Das Referendariat im Überblick – Teil I: Die Gür­tel­tier-Safari

von Dr. Björn Kruse, LL.M. (Turin)

19.04.2017

Was erwartet mich im Referendariat? Und inwiefern kann ich meine Ausbildung selbst gestalten? Björn Kruse gibt einen Überblick und Tipps. Im ersten Teil geht es um die Planung und die Zivilrechts-, Strafrechts- sowie Verwaltungsstation.

 

Das Jurastudium hält so einige Abschnitte parat, mit denen man sich erst auseinandersetzt, wenn sie unmittelbar bevorstehen. Die wenigsten Studenten dürften sich dabei gleich zu dessen Beginn detailliert mit allen inhaltlichen Anforderungen auseinandersetzen, die bis zum ersten Staatsexamen auf sie warten. Das ist auch in Ordnung.

Ähnlich wenig Aufwand betreiben sie aber ebenso regelmäßig bei der Organisation des Referendariats. Das ist schade, denn der juristische Vorbereitungsdienst bietet viele Möglichkeiten, beispielsweise den Arbeitsmarkt kennenzulernen. Um diese zu nutzen, müssen angehende Referendare aber frühzeitig mit der Planung beginnen.

Fragen zu den länderspezifischen Auswahlverfahren und Voraussetzungen sollen an dieser Stelle nicht beantwortet werden. Es geht vielmehr darum, Studenten und künftigen Referendaren einen Überblick über die Eigenheiten der verschiedenen Stationen zu geben, auf typische Fallstricke hinzuweisen und ihnen Tipps für ein möglichst bewusst genutztes Referendariat an die Hand zu geben, getreu dem Motto: "Hätte ich das mal früher gewusst!"

Die Referendare treffen sich für gewöhnlich erstmals in der Einführungsveranstaltung. Nachdem sie der Mitarbeiter des Landgerichts über ihre Rechte und Pflichten aufgeklärt hat, folgt meist ein Überblick darüber, welche Ausbildungsschritte in den nächsten zwei Jahren auf sie zukommen. Die Anzahl der einzelnen Stationen mag einschüchtern, ist aber – eine gewisse Eigeninitiative vorausgesetzt – eine sehr gute Möglichkeit, in kurzer Zeit viele Bereiche der Juristerei kennenzulernen und nach den Jahren der Theorie den Weg in die Praxis zu wagen. 

Vorbereitung - sich selbst den Chef aussuchen

Dabei ist Eigeninitiative das Stichwort. Denn die Einführungsveranstaltung ist häufig schon der letzte Warnschuss, sich um einen geeigneten Ausbildungsplatz in den einzelnen Stationen zu bemühen. Besser ist es, schon früher damit anzufangen. Immerhin erhält der Bewerber bereits einige Monate vor Beginn des Vorbereitungsdienstes eine Zusage mit dem genauen Datum des Dienstantritts. Wer sich bereits dann mit der zeitlichen Abfolge der Stationen und den entsprechenden Optionen beschäftigt, hat genug Zeit zu handeln.

Wer zu lange wartet, bekommt regelmäßig durch das Landgericht einen bestimmten Einzelausbilder zugeteilt, der den Referendar parallel zu den Arbeitsgemeinschaften praktisch ausbildet. Mit genug Vorlauf können Referendare aber auch die Zuteilung zu einem bestimmten Einzelausbilder in der Zivilrechts- oder Strafrechtsstation beantragen. Gründe dafür können zum Beispiel eine bestimmte fachliche Ausbildungspraxis des Einzelausbilders oder schlichtweg Sympathie sein.

Was spricht also gegen den Besuch des örtlichen Gerichts, um einen potentiellen Ausbilder initiativ anzusprechen? Dies klingt unorthodox, ist aber durchaus praktikabel. Auch die Wahl des Gerichts in der Zivilstation beeinflusst die Arbeit sehr: Ein Richter am Landgericht wird den Referendar in der Regel mit umfangreichen Akten – wegen des zusammenhaltenden Gummibandes im Juristenjargon "Gürteltiere" genannt – versorgen, wohingegen der Referendar beim Amtsgericht oftmals dünnere, dafür aber zahlreichere Aktenstücke zu bearbeiten haben wird.

In der Strafrechtsstation können angehende Referendare hingegen aktiv die Zuteilung zur Staatsanwaltschaft oder zum Strafrichter beantragen. Die Unterschiede liegen auf der Hand: Die Staatsanwaltschaft bietet einen Einblick in die Ermittlungspraxis, wobei die Aufgabe dort regelmäßig in dem Entwurf von Anklagen liegt. Am Strafgericht sind dagegen die Beobachtung der Hauptverhandlungen und der Entwurf von Strafurteilen Schwerpunkte der Ausbildung.

Zitiervorschlag

Dr. Björn Kruse, LL.M. (Turin), Das Referendariat im Überblick – Teil I: Die Gürteltier-Safari. In: Legal Tribune Online, 19.04.2017, http://www.lto.de/persistent/a_id/22675/ (abgerufen am: 23.06.2017)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 19.04.2017 21:23, Daniel Vogel

    Netter Artikel! In einem solchen Artikel darf aber eigentlich eine kurze Vorstellung des verwaltungswissenschaftlichen Ergänzungsstudiums an der DUV Speyer (sog. "Speyer-Semester") nicht fehlen!

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 26.04.2017 07:55, jcm

      ... Und wo wir schon bei eher atypischen Verwaltungsstationen sind: Berufsständische Körperschaften des öR. Für Leute wie mich, die mit Verwaltungsrecht so gar nichts anfangen können, sind die Kammern eine echte Alternative. Gerade bei den Heilberufen gibt es viele Möglichkeiten. RAK und StB setzen idR mehr berufsrechtliche Kenntnisse voraus.

  • 10.05.2017 17:30, LowLaw

    Eine belanglose Aneinanderreihung von Anekdoten, die (abgesehen von "frühzeitig bewerben" und "AG und LG haben unterschiedlich umfangreiche Akten") keinerlei hilfreiche Hinweise für die Planung oder gar Geheimtipps in Sachen Stationswahl enthält. Welche Möglichkeiten bieten sich in diesen ersten Stationen für spezielle Interessen (z.B. besondere Kammern, weniger bekannte Behörden)? Welche Ausbildungsstationen bieten examensrelevante Inhalte? Das wären womöglich interessante Fragestellungen gewesen.
    P.S.: Und was soll der Titel? (Beobachtet man im Referendariat exotische große Akten....?!)

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