Druckversion
Dienstag, 6.10.2026, 02:10 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/feuilleton/f/ipad-alternativen-es-muss-nicht-immer-apple-sein
Fenster schließen
Artikel drucken
340

iPad-Alternativen: Es muss nicht immer Apple sein

Witold Pryjda

23.04.2010

WePad

Die Spannung vor Erscheinen des iPads war groß. Nun ist Apples schicker Finger-Computer, der Internet, E-Books, Musik und Filme abspielen kann, zumindest in den USA auf dem Markt. Inzwischen schläft die Konkurrenz nicht und entwickelt eigene Tablet-Rechner. Einige sind schlichte Kopien, andere bringen eigene Ideen mit. 

Anzeige

Wie so oft kann man vor der Marketing-Abteilung von Apple nur den Hut ziehen: Wochenlang hielt das Unternehmen die iPad-Euphorie am Kochen – und das obwohl zunächst keiner sagen konnte, ob Apples per Finger bedienbare Multimediaflunder, diese Mischung aus Smartphone und Laptop, tatsächlich nützlich und sinnvoll ist. Der "Habenwollen"-Faktor zählte.

Ostersamstag hatte der iPad dann seinen langersehnten Markteintritt in den USA. Allein in der ersten Verkaufswoche gingen rund 500.000 Stück des Tablet-Computers über die Ladentheke. Das iPad kann gar nicht so schnell geliefert werden, wie es die Käufer haben möchten. Der Verkaufsstart außerhalb der USA wurde bereits von Ende April auf Ende Mai verschoben. 

Laut Berechnungen von Analysten soll Apple im ersten halben Jahr etwa fünf Millionen iPads absetzen. Alles deutet auf einen Erfolg hin, es gibt aber wohl etliche potenzielle Kunden, die mit einem Kauf noch zögern, weil Langzeiterfahrungen fehlen. Vielleicht warten sie auch auf die Konkurrenz, die in naher Zukunft ähnliche tragbare Rechner herausbringen will, die durchaus interessant sind.

Microsofts "digitales Tagebuch" mit Gestensteuerung

Allen voran Microsoft: Der Redmonder Konzern ist ein alter Bekannter in Sachen Tablet-PC. Seit Jahren versucht er, digitale Notizbücher bzw. die passende Software salonfähig zu machen - bloß kaufen wollte sie bisher niemand. Jetzt scheint ausgerechnet Erzfeind Apple dem Konzept zum Durchbruch zu verhelfen.

Microsoft entwickelt gleich zweigleisig. Zum einen soll das bestens aufgenommene Windows 7 auch auf Tablet-Computern von Drittanbietern, etwa dem Slate von HP, als Betriebssystem zum Einsatz kommen. Zum anderen - und das ist das wesentlich spannendere Projekt - entwickelt Microsoft den "Courier". Das Gerät besitzt zwei vertikale Bildschirme und wird wie ein Buch gehalten. Die Positionierung als E-Reader ist da natürlich offensichtlich.

Doch Microsoft will mehr: Bedient wird das "digitale Tagebuch" durch Gestensteuerung, aber auch per Stift. Statt eine Tastatur einzublenden wird mit Handschrifterkennung gearbeitet. Die ersten Videos sehen vielversprechend aus, vor allem was Zeit- und Projektmanagement betrifft. Man schreibt wie auf Papier, kann die Einträge aber kopieren, bearbeiten und sie via Web für andere Nutzer freischalten.

HP Slate ist Netbook ohne Tastatur

Wo Apple und Microsoft am Werk sind, darf Google nicht fehlen. Ein eigenes Gerät ist vom Suchmaschinenriesen aber nicht zu erwarten. Nachdem sich das neue Google-Handy Nexus One in den USA nur schleppend verkauft, dürfte man künftig etwas zurückhaltender sein. Was aber nicht bedeutet, dass Tablet-Rechner kein Thema sind. Analog zum erfolgreichen Handy-Betriebssystem Android entwickelt Google gerade "Chromium", das die Software-Basis für künftige Modelle darstellen soll.

