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Kabellos aufladen: Ein Standard für die Freiheit

Witold Pryjda

05.08.2010

Palm Touchstone

Palm Pixi Plus auf dem kabellosen Ladegerät Touchstone, Bild: palm.com

Ein Standard muss her! Das war lange Zeit der Schlachtruf, wenn es um kabelloses Aufladen von Handys und anderen technischen Geräten ging. Nun ist es so weit: Unter dem Namen Qi hat die Branche – darunter die Handy-Produzenten selbst – nun allgemeine Spezifikationen festgelegt. Damit scheint das Ende des Ladekabels besiegelt.

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Es war schon immer ein wenig absurd. Das Handy, das Symbol für grenzenlose Mobilität, hatte stets eine Fußfessel aus dem vorigen Jahrhundert: das Stromkabel. Fast jeder kennt die verzweifelte Suche nach passendem Ersatz, die einem "Oh mein Gott, ich habe mein Ladegerät vergessen!"-Ausruf folgt.

Die Technologie, Strom kabellos zu übertragen, existiert allerdings seit langem. Man kennt sie vor allem von elektrischen Zahnbürsten, auch für Mobiltelefone bieten einige Zubehör-Hersteller inzwischen Lösungen zum kabellosen Aufladen an.

In der Praxis funktioniert das derzeit so: An den Strom-Anschlussstecker des Handys wird ein Adapter angesteckt, meist ist dieser gleich in einer Schutzhülle eingebaut. Man legt das Mobiltelefon auf eine Spezial-Matte, die am Strom hängt. Über Matte und Adapter wird der Akku geladen. Allerdings handelt es sich bei den "Schutzhüllen" um recht klobige Vertreter ihrer Art und nicht etwa um jene hauchdünne Überzuge aus Kunststoff, die viele nutzen.

So funktioniert Induktion

Das physikalische Prinzip, das hier zur Anwendung kommt, heißt (elektromagnetische) Induktion oder Resonanz: Im Ladegerät steckt eine Sendespule, die elektromagnetische Energie erzeugt. Diese "treibt" die im Gerät eingebaute Empfängerspule an, die so übertragene Energie lädt schließlich den Akku.

Klingt einfach und ist es eigentlich auch. Es gibt allerdings einige schwerwiegende Hindernisse, die bisher im Wege standen, dass sich diese Technik auf breiter Ebene durchsetzt. Wie bereits erwähnt, ist die Adapterlösung alles andere als elegant. Das lässt sich aber verhältnismäßig leicht beheben, indem man die Empfängerspule bereits fix in das Akku integriert. Die US-Firma Powermat hat noch für dieses Jahr eine derartige Energiezelle angekündigt, die sich mit derzeit gängigen Mobiltelefonen nutzen lässt. Der Handy-Hersteller Palm hat für sein Smartphone Pre ein eigenes System namens Touchstone entwickelt und auch schon herausgebracht.

Bisher kochten also alle ihr eigenes Süppchen, was nicht gerade kundenfreundlich war. Ein gemeinsamer Standard fehlte bisher, Kompatibilität: Fehlanzeige. Obwohl die kabellosen Lade-Systeme nach demselben Prinzip arbeiten, kann man beispielsweise sein mit Adapter(hülle) bestücktes Handy nicht auf die Ladematte eines anderen Herstellers legen, da dieses meist mit einer anderen Frequenz arbeitet.

Ha… Chi!

Seit kurzem ist aber viel Bewegung in die Sache gekommen: Es hat sich ein Konsortium gebildet, das sich auch aus den meisten namhaften Handy-Herstellern (Apple fehlt allerdings) zusammensetzt. Das Wireless Power Consortium hat seine Arbeit Ende 2008 aufgenommen und dieser Tage die ersten Spezifikationen veröffentlicht.

Der künftige Standard für kabelloses Laden heißt "Qi", das im Deutschen oft Chi geschrieben und wie "Tschi" ausgesprochen wird. Qi legt als Obergrenze für diese Übertragungsart eine Leistung von 5 Watt fest (Zum Vergleich: Bei Stromversorgung mittels USB wird etwa die Hälfte übertragen, also etwa 2,5 Watt). Kleingeräte wie Handy oder MP3-Player lassen sich damit problemlos aufladen, für Notebook & Co. reicht das aber nicht.

Obwohl das Prinzip der Induktion schon im Jahr 1831 von Michael Faraday erfunden worden ist, hat es sich bisher auch aus einem anderen Grund nicht durchgesetzt: mangelnde Effizienz. Zu viel Energie geht bei dieser Übertragung verloren, sie verpufft quasi in der Luft. Doch gerade dieser Punkt ist einer der zentralen von Qi: Das Konsortium für kabellosen Strom hat als Wirkungsgrad mindestens 70 Prozent festgeschrieben. Allerdings bezieht sich dieser Wert auf den Vergleich mit dem (Kupfer-)Kabel. Rechnet man die Verluste des Netzteiles mit ein (die bei beiden Lösungen auftreten), kommt kabellos letztendlich etwa die Hälfte des Stroms im Akku an.

Allerdings, so argumentieren die Verfechter des kabellosen Aufladens, sei das kein ökologischer Fehltritt, da die Umwelt an anderer Stelle geschont werde, etwa weil ein universelles System die Produktion neuer Ladegeräte überflüssig mache.

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Witold Pryjda, Kabellos aufladen: . In: Legal Tribune Online, 05.08.2010 , https://www.lto.de/persistent/a_id/1155 (abgerufen am: 15.02.2026 )

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