Kölner Karnevalsprinz Marc I.: Ein Anwalt regiert die Dom­stadt

von Hasso Suliak

01.03.2019

Seit Anfang Januar ist Prinz Marc I. der höchste Repräsentant von Köln. Zum Höhepunkt der Karnevalssaison reiht sich für ihn jetzt ein Termin an den anderen. Ab kommenden Donnerstag sitzt er dann wieder in seiner Kanzlei.

Am kölschen Wieverfastelovend (zu hochdeutsch: Weiberfastnacht) geht es für Prinz Marc I. auf die Zielgerade. Für ihn und die beiden anderen Protagonisten des Kölner Dreigestirns (Bauer Markus und Jungfrau Katharina) hat die dritte Phase der Karnevalssession begonnen: der Straßenkarneval. An gestrigen Donnerstag waren es allein 23 Orte, die der Prinz samt Gefolge besuchte.

Früh morgens ging es los mit einem Radiointerview, am Vormittag empfing Oberbürgermeisterin Henriette Reker das Dreigestirn im Historischen Rathaus und als LTO "seine Tollität" am Nachmittag am Telefon erreichte, hatte Marc I. – anders wohl als die meisten feiernden Karnevalisten in der Stadt – sage und schreibe erst drei kleine Kölsch getrunken. "Als Prinz muss ich ja noch auf die Bühne und in den meisten Fällen reden – da sollte man schon nüchtern sein", sagt er.

Mit Alkohol, zumindest am Steuer, dürfte sich Marc I. trotzdem gut auskennen. Denn in seinen Leben abseits der jecken Zeit ist der 34-Jährige Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verkehrsrecht, seit November 2017 auch ADAC-Vertragsanwalt. Als Sprecher des Ausschusses Verkehrsrecht engagiert er sich zudem im Kölner Anwaltsverein.

Michelske, so sein Nachname, der in der Rolle des Prinzen traditionsgemäß zurücksteht, ist im Übrigen, wie man so schön sagt, "ne waschechte kölsche Jung". Heißt: in Köln geboren. Auch Rechtswissenschaften hat er dort studiert. Doch obwohl er Kölner durch und durch ist: Der dreifache Familienvater musste im Hinblick auf seine Regentschaft als Prinz tatsächlich Kölsch-Unterricht nehmen: "Ich spreche rheinischen Dialekt, die Redebeiträge auf der Bühne sollen aber in sauberem Kölsch gesprochen werden", sagt er gegenüber LTO.

Kind des Karnevals - und der Juristerei

Michelske ist ein "Kind der Juristerei", wie er sagt: Gemeinsam mit Vater Egon und einem weiteren Kollegen betreibt er seine Rechtsanwaltskanzlei; ein Fachanwalt für Familienrecht komplettiert die Bürogemeinschaft. "Meine Eltern haben die Kanzlei gemeinsam aufgebaut; meine Geschwister und ich sind dort quasi groß
geworden. Schon als Kind sei er "von der Vielfalt der anwaltlichen Tätigkeit" begeistert gewesen.

(c) www.kanzlei-michelske.de

Doch nicht nur Jura, auch der Karneval wurde dem regierenden Prinzen in die Wiege gelegt: Seine Ururgroßeltern väterlicherseits waren Gründungsmitglieder der ehrenwerten Kölner "Lesegesellschaft von 1872", seine Eltern haben sich dort im Teenageralter sogar kennengelernt. Die Lesegesellschaft zu Köln, liebevoll kurz "Lese" genannt, ist eine Institution in Köln. Sie nimmt seit dem Tag ihrer Gründung am gesellschaftlichen Leben ihrer Heimatstadt Köln teil und gestaltet es aktiv mit, so ihr Anspruch.

Die Idee der Gründerväter, kulturelles Leben ernsthaft mit dem kölschen Vergnügen zu verbinden, ist auch heute noch das primäre Ziel der Lese, heißt es auf der Website. Prinz Marc I. ist in der Lese seit 2005 Mitglied, mittlerweile auch im Vorstand - und darüber hinaus natürlich auch in diversen anderen Karnevalsgesellschaften aktiv. Im Karnevalsverein "Schlenderhaner Lumpe" vereint er als Justiziar Brauchtum und Beruf miteinander.

Ornat statt Anwaltsrobe

Seine Anwaltsrobe hat der Verkehrsrechtler spätestens seit seiner Inthronisierung Anfang des Jahres gegen den sogenannten Ornat eingetauscht, wie man das Gewand des Karnevalsprinzen nennt. Seither hat er weit mehr als 400 Termine wahrgenommen, darunter natürlich viele Karnevalssitzungen. Aber "de Prinz kütt" auch zu Besuch in Seniorenwohnheimen oder – wie am vergangenen Mittwoch – in das Kölner Frauengefängnis, die JVA Ossendorf.

Dass seine Anwaltstätigkeit – wie auch seine Präsenz in der Familie – seit Monaten karnevalsbedingt mehr oder weniger ruht, nimmt Michelske selbst wie auch seine Mitarbeiter in der Kanzlei gelassen. Aus ihr heißt es auf Nachfrage, dass man ihn dort in den letzten Wochen "eher weniger" gesehen habe. LTO gegenüber erklärt Marc I., dass die Mandanten für seine Prioritäten in diesen Tagen überwiegend Verständnis zeigten – und bei unaufschiebbaren Terminen würden notfalls Vater Egon oder der Kollege einspringen.

Sorgen also, dass durch sein Karnevalsengagement Mandantschaft verloren gehen könnte, muss sich der Verkehrsrechtler somit eher nicht machen. Im Gegenteil. Der zur jecken Zeit durch die Domstadt tourende Prinz dürfte während des Karnevals halb Köln kennengelernt haben. Und wer würde sich nach Aschermittwoch etwa nicht am liebsten von einem Prinzen a.D. anwaltlich vertreten lassen?

Zitiervorschlag

Kölner Karnevalsprinz Marc I.: Ein Anwalt regiert die Domstadt . In: Legal Tribune Online, 01.03.2019 , https://www.lto.de/persistent/a_id/34153/ (abgerufen am: 20.03.2019 )

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