Neun neue Jura-Dissertationen: Echte aka­de­mi­sche Nacht­ar­beit

von Martin Rath

05.11.2017

4/11 Das Recht der modernen Gladiatoren & Söldner

Nicht selten, wenn im juristischen Feuilleton scheinbar ein Witz gemacht wird, verbirgt sich dahinter eine ernste Frage. Unterstellt man etwa, dass nicht nur Arbeit eine Sache ist, von der die Leute lieber reden, als sie zu tun, sondern dass dies auch vom Sport gilt, ist die Frage nach dem Staatsziel "Nachtschlaf" nicht andeutungsweise so polemisch, wie sie vielleicht empfunden wird.

Die juristische Seite des Milliarden Euro umsetzenden Geschäfts, mit dessen Hilfe sich die moderne Gesellschaft darum drückt, selbst Sport treiben zu müssen, zeichnet in einem besonders bemerkenswerten Teilgebiet Jonas Kliesch in seiner Dissertation "Der Status des Profifußballers im Europäischen Recht" nach. Ist der Spitzen-Fußballer an sich vielleicht nur ein (abzüglich seiner Redekunst) performativ besonders beifallwürdiger Ballkünstler, steht er hier im Schnittpunkt europarechtlicher Regelungen einerseits und dem Bemühen der Fußballkonzerne andererseits, verbandsautonom Recht zu setzen. Als Vorbild für ein die Spielfelder des nationalen Rechts längst hinter sich lassenden Regelungsfelds nimmt sich das als Testgebiet für einen juristischen Globalisierungsprozess aus.

In einer besseren Welt lernten angehende Sportjournalisten nicht nur, dramatisch gehetzt wie die Wehrmachtsreporter ins Mikrophon zu sprechen, sondern müssten auch die juristischen Gegenstände ihres Fachs beherrschen, aktuell vermittelt durch:

Jonas Kliesch: Der Status des Profifußballers im Europäischen Recht. Eine Untersuchung unter Darstellung der Ausländerklauseln, Transferregelungen, Salary Caps und dem Financial Fair Play. Baden-Baden (Nomos) 2017. Dissertation Bonn 2016.

Zitiervorschlag

Martin Rath, Neun neue Jura-Dissertationen: Echte akademische Nachtarbeit . In: Legal Tribune Online, 05.11.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/25375/ (abgerufen am: 01.12.2022 )

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