Online-Repetitorien: Wo die Digi­ta­li­sie­rung noch Halt macht

von Constantin Körner

08.03.2017

Obwohl die technischen Rahmenbedingungen und der Preis stimmen, setzen die meisten Jurastudenten und Repetitoren weiterhin auf klassischen Präsenzunterricht. Die Gründe dafür und aktuelle Entwicklungen zeigt Constantin Körner.

 

Als LTO das Thema Online-Repetitorien zuletzt beleuchtete, spielte es noch eine Rolle, ob interessierte Studenten eine Internet-Flatrate besaßen. Das mutet heute anachronistisch an, schließlich hat sich die Technik rasant fortentwickelt.

Heute werben reine Online-Repetitorien mit Slogans wie "Nimm Deinen Repetitor mit nach Hause und lerne, wann und wo Du willst" für sich. Kurse gibt es schon ab 9,90 Euro im Monat, diese sind bedeutend günstiger als ein klassisches Repetitorium. Trotzdem setzen die meisten weiterhin auf den althergebrachten Präsenzunterricht – das gilt für Repetitoren wie auch für Studierende.

So auch Daniel Behmenburg aus Essen, der an der Ruhr-Universität Bochum Jura studiert. Statt der verlockenden Preise der Online-Anbieter zahlt er monatlich 150 Euro für drei halbe Tage pro Woche klassischen Präsenzunterricht. "Ich brauche feste Zeiten und jemanden, der vor mir steht und mich zum Lernen animiert. Zuhause sind doch immer Dinge viel interessanter, so dass man sich schnell ablenken lässt. Außerdem bin ich gerne unter Menschen. Mit den anderen Leidensgenossen im Rep motiviert man sich ja auch gegenseitig und profitiert unmittelbar von deren Fragen an den Dozenten", findet er. Sind das tatsächlich die Gründe, warum die Branche sich dem Online-Trend nur langsam anzupassen scheint?

Die Skepsis der Großen: Kommunikation von Mensch zu Mensch

Zu den Anbietern von Online-Repetitorien zählten im Jahr 2010 (in alphabetischer Reihenfolge) E-Jura-Examensexpress, Juriq, Lecturio und Recht schnell. Juracademy (Juriq), die Plattform Lecturio und Recht schnell tummeln sich noch heute auf dem Markt. Mit Learnity und Jura online sind zudem neue Anbieter hinzugetreten.

Mit E-Jura-Examensexpress ist ausgerechnet der Online-Ableger von Branchengröße Alpmann Schmidt nicht mehr aktiv. Für Geschäftsführer Horst Wüstenbecker ist Jura aber nicht nur Wissensvermittlung, sondern Kommunikation, und die sei nur im persönlichen Kontakt zwischen Kursleiter und den Teilnehmern gewährleistet: "Ein Online-Repetitorium ist keine Alternative zur Examensvorbereitung in Präsenzveranstaltungen. Denn der Lernerfolg hängt ganz entscheidend von der persönlichen Betreuung und Motivation ab."

Die Hörer erwarteten, dass der Repetitor persönlich Verantwortung für ihre Examensvorbereitung übernimmt und nicht nur eine unpersönliche "Konserve", so der Rechtsanwalt und Autor der Skripten. Diese Erfahrung habe man auch mit dem E-Jura-Examensexpress gemacht, den das Unternehmen zusammen mit Professoren der juristischen Fakultät der Universität des Saarlandes aufgebaut und über 12 Jahre betrieben hatte.

Online-Komponenten setzt Alpmann Schmidt dennoch ein, es gibt eine App und ergänzend zum mündlichen Kurs können die Kursteilnehmer eine Online-Lernplattform nutzen, die noch weiter ausgebaut werde.

Kein tragfähiges Geschäftsmodell?

Ähnlich hält es auch der andere große Anbieter, das Repetitorium hemmer. Man verschließe sich nicht generell neuen Medien, betont Mitgeschäftsführer Achim Wüst. So biete man Apps an und führe auf Wunsch auch Einzelunterricht per Skype durch, wenn Teilnehmer sich die Anfahrtswege ersparen wollen.

Vom reinen Online-Format hält aber auch Wüst wenig, mit teilweise ganz ähnlichen Argumenten: "Zum einen halten wir es für wissenschaftlich erwiesen, dass Lernen lediglich am Computer nicht effizient ist. Zum anderen sind wir davon überzeugt, dass der individuelle Kontakt im Präsenzunterricht, das persönliche Lernen von Mensch zu Mensch, noch immer die beste Methode ist."

Kommerzielle Online-Angebote sieht er zudem nicht als ein tragfähiges Geschäftsmodell an: "Wer soll verhindern, dass die Videos abgefilmt und dann illegal weiterverbreitet werden? Wir haben diese Erfahrung ganz massiv mit Skripten als E-Books machen müssen. Als Anbieter verkaufen Sie fünf Exemplare und dann kein einziges mehr, weil man das kostenlos im Internet herunterladen kann."

Die Befürworter: "Online-Reps bedienen ein ganz anderes Marktsegment"

Trotz dieser Skepsis neu in den Markt der Online-Repetitorien eingestiegen ist Mario Kraatz, geschäftsführender Gesellschafter von Sander & Kraatz I-Rep. Über die Plattform Lecturio bietet er - als eines von mehreren juristischen Repetitorien - sein sogenanntes "Studio-Rep" an. Er sieht darin ein Alleinstellungsmerkmal in der Branche: "Während andere Anbieter eine anderthalbstündige Vorlesung einfach abfilmen, setzen wir auf 20 bis 40 Minuten lange Erklärvideos, die speziell im Studio produziert werden und insbesondere mit Grafiken arbeiten".

Dass Online-Repetitorien zwingend zu Lasten der Interaktion zwischen Dozenten und Teilnehmern gehen müssen, lässt Kraatz nicht gelten: "Bei uns ist jedes Video mit einer Kommentarfunktion versehen. Innerhalb von maximal 36 Stunden antwortet der Dozent darauf, die Antwort ist für jeden Kunden einsehbar."

Noch mehr Interaktion gibt es zum Beispiel bei Juracademy. Die für das Angebot verantwortliche examio GmbH bietet Webinare an, bei denen die Teilnehmer im virtuellen Kursraum per Videochat direkt mit den Dozenten und anderen Teilnehmern kommunizieren können. Die Webinare ergänzen das angebotene Lernkonzept, das unterschiedliche Formate für verschiedene Stadien des Lernens anbietet. Skripten dienen zur Erarbeitung, Übungsfälle zum Vertiefen. Wiederholt und aufgefrischt wird mit Podcasts, Fragen und Tests, das Erlernte angewendet mit Klausuren.

Obgleich also online viele Inhalte angeboten werden, auf die auch die klassischen Repetitorien setzen, fürchtet Kraatz nicht, dass sein klassisches Repetitorium kannibalisiert wird: "Online-Reps bedienen ein ganz anderes Marktsegment. Wer gerne zuhause lernt, sich Anfahrtswege ersparen und nicht von einem Repetitor persönlich angesprochen werden möchte sowie ein günstiges Angebot zu schätzen weiß, für den sind Online-Reps gerade richtig“. Für alle anderen könnten sie ein sinnvolles Zusatzangebot sein, um die Nach- und Vorbereitung von Präsenzunterricht zu ergänzen.

Zitiervorschlag

Constantin Körner, Online-Repetitorien: Wo die Digitalisierung noch Halt macht. In: Legal Tribune Online, 08.03.2017, http://www.lto.de/persistent/a_id/22312/ (abgerufen am: 20.08.2017)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 08.03.2017 18:05, Reci

    Der Hauptgrund, wieso Leute zum Rep gehen, ist auch der Grund, warum sie das nicht online machen werden.

    Wenn man sich schon anmeldet und dafür Geld zahlt, dann geht man halt hin. Ganz anders als zu Vorlesungen und anderen Angeboten der Hochschule. Bis zur Torschlusspanik der Examensvorbereitung sind die Präsenzangebote der Uni immer sehr spärlich besucht. Da scheint irgendwie zu gelten "was nichts kostet ist nichts wert".

    Und wer sich schon in den Semestern bis zur Examensvorbereitung nicht zum kontinuierlichen Selbststudium motivieren konnte, der wird das auch nicht können, wenn er ein "Online-Rep" nutzt.

    Die Anbieter von Reps werden in eine gigantische Existenzkrise gestoßen, sobald mal das klassische Jurastudium reformiert und nach "Bologna" umgestellt wird und somit auf ein anständiges Seminar-System mit einem ordentlichen Dozenten-Studenten Zahlenverhältnis - und Präsenzpflichten.

    Ich und viele andere Ex- Kommilitonen sind der Beweis dafür, dass man auch komplett ohne Rep das Prädikat erreichen kann, wenn man kontinuierlich selbst lernt und vom ersten Semester an das Studium als Vollzeitjob betreibt.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 10.03.2017 08:19, Vanessa

      Habt ihr dann das Uni-Rep verwendet? Oder habt ihr euch komplett im Selbststudium vorbereitet? Und an welcher Uni, wenn ich fragen darf?

  • 12.03.2017 22:21, .

    Wohin gehst Du? Nach Bologna!
    Wofür stehst Du? Für Amore!

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 12.03.2017 22:23, .

    "Als LTO das Thema Online-Repetitorien zuletzt beleuchtete, spielte es noch eine Rolle, ob interessierte Studenten eine Internet-Flatrate besaßen. Das mutet heute anachronistisch an, schließlich hat sich die Technik rasant fortentwickelt."

    Nein. Auch 2011 war es schon abwegig, zu meinen, Internet-Flatrates seien nicht verbreitet genug gewesen,

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 16.03.2017 16:27, Klaus

      Und damit wäre dann auch die absolute Kernaussage des gesamten Beitrags widerlegt, mit der dieser steht und fällt. Der Autor hat sich gänzlich als ungeeignet erwiesen - der Rest des Textes macht natürlich keinen Sinn mehr.
      Sehr gut und wichtig, dass Sie das richtig gestellt und das Haar in der Suppe gefunden haben. Guten Appetit!

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