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Phantombücher revisited: Wie Datenmüll die juristische Alltagsarbeit erschwert

von Prof. Dr. Roland Schimmel

15.01.2013

Vorläufiges Ergebnis – und: Phantombücher 2013

Am seinerzeitigen Befund hat sich also nach zwei Jahren fast nichts geändert. Bei nur drei Buchtiteln ist dieses Ergebnis aber alles andere als repräsentativ. Damit die Datenbasis bei der nächsten Bestandsaufnahme in zwei Jahren etwas breiter ist, kommen hier vier ausgewählte weitere Phantombücher:

4. In die Reihe der Beispiele passt gut Wolfgang Naucke / Regina Harzer, Rechtsphilosophische Grundbegriffe, 6. Auflage München wann-auch-immer. Angekündigt war diese Neuauflage erstmals für November 2008; seinerzeit sollte sie 18 Euro kosten und etwa 200 Seiten stark sein. Mittlerweile ist der Seitenumfang auf ca. 150 geschrumpft und der Preis auf 20 Euro gestiegen. Was aber nichts zu bedeuten hat, weil das Buch gleichwohl nicht erschienen ist. Angekündigt ist es aktuell für das 2. Halbjahr 2013. Lehrbücher der Rechtsphilosophie veralten nicht von einem Tag auf den anderen; warum also nicht einfach die Vorauflage lesen? Weil sie vergriffen ist. Das ist misslich für die Studenten, die sich mit einem Alternativprodukt begnügen müssen. Vielleicht kommen ja bessere Zeiten.

5. Der Klassiker auf seinem Gebiet ist wohl immer noch Karl Larenz Methodenlehre der Rechtswissenschaft. Die von Claus-Wilhelm Canaris bearbeitete 3. Auflage der Studienausgabe 1995 hat zwar einen Nachdruck erlebt (2008), aber die seit 2008 jährlich angekündigte 4. Auflage wird immer wieder verschoben, derzeit auf 2014. Wer im KVK sucht, findet gleichwohl etliche (in Wirklichkeit nur: bestellte) Exemplare.

6. Schon für 2011 angekündigt (etwa in der DNB) war auch Artur Axel Wandtke / Winfried Bullinger, Praxiskommentar zum Urheberrecht, 4. Auflage München. Der vorhergesagte Erscheinungstermin liegt jetzt im 2. Quartal 2013. Man wird sehen.

7. Sachte Resignation seitens des betreuenden Lektorats schwingt mit bei Karl August Prinz von Sachsen Gessaphe, Rechtsvergleichung, ursprünglich München 2006. Hier ist der angekündigte Erscheinungstermin mittlerweile verschoben auf 2015 (gleichwohl wirbt beck-shop.de sachte ironisch mit: Jetzt vorbestellen!). Vielleicht ist das aber auch verhaltener Optimismus: Wer als Verleger so langen Atem beweist, rechnet mit einem großen Wurf. Die Studienanfänger dieses Jahres dürfen also auf ein gründlich vorbereitetes Lehrbuch hoffen, wenn sie nach vier oder fünf Semestern Rechtsvergleichung als Wahlfach belegen.

Solche Vorlaufzeiten sind keine Ausnahme, wie das ehrgeizig auf sechs Bände angelegte Handbuch Kulturgüterschutz und Kunstrestitutionsrecht von Michael Anton zeigt. Dessen erste drei Bände sind 2010 erschienen. Für die Bände 4, 5 und 6 gab der Verfasser zuerst als Erscheinungstermin 2010 (JR 2010, 415), zuletzt noch 2011 an, der Verlag De Gruyter dagegen derzeit März 2014, Dezember 2014 und Dezember 2015. Hut ab vor so viel Präzision!

Zitiervorschlag

Roland Schimmel, Phantombücher revisited: Wie Datenmüll die juristische Alltagsarbeit erschwert . In: Legal Tribune Online, 15.01.2013 , https://www.lto.de/persistent/a_id/7964/ (abgerufen am: 05.08.2020 )

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Kommentare
  • 30.01.2013 16:47, Denis Basak Basak

    Nur ergänzend sei angemerkt, dass der StGB-Kommentar von Matt/Renzikowski inzwischen ganz real und in freier Wildbahn als echtes gebundenes Buch existiert - auch wenn es tatsächlich lange gedauert hat...