Korrekturpraxis in juristischen Klausuren: Alles andere als "vollbefriedigend"

von Dr. Arne-Patrik Heinze

08.10.2013

Studenten und Referendare investieren ungezählte Stunden in die Vorbereitung auf Scheinklausuren und Staatsexamina. Bereits deshalb wäre es notwendig, ihnen eine gründliche, durchdachte und faire Korrektur zuteilwerden zu lassen. Leider fehlt es daran oft, meint Arne-Patrik Heinze, der diverse Missstände im juristischen Prüfungssystem anprangert.

 

Beschwerden über unfaire, unrichtige oder sonst unzulängliche Bewertungen gibt es ebenso viele wie unzufriedene Prüflinge. Nicht jede Beschwerde ist berechtigt. Erst recht hat nicht jede vor den Gerichten Bestand, weil Prüfern ein weiter Beurteilungsspielraum zusteht, bezüglich dessen die Gerichte nur Beurteilungsfehler überprüfen dürfen. Oftmals liegen den Klagen der Studenten und Referendare aber reale Missstände zu Grunde, die in der öffentlichen Diskussion unbeachtet bleiben. Diese beruhen einerseits auf der individuellen Person des Prüfers, andererseits auf dem Prüfungssystem.

Soweit es um universitäre Schein- bzw. Zwischenprüfungen geht, werden diese von Korrekturkräften bearbeitet, deren fachliche Qualifikation nicht immer hinreichend ist. So handelt es sich bei den Korrektoren für Klausuren in niedrigen Trimestern/Semestern an manchen Hochschulen um Studierende der höheren Trimester/Semester, die selbst noch nicht einmal die Erste Juristische Prüfung absolviert haben. An anderen Hochschulen korrigieren Personen, die ihre Erste Juristische Prüfung erst kürzlich absolviert haben, oder wirtschaftlich wenig erfolgreiche Anwälte.

Korrekturarbeit als Zuverdienst für mäßig erfolgreiche Anwälte?

Gegen Jungabsolventen ist nichts einzuwenden, soweit es sich um Prädikatsjuristen handelt, die zusätzlich zur notwendigen Note inhaltlich geprüft wurden. Sie sind noch vertieft mit der Materie vertraut. Aufgrund schlechter Bezahlung werden aber oftmals keine Spitzenkräfte eingesetzt. Bei korrigierenden Rechtsanwälten handelt es sich tendenziell um Korrektoren, die aufgrund geringer Qualifikationen in der freien Wirtschaft mäßig erfolgreich und auf einen Zuverdienst angewiesen sind.

Auch im Vorfeld der Korrektur geht es nicht immer vorbildlich zu. So kommt es an manchen Universitäten (zum Beispiel in Göttingen) vor, dass das wissenschaftliche Personal zugleich bei einem kommerziellen Repetitorium arbeitet, in dessen Vorbereitungskurs dann "zufällig" ein Fall behandelt wird, der anschließend zum Kerninhalt der universitären Klausur gemacht wird Mancherorts wird solchem Missbrauch allerdings präventiv entgegengewirkt: Die Universität Hamburg etwa hat in ihre Verträge schon vor Jahren eine sinnvolle Regelung aufgenommen, mittels derer dem Personal die Mitarbeit in einem für den Bereich der Ersten Juristischen Prüfung tätigen kommerziellen Repetitorium untersagt wird.

Praktikern fehlt oft der Bezug zum Prüfungsstoff

Jedenfalls in ihren praktischen Konsequenzen sehr viel schwerwiegender sind indes die Missstände im Korrekturwesen der Landesjustizprüfungsämter. In den letzten Jahren wurden Korrekturen für die Erste Juristische Prüfung vermehrt von Praktikern vorgenommen, deren eigene Ausbildung zum Teil lange zurückliegt und deren Erinnerung an die Lehrinhalte aus Studium und Referendariat entsprechend verblasst ist. In der Konsequenz werden wissenschaftliche Ansätze mit logischen und vertretbaren Überlegungen unbegründet abgetan.

Der Korrektor nimmt sich entweder nicht die Zeit, sich ausführlich mit der Lösung des Bearbeiters auseinanderzusetzen, oder er ist mit der Materie selbst nicht hinreichend vertraut. Die nötige Vertrautheit herzustellen, erfordert nämlich erheblichen Aufwand, den viele Praktiker nicht zu erbringen bereit oder in der Lage sind. So kommt es vor, dass ein Student, der über ein Jahr hinweg 60 Stunden und mehr pro Woche in seine Prüfungsvorbereitung investiert hat, gegenüber seinem Korrektor hinsichtlich der examensrelevanten Materie einen Wissens- und Verständnisvorsprung aufweist.

Examenskorrektoren haben teils selbst schlechte Examina

Das gilt erst recht, wenn der Korrektor seinen Posten nur auf Grund persönlicher Bindungen oder Personalmangels erhalten, dabei aber in seinen Examina selbst nur ausreichende Ergebnisse erreicht hat. Unabhängig von der fachlichen Inkompetenz solcher Prüfer, lassen manche von ihnen an den Kandidaten die Frustration der eigenen Misserfolgserlebnisse aus, indem sie ungerechtfertigt schlechte Noten vergeben. Andere Korrektoren – auch solche mit besseren eigenen Abschlüssen – tendieren wiederum ins gegenteilige Extrem und bewerten unverhältnismäßig gut.

Diese Defizite sind im derzeitigen Prüfungssystem veranlagt, aber keineswegs unabänderlich. Schon heute bestehen in einigen Bundesländern Regelungen, nach denen die Examensklausuren von wenigstens einem Hochschullehrer korrigiert werden müssen. Diesen Ansatz könnten andere Länder übernehmen und dahingehend ausweiten, dass Praktiker nur noch bei der Korrektur der Klausuren des 2. Staatsexamens eingesetzt werden. Dort wird ein praktischer Lösungsansatz gefordert, so dass ihr Einsatz insoweit sinnvoll ist.

Ein zweiter Ansatzpunkt ist ein finanzieller. Gute Prüfer müssen gut bezahlt werden. Spitzenkräfte werden nicht für geringes Entgelt Examensklausuren korrigieren, wobei die meisten Kandidaten wohl sogar mit einer Prüfungsgebühr einverstanden wären, wenn die Einnahmen tatsächlich für professionelle Prüfungsverfahren eingesetzt werden würden.

Zitiervorschlag

Dr. Arne-Patrik Heinze, Korrekturpraxis in juristischen Klausuren: Alles andere als "vollbefriedigend". In: Legal Tribune Online, 08.10.2013, http://www.lto.de/persistent/a_id/9757/ (abgerufen am: 27.05.2016)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 08.10.2013 18:36, LTO-Leser

    RA Heinze hat ja tolle Ideen, was andere Leute machen sollten, um die Prüfungen zu verbessern. An sich selber denkt der brave Mann dabei zuletzt. Dabei wäre es doch gar nicht schwer: Er müsste nur beim Prüfungsamt anrufen und sich als Prüfer für die erste Staatsprüfung zur Verfügung stellen - man nähme ihn, gute Examina vorausgesetzt, mit Kusshand.

    Vielleicht hat er aber auch schon einmal ausgerechnet, wie lange es dauert, jährlich 100 Klausuren mit einem Zeitaufwand von zwei Std. pro Klausur zu korrigieren und zu votieren, und was man in diesen 200 Stunden pro Jahr denn statt dessen machen (und verdienen!) könnte. Und vielleicht hat er sich ja aufgrund der dadurch gewonnenen Erkenntnisse darauf verlegt, lieber Konzepte zu entwerfen, die von anderen Leuten verlangen, sich gefälligst mehr ins Zeug zu legen.

    Und weil das so gut wie alle außerhalb des Staatsdienstes tätigen Juristen in Deutschland genauso sehen wie der brave RA Heinze, sind die Zustände eben so, wie sie nunmal sind.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 08.10.2013 23:17, Student

      RA Heinze arbeitet nicht nur als Anwalt, sondern eben auch als Repetitor, womit er wohl kaum als Korrektor in Frage kommen sollte. Ansonsten vollste Zustimmung. Der Satz, den man immer wieder hört "Die Note einer Klausur ist zu einem Drittel Fleiß, zu einem Drittel Glück und zu einem Drittel der Korrektor" zeigt, dass das Benotungssystem weit von einer fairen und objektiven Benotung entfernt ist und dies systematisch eher noch unterstützt wird. Wo bei Juristen die Benotung für den Berufseinstieg so wichtig ist - kann man sich gerade da schlechte Korrektoren leisten?

    • 09.10.2013 14:09, Reality

      An LTO-Leser:

      "...RA Heinze hat ja tolle Ideen, was andere Leute machen sollten, um die Prüfungen zu verbessern. An sich selber denkt der brave Mann dabei zuletzt. Dabei wäre es doch gar nicht schwer: Er müsste nur beim Prüfungsamt anrufen und sich als Prüfer für die erste Staatsprüfung zur Verfügung stellen - man nähme ihn, gute Examina vorausgesetzt, mit Kusshand...."

      Haben Sie gesicherte Kentnisse, lieber LTO-Leser, dass dies möglicherweise nicht bereits längst der Fall und Herr RA Heinze möglicherweise längst Prüfer ist? Wie kommen Sie zu der Annahme, dass das Gegenteil der Fall ist?

  • 08.10.2013 19:04, Clayton Webb

    In weiten Teilen ist dem Artikel zuzustimmen. Allerdings nicht diesen Passagen: "Gegen Jungabsolventen ist nichts einzuwenden, soweit es sich um Prädikatsjuristen handelt [..] Bei korrigierenden Rechtsanwälten handelt es sich tendenziell um Korrektoren, die aufgrund geringer Qualifikationen in der freien Wirtschaft mäßig erfolgreich und auf einen Zuverdienst angewiesen sind."

    Die Examensnoten (insbesondere nicht runtergebrochen auf Prädikat/Nicht-Prädikat) sollten nicht ausschlaggebend sein - allenfalls die Teilleistungen des Examens aus dem Rechtsgebiet, in dem die Korrektorentätigkeit stattfinden soll.

    Noch wichtiger als die Noten ist aber die angesprochene Bereitschaft, ernsthaft zu korrigieren und dabei alternative Lösungswege zu verfolgen und auch mit didaktischen Hinweisen nicht zu sparen. Ob das getan wird, lässt sich nur durch stichprobenartige Überprüfungen der Korrektor-Voten bewerkstellligen. An eben jenen mangelt es meiner Erfahrung nach.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 09.10.2013 13:43, Elias E.

      Vollste Zustimmung zu Ihrem Kommentar, Herr Webb.
      Hier will man den Teufel mit dem Belzebub austreiben. Es wird kritisiert, dass Studenten und Referendare eigentlich bessere Noten erzielen könnten, jedoch wird die fachliche Kompetenz der 4+X Punkte-Juristen angeprangert.

      Man relativiert also auf der einen Seite die Examensnote, um Sie dann wieder als Begründung heranzuziehen, weshalb die Noten schlecht ausfallen. Das ist unlogisch. Im Referendariat sind es übrigens vorwiegend Jungrichter und Staatsanwälte, die die Klausuren korrigieren gerade weil es im Lebenslauf berücksichtigt wird. Das, was gefordert wird, wird auch bereits umgesetzt. Dennoch bezweifle ich, dass es ausschließlich an der Note liegt, sondern auch wie viel Zeit man in die Korrektur investiert und sich mit Alternativen Lösungen auseinandersetzt. Die Lösungsskizzen der Fälle sind meist sehr ausführlich, so dass man sich eigentlich sehr schnell in die Materie einarbeiten kann. Ich finde es daher unmöglich diese Korrektoren übr einen Kamm zu scheren, nur weil sie keine 9 Punkte oder mehr im Examen haben

    • 16.10.2013 10:17, Paul Kemp

      Mich würde einmal interessieren, wo denn all die Spitzenkräfte und Prädikatsjuristen herkommen sollen, die angeblich notwendig sind, um Uniklausuren zu korrigieren. Natürlich sind es Referendare und junge Anwälte, die hier ganz wesentlich neben den Hilfskräften am Lehrstuhl zum Einsatz kommen. Zudem muss man mal eines klarstellen, was ja gern verschwiegen wird: der ganz überwiegende Teil der Klausuren ist einfach schlecht bis durchschnittlich. Unter der Maßgabe, dass sechs Punkte die Bewertung für eine durchschnittliche Klausur darstellt, ist die Notenverteilung also vollkommen gerechtfertigt. Es gibt von 50 Bearbeitern allenfalls zehn, die wirklich hervorstechen. Der Rest hat schon Probleme einen lesbaren Satz zu formulieren. Von den Rechtskenntnissen ganz zu schweigen. Eine Erfahrung, die sich auch in der Praxis bestätigt. Aus mittelmäßigen Studenten werden mittelmäßige Anwälte, Richter und Beamte. Richtig gute Leute gibt es nur ganz wenige und die haben dann anderes zu tun haben, als Klausuren von Studenten zu korrigieren. Die haben übrigens auch anderes zu tun als hier schlaue Kommentare abzugeben ;)

    • 16.10.2013 19:22, Inhaltsleere Lehre?

      Lieber Herr Kemp,

      da muss ich Ihnen sowohl beipflichten als auch widersprechen:
      In der Tat: Allein die Formulierung eines geraden Satzes inklusive aller notwendiger Satzzeichen wird leider zur Ausnahme. Sie glauben gar nicht, wie oft ich in den letzten Wochen die Kausalitätsformel à la "kausal, wenn die Handlung nicht hinweggedacht werden kann ohne das (sic! Komma ohne dass!) der Erfolg entfiele" gelesen habe. Wobei ich schon froh war, wenn die Kandidaten wenigstens die Handlung als Anknüpfungspunkt genommen haben und nicht die Tat, den Erfolg (ich habe mich nicht verschrieben) oder gar die Person des Täters!

      Und dann muss ich auch noch widersprechen: Notenmäßig gehöre ich zu den "Besseren" (liest sich ja furchtbar) und ich korrigiere aus Überzeugung Erstsemesterklausuren und schreibe dazu zweiseitige Voten am PC, damit die Nachwuchsjuristen gleich von vornherein die richtige Ausdrucksweise lernen.

      Ich hoffe, ich konnte Ihr Weltbild wenigstens ein bisschen erschüttern.

  • 08.10.2013 20:08, Horstenberg

    Die Beobachtungen sind weitgehend zutreffend. Das schlechte Juristen als Korrektoren häufig (zu) schlechte Noten vergeben, ist mir zu meiner Zeit auch des Öfteren untergekommen. Besonders im zweiten Staatsexamen habe ich zahlreiche Korrekturvermerke gelesen, die fehlendes juristisches Verständnis untermauerten.

    Den Forderungen kann ich auch weitgehend zustimmen. Gute Examensnoten sollten Einstiegsvoraussetzung für Korrektoren sein. Wer keine 10 Punkte hat, möglichst in beiden Examina, sollte als Prüfer nicht in Betracht kommen. - Der Vorschlag, dass Richter Korrektoren sein müssen, um einen "Karrieresprung" vorzubereiten, ist m.E. sehr gut. Daneben sollte man aber auch versuchen, die teils noch besseren Anwälte und Notare ins Boot zu holen. Auch Notarassessoren könnte man als Korrektoren verpflichten, bevor sie Notar werden.

    An einer Stelle stimme ich übrigens nicht zu: Den angeblich notwendigen Beurteilungsspielräumen bei mündlichen Prüfungen. Besonders durch die mündliche Prüfung werden Examensnoten teils richtig ungerecht. Hübsche Mädchen habe ich vom ausreichend ins vollbefriedigend hüpfen sehen. Gute Juristen, die vielleicht eine Klausur verhauen hatten, sind dann großzügig von 8,8 auf 8,9 Punkte geprüft worden. Mit mündlichem Ausdruck hatte das nichts zu tun. Dort entscheidet allein der Prüfer über die Note, nicht der Prüfling. Ich habe das am eigenen Leib erlebt, einmal mit lächerlich positivem, einmal mit unverständlich schlechtem Ausgang.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 16.10.2013 10:23, Paul Kemp

      Sorry aber dass ist doch ein Scherz. Wie viele Juristen gibt es denn, die zehn Punkte in beiden Examen haben?

  • 08.10.2013 21:39, Friedrich

    Dem Autor ist in vollem Umfang zuzustimmen. Es ist ein Schlag ins Gesicht jedes Jurastudenten, wie lächerlich wenig Geld zur Korrektur der Examensklausuren in die Hand genommen wird. Die Zustände sind katastrophal. Ich habe diese Woche einige originale Examensfälle einsehen können, die selbst im Prüfervermerk - also einem Lösungshinweise des Prüfungsamtes an die Korrektoren - haarsträubende Fehler aufwiesen.

    Es kann doch nicht sein, dass gerade das Examen, der wichtigste Teil in einem jahrelangen Studium, wie von Hobbyjuristen oragnisiert wirkt.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 09.10.2013 07:20, Cicero

    Dem Autor kann man nur zustimmen. Es wäre weiter wünschenswert, dass auch Scheinklausuren und Hausarbeiten mit einer anonymen Prüfungsnummer versehen werden und nicht mehr mit vollständigen Namen und Matrikelnummer auszufüllen sind. Dies wäre ein Schritt hin zu mehr Objektivität bei der Bewertung. Denn oftmals hat man den Eindruck, dass weniger die Leistung und mehr die Person des Prüfling im Vordergrund der Bewertung steht.

    Cicero

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 16.10.2013 09:56, Paul Kemp

      Nein, da kann ich Sie beruhigen. Die Korrekturen an der Uni sind meist anonym, jedenfalls die externen Korrektoren haben keine Ahnung davon, wer sich hinter einem Namen verbirgt.

  • 09.10.2013 10:14, Roman Schön

    Auf den Punkt getroffen!
    Ich gebe Ihnen vollkommen recht, dass bei einem Studium wo die Abschlussnote so übermäßig zählt, muss auch eine vernüftige Korrektur her.
    Ferner kann es auf Dauer nicht sein, dass eben Studenten aus dem dritten Semester die Klausuren derer aus dem ersten Semester korrigieren. Dann kommen solche Kommentare wie "Zuordnungstheorie gibt es nicht. Der Verfasser kennt nicht mal die grundlegenden Theorien".

    Anderes Beispiel wo Dreistigkeit siegt und es keinen stört.
    Zwei identische Hausarbeiten wurden im großen Schein einmal mit 3 und einmal mit 11 Punkten benotet. Wer glaubt das es hier fair abläuft der verkennt die Realität.
    Noch ein Beispiel, in nahezu allen Ausbildungszeitschriften wird dem Student erklärt, schreibe zu allem nur das nötigste, vor allem dort wo es offensichtlich ist. Dort wo die "Probleme" stecken, lasse Dein Wissen heraus. Was bringen einem solche leeren Vorschläge wenn der Korrektor eben dann anmerkt, "hätte umfangreicher sein können"! Keiner hat einen genauen Plan was erwartet wird. Und ich gehe noch weiter, die Note ist zur Hälft vom Prüfer abhängig.

    Nichts hat mich über mein Studium heraus so geärgert wie die Notenvergabe!

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 09.10.2013 11:47, B.Schmidt

    Die Noten für uns Juristen waren schon immer diskussionswürdig. Ob Korektoren nur Spitzenjuristen sein müssen, halte ich aber für fragwürdig, weil diese auch die seltsamem Noten bekommen haben. Auch normale Juristen, die Anwalt werden und sich spezialisieren, können Korrektoren sein. Wenn diese einen Fachanwalt für z.B. Strafrecht haben, die Lösungsszizze der Klausur bekommen und in die Technik der Klausurlösung eingewiesen werden, sollten diese auch eine Klausur entsprechend korrigieren und bepunkten können. Das Problem sind aber auch die Lösungen bzw. die Vorgabe, wie entsprechend Punkte zu vergeben sind. Wenn dort alternative Ansätze nicht erwähnt sind, kann man keine Punkte vergeben. Dies muss auch geändert werden.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 09.10.2013 13:09, OEM-Jurist

    Das Hauptproblem sind prüfende Praktiker jedweder Couleur, die seit zig Jahren in ihrem Beruf sind und mit Ausführungen des Prüflings jenseits der Lösungsskizze leider häufig nichts anfangen können. Da muss man als Kandidat schon Glück haben, einen (guten) Professor zu erwischen, der geistig flexibel ist und gut vertretbare, wenngleich nicht der herrschenden Auffassung (der Obergerichte) folgende Ausführungen entsprechend honoriert.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 10.10.2013 09:24, Joe

    Dr. Heinze ist Repetitor der Beck-Akademie gewesen, die nun in Kiss-Akademie umbenannt worden ist.

    Ich frage mich ja: Wie hat der Autor erfahren, dass in Göttingen wissMits, wie er behauptet, gezielt Klausuren im kommerziellen Rep vorbereiten und dann in der Uni auch so stellen? Ist das vielleicht sogar in "seinem eigenen" Rep passiert?

    Und wenn wir schon bei "Ich weiß da was" sind:
    Dr. Heinze schreibt ja so schön: "Gegen Jungabsolventen ist nichts einzuwenden, soweit es sich um Prädikatsjuristen handelt, die zusätzlich zur notwendigen Note inhaltlich geprüft wurden."

    Ich kenne jemanden, der Korrektor im Klausurenkurs der Akademie ist, der Dr. Heinze (früher?) angehört(e?). Er hat kein Prädikatsexamen.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 10.10.2013 17:34, Leser

    Wenn man sich die Qualität des Textes ansieht, könnte man fast meinen, dass der Baron (Constantin Baron van Lijnden) wieder zugeschlagen hat. ;-)

    Der Artikel ist lediglich undifferenziertes Bashing gegen Institutionen und andere Juristen. Vieles ist nicht belegt und oberflächlich erläutert worden

    Ich kann sehr gut nachvollziehen, wenn viele mit der schriftlichen Korrektur oder mündlichen Prüfung nicht einverstanden sind. Ich habe selbst negative Erfahrungen gemacht. Wer sich damit aber nicht abfinden will, sollte etwas anderes studieren oder den Beruf wechseln. Maschinen rechnen ,aber Menschen bewerten. Es wird immer Ungerechtigkeiten bei der Notenvergabe in Jura geben, da Menschen sich mit dieser nicht-mathematischen Materie befassen.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 10.10.2013 23:29, RiOLGC

    Ich prüfe seit vielen Jahren im 1. juristischen Staatsexamen, wobei ich sowohl Klausuren korrigiere als auch mündlich prüfe. Die pauschalen Anfgriffe des Autors sind aus meiner Sicht weitgehend nicht gerechtfertigt; die Problematik schlechter Klausurnoten liegt nach meiner erfahrung in erster Linie daran, dass die Kandidaten schlicht und einfach die Klausurtechnik nicht beherrschen. In seit Jahren zunehmendem Maße werden "Besinnungsaufsätze" verfaßt, in denen sich uU der eine oder andere brauchbare Gedanke findet, aber keine braucbare Subsumtion. Ich führe dies darauf zurück - denn es gibt immer noch eine Reihe "vollbefriedigender" und besserer Kandidaten - dass in der universitären Ausbildung zu wenige Übungsklausuren geschrieben werden, deren Korrektur und Besprechung dann auch noch zu wünschen läßt. Das ist der Punkt, an dem professorale Fürsorge für die Studenten einzusetzen hat. Bei dem Zeitaufwand, den ich sowohl für Erst- als auch Zweitkorrekturen betreibe und dem geradezu lächerlichen Honorar ergibt sich ein "Stundenlohn", für den kein Harz IV-Empfänger auch nur aufstehen würde. Dieses "Hobby" betreibe ich abends und an den Wochenenden; dafür will ich nicht etwa Mitleid, sondern nur klarmachen, dass nicht nur ich, sondern viele andere Prüfer mit dem nötigen Ernst und Engagement an diese wichtige Aufgabe herangehen.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 12.10.2013 12:25, Inhaltsleere Lehre?

      Die schlechte Lehre, die RiOLGC hier völlig zurecht anprangert, ist ein Systemfehler, der ua. darauf beruht, dass zur „Verbesserung der Lehre“, wie es immer so schön und inhaltslos heißt, an einigen Universitäten Unmengen an technischen Spielereien angeschafft werden, neue Tische und Lernabteile in Bibliotheken geschaffen werden – und Dozenten einfach ins kalte Wasser geworfen werden.
      Vorlesungen sollen abstraktes Wissen vermitteln, sog. AGs die praktische (Klausuren-)Übung. Aufgrund der Lehrverpflichtung sind viele wissenschaftliche Mitarbeiter dazu verpflichtet, diese AGs zu leiten, auch wenn sie überhaupt keine Ahnung haben, was sie wie machen sollten, um den Studenten systematisch Wissen zu vermitteln. Wollen sie sich in Sachen Hochschuldidaktik fortbilden, kostet sie das privates (!) Geld, zwischen 20 und 500 €, wenn es um umfangreiche Weiterbildungsprogramme geht.
      Was für eine abstruse Logik: Hauptsache, die Studenten sitzen an einem neuen Tisch. Dann macht es ja nichts, wenn vor ihnen jemand steht, der ihnen die praktische Anwendung des Wissens vermitteln soll und der keine Ahnung von Didaktik hat. Und Hauptsache, man klebt dann fein säuberlich das Etikett „Lehre verbessert“ darauf. Das ist doch blanker Hohn!
      Es ist weiterhin blanker Hohn, dass unter dem Label „Fairnessgebot“ systematisch zu verhindern versucht wird, dass AG-Leiter Extras anbieten – seien es nun Übungsklausuren oder Extratermine. Nein, heißt es dann, aus Fairnessgründen müsste das in allen Kursen angeboten werden und dazu sind die meisten AG-Leiter nicht bereit. Den Gruppenzwang zur schlechte(re)n Lehre als Fairness zu verkaufen, ist der perverse Gipfel der Frechheit!
      Solange diese Strukturen so existieren, müssen sich Prüfer – an der Universität und in den LJPAs - nicht wundern, wenn sie – mit Verlaub – grottige Klausuren korrigieren müssen. Solange muss sich keine Universität wundern, warum kommerzielle Repetitoren einen so großen Zulauf haben. Denn solange diese Strukturen so bestehen, ist es reiner Zufall und dem eigenen Engagement des Studenten entsprungen, ob er sich das relevante Können für die Examensprüfung angeeignet hat.
      Und wenn man nun einen ketzerischen Schritt weitergehen möchte, muss man sich fragen, ob dieses marode universitäre Bildungssystem – mit wenigen löblichen Ausnahmen – dan überhaupt noch eine Daseinsberechtigung hat.

    • 12.10.2013 17:45, stud iur grotius

      Dass Sie sich in Ihrer Position die Zeit nehmen, auf dieser Website auch die Beiträge zum Thema Ausbildung zu lesen, lässt mich glauben, dass sie tatsächlich viel Zeit und Mühe auch in Ihre Korrekturen investieren.
      Das Examen hab ich noch nicht geschrieben, zu den dortige Korrektoren kann ich also nichts berichten.
      Allerdings ist mir in meinen 7 Semestern auch schon die ein oder andere Korrektur sauer aufgestoßen. Meist deshalb, weil die Korrektoren sich scheinbar keine Mühe machten, die von Ihnen so begehrte Subsumtion auch anzuerkennen. Aus den Randbemerkungen und Makierungen ergibt sich viel eher, dass nur nach Schlagwörtern wie "Einzelaktstheorie" oder "reformatio in peius" Ausschau gehalten wird. Ob der Bearbeiter damit auch umgehen kann, scheint zweitrangig.
      Gerade im Klausurenkurs erkennt man, wieviel Glück man haben muss, wenn man aus einer Klausur auch individuellen Lernerfolg Ziehen will. Einige Korrektoren wiederholen mit Sauklaue einfach die Lösungsskizze, die eh zum Downloed bereit gestellt wird. Andere dagegen schreiben am PC seitenweise Voten und nehmen teils einzelne Sätze auseinander, um selbst bei Details noch den Raum für Verbesserungen auszuzeigen und auszuschöpfen. Ich kann wirklich nur hoffem, dass die Bandbreite bei den JPAs nicht so groß ist. Denn dann scheint es wirklich Glückssache zu sein.
      Und ja, dass für gute AGs kein Geld da ist, ist wirklich schade. Gerade in den letzten beiden Semestern vor der Staatsprüfung könnte man sicher da sicher noch viel lehren. Angeboten werden sie aber leider nur für die Anfänger scheine.

