Druckversion
Montag, 12.01.2026, 17:58 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/feuilleton/f/120-jahre-reichsgerichtsgebaeude-jubilaeum-bverwg
Fenster schließen
Artikel drucken
17330

Jubiläum: 120 Jahre Reichs­ge­richts­ge­bäude in Leipzig

26.10.2015

Bundesverwaltungsgericht

© andifink - fotolia.com

Am Montag vor genau 120 Jahren - am 26. Oktober 1895 - wurde das Reichsgerichtsgebäude in Leipzig feierlich eingeweiht. Seitdem wurde am heutigen Sitz des BVerwG nicht nur Recht gesprochen.

Anzeige

"Das Reichsgericht erhält seinen Sitz in Leipzig." Darauf verständigten sich Bundesrat und Reichstag am 11. April 1877 in einem Gesetz und beendeten damit eine lebhafte Debatte um den Standort des noch zu gründenden obersten deutschen Gerichts für Zivil- und Strafsachen.

Mit Ludwig Hoffmann (1852-1932) und Peter Dybwad (1859-1921) setzten sich 1884/85 in einem Wettbewerb zur Errichtung des Reichsgerichtsgebäudes zwei junge, bis dahin unbekannte Architekten durch. Nach nur siebenjähriger Bauzeit bezog das 1879 in Leipzig gegründete Reichsgericht sein neues Gebäude. Dem Reichsgericht waren u.a. der Reichsdisziplinarhof und der Ehrengerichtshof für die Rechtsanwälte sowie in der Zeit der Weimarer Republik der Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich und das Reichsarbeitsgericht angegliedert. Der Reichsgerichtsbau war ferner Sitz der Reichsanwaltschaft, der obersten Anklagebehörde.

In den folgenden 50 Jahren betrieb das Reichsgericht Rechtsfortbildung nicht nur bei der Auslegung des am 1. Januar 1900 in Kraft getretenen Bürgerlichen Gesetzbuches. Dunkler war die Rechtsgeschichte, die das Gericht auf dem Gebiet des Strafrechts schrieb. Zahlreiche Strafprozesse wie das Hochverratsverfahren gegen Karl Liebknecht (1907), der Ulmer Reichswehrprozess (1930) und der Reichstagsbrandprozess (1933) fanden in dem Gebäude statt. Heute bezweifelt niemand mehr, dass nicht nur das Urteil im Reichstagsbrandprozess, welches die Generalbundesanwältin Monika Harms in Bezug auf den aufgrund eines rückwirkenden Gesetzes zum Tode verurteilten mutmaßlichen Brandstifter Marinus van der Lubbe im Jahr 2007 aufhob, Unrecht war.

Vom Gericht zum Museum und wieder zurück

Ab 1945, nach der Auflösung des Reichsgerichts, wurde das Gebäude über mehrere Jahrzehnte von unterschiedlichen Institutionen genutzt. Seit 1952 trug es den Namen "Georgi-Dimitroff-Museum", beherbergte aber auch das Museum der Bildenden Künste, das Institut für Länderkunde, das Sächsische Staatsarchiv und Synchronstudios der DEFA.

Seiner ursprünglichen Nutzung als Gerichtsgebäude wurde es nach der Wiedervereinigung wieder zugeführt: Die Unabhängige Föderalismuskommission des Bundes und der Länder empfahl am 27. Mai 1992, das bis dahin in Berlin residierende Bundesverwaltungsgericht einschließlich der beiden Münchener Außensenate nach Leipzig zu verlegen. Zu diesem Zweck wurde das Reichsgerichtsgebäude ab 1998 aufwändig saniert, restauriert und umgebaut. Seit dem 26. August 2002 ist es Sitz des obersten Gerichtshofs des Bundes auf dem Gebiet der allgemeinen Verwaltungsgerichtsbarkeit.

Aus Anlass des Jubliäums findet ab dem 29. Oktober ein zweitägiges Symposion statt, in dessen Rahmen sowohl die Bau- und Nutzungsgeschichte des Gebäudes als auch die verfassungs-, zivil- und strafrechtliche Rechtsprechung des Reichsgerichts sowie die jüngere Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (BVerwG) näher untersucht werden sollen. Vom 2. November bis 23. Dezember finden in der Kuppelhalle des Gerichtsgebäudes zwei Sonderausstellungen zu den Themen "120 Jahre Reichsgerichtsgebäude" sowie "Die Reichsgerichtsbibliothek im Wandel der Zeit" statt.

bgh/age/LTO-Redaktion

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Jubiläum: . In: Legal Tribune Online, 26.10.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/17330 (abgerufen am: 12.01.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • BGH
    • Bundesverwaltungsgericht (BVerwG)
    • Gerichte
  • Gerichte
    • Bundesverwaltungsgericht (BVerwG)
    • Bundesgerichtshof (BGH)
Ein Glasfaserkabel vor dem Hintergrund einer Wohnsiedlung 09.01.2026
Telekommunikation

BGH zur Glasfaser:

Min­dest­ver­trags­lauf­zeit beginnt nicht erst mit Bereit­stel­lung des Anschlusses

Glasfaser ist beliebt, je nach Region dauert es aber noch Jahre, bis sie ausgebaut ist. Die Mindestlaufzeit von Telekommunikationsverträgen beginnt aber schon ab Abschluss zu laufen und nicht erst dann, wenn die Faser verlegt ist, so der BGH.

Artikel lesen
Schriftzug Im Namen des Volkes. 05.01.2026
Künstliche Intelligenz

Ähnliche Tat, anderes Urteil?:

KI soll deut­sche Gericht­s­ur­teile ana­ly­sieren

Künstliche Intelligenz könnte Unterschiede in der Rechtsprechung sichtbar machen – von Schimmelstreitigkeiten bis zu Freispruchquoten. Voraussetzung: deutlich mehr veröffentlichte Urteile.

Artikel lesen
Eingang zum Gebäude des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe 02.01.2026
BGH

Untervermietung, Verbrenner-Aus, Impfschäden:

Was der Bun­des­ge­richtshof 2026 wann ent­scheiden will

Untervermietung als Geschäftsmodell, Klimaklagen gegen Verbrenner, Corona-Impfschäden und mehr: Für wegweisende Entscheidungen hat der Bundesgerichtshof 2026 schon Termine angesetzt. Welche das sind und worum es geht, hier in der Übersicht.

Artikel lesen
Bettina Limperg, Präsidentin des Bundesgerichtshofs, spricht im Badischen Staatstheater beim Festakt im Rahmen der Feierlichkeiten "75 Jahre Bundesgerichtshof und Bundesanwaltschaft". 01.01.2026
Gerichte

Sollte man kennen:

Neun wich­tige BGH-Ent­schei­dungen aus 2025

Vom "Hausdrama-Fall" über Beschaffenheitsvereinbarungen beim Gebrauchtwagenkauf bis zur erzwungenen Smartphone-Entsperrung: Der BGH hat auch 2025 wichtige Entscheidungen gefällt, von denen man gehört haben sollte.

Artikel lesen
Ein Faxgerät steht auf einem Tisch. 30.12.2025
beA

BGH zur Ersatzeinreichung bei beA-Störung:

Ver­weis auf Rou­ter­aus­fall genügt nicht

Ein Anwalt, der einen fristwahrenden Schriftsatz wegen Internetstörung nicht per beA einreicht, muss den technischen Defekt schlüssig und rechtzeitig glaubhaft machen. Der bloße Hinweis auf einen Router-Ausfall genügt nicht, so der BGH.   

Artikel lesen
Inken Gallner, Präsidentin des Bundesarbeitsgerichts, spricht zu Journalisten während der Jahres-Pressekonferenz des Bundesarbeitsgerichtes. 25.12.2025
Bundesarbeitsgericht (BAG)

Sollte man kennen:

Zwölf wich­tige BAG-Ent­schei­dungen 2025

Entgeltgleichheit, Zuschläge für Mehrarbeit, Beweiswert der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung oder digitales Zugangsrecht: Auch im Jahr 2025 trafen die Richter am BAG Entscheidungen, von denen man gehört haben sollte.

Artikel lesen
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (NLStBV)
Voll­ju­ris­ten (w/m/d)

Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (NLStBV) , Han­no­ver

Logo von Wolters Kluwer
Ju­rist als Pro­dukt­ma­na­ger im Be­reich Con­tent - Ge­werb­li­cher Rechts­schutz...

Wolters Kluwer , Hürth

Logo von Airbus Bank
Ae­ro­s­pace Fi­nan­ce Tran­sac­ti­on La­wy­er (m/w/d)

Airbus Bank , Mün­chen

Logo von Studio Hamburg Production Group
(Se­nior) Le­gal Coun­sel (m/w/d)

Studio Hamburg Production Group , Ham­burg

Logo von Die Techniker
Kla­ge­fall­be­ar­bei­ter (m/w/d)

Die Techniker , Ham­burg

Logo von Hogan Lovells International LLP
HL Next­Gen – In­sight and Im­pact: Prak­ti­kan­ten­pro­gramm Som­mer 2026

Hogan Lovells International LLP , Ham­burg

Logo von Autobahn Tank & Rast Gruppe GmbH & Co. KG
Ju­rist Ver­trags­recht | Ma­na­ger Le­gal E-Mo­bi­li­ty (m/w/d)

Autobahn Tank & Rast Gruppe GmbH & Co. KG , Bonn

Logo von Schlun & Elseven Rechtsanwälte PartG mbB
Rechts­an­walt (w/m/d) Fa­mi­li­en­recht

Schlun & Elseven Rechtsanwälte PartG mbB , Köln

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Logo von GvW Graf von Westphalen
Rechtsprechungs­report: Gewerbliches Mietrecht

20.01.2026

Logo von GvW Graf von Westphalen
Rechtsprechungs­report: Privates Baurecht

20.01.2026

Infoanlass (online) «Berufsbegleitendes Doktoratsstudium der Rechtswissenschaften»

20.01.2026

Update Umwandlungen

22.01.2026

Online-Seminar! § 15 FAO - GmbH - Geschäftsführende im Arbeitsrecht

21.01.2026

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH