Wissenschaftliche Mitarbeit: Nicht nur gut für den Lebens­lauf

von Sabine Olschner

15.03.2017

Eine Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter: Lohnt sich das für Studenten und Referendare? Viele Kanzleien und Juristen sind davon überzeugt. Welche Wege man gehen kann und warum es dabei oft nicht nur ums Geld geht.

 



Nach dem ersten Staatsexamen begann Philip Raszawitz mit seiner Doktorarbeit und arbeitete promotionsbegleitend als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Kanzlei Oppenhoff & Partner. "Da ich meine Dissertation in der Zeit bis zum Beginn des Referendariats nicht fertig gestellt habe, bin ich nun nach dem Zweiten Staatsexamen wieder zweimal in der Woche als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Kanzlei Görg tätig, um mein Promotionsvorhaben abzuschließen", berichtet der 32-Jährige.

Die Promotionszeit finanziell zu überbrücken ist nur ein Grund, warum Juristen als wissenschaftliche Mitarbeiter tätig sind. Weitere nennt Dr. Oliver Glück, Managing Partner bei der
Kanzlei GSK Stockmann: "Zu uns kommen wissenschaftliche Mitarbeiter auch, um erstmals spezielle Rechtsgebiete kennenzulernen, mit denen sie im Rahmen ihrer Ausbildung in der Regel noch keine praktische Erfahrung sammeln konnten – so etwa Banking oder M&A."

Auch die fachliche Weiterentwickelung sei ein weiterer Grund: Die Kanzlei bietet ihren wissenschaftlichen Mitarbeitern die Gelegenheit, an Qualifizierungsmaßnahmen für junge Juristen teilzunehmen, zum Beispiel Crashkursen zur Vorbereitung des Zweiten Staatsexamens oder Seminaren zur Verbesserung der Soft Skills.

Unterhaltsbeihilfe aufstocken, Spezialwissen erlangen

Jan Heiner Nedden, Managing Partner der Kanzlei Hanefeld Rechtsanwälte, weiß von wissenschaftlichen Mitarbeitern, die mit ihrer Tätigkeit gezielt ihr Referendargehalt aufbessern wollen. "Der Vorteil für uns ist: Wir können sie längerfristig auf größeren Projekten einsetzen und ihnen Aufgaben übertragen, die nicht unbedingt ausbildungsrelevant sind, also für Referendare eher ungeeignet wären". So werden wissenschaftliche Mitarbeiter zum Beispiel mit länger andauernden Rechercheaufgaben betraut. Aus diesem Grund beschäftigt man bei Hanefeld Rechtsanwälte wissenschaftliche Mitarbeiter gern mindestens sechs Monate oder länger.

In der Boutique-Kanzlei mit sieben Anwälten hat der wissenschaftliche Mitarbeiter einen festen Mentor, arbeitet aber mit allen Anwälten zusammen. "Wir wollen unser hochspezialisiertes Know-how in der Schiedsgerichtsbarkeit an Nachwuchsjuristen weitergeben", sagt der Managing Partner. Deshalb würden die wissenschaftlichen Mitarbeiter auch voll ins Team integriert. Bei GSK gilt das laut Dr. Glück ebenso: Hier nähmen die wissenschaftlichen Mitarbeiter überdies an den regelmäßigen Anwaltsstammtischen und den offiziellen Kanzlei-Frühstücks- und Gesprächsrunden zum fachlichen Austausch teil.

Die Aufgaben, die wissenschaftliche Mitarbeiter übernehmen, hängen von ihrer Einsatzzeit und der Berufserfahrung ab. Dr. Rainer Herschlein, Personalpartner bei Heuking Kühn Lüer Wojtek in Stuttgart, kennt die ganze Bandbreite. So arbeite derzeit bei den Stuttgartern ein Student in der Examensvorbereitung an verschiedenen Themen, die mittel- bis langfristig vorbereitet werden müssen. Ein Jurist mit erstem Staatsexamen, der seine Promotion schreibt, werde hingegen fast wie ein normaler Anwalt eingesetzt. Und ein weiterer Kandidat mit erstem Examen arbeite vier Monate in Vollzeit daran, einen Unternehmenskauf in die nächste Phase zu bringen. "Der größte Unterschied zwischen dem Einsatz während des Referendariats und der wissenschaftlichen Mitarbeit ist die Dauer des Einsatzes", so Herschlein. Das habe einen entscheidenden Vorteil: "Da wissenschaftliche Mitarbeiter meist länger bei uns bleiben, haben sie häufig auch mehr Mandantenkontakt als Referendare." Am Ende komme es aber immer darauf an, wie sehr sich die Person einbringe.


Zitiervorschlag

Sabine Olschner, Wissenschaftliche Mitarbeit: Nicht nur gut für den Lebenslauf. In: Legal Tribune Online, 15.03.2017, http://www.lto.de/persistent/a_id/22376/ (abgerufen am: 25.03.2017)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 15.03.2017 11:42, FinalJustice

    Na, LTO, wieder ein Sponsorenartikel, der junge und fähige Juristen davon überzeugen soll, dass eine GK-Karriere auf sie wartet, wenn sie sich nur lange genug ausbeuten lassen? ;) (und bevor wieder das übliche: "Mimimi nur neidisch" kommt: Habe glücklicherweise alle drei Sachen durch, Unistelle, WiMi-Stelle in der Kanzlei und Promotion)

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    • 15.03.2017 18:52, Schmu

      1000 € für einen Wochenarbeitstag - und wenn er noch so lang ist - sehe ich eher als das Gegenteil von Ausbeute an. Um seinen Lebensunterhalt promotionsbegleitend zu verdienen, ist es so ziemlich das Beste, was einem passieren kann, wenn man nicht unbedingt am Lehrstuhl arbeiten möchte.

    • 16.03.2017 09:41, H Kotte

      In der GK, in der ich beschäftigt bin, werden für WissMits mit 2. Staatsexamen ebenfalls 1000€ / Wochenarbeitstag gezahlt. Und die meisten haben einen entspannten 8h-Tag.

      Nicht überall wird ausgebeutet ;-)

    • 17.03.2017 12:42, Lulu

      Das kann ich so unterschreiben. Ich bekomme 1000€/Wochenarbeitstag und arbeite in der Regel von 9:30 - 18:30 Uhr. Ausgebeutet werde ich nicht. Im Gegenteil, ich bekomme sogar noch einen Mittagessenzuschuss und mehrmals die Woche gratis Essen in der Kanzlei.

    • 17.03.2017 16:04, Heinrich

      @lulu wo gibt es denn Mittagessenzuschuss? das ist ja klasse

    • 20.03.2017 12:17, Lulu

      Den gibt es doch bei mehreren Kanzleien. Das ist einfach ein Zuschuss zum Mittagessen in der Kantine oder Partnerrestaurants. Da spart man schon einiges, wenn man mittags nur 3,50€-4,00€ für das Essen zahlt. Bei einer Vollzeitstelle oder vielen Wochenarbeitstagen ist das auch nicht zu verhehlen.

  • 15.03.2017 11:43, Jolo

    Die andere Seite sieht aber so aus, dass die Arbeiten als Wiss.Mit. in Großkanzleien oft furchtbar langweilig sind, man gar nicht bis kaum in iwelche Projekte eingebunden wird (DD ist kein Projekt :D), die Anwälte gar keine bis kaum Zeit für einen haben, das Interesse am Verbleib oft gar nicht besteht (wenn man nicht bereit ist, mehrere Jahre dort als Wiss.Mit. und Referendar zu bleiben) und die meisten Partner einen nicht einmal grüßen.
    Dennoch lernt man den Kanzleiablauf kennen, sieht was dort überhaupt getan wird und kann schauen, wie man es findet, bereits als Wiss-Mit. 10-12 Stunden im Büro zu hocken. Ich persönlich mache es promotionsbegleitend und finde es ganz okay, vor allem weil man sehr viele unterschiedliche "Typen" kennenlernt und den Alltag einer Kanzlei kennenlernt.

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  • 15.03.2017 12:20, Jens

    Warum soll man eigentlich eine Tätigkeit als juristische Hilfskraft oder juristischer Mitarbeiter in einer Anwaltskanzlei "wissenschaftlich" nennen?? OK, manchmal schreibt man einen Entwurf für einen wissenschaftlichen Aufsatz, den der Anwalt hinterher unter eigenem Namen publiziert, aber meist hat doch die Tätigkeit eines "Kanzlei-WissMit" mit Wissenschaft nicht das geringste zu tun.

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  • 15.03.2017 23:19, Befristung?

    Vielleicht kann Herr Dr. Kober einmal erläutern, welche "hochschulrechtlichen Rahmenbedingungen" er im Sinn hat. Das WissZeitVG offenbar nicht, denn auch nach der Novelle sind befristete WissMit-Tätigkeiten ohne Promotionsabsicht zulässig.

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    • 16.03.2017 12:01, Matthias Kober

      § 2 Abs. 1 Wiss ZeitVG, auf dessen Novelle ich mich tatsächlich bezogen habe, formuliert (weiterhin) die Möglichkeit, ein Beschäftigungsverhältnis sachgrundlos zu befristen, wenn es der eigenen wissenschaftlichen Qualifizierung dient. Die Universität Augsburg hat sich dafür entschieden, das Qualifizierungsziel künftig in den Arbeitsverträgen zu benennen.

  • 16.03.2017 20:09, HiWi

    Als wenig bekannte Alternative zur Großkanzlei gibt es übrigens auch die (sinnvollerweise mehrjährige) Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter einer Rechtsanwältin/eines Rechtsanwalts beim Bundesgerichtshof. Ich selbst habe diese Tätigkeit als sehr abwechlungs- und lehrreich empfunden.

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  • 17.03.2017 14:03, J v G

    Ich habe in zwei bekannten angelsächsischen Großkanzleien als wissenschaftlicher Mitarbeiter gearbeitet und darf sagen, dass man dort von der Praxis wenig sieht und keinerlei Mandantenkontakt hat. Die oft stundenlangen Rechercheaufgaben bringen einen auch fachlich nicht wirklich weiter, weil man sich mit exotischsten Spezialproblemen beschäftigt, die wenn überhaupt vielleicht einmal in drei Jahren virulent werden. Letztlich bekommt man den "Dreck" auf den Schreibtisch, der dem Partner zu lästig ist und den er bereits seinem Associate weitergegeben hat, der sich wiederum einen "Dummen" sucht, der es macht.

    Ich empfehle jedem, der die Möglichkeit hat, sich einmal eine Großkanzlei anzuschauen und für sich zu entscheiden, ob es ihm gefällt.

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