  • 12.10.2013 09:25, Rotstift

    Ein wesentlicher Fehler liegt bereits darin, dass es keine anständigen Lösungsskizzen gibt. Dies liegt schon darin begründet, dass das JPA versucht, die Anfechtung der Korrekturen zu erschweren. Dies wiederum zeigt auf, dass es nicht nur eine richtige Lösung gibt, man sich dem aber nicht öffnen will. Systemfehler liegen auch darin, dass die Lehre auf dem Weg zum 1. Wie zum 2. immer von der Korrekturpraxis abweicht.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 12.10.2013 19:19, Wolfgang Leist

    Der Autor verkennt ein Hauptproblem: den Umfang der Arbeiten. Jeder, der in den letzten Jahren seine Examina gemacht hat, weiß doch, dass man unter 15-20 Seiten kaum davon kommt. Wer nicht nach spätestens einer halben Stunde mit dem (hektischen) Schreiben anfängt, kommt durch keine Klausur.
    Zudem geht es gerade im 1. Examen hauptsächlich darum, bestimmte Definitionen auswendig zu können. Warum eigentlich muss das so sein? Wie wäre es, wenn man schlicht den Umfang der Klausuren massiv nach unten drückt, indem man z.B. Zulässigkeitsfragen nur noch in Kurzform oder gar nicht mehr stellt. Oder nur thematisiert, wenn tatsächlich Probleme erkennbar sind. Dann kann man nämlich die wesentlichen Fragen, die sich hauptsächlich in der Begründetheit finden, ausführlich darstellen lassen, ohne den Prüfling und den Korrektur mengenmäßig zu überfordern. Früher waren Doktorarbeiten auch nur 30, 40 Seiten lang, während heute mindestens 200 erwartet werden. Lieber 5-10 Seiten in einer Klausur, die man dann auch wirklich aufmerksam lesen kann, also 15-20 Seiten, die der Korrektor nur noch überfliegt.
    Mein persönlicher Lieblingssatz eines Korrektors übrigens in einer meiner Klausuren: "Ihre Überlegungen sind vertretbar. Sie finden aber keine Entsprechung in Literatur oder Rechtsprechung - daher falsch."

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 13.10.2013 09:24, www.strafakte.de

    www.strafakte.de verlinkt auf diesen Artikel mit folgendem Linktext:
    Korrekturpraxis in juristischen Klausuren: Alles andere als „vollbefriedigend“

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 13.10.2013 20:54, Assessor

    Ich finde es sehr positiv, dass endlich mal jemand die Missstände im Prüfungssystem öffentlich anprangert.
    Was ich vor allem nicht begreifen kann ist, warum im 2. Staatsexamen der Zweitkorrektor die Bewertung des Erstkorrektors einsehen kann. Es liegt doch auf der Hand, dass es am Bequemsten ist, sich einfach dem Votum des Erstkorrektors anzuschließen. So läuft es auch in der Praxis. Ich habe Einsicht genommen in meine Klausuren und in KEINER der 8 Klausuren hat der Zweitkorrektur ein abweichendes Votum geschrieben, wobei Votum nicht das richtige Wort ist. Im Grunde hieß es lediglich immer: „Nach Abwägung der positiven und negativen Aspekte der Bearbeitung schließe ich mich dem Votum des Erstkorrektors an.“ Meine Referendarskollegen haben im Übrigen die gleiche Erfahrