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Jura-Memes und Lehre 2.0: He let the Memes out

Interview von Katharina Reisch

19.11.2022

Das Bild zeigt Xi Jinping und Joe Biden beim Austausch humorvoller rechtlicher „Scherzerklärungen“ in Bezug auf § 118 BGB.

Der Rechtsanwalt Marius Luciano veröffentlicht auf Instagram als "Bundesgerichtshinterhof" Memes mit Jurabezug. Im Interview spricht er über das Geheimnis eines guten Memes, den Spaß am Klischee und über seine Vision von moderner Lehre.

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Marius Luciano, vor etwas mehr als einem Jahr sind Sie mit dem Account "Bundesgerichtshinterhof" online gegangen. Sie posten dort täglich "Jura-Memes" und erreichen inzwischen über 7.500 Menschen. Wie kam es dazu?

Ich bin seit 2015 selbstständiger Rechtsanwalt und im Arbeitsrecht sowie in Teilbereichen des Straf- und Medizinrechts tätig. Eigentlich wollte ich bei Instagram nur einen Kanzlei-Account für diese fachlichen Themen einrichten, aber dann fand ich #juramemes-Accounts einfach sehr viel spannender. Ich habe mich selbst an ein paar Memes versucht und sie in den Kanzlei-Account eingestreut. Als die Begeisterung immer größer und die in den Arbeitspausen schnell erstellten Bilder immer mehr wurden, habe ich mir einen eigenen Account nur für die Memes zugelegt und den "Bundesgerichtshinterhof" kreiert.

Wie sind Sie auf den Namen gekommen?

Marius LucianoBenannt ist er natürlich nach seinem großen Bruder, dem Bundesgerichtshof (BGH), der sich bekanntlich mit juristisch schwerer Kost befasst. Der Bundesgerichtshinterhof (BGHH) hilft dabei, diese zu "verdauen". Der Account ist für mich inzwischen mein kreatives Hobby. Andere malen oder singen, ich bastle #juramemes. Es macht mir einfach Spaß, juristische Klischees, Fachthemen, aktuelle Rechtsprechung, das Uni-Leben und andere Dinge rund um Jura satirisch aufzubereiten und dabei mit einem gewissen Augenzwinkern auch eigene Erfahrungen zu verarbeiten.

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Was ist das Geheimnis hinter einem guten Meme?

Es gibt kein Patentrezept für ein gutes Meme. Wichtig ist aber auf jeden Fall, die Botschaft prägnant und ohne viel Text auf den Punkt zu bringen. Thematisch gibt die Rechtsprechung natürlich immer viel her, vorneweg die Klassiker wie zum Beispiel Katzenkönig-Memes. Aber auch tagesaktuelle politische – keine parteipolitische – Satire ist beliebt. Manche Memes vermitteln daneben fachliche Botschaften oder greifen die juristische Ausbildung auf.

 Ansonsten lebt ein gutes Meme ebenso von seinen Protagonisten. Im Strafrecht sind ja der frühere Vorsitzende Richter des 2. BGH-Strafsenats Thomas Fischer oder die inzwischen emeritierte Strafrechtsprofessorin Ingeborg Puppe zu regelrechten Jura-Popstars avanciert. Das gilt ebenfalls für den Juristen und CDU-Politiker Philipp Amthor im Staats- und Verfassungsrecht, das er auf seine ganz eigene Art geradezu lebt.

 Bundesfinanzminister Christian Lindner und SPD-Politiker Kevin Kühnert müssen demgegenüber aus irgendeinem Grund schon einmal zu Fragen von Besitz und Eigentum herhalten. Wichtig ist dabei immer, auch bei kritischen Botschaften nicht beleidigend oder persönlich zu werden. Diese Art von "Humor" hat zu Recht keinen Erfolg.

Bleibt man aber bei Satire und greift nur Personen des öffentlichen Lebens auf, ist das eine wunderbare Kunstform, die sich - wie Prof. Raue schon bei LTO resümiert hat - gerne im Internet verbreiten darf.

Woher kommt die Inspiration?

 Die Inspiration nehme ich aus meinem eigenen Juristenleben: Aus meiner Studienzeit, meinem Referendariat und aus der zum Teil mühseligen Schrauberei an meiner gerade fertiggestellten Dissertation im Medizinstrafrecht und durch Feedback meiner Studierenden. Vor allem aber aus dem  eigenen Berufsleben; gerade aus Erlebnissen vor Gericht mit Kollegen, die teilweise wunderbar klischeehaft sind.

Erst kürzlich saß ich im Arbeitsgericht einem älteren Kollegen mit silbernem Haar, goldener Brille, dunklem Dreiteiler und roten Socken gegenüber, der die Vorsitzende während ihres Vortrags geradezu phänotypisch aus einer halb liegenden Sitzposition mit überschlagenen Beinen ansah, bevor er gönnerhaft entgegnete: "Frau Vorsitzende, ich würde Ihnen ja gerne Recht geben, aber dann hätten wir beide Unrecht". So etwas kann man sich nicht ausdenken.

Nun posten Sie anders als die Autor:innen vieler anderer Meme-Seiten nicht aus der Mitte der Studierendenschaft heraus, sondern stehen schon seit Jahren im Berufsleben. Ist das nicht ein schmaler Grat zwischen witziger Meme-Seite und cringem Boomer-Onkel, der Social Media für sich entdeckt?

Unbedingt. Ich weiß, dass ich kein Student mehr bin und mache das immer mal wieder deutlich, indem ich mich hin und wieder selbst auf den Arm nehme. Zum Beispiel, indem ich in einer Story einen "GuMo" wünsche, weil ich am Vortag darauf hingewiesen worden bin, dass ja nur noch Dinosaurier einen "guten Morgen" wünschen.  

Es ist mit Instagram ein wenig wie im realen Leben auch: Man trägt zwar zwischendurch weiterhin Sneaker und einen Hoodie, aber eben nicht unbedingt das Modell explodierter Papagei. Als nicht ganz taufrischer Rechtsanwalt schockiert man dann lieber mit einer wylden Fliege vor Gericht oder origineller Kanzlei-Deko, obwohl ich persönlich ja meine, dass ein Playmobil A-Team-Bus in diesen Zeiten in keinem Haushalt fehlen darf.

Letztes Semester habe ich selbst bei mir an der Uni ein Repetitorium "Strafrecht II in 24 Memes" angeboten und gemerkt, dass man die Studierenden auch für Lehrinhalte so sehr gut erreichen kann. Sie sind als Lehrbeauftragter an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW und als Ausbilder für Referendar*innen auch tagtäglich im Kontakt mit jungen Jurist:innen. Können Memes die juristische Lehre revolutionieren?

Revolutionieren wäre übertrieben. Aber man kann Memes als Medium sehr gut in eine moderne Vorlesung einfließen lassen.

Es sind aus meiner Sicht lustige Karteikarten, die dabei helfen können, sich Dinge besser zu merken. Eine moderne Vorlesung sollte allerdings nicht zu eindimensional sein. Spielerisches Lernen kann beispielsweise auch mit bekannten Filmsequenzen erfolgen, die anschließend rechtlich zu beurteilen sind. Mir ist zum Beispiel schon mehrfach begegnet, dass Kollegen oder Unis Fälle an der bekannten Serie "Breaking Bad" orientieren. Der Kreativität sind da wenig Grenzen gesetzt.

BundesgerichtshinterhofIm Ergebnis ist aber wohl eine Kombination aus klassischen Elementen und teils lustigen Einschüben zwecks Aufrechterhaltung der Konzentration der Königsweg.

Wenn Sie zurückblicken auf ein Jahr "Bundesgerichtshinterhof": Was war Ihr Lieblingsmeme?

Schon aus nostalgischen Gründen ganz klar mein allererstes Meme, das die ewige Fachbereichs-Rivalität von Jura- und BWL-Studierenden aufgreift:

Marius Luciano, ich danke für das Gespräch!

Marius Luciano (LL.M.) ist Rechtsanwalt bei "RheinAdvokat", Lehrbeauftragter für Strafrecht an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW und Ausbilder für Referendar:innen am Landgericht Düsseldorf.

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Jura-Memes und Lehre 2.0: . In: Legal Tribune Online, 19.11.2022 , https://www.lto.de/persistent/a_id/50216 (abgerufen am: 21.04.2026 )

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