Legal Tech im Jurastudium: Lernen ohne Zukunft

von Daniel Mattig und Dipl.-Jur. Nico Kuhlmann

21.04.2017

Die Juristenausbildung wird restrukturiert. Doch welche neuen Kenntnisse und Fähigkeiten angehende Juristen künftig im Alltag brauchen werden, hätten die Reformer nicht berücksichtigt, kritisieren Daniel Mattig und Nico Kuhlmann.

 

Weniger Pflichtstoff und noch weniger Schwerpunkt - das ist die aktuelle Diskussionsgrundlage für die Reform des Jurastudiums. Die Justizministerkonferenz hat Ende letzten Jahres die entsprechenden Vorschläge ihres Koordinierungsausschusses zur Harmonisierung und Angleichung der Juristenausbildung beschlossen.

Der Ansatz, die Prüfungsbedingungen für die erste und zweite juristische Prüfung zu reformieren, wird grundsätzlich begrüßt. Die konkreten Vorschläge werden aber in Lehre und Praxis intensiv diskutiert. Besonders die anvisierte Streichung des Internationalen Privatrechts aus dem Pflichtstoffkatalog stößt auf Widerstand. Diese "skandalöse Provinzialisierung der Juristenausbildung" mache die Absolventen praxisuntauglich. Andere beklagen, dass das Jurastudium nicht mehr viel mit Wissenschaft zu tun habe und bald nur noch Rechtskunde sei.

Ein Aspekt wird bisher allerdings überhaupt nicht diskutiert, nämlich welche Anforderungen die zunehmend digitalisierte Praxis zusätzlich zum rechtlichen Fachwissen und zur juristischen Methodenkompetenz an die Berufseinsteiger stellen wird. Und damit auch, welche Kenntnisse und Fähigkeiten für den beruflichen Erfolg zunehmend an Bedeutung gewinnen werden. Legal Tech ist an den meisten deutschen Universitäten noch völliges Neuland.

Erste Leuchtturm-Projekte meist aus den USA

In anderen Ländern steht dieses Thema hingegen seit Jahren auf der Agenda. Fächer wie Introduction to Legal Technology, Coding for Lawyers, Data Analytics und Empirical Legal Studies stehen dort bereits auf dem Lehrplan. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Leuchtturm-Projekten, die versuchen, angehende Juristen auf die Herausforderungen und Möglichkeiten einer technologisierten Welt vorzubereiten.

So widmen sich in den USA mittlerweile rund 20 Law Schools und Universitäten diesem Themenfeld. An der University of Miami wurde beispielsweise bereits 2011 das Projekt "LawWithoutWalls" gegründet. Anstatt lediglich jahrelang abstrakt Fachwissen zu konsumieren, können die Studierenden dort in einem strukturierten Programm mit der Unterstützung von Mentoren eigene Startups gründen, um konkrete und real existierende Rechtsprobleme mit dem Einsatz von Technologie zu lösen.

Die Stanford Law School nimmt mit ihrem Center for Legal Informatics ebenfalls eine Vorreiterrolle ein. Äußerst beliebt an der Fakultät ist der Kurs "Legal Informatics", in dem die digitale Informationsverarbeitung anwendungsorientiert unterrichtet wird. Zudem entwickeln die Studierenden im Legal Design Lab eigene Legal Tech-Anwendungen.

Ein weiteres Beispiel ist der seit 2016 bestehende interdisziplinäre Masterstudiengang in "Law, Technology and Entrepreneurship" der Cornell Law School in Zusammenarbeit mit Cornell Tech.

Auch in der deutschen Lehre gibt es Pioniere

Erfreulicherweise gibt es auch in Deutschland Pioniere in der Lehre, die diesen Trend erkannt haben und den Studierenden entsprechende Lehrveranstaltungen anbieten.

Im Jahr 2015 wurden beispielsweise an der Bucerius Law School in Hamburg die "Legal Technology Showcase Lectures" etabliert. Seitdem geben zahlreiche Veranstaltungen wichtige Impulse für die Lehre: Neben "Coding for Lawyers" und der "Legal Tech Initiative" ist besonders das Projektstudium zum "Hands on Machine Learning in Law" zu nennen. In Kooperation mit dem Fachbereich Informatik der Universität Hamburg und IBM Watson war es den Studierenden möglich, mit eigenen Prototypen die künstliche Intelligenz von Watson zu erproben.

An der Universität Münster fand im Sommersemester 2016 erstmals ein Legal-Tech-Seminar unter der Leitung von Privatdozent Dr. Martin Fries statt. Sein Engagement hat Dr. Fries nach seiner Rückkehr nach München mit einem "Grundlagenseminar zur Digitalisierung des Bürgerlichen Rechts" im letzten Wintersemester an der LMU fortgeführt.

Und mit den praktischen Auswirkungen von Legal Tech auf die anwaltliche Tätigkeit beschäftigte sich Prof. Dr. Stephan Breidenbach ebenfalls im letzten Wintersemester an der Europauniversität Viadrina. In den angebotenen Blockveranstaltungen wurde unter anderem auch der praktische Umgang mit einem digitalen Tool zur Vertragsgestaltung erprobt.

Zitiervorschlag

Nico Kuhlmann, Legal Tech im Jurastudium: Lernen ohne Zukunft. In: Legal Tribune Online, 21.04.2017, http://www.lto.de/persistent/a_id/22703/ (abgerufen am: 25.05.2017)

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Kommentare
  • 21.04.2017 11:23, St. Ivo

    1. Das genaue Gegenteil ist richtig: Ja, es wird mittelfristig vermehrt Aufgaben geben, die bisher der Anwalt erledigt hat und die in Zukunft von Paralegals mithilfe von "Legal Tech" erledigt werden. Umso wichtiger wird es dann sein, dass der Anwalt in der Lage ist, die schwierigeren Rechtsfragen zu bewältigen, die man auch in Zukunft nicht mit "Legal Tech" wird bearbeiten können. Die Studierenden von heute sollten deshalb zusehen, dass sie die dafür notwendigen Kompetenzen erwerben, und die Universitäten darauf, dass sie diese vermitteln.

    2. Im Übrigen gehört nun wirklich nicht alles an die Uni. Die Schulung in Kanzleisoftware kann man getrost den Anbietern überlassen. So wird das auch mit juristischer Fachsoftware sein, falls es sie demnächst mal geben sollte.

    3. 2. Legal Tech steckt noch sehr in den Kinderschuhen. Wenn das mal serienreif ist, wird es sich am Markt nur durchsetzen, wenn es zu seiner Beherrschung keines Intensivstudiums bedarf. Das wird noch sehr lange dauern. Die Studierenden von heute sollten sich darum mal besser noch keinen Kopp machen. Die Unis von heute auch nicht. Handlungsbedarf besteht in keiner Weise.

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    • 21.04.2017 21:20, RA Nicolas

      Volle Zustimmung!

    • 23.04.2017 11:31, LaForge

      Mir scheint Unklarheit darüber zu herrschen, was legal tech eigentlich meint.

      Und nein, da steckt gar nichts in den Kinderschuhen. Und mit einer popligen Kanzleisoftware, die bedient werden muss, hat das schon gar nichts zu tun. Die ist ja einfach nur die modernere Version von Schreibmaschine und Ablage.

      Legal tech beginnt damit, dass man ganz anders denkt, ganz andere Geschätsmodelle und Klienten und rechtliche Prozesse aufbaut. Beispiel Fluggastrechte: bis vor wenigen Jahren haben die Airlines Milliarden gespart, weil fast niemand seine Fluggastrechte wirklich geltend gemacht hat. Der Besuch bei einem Anwalt rangiert bei "normalen Menschen" schließlich im Bereich eines Zahnarztbesuchs vom Spaßfaktor her, selbst wenn man eine Rechtsschutzversicherung hat, die meisten Leute suchten und suchen erst dann ein Anwaltsbüro auf, wenn es um existentielle Dinge geht.

      Nun ist es so, dass es diverse legal techs Startups gibt, die es risikolos und bequem machen, seine Fluggastrechte einzufordern. Man muss nur die eigene Flugnummer eingeben und die Website sagt einem einen Klick später, ob der betreffende Flug - ist ja alles automatisch abfragbar - grundsätzlich die Kriterien einer Rückerstattung nach Fluggastrechten erfüllt. Wenn ja, dann kommt einfach eine kurze Eingabemaske mit den persönlichen Daten wie Anschrift und man lädt irgend einen Reisenachweis hoch, sei es einen Screenshot der Site wo man das Ticket gebucht hat.

      Den Rest macht der legal tech, kostenfrei und risikolos. Dafür behält er umgekehrt einen ordentlichen Batzen an Provision ein, wenn er dabei erfolgreich ist. Das stört den Fluggast aber nicht, weil er ohne diese Einfachheit, das mal eben auf dem Smartphone zu machen während man in der U-Bahn auf dem Heimweg ist, seine Rechte nämlich gar nicht erst wahrgenommen hätte, das übliche Kostenrisiko bei den hergebrachten Anwaltsstrukturen z. B. nicht hätte tragen wollen, es hat auch nicht jeder eine RSV und selbst wenn ist das wieder zusätzliche "Rennerei" usw. - Fakt ist, die Leute sind sehr zufrieden mit dem Deal, 25%-30% abtreten zu müssen,75%-70% von X>0€ ist eben mehr als 100% von 0€, es ist bequem und einfach. Done.

      Das ist ein schönes Beispiel für legal tech schon hier und jetzt - erfolgreich am Markt. Und im Hintergrund kann man da auch keine Juristen gebrauchen, die "das mit der IT" auf spezialisierte Dienstleister abwälzen wollen. Schon um einschätzen zu können, was man idealerweise an diesem Prozessen automatisiert und wo der Jurist noch eingreifen muss, muss derjenige, der diese Entscheidungen trifft, das Querschnittwissen dazu haben (die konkrete Ausführung, ja, die kann er dann Fachleuten überlassen, das konkrete Coden von zig Zeilen Programmcode z. B. - trotzdem muss er prinzipuiell wissen, wo die Fähigkeiten und auch grenzen des Codes liegen). Und das auch im Alltag, im Kontext der sich tagtäglich ändernden rechtlichen Rahmenbedingungen einerseits, wie auch der täglich größer werdenden Möglichkeiten der IT andererseits.

      Das ist also auch nichts, was man per "IT Projekt" einer altmodischen Kanzlei aufsetzen kann, wie man das mit "der neuen Kanzleisoftware" macht, einmal alle durchschult und dann arbeitet man damit produktiv und ab und zu kommt der IT Typ vorbei - bis alle "durchgeschult" sind, weil sie sich nicht von sich aus mit IT auskennen sondern alles vorgekaut brauchen, alias "eine Schulung" brauchen, ist das alles schon wieder veraltet und suboptimal, funktioniert so nicht.

      Darum arbeiten ja andere Branchen so auch nicht mehr. So hat z. B. die Wirtschaftsinformatik enorm an Bedeutung gewonnen, auch Medizininformatik ist ein stark wachsender Studienzweig, z. B. wird gerade an der Universität Augsburg eine komplett neue Fakultät aufgebaut, die einen Schwerpunkt in der Medizininformatik haben wird, Leute die sagen "das mit der IT sollen im Rahmen der Arbeitsteiligung Andere machen" bekämen dort keinen Fuß auf den Boden.

      Bei den Juristen wird es vermutlich zweigleisig laufen. Einerseits wird der Einfluss ausländischer Unternehmen immer größer werden, wie wir das ja schon von fast allen anderen IT Branchen kennen, weil die Deutschen einfach nicht Schritt halten und lieber erklären "warum" sie keinerlei Reformbedarf sehen. Andererseits wird auch in der Ausbildung, wenn auch nur in Nischen, ein alternatives Angebot zunehmen. Ähnlich, wie der betriebswirtschaftliche Analphabetismus im klassischen Jurastudium zunehmend dadurch geheilt wird, dass die Studiengänge im Wirtschaftsrecht geradezu boomen. An immer mehr Jurafakultäten gibt es Institute für Rechtsinformatik, es ist nur eine Frage der Zeit, bis entsprechende Studiengänge angeboten werden - genauso fing es in den 90ern nämlich auch mit Wirtschaftsrecht an. Und der klassische Jurist wird fachlich zunehmend ausgehöhlt und spätestens wenn legal tech das Massengeschäft bestimmen wird er jenseits der Justiz einen schweren Stand haben. "Wenn Sie doch ohnehin ständig Informationen bei IT Fachleuten einholen müssen, wieso sollten wir dann eigentlich nicht gleich einen Rechtsinformatiker einstellen, sondern Sie?". Und dann viel Spaß mit der Argumentation, dass man ja immerhin auch (das superwichtige) Polizeirecht im Studium hatte, wo der Rechtsinformatiker sich im selben Semester mit big data befasst hat.

    • 23.04.2017 11:54, LaForge

      PS: "Umso wichtiger wird es dann sein, dass der Anwalt in der Lage ist, die schwierigeren Rechtsfragen zu bewältigen, die man auch in Zukunft nicht mit "Legal Tech" wird bearbeiten können.", volle Zustimmung. Nur, um diese Priorität überhaupt setzen zu können muss man sich eben zunehmend als legal tech Anbieter verstehen. Auch die Provinzkanzlei wird früher oder später kostenmäßig sonst nicht mehr mithalten können, wenn sie die vielen Standardprozesse, vor denen der Arbeitsalltag nun einmal nur so wimmelt, nicht bestmöglich automatisiert, sondern weiterhin manuell abarbeitet und legal tech als moderne Version von Schreibmaschine und Ablage mißversteht. Klassische Anwaltsarbeit wird sehr bald ähnlich teurer Luxus sein, wie heute zum Schuster zu gehen wenn die Sohle ein Loch hat, anstatt die Schuhe dann einfach in den Müll zu schmeißen und neue zu kaufen, wie das die Masse macht.

      Die Masse von uns Juristen sind aber keine fachlichen Könige mit sechsstelligem Einkommen und Topklienten. Die Masse von uns lebt vom Brot und Buttergeschäft der Routinefälle. Die werden immer mehr von immer besserer IT weggefressen werden. Entweder wir lernen, diese IT zu unserem Nutzen selbst einzusetzen und damit billiger und effizienter zu werden oder wir werden durch sie ersetzt. Nicht heute, aber auch sicherlich nicht erst in 20 Jahren. Dazu kommt der massive Trend, dass Litigation durch Arbitration und Mediation verdrängt wird, so dass das gesetzliche Monopol der gerichtlichen Vertretung klassischer Volljuristen immer unwichtiger wird, also selbst von dieser Seite her zusätzliche Konkurrenz z. B. durch Mediatoren erwächst.

      Nicht nur bzgl. IT krankt unser Jurastudium an "Altersschwäche", auch der riesige Bereich der konsensorientierten Konfliktbeilegung, der Pflichtstoff sein müsste, spielt keine Rolle und der Alibi-Englisch-Sprachenschein ist an den meisten Unis mit hinter dem Rücken verbundenen Augen zu bestehen, wo heutzutage verhandlungssicheres Englisch, nicht jeder kann mehrere Semester im Ausland studieren, ebenfalls Ziel jedes Jura-Curriculums sein müsste. Und obwohl EU Recht absoluten Anwendungsvorrang genießt und im Berufsalltag eine enorme Bedeutung hat und sich auch systematisch ziemlich vom deutschen Recht unterscheidet haben die Fakultäten gerade erst angefangen das in den Pflichtstoff aufzunehmen, aber auch nur als Nebenthema, meistens in das Grundstudium Staatsrecht reingequetscht, z. B. zusätzlich zu den Grundrechten. Wo Europarecht ebenfalls eigenständiger Pflichtstoff sein sollte.

      Und wenn das Jurastudium nicht 100 Jahre dauern soll, aber das Fachwissen breiter gestreut sein sollte, ja, dann muss halt auch das ach so wichtige Polizeirecht oder Erbrecht in den Wahlbereich fallen und man sollte der Justiz die Prüfungshoheit nehmen und eine neue Prüfungsinstanz aufbauen, analog zum "bar exam" in den angelsächsischen Ländern, wo dann endlich auch die private Anwaltschaft paritätisch vertreten ist und die Inhalte mitbestimmt, die wirklich gebraucht werden.

    • 23.04.2017 16:46, _export_

      "und spätestens wenn legal tech das Massengeschäft bestimmen wird "

      In diesem unwahrscheinlichen Fall wird die Menschheit ganz andere Sorgen haben als den Brotwerwerb von Jura-Absolventen.

      Aber er wird nicht eintreten. Die Verspätung eines Fluges und daran geknüpfter Schadenersatz mag von mir aus einer der wenigen Ausnahmefälle sein. Aber das absolute gros der jurtischen Probleme - auch in den "Standardfällen", zB nachbar-, arbeits-, vertragsrechtlichen Streits, vom Strafrecht will ich gar nicht anfangen - lässt sich schlicht nicht auf vom Computer handhabere, formalisierte Kategorien herunterbrechen. Es bedarf immer der Auslegung (von Formulierungen), der Einordnung, letzlich der Wertung. Da muss noch eine ganze gecoded werden, bis hier der Computer auch nur ansatzweise mit dem Menschen mithalten kann (Wer mir nicht glaubt, frage mal bei Siri nach...). Und wer das nicht sieht, hätte sich im Studium statt mit "Big Data" vielleicht auch ein bisschen mit den Grundlagen des Rechts und damit seinem Handwerkszeug befassen sollen.

      Ich freue mich schon, wenn mir bei einem Rechtsstreit eine App gegenüber sitzt. Da kann man mal ein erfolgsabhängiges Honorar vereinbaren :)

      Daneben drängt sich mir die Frage auf, wie viele Jobs es denn im "Entwickler-Bereich" von Legal-Tech geben soll, die eine so grundlegende Anpassung des Studiums nötig macht? Um mal eine Parallelwertung aus der Realität heranzuziehen: Zu Herausgebern von Kommentaren, Zeitschriften, Formularbüchern wird im Studium ja auch niemand ausgebildet, obwohl dies omnipräsente Hilfsmittel der juristischen Arbeit sind, deren Erstellung Soezialfähigkeiten nötig macht.

    • 23.04.2017 18:39, EM

      Das Problem mit technischen Revolutionen war schon immer die mangelnde Vorstellungskraft derer, denen dieser Wandel bevorsteht, da werden dann z. B. schiefe Vergleiche bemüht (für Oma und Opa ist das Internet eben die "Datenautobahn", usw.).

      Man muss sich nur einen Ted Talk von Silicon Valley Größen auf YouTube anhören um ein Gefühl dafür zu bekommen, was da in den nächsten 10 Jahren so alles marktreif ist. Computer werden regelrecht intelligent. Nicht als Nachbau der menschlichen Intelligenz, sondern als technische Intelligenz. Und rechtliche Sachverhalte, in ihre relevanten Einzelteile zerlegt, sind hochgradig strukturiert und mit dem Fachkorpus aus Normen und Rechtsprechung vernetzbar, bieten sich somit sehr für Automatisierung an.

      Wie der Alltag in 10 Jahren genau aussehen wird kann niemand mit Sicherheit vorhersagen. Ich würde vermuten, dass es in die Richtung des Cyborg-Juristen geht. Natürlich ohne echte Implantate, aber mit einer Untrennbarkeit des Einsatzes digitaler Mittel, so dass man z. B. auch nicht mehr sagen kann, die IT assistiert lediglich und wenn es komplex wird kommt wieder der Mensch dazu. Sondern sowohl Mensch und Computer haben ihre fundamentalen Stärken und Schwächen und wenn sich die Stärken ergänzen wird daraus ein optimierter Prozess.

      Da die Juristerei in der beruflichen Praxis letztlich eine prozessorientierte Dienstleistung ist würde ich hier auch lieber die Chancen betonen, als die Risiken. Man hat sozusagen immer den Rechercheassistenten und Paralegal bei sich, der ad hoc alle jemals ergangenen Urteile, alle jemals ergangenen Normen usw. mit dem aktuellen Sachverhalt vernetzen und entsprechend darstellen kann, so dass ich als Jurist die letztlichen Wertungen, Strategieentscheidungen etc. optimiert treffen kann.

      Aber das lässt sich ansonsten technisch unbedarften Juristen nicht mal so eben in einem Lehrgang beibringen. Um einmal ein Beispiel zu bringen, das vielleicht viele von uns aus ihrem Alltag kennen: bringt mal euren Eltern oder Großeltern den Umgang mit einem normalen Desktop-Computer bei. Bei jedem Menü, das ihr nicht "erklärt" habt, bei jedem neuen oder etwas veränderten Dialog mit "OK" und "Abbrechen", nach jedem Update der Software wo irgendwas ein bischen anders aussieht oder benannt ist, erlebe zumindest ich es, dass ich dann erstmal den Sonntag Nachmittag damit beschäftigt bin, das der lieben Verwandtschaft wieder "beizubringen". Obwohl ich das selbst von niemand "beigebracht" bekam und auch kein Handbuch gelesen habe. Ich setze mich halt an den PC, verschaffe mir einen Überblick, klicke mal hier mal da, das Ding funktioniert ja im Dialog mit mir als Benutzer. Jede Änderung oder neue Situation habe ich in Windeseile und ohne Mühe erfasst und gehe damit um.

      Das ist nur so, weil ich damit aufgewachsen bin. Eben ein sog. digital native. Das kann man nicht hinterher "schulen" oder so. Entweder man hat diesen instinktiven und unbefangenen Umgang oder man hat ihn nicht. Das Beispiel wird jeder von uns nachvollziehen können, je nach Lebensalter aus der Position dessen, der Hilfe "mit dem Computer" braucht oder der um diese Hilfe gebeten wird.

      Und so ähnlich ist es eben auch bei der Vorstellung, dass man Juristen, die in ihrer siebenjährigen Ausbildung nie etwas mit IT zu tun hatten, außer mal die Textverarbeitung um die Hausarbeit zu verfassen, das dann per Schulung irgendwie beibringen kann so instinktiv und ad hoc mit hochkomplexer legal tech umgehen zu können. Das wird nicht funktionieren.

    • 23.04.2017 19:23, _export_

      Dann scheine ich tatsächlich ein Verständnisproblem zu haben...

      "Und rechtliche Sachverhalte, in ihre relevanten Einzelteile zerlegt, sind hochgradig strukturiert und mit dem Fachkorpus aus Normen und Rechtsprechung vernetzbar, bieten sich somit sehr für Automatisierung an"

      -> Was ich in meinem Post oben angesprochen habe, passt sehr gut dazu, denn mMn ist gerade der Prozess des "in die Einzelteile zerlegens", also die Kategoriesierung des Sachverhalts (letztich ja Teil jeder Subsumtion) die originär juristische Tätigkeit, die Intution und Wertungsvermögen verlangt, das ich mir in naher Zukunft nicht bei Computern vorstellen kann.
      Natürlich kann Technik dann helfen, wenn es zB um Rechtsrecherche bzgl. der Elemente des zergliederten Sachverhalts geht. So wie es ja, wie mehrere Kommentatoren es bereits erwähnten, beispielsweise beck-online bietet. Mir fehlt wohl tatsächlich die Vorstellungskraft, wie "legal-tech", die sie ja explizit von bspw. Datenbanken unterscheiden, dann noch eine originäre Rolle spielen kann bzw. wie diese aussähe. Wenn ich mir den typischen Rechtsstreit vorstelle, weiß ich nicht, wo noch Raum für technische Revolutionen ist, die zur Nutzung derartige Spezialfähigkeiten nötig machen, wie es hier unterstellt wird. (Andersherum: Wenn "legal-tech" wirklich ernhaft erfolgreich werden will, dann sollte es doch - analog des von ihnen genannten Windows-PCs - mittels vernünftiger Interfaces für den normalsterblichen Juristen nutzbar sein! Wie soll es sich denn flächendeckend durchsetzen, wenn es in Deutschland quasi niemand anwenden kann? Zumal der Erfolg technischer Neuerungen spätestens seit dem 21. Jhd. doch grds. von deren zugänglicher Bedienbarkeit abhängt)

      PS: Ich würde mich ebenfalls als digital-native bezeichnen, bzw. als früher Migrant in die Welt des Digitalen;) Nur bin ich wohl bzgl. des seherischen Potentials von ted-Talks skeptischer als Sie es zu sein scheinen...

    • 23.04.2017 21:31, EM

      In den USA übernehmen schon jetzt Computer die Arbeit von Steuerberatern zunehmend in einer bei uns noch unbekannten Form. Das geht nicht weil das Steuerrecht so unkompliziert wäre, ist es ja gewiss nicht, sondern weil die Zahlen quasi die Muttersprache der Computer sind. Aber Computer sind immer besser darin, deine und meine Sprache zu verstehen. Banales Beispiel: neueste Systeme können auch Strukturplagiate und umformulierte Plagiate in Texten mit hoher Trefferquote finden. Etwas, das man früher nur viel belesenen Fachleuten zutraute, nach dem Motto "das kommt mir doch bekannt vor", das kann jetzt schon der Computer. Und das ist erst der Anfang.

      Wenn du dem Computer den Sachverhalt nicht mehr zerlegen musst sondern er selbstlernend allen Input verarbeitet und mit mehr Wissen bearbeitet, als du je einstudieren könntest, wozu braucht man dich noch? Als rechtlichen Strohmann für die Unterschriften.

      Außer du lernst symbiotisch mit dem Computer zu arbeiten.

      Das ist das, was IT Forscher auch meinen, wenn sie von der "Singularität" in der IT sprechen.

    • 24.04.2017 08:19, _export_

      Also ich sehe hier immer noch keine erklärung, wie diese rosige zujkunft konkret aussehen soll, außer dass alles ganz anders wird und wir uns alle den maschinen anpassen müssen... überzeugt nur mäßig.

    • 24.04.2017 09:12, Pfff

      Du erwartest von ihm eine Erklärung über die konkrete Zukunft? Srsly? Und du stellst in Frage, dass sich auch die Arbeit von Juristen, wie die aller anderen Schreibtischarbeiter, in den nächsten Jahren extrem verändern wird? Srsly? Google mal die ganzen seriösen Studien zum Thema Automatisierung von Schreibtischjobs in der Zukunft usw., dann kannst mit den Forschern darüber diskutieren, dass dich das ja alles immer noch nicht überzeugt. Weil dus halt offenbar nicht glauben WILLST und dich lieber im Glauben wiegst, dass im Grunde alles bleibt wie es ist und wofür du jahrelang studiert hast.

      Juristen sind in Deutschland solche Besitzstandswahrer und Bremser. LTO hat es in einem anderen Artikel bestens zusammengefasst

      "Deut­sche Gerichte sind unab­hängig und unmo­dern" http://www.lto.de/recht/hintergruende/h/justizbarometer-2017-unabhaengigkeit-effizienz-qualitaet-gerichte-europa-vergleich/

      Kann man getrost auf "Deutsche Juristen" ausdehnen.

    • 24.04.2017 09:28, _export_

      Also ich sehe hier immer noch keine erklärung, wie diese rosige zujkunft konkret aussehen soll, außer dass alles ganz anders wird und wir uns alle den maschinen anpassen müssen... überzeugt nur mäßig.

    • 24.04.2017 09:31, _export_

      Sorry für den doppelpost. Wer fordert, dass heute ein Studiengang aufgrund der Zukunft angepasst wird, sollte doch zumindest eine vage Vorstellung davon haben, wie diese zukunft aussehen wird?

      Auf gut Deutsch: Wenn Ihre Forderungen wahr gemacht würden und es nun morgen eine entsprechende Vorlesung / Seminar / Tutorium zu LegalTech gäbe. Was würden Sie mir in der Einführungsveranstaltung ungefähr erzählen und was würden wir dann das Semester über lernen? Ich kann es mir zu 0% vorstellen.

    • 24.04.2017 09:38, _export_

      Zumal die Prämisse, dass der Job des Anwalts ein klassischer "Schreibtischjob" ist, wohl primär auch nur für die spacige Welt der Großkanzleien gilt und damit nur einen kleinen Ausschnitt der Wirklichkeit beschreibt, in der es auch zahlreiche Gerichtsverhandlungen incl. Zeugenvernehmungen etc. gibt....

  • 21.04.2017 12:39, Dann aber

    muss im Zeugnis darauf hingewiesen werden, dass man nach neuen Recht studiert hat. Arbeitgeber wissen dann, dass dieser Jemand weniger Stoff lernen musste. Jaja, jetzt schreien alle ,,Neid, Missgunst" etc. Jaja, macht erst mal beide Prüfungen, danach werdet ihr ALLE auf dem Standpunkt stehen, dass jeder durch die selbe Hölle zu gehen hat, Punkt. Ist genau wie mit dem links sein- als Teenager klar, als Erwachsener nein.

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  • 21.04.2017 15:21, Roland M.

    Das liest sich ja alles ganz nett. Aber sind das auch schlaue Gedanken oder nur disruptive Innovationen im Spielzimmer der Schaumschläger und Möchtegernpioniere? Ich weiß es nicht. Ich kann die Aussagen aber aus der Warte eines "normalen" Anwalts mit über 15 Jahren Berufserfahrung beurteilen. In Deutschland sind etwa 160.000 Personen als Anwalt zugelassen. Die überwältigende Mehrzahl arbeitet als Einzelanwalt oder in einer kleineren Sozietät, abgerechnet wird meist auf RVG-Basis. Das läuft dann so: Natürliche Person ruft an oder kommt hereingeschneit. Verkehrsunfall, 8.000 € Schaden, Mängel beim Hauskauf, 10.000-25.000 € Schaden, Testamentsgestaltung, Ehevertrag oder Nachbarrecht. Viel kleinklein, wenig fancy corporate stuff. Man legt eine Akte an, fragt sich: Wo sind tatsächliche oder rechtliche Probleme? Dann EMail an Mandanten, Aufklärung über Risiken, wie sollen wir nun vorgehen? Ca. 3 min verbringe ich dabei im Palandt/Zöller oder auf Beck-Online. Zu Beginn berechne ich die Gebühren, danach bemisst sich mein Arbeitsaufwand. So oder so ähnlich läuft das für die meisten Anwälte. Wofür brauche ich dafür Smart Contracts, künstliche Intelligenz und dergleichen? Es gibt doch Beck-Online und Formularbücher! Das ist auch Legal Tech. Und vor allem: Es existiert bereits. Mir scheint, als übersähen die Autoren, dass mit Beck-Online schon eine Form von digitaler Arbeitsunterstützung besteht, welche den Anwalt bei seinem täglich Brot ideal und hinreichend unterstützt.
    Ob für Großkanzleien anderes gilt? I doubt it. Auch diese verfügen über Knowledge-Management-Abteilungen, welche Musterverträge sammeln und aktualisieren. Diese sind für alle Dependancen verfügbar. Desperate need for SmartLaw? Njet.

    Nun der Knackpunkt: Was soll sich daran in der Zukunft ändern? Die Autoren bleiben den Beweis schuldig, welche Änderungen künftig zu erwarten sind und warum dies der Fall ist. Ich lese nur wohlklingende Buzz-Words. Nicht alles, was in den USA einen Hype auslöst, muss auch für Deutschland gelten. Zumal wir hier Statuten auslegen und uns in der Beratung nicht ausschließlich an Gerichtsentscheiden entlanghangeln.

    Andererseits ist es eine feine Sache, dass sich zwei junge Menschen Gedanken über die Zukunft machen. Dass Sie mangels Praxiserfahrung und Einblicken in die reale Arbeitswelt dabei ein wenig über das Ziel hinausschießen: Geschenkt! Ich wünsche den beiden viel Erfolg für die Promotion.

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    • 21.04.2017 16:33, Nils

      Ich kann da aus meiner kurzen Erfahrung als Mitarbeiter in einem gutbürgerlichen Anwaltsnotariat nur zustimmen. Jetzt bin ich Richter und darf mal für den Öffentlichen Dienst zum Thema sagen: Völlig irrelevant wie Vertragsgestaltung durch künstliche Intelligenz möglich sein soll. Neben den zutreffend nicht zur Zielgruppe gehörenden Normal-Anwälten kann man also auch ein paar zehntausend in Behörden, StA und Gericht oder Ministerien Dienende aus der Zielgruppe rausrechnen. Heißt mit anderen Worten: Der Artikel plädiert dafür, dass die Unis investieren und etwas lehren, was eine Elite im Promillebereich eventuell irgendwann mal braucht. Könnte man jetzt auch auf die Idee kommen, dass das die Großkanzleien diese Ausbildung selbst zahlen, wenn sie die Associates einstellen (und nach 2 Jahren wieder verlieren).

    • 21.04.2017 21:20, RA Nicolas

      Auch für Großkanzleien gibt es wenig sinnvolle Anwendungsbereiche und vor allem keine, für die man Unikurse besuchen müsste. Am Ende handelt es sich um Software, deren Anwendung der Anbieter in kurzen Schulungen erklären kann und wird. An der Uni hat dies absolut nichts zu suchen. Wenn so etwas an amerikanischen Law Schools unterrichtet wird, ist dies eher ein Zeichen für die Schwäche der dortigen Lehre. Programmieren werde ich als Anwalt auch in Zukunft nicht können müssen. Dies wäre vollkommen ineffizient. Dafür gibt es in einer arbeitsteiligen Welt spezialisierte Dienstleister.

  • 21.04.2017 16:06, Tonia

    Ich bin gerade im Ref und habe erst neulich das erste Mal von Legal Tech gehört! Für mich klingt es sehr gut, dass Apps auch Leuten Zugang zu Rechtsberatung geben, die sich sonst vor den Kosten scheuen und gar nicht erst zum Anwalt gehen würden. Langfristig werden sie aber mit zunehmender Weiterentwicklung von KI natürlich auch mit Anwälten konkurrieren, das kann man sich kaum schönreden. Hab viel im Internet dazu gelesen und in den nächsten 20 Jahren wird sich da laut vielen Experten einiges tun. Ich bin schon der Meinung, dass das Thema in der Uni thematisiert werden sollte und zwar an allen Unis und nicht nur bei einer gewissen Privatuni in Hamburg.

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    • 22.04.2017 22:13, EM

      Das müssten in der Fläche die Leute anstoßen, die doch selbst häufig schon mit dem Beamer bei der Vorlesung nicht klar kommen. Und dabei selbst wieder die Rolle des Lernenden einnehmen.

      Oder die fertigen Juristen im Beruf, den Verbänden etc die dann die Juristen mit der "alten" Ausbildung wären, ein Arbeitsmarkt der zwei Klassen.

      Es gibt zuviele Leute die gegenüber Reformen vernagelt oder ängstlich sind. Ich vermute, die angelsächsischen Großkanzleien setzen einfach ihren Siegeszug fort und importieren legal tech know how von Übersee.

      Die im Vertragsrecht spürbare Beeinflussung durch us law wird damit insgesamt an Wucht gewinnen und der über alle Maßen selbstbewusste klassische deutsche Jurist immer unwichtiger.

  • 22.04.2017 22:06, EM

    Die Skepsis der werten Mit-Kommentatoren könnte natürlich auch das sprichwörtliche Pfeifen im Walde sein, denn unser Jurastudium hat uns für die kommenden Jahrzehnte schlecht gerüstet und uns bleibt kaum etwas anderes übrig, als das Beste draus zu machen und uns einzureden, dass das alles nur ein Hype ist.

    Aber haben wir deswegen das Recht der nächsten Generation die bestmögliche Ausbildung vorzuenthalten? Nein.

    Und ja, es werden andere Leute Jura studieren und dabei beste Abschlüsse erhalten als gewohnt. Ich selbst hatte stets Noten im oberen Bereich, aber das auch nur, weil Mathematik oder Programmieren keinerlei Rolle im Studium spielten.

    Die Realität ist, in 10 oder 20 Jahren werden auch Juristen ganz anders arbeiten und unser fleißig angesammeltes Detailwissen, auf das wir uns soviel einbilden, wird entwertet. Kein Mensch denkt so strukturiert und hat dabei alle jemals ergangenen Urteile und Abhandlungen Wort für Wort präzise im "Gedächtnis​" wie ein entsprechendes Computer-System.

    Dieses bestmöglich zu bedienen wird schon wegen des dazu notwendigen Fachwissens nichts für Paralegals sein, so wie das MRT auch von einem Radiologen bedient und ausgewertet werden muss und nicht von der Krankenschwester.

    Und für diese Zukunft müssen wir den Nachwuchs verdammt nochmal besser ausbilden als bisher. Durchhalteparolen helfen niemand.

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    • 23.04.2017 19:34, _export_

      "Die Realität ist, in 10 oder 20 Jahren werden ..." Da verstehe ich unter Realität aber etwas anderes :)

      Sorry, den konnte ich mir nicht verkneifen ...

  • 25.04.2017 15:24, DScholz

    An der Uni Bremen wird nun erstmals Recht und Technik in Veranstaltungen miteinander kombiniert werden. Dr. Kipker bietet dazu zunächst die Veranstaltung "IT-Recht" an. Ich persönlich denke, dass dies der erste richtige Schritt ist, die angehenden Juristen auf eine Zukunft in Zeiten des "Legal techs" und der Digitalisierung vorzubereiten. Ich bin gespannt, ob andere Universitäten nachziehen werden.

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  • 26.04.2017 08:25, jcm

    Mag sein, dass Legal Tech über Kurz oder Lang das Brot-und-Butter-Geschäft übernimmt. Mir fehlt dafür die Vorstellungskraft, aber was soll's.
    Der juristische Arbeitsschwerpunkt rutscht dann in den Bereich, den Legal Tech (noch) nicht leisten kann, also nicht automatisierte Spezialmaterien. Ergebnis: Kanzleiensterben.
    Konsequenz ist aber doch dann, weniger künftig arbeitslose Juristen zu produzieren und die, die man "produziert", in den Spezialmaterien auszubilden. Legal Tech gehört da dann aber gerade nicht dazu, denn das subsutuiert ja den Juristen. Und die Juristen/Rechtsinformatiker, die in der Entwicklung tätig sind und von Legal Tech wirklich Ahnung haben müssen, dürften so gering in der Zahl sein, dass sich für sie eine Umstellung der Ausbildung wohl kaum lohnt.

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  • 26.04.2017 23:37, hmmm

    Was ich hier nicht ganz verstehe - Was glauben alle eigentlich wozu man im Jurastudium Straßen- und Wegerecht, Erbrecht umd meinethalben auch noch den Finalzusammenhang beim Raub macht?

    Es dient doch einzig dazu, den Juristen anhand von beispielhaften Rechtsgebieten, die sicher häufig keinen großen praktischen, aber eben methodischen Wert haben, das Handwerkszeug an die Hand zu geben, damit er die Sprache des Rechts lernt. Ein Handwerkskoffer wird geboten ind erlernt, mot dem man letztlich alle sich stellenden Rechtsfragen zufriedenstellend angehen kann. Das Recht, insbesondere das Deutsche Recht ist derart mannigfaltig, dass keine Maschine der Welt je den Juristen ersetzen kann, der all das anhand der von ihm erlernten flächendeckenden Prinzipien und Problemkreise anpacken kann.

    Das Recht liegt wie ein umsichtbares Netz über dem ganzen Leben und stellt eine abstrahierte Kopie davon dar. In einigen, wenigen Bereichen gibt es sicherlich ähnlich gelagerte Massenvorgänge, die auch eine klug mit Sachverhalt (wer ermittelt den? die Maschine??) gefütterte Maschine bewältigen kann. Im Gros der Fälle wird es auchbin Zukunft maßgeschneiderte Lösungen brauchen. Und das auch inabhängig von der Größe des Falls. Ein Bußgeldbescheid nach dem Hundegesetz NRW über 80,- kann mehr Rechtsprobleme aufwerfen, als eine Verfahrensrechtliche Problematik, an der 10 Mio. Euro hängen. Denn das Leben lässt sich nicht zufriedenstellend in seiner Gesamtheit in Formeln pressen.

    Ich war jahrelang Finanzbeamter. Die Finanzämter haben -man mag es kaum glauben- seit Jahrzehnten tolle Software zum programmieren der Bescheide. Jeder Lebenssachverhalt lässt sich -vermittelt über einen Zahlencode - dort in einen Bescheid gießen. Der Finanzbeamte programmiert quasi den Bescheid. Aber das geht nur und wird auch immer nur gehen, wenn man den Lebenssachverhalt zunächst mal ordentlich einordnen kann.

    Ich glaube nicht, dass der Juristenberuf in seiner heutigen Gestalt je ausstirbt. Allenfalls ist denkbar, dass aufgrund der fortschreitenden, flächendeckenden Verdummung der Bevölkerung irgendwann nicht mehr genug Menschen da sind, die Recht in der heute praktizierten Detailliertheit umsetzen können. Das führt dann zwangsläufig zu Abstrichen bei der inhaltlichen Qualität des Rechtssystems, die dann auch Automatisierung zulässt. Im Steuerbereich sieht man das etwa an sog. Risikomanagementsystemen, die anhand imterner Risikofilter Aufgriffsgrenzen festlegen (z.B. erst ab 5.000,- wird eine bestimmte Betriebsausgabe geprüft o.Ä.). Das hat dann aber nichts mit Recht auf dem Niveau und in der Dichte mehr zu tun, wie wir das heute kennen. Für so einen Kram wäre dann auch jeder heutige Jurist bestens gerüstet, weil es letztlich eine vergröbernde Vereinfachung (auf Kosten der Qualität materieller Gerechtigkeit) darstellt und mehr nicht.

    Sowas zu studieren ist geradezu lächerlich, weil es jeder verstehen kann, der das "Mehr", nämlich ein ordentliches Jurastudium hat. Das bloße programmieren sollte man den Informatikern überlassen, wenn es wirklich wichtig ist, geht legal tech nicht.

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  • 04.05.2017 15:58, Die Autoren

    Liebe Kommentatoren,
    vielen Dank für die angeregte Diskussion. Wir haben einmal versucht die wesentlichen inhaltlichen Kritikpunkte herauszuarbeiten und mit der nachfolgenden Replik auf diese einzugehen:

    http://legal-tech-blog.de/legal-tech-im-jurastudium-eine-replik

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 06.05.2017 09:41, JudexNonCalculat

    Die Replik ist leider - bei allem Respekt - sehr schwach ausgefallen. Sie erschöpft sich im Buzzword-Bingo des Grundbeitrages ergänzt um den Verweis auf Bemühungen und Bestrebungen aus dem anglo-amerikanischen Rechtsraum. Klar, "Coding for lawyers to shape the the disruptive process of digitalization" angeboten an der Harvard Law School klingt sehr beeinduckend, ersetzt aber kein Sachargument.

    Im Kern ist Jura eine Geisteswissenschaft die sich mit der Selbstorganisation der Gesellschaft beschäftigt. Jedenfalls dieser Bereich wird (und muss) bleiben; zugegeben, "harte KI" kann auch hier wirken, dann hat die Menschheit aber über deutlich mehr nachzudenken als die Zukunft des Juristen.

    Dass sich das Recht in der Praxis mit der Lebenswirklichkeit und damit Digitalisierung auseinandersetzen muss ist geschenkt, tut es aber doch. Es gibt an diversen Fakultäten Lehrstühle und Angebote zu Rechtsinformatik / IT / Daten etc; von der Praxis der Wirtschaftskanzleien ganz zu schweigen. Klingt alles weniger anglizistisch als Legal Tech (und damit vll. weniger markentingtauglich) schreibt aber das Recht in der deutschen Rechtstradition fort.

    Dass Jura um Logik bemüht ist und sich damit im (oft wenig praxisrelevanten)Grundsatz - und hier haben die Autoren recht - über Algorithmen abbilden lässt stimmt. Das wird die Anwaltschaft vor Herausforderungen stellen oder im Klartext: Teilweise ersetzen. Daraus aber die Abkehr vom Juristen hin zum "Rechtsinformatiker" zu fordern, ist letztendlich nur die alte Kritik am Einheitsjuristen. Wie Wirtschftsjuristen ihre Berechtigung haben, ,mag ein echter Rechtsinformatiker sein Einsatzgebiet finden (bisher ist Rechtsinformatik allerdings schlicht Jura mit Themenbezug IT), er hat aber m.E. folgendes Problem: Um digitale Prozesse rechtsberatend begleitend zu können muss man in erster Linie ein guter und themenaffiner Jurist sein; man brauch ein gewisses Verständnis für Code, muss aber nicht selbst programmieren können.

    Was bleibt also übrig? Automatisierung wird auch traditionell geisteswissenschaftliche Arbeitsbereiche erreichen? Stimmt, bestreitet das jemand? Juristen sollten sich mit der Gegenwart (inkl. IT) beschäftigen; stimmt auch; wird doch aber auch gemacht?

    Abschließend: Jedenfalls die gegenwärtigen Arbeitsgeber legen allerdings ganz primären Wert auf die Frage "wieviele Punkte"; eine Punktzahl die de facto aus der handschriftlichen (!) Bearbeitung von sagen wir Abschleppfällen resultiert. Da ist es halt auch schwierig als Student / Referendar zu sehr auf die Zukunft zu wetten. Man wird im Zweifel zu früh fertig ;)

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 07.05.2017 03:51, hmmm

      Ich stimme vollkommen zu. Leider ist die Replik inhaltlich nicht weit vom eigentlichen Beitrag entfernt. Welchen konkreten Eigenwert eine bereits in die Ausbildung verlagerte Befassung mit computerbasierter Rechtsarbeit haben soll, wurde noch nicht hinreichend herausgearbeitet. Wenn z.B. auf Kosten vertiefter Kenntnisse im Schuldrecht BT die Entwicklung von Codes gelehrt wird, kann da nicht allzuviel besseres bei entstehen, als wenn man diese Fähigkeiten im konkreten praktischen Arbeitsgebiet erlernt, wo sie auch hin gehören.

      Ich bleibe dabei: Die Jurisprudenz, eine Überzeugungslehre, kann nur auf einem analog und umfassend erlernten Wissensschatz vernünftig in digitale Formen gegossen werden. Legal Tech in der Ausbildung darf auf keinen Fall zulasten des Tiefgangs genau in diesen Bereichen gehen, wenn die Juristerei sich nicht selbst abschaffen will.

    • 10.05.2017 11:48, Schenker

      Stimme zu! Überzeugt bin ich von der Digitalisierung und der dadurch bedingten gesellschaftlichen Veränderungen - das können aber andere (richtige Fachleute) besser erklären. Überzeugt bin ich nicht von dem Beitrag und auch nicht von der "Antwort" der Autoren. Vielmehr scheinen sie weiterhin über den Kritiken stehen zu wollen ohne wirklich Inhalt zu bringen. Diese Form der Präsentation von Wissensüberlegenheit über Schlagworte im BWL-Stil ohne Inhalte nervt. Dann dreht man sich im Kreis und gibt den Wichtigtuern nur noch mehr Raum. Daran sollte LTO einmal ansetzen und sich fragen, ob sie so eine Plattform sein möchte oder doch lieber etwas journalistischen Anspruch an sich stellen will.

  • 07.05.2017 16:49, Nils

    Nachdem ich den objektiven, journalistisch aufbereiteten und neutralen Artikel gelesen habe, habe ich mich aber verstärk für die tollen und zukunftsweisenden Produkte der DATEV eG interessiert, einem innovativen Anbieter von Lösungen auch für komplexe Anwendungen, für deren Produkte seit kurzen (heute?) mit einem großen Banner auf der Startseite dieses informativen Portales geworben wird. Ich habe eine der DATEV-Spezialisten angerufen und bin sehr von den Produkten überzeugt.

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