweise großen Umfang finanziell gefördert wurde. Die Verantwortung für dieses Budget hat mich einige schlaflose Nächte gekostet. Glücklicherweise haben meine beiden inhaltlich verantwortlichen Kolleginnen die vielen Juristinnen in den 12 beteiligten EU-Staaten motiviert und die Fäden zusammengehalten. 100 Aktionärsversammlungen wurden EU-weit besucht, um den zu Beginn noch äußerst geringen Frauenanteil bei den Führungspositionen in Unternehmen zu thematisieren.
"Aktionärinnen fordern Gleichberechtigung" war das deutsche djb-Projekt von 2009 bis 2014. Die Aktionen waren von Erfolg gekrönt, denn 2015 trat schließlich das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst (FüPoG) in Kraft und Ende 2022 auch die Führungspositionen-Richtlinie der Europäischen Union.
Die Person, die mich beruflich am stärksten geprägt hat:
Alle "meine" Präsidentinnen des djb und viele weitere Kolleginnen. Sehr unterstützt und gefördert haben mich auch Prof. Dr. Werner Weidenfeld (Leiter) und Josef Janning (Stellv. Leiter) der Forschungsgruppe Europa am Institut für Politikwissenschaft der Universität Mainz, in der ich Anfang der 1990er-Jahre mitarbeiten durfte.
Was Künstliche Intelligenz für meine Arbeit bedeutet:
Ich habe die Hoffnung, dass KI die verwaltenden Tätigkeiten in naher Zukunft sehr erleichtert. Derzeit probieren wir verschiedene Möglichkeiten aus.
Ein Paragraf, den ich gerne ändern oder streichen würde:
§ 21 Nr. 3 Personenstandsgesetz – steckt Menschen von Geburt an in eine Schublade, die oft nicht passt und die bei der Mehrheit, insbesondere Frauen, zu Benachteiligungen und schlechteren Chancen führt.
Zwei Ideen für eine Reform der juristischen Ausbildung:
An vielen juristischen Fakultäten müssen Studierende schriftliche Prüfungen unter ihrem Klarnamen ablegen, und zwar selbst im unmittelbar examensrelevanten Schwerpunktstudium. Das kann zu ungleichen Bewertungen und zu sexistischen, rassistischen oder klassistischen Diskriminierungen führen, denen mit konsequenter Anonymisierung vorgebeugt werden könnte.
Mehr als 100 Jahre nach Zulassung der Frauen zu den juristischen Berufen enthalten Ausbildungsfälle weiterhin sexistische Stereotype. Prüfende sollten daher zu Schulungen und Fortbildungen verpflichtet werden, u.a. mit Anti-Bias-Training und der Vermittlung von gender- und diskriminierungssensibler Prüfungsdidaktik.
Eine Vorlesung, die Jura-Studierende auf keinen Fall schwänzen sollten:
Rechtsgeschichte – warum diese uns viel zu sagen hat, drückte Helmut Kramer 2006 so aus: “Was ist von Juristen zu erwarten, die von rechtshistorischen Kenntnissen unbeschwert sind, die in keinem rechtsphilosophischen Seminar über ”Gerechtigkeit", “Rechtsgeltung” oder den Unterschied zwischen Recht und Moral nachdenken konnten? Auch nicht darüber, dass in jedem Staat, auch in der Demokratie, bisweilen auch Widerspruch angemeldet werden muss? Werden diese Juristen den Zumutungen eines neuen autoritären Regimes widerstehen?"
Diese Juristin oder diesen Juristen müssen die LTO-Leser kennenlernen:
Özge İnan, sie ist Juristin, Journalistin und Autorin zu Themen wie Recht und Gerechtigkeit. Kürzlich erhielt sie den Medienpreis – Nachwuchspreis – des Deutschen Anwaltvereins. In ihrer Rede forderte sie die Anwaltschaft auf, politisch zu sein. Sie selbst ist es schon – und schaut sich unsere Gesellschaftsordnung mit ihren Ungerechtigkeiten genau an.
Mehr Most Wanted? Tom Braegelmann | Incoronata Cruciano | Joachim Ponseck | Marc Roberts | Maximilian Riege | Fatima Hussain | Anne Graue | Victoria Fricke | Ann-Kathrin Ludwig | Stephanie Beyrich | Christiane Eymers | Martina Rehman | Martina Flade | Saskia Schlemmer | Marco Buschmann | Neda Wysocki | Anosha Wahidi | Gregor Gysi | Dirk Wiese | Konstantin von Notz | Sabine Stetter | Katharina Humphrey | Jutta Otto | Hanno Kunkel | Alfred Dierlamm | Mohamad El-Ghazi | Jan Philipp Albrecht | Helene Bubrowski | Ali B. Norouzi | Naila Widmaier | Andrej Umansky | Tijen Ataoğlu | Philippos Botsaris | Ralf Leifeld | Holger Dahl | Herta Däubler-Gmelin | Volker Römermann | Jerry Roth | Sebastiaan Moolenaar | Eckart Brödermann | Dominique Grüter | Vivian Kube | Vera Keller | Ronska Grimm | Laurent Lafleur | Kristin Pfeffer | Christina Gassner | Sonja Detlefsen | Lydia Eppler | Charlotte D'Agostino | Natalie Ferdinand | Anika Schürmann | Katharina Landes | Kristin Brocker | Henning Kölsch | Adrian Haase | Inka Brunn | Anna Lissner | Vanessa Pickenpack | Hanna Schmidt | Jennifer Oellig | Gerd Kiparski | Reto Mantz | Jan Spoenle | Sina Dörr | Isabelle Biallaß | Christian Walz | Jannina Schäffer | Anja Schiemann | Susanne Beck | Georgia Stefanopoulou | Die Übersicht mit allen bisher veröffentlichten Ausgaben finden Sie hier.
Köpfe: . In: Legal Tribune Online, 31.07.2026 , https://www.lto.de/persistent/a_id/60546 (abgerufen am: 08.08.2026 )
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