In direkte Konkurrenz zum iPad tritt derzeit vor allem HP: Der Slate mit Windows 7 soll im Sommer auf den Markt kommen, unbestätigten Meldungen zufolge zum Preis von 400 Euro. Die anvisierte Zielgruppe dürfte sich mit jener von Apple decken: Der HP Slate wird als multimediales Lifestyle-Gerät positioniert. Besonders gerne hebt HP die Tatsache hervor, dass Slate (im Gegensatz zum iPad) Flash abspielt und der User somit Zugang zum "ganzen Internet" habe.

Ein nicht unberechtigter Seitenhieb, allerdings wird HP nur schwer leugnen können, dass das Gerät im Grunde ein Netbook ohne Tastatur ist. Nicht automatisch ein Nachteil: Ein Windows-Tablet hat zwar kein maßgeschneidertes Betriebssystem, dafür laufen darauf aber alle Programme, die man auf dem Desktop-Rechner nutzt.

Anzeige

Deutsche Firma setzt auf das WePad

Auch ein deutscher Hersteller will etwas vom Apfelkuchen abhaben: Die Berliner Firma Neofonie GmbH will eine eigene Tablet-Variante auf den Markt bringen. Dass man sich am Apple-Vorbild orientiert, verrät schon der Name: Das Gerät heißt WePad. Es ist deutlich größer, das Display misst 11,7 Zoll (iPad: 9,7 Zoll). Als Betriebssystem dient ein angepasstes Linux, das mit Android-Anwendungen kompatibel ist und somit auch Zugang zum Google Marketplace für Apps bietet.

Ursprünglich hatte Neofonie angekündigt, mit dem WePad auf den Markt zu kommen, bevor die ersten iPads in Deutschland ausgeliefert werden. Doch es ist zweifelhaft, ob daraus etwas wird. Am 12. April zeigte das Unternehmen ein erstes Gerät bei einer Pressekonferenz, konnte es aber nicht vorführen, weil die Betriebssoftware fehlte. Die offizielle Premiere wurde auf den 26. April verschoben.

Weitere iPad-Nachahmer sind auch von etlichen asiatischen Herstellern zu erwarten. Dabei ist nicht mal sicher, ob Tablet-PCs tatsächlich Verkaufserfolge werden. Sie können immer noch floppen.

Der Autor lebt und arbeitet als freier Journalist in Berlin. Zwischen 1996 bis 2009 war Witold Pryjda u. a. als Redakteur für Digital-Lifestyle-Themen bei der Kleinen Zeitung in Graz und beim Internet-Magazin Tomorrow tätig.

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Witold Pryjda, iPad-Alternativen: . In: Legal Tribune Online, 23.04.2010 , https://www.lto.de/persistent/a_id/340 (abgerufen am: 06.10.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Apple
    • Tablets
Das Bild zeigt verschiedene App-Symbole auf einem iPhone, einschließlich des App Stores, der im Kontext des DMA wichtig ist. 25.09.2025
Apple

Mehr Pornografie und Malware auf iPhone und iPad?:

Apple stört sich am DMA, EU-Kom­mis­sion bleibt gelassen

Apple sieht sich durch den Digital Markets Act benachteiligt. Der sorge nicht für mehr Wettbewerb, sondern für schlechtere Geräte. Die EU-Kommission gibt Kontra.

Artikel lesen
Frau mit Apple Watch 26.08.2025
Greenwashing

LG Frankfurt entscheidet über Greenwashing-Klage:

Apple Watch darf nicht als CO2-neu­tral beworben werden

Die Deutsche Umwelthilfe hat einen Erfolg gegen Apple eingefahren: Das LG Frankfurt am Main untersagte dem US-Konzern, seine Smartwatch in Deutschland als CO2-neutral zu bewerben. Dies sei irreführend. In einem anderen Punkt siegte Apple.

Artikel lesen
Die Apple Watch Series 9 steht im Fokus von Kritik bezüglich ihrer Klimaneutralitätsansprüche. 03.06.2025
Apple

LG Frankfurt a.M. sieht Werbeaussagen von Apple kritisch an:

Apple Watch doch nicht kli­ma­neu­tral?

Apple bewirbt einige seiner Produkte als klimaneutral, unter anderem auch das Apple Watch. Auf eine Klage der Deutschen Umwelthilfe hin befasst sich das Landgericht Frankfurt am Main mit der Frage. Die Richter äußern erhebliche Zweifel.

Artikel lesen
Apple 23.04.2025
EU-Kommission

EU-Kommission:

700 Mil­lionen Euro Strafe für Apple und Meta

Brüssel knöpft sich mal wieder US-Techfirmen vor und verhängt Strafen gegen Apple und die Facebook-Mutter Meta. Zum ersten Mal wird eine Strafe unter dem neuen Digital Markets Act verhängt. Doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

Artikel lesen
Frau hält iPhone in den Händen 28.01.2025
Apple

Verhandlung vor dem BGH deutet Sieg für BKartA an:

Apple wehrt sich gegen stren­gere Wett­be­werbsauf­sicht

Muss das Tech-Unternehmen Apple strenger beaufsichtigt werden oder nicht? Das Bundeskartellamt sieht eine marktübergreifende Stellung, Apple wehrt sich dagegen vor dem BGH. Doch das könnte eng werden, zeigte die Verhandlung.

Artikel lesen
Die beliebten Apple AirPods 22.01.2025
Strafprozess

Prozessbeginn vor dem LG Düsseldorf:

Ange­klagte schef­felten 93 Mil­lionen Euro durch Air­Pods-Handel

In Düsseldorf ist der Prozess gegen drei Männer gestartet, die durch ein sogenanntes Umsatzsteuerkarussell 93 Millionen Euro Steuern hinterzogen haben sollen. Das Hauptprodukt bei der Masche: die beliebten AirPods von Apple.

Artikel lesen
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von IRLE MOSER Rechtsanwälte PartG
Rechts­an­wäl­tin / Rechts­an­walt (m/w/d) – Me­di­en / Pres­se / IP

IRLE MOSER Rechtsanwälte PartG, Ber­lin

Logo von CMS
Se­nior Le­gal En­gineer (m/w/d) AI / De­ve­lop­ment

CMS, Stutt­gart und 7 wei­te­re

Logo von Flick Gocke Schaumburg
Steu­er­be­ra­ter / Steu­er­fach­wirt / Steu­er­fach­an­ge­s­tell­te (w/m/d) Fa­mi­ly...

Flick Gocke Schaumburg, Ber­lin

Logo von Osborne Clarke GmbH & Co. KG
Rechts­an­walt (w/m/d) Pri­va­te Equi­ty / Growth Tran­sac­ti­ons

Osborne Clarke GmbH & Co. KG, Frank­furt am Main

Logo von Flick Gocke Schaumburg
Rechts­an­walt (m/w/d) Un­ter­neh­mens- und Kon­zern­steu­er­recht

Flick Gocke Schaumburg, Mün­chen

Logo von Maschinenfabrik Reinhausen GmbH
Syn­di­kus­rechts­an­walt / Un­ter­neh­mens­ju­rist - Ver­trags­recht & in­ter­na­tio­na­les...

Maschinenfabrik Reinhausen GmbH, Re­gens­burg

Logo von Simmons & Simmons
Rechts­an­walt / As­so­cia­te für den Be­reich Fi­nan­cial Ser­vices Re­gu­lato­ry und...

Simmons & Simmons, Frank­furt am Main

Logo von becker bohn rechtsanwälte
Rechts­an­walts­fach­an­ge­s­tell­te (m/w/d)

becker bohn rechtsanwälte, Stutt­gart

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Logo von GÖRG
GÖRG Connect Berlin

21.10.2026, Berlin

Logo von Fachseminare von Fürstenberg
KI in kleinen Kanzleien

13.10.2026

Verzichtsverträge im Erbrecht

13.10.2026

Grundstückskaufvertrag: Vorbereitung, Beurkundung, Vollzug

13.10.2026

Juristinnennetzwerken ... After Work live in Stuttgart

15.10.2026, Stuttgart

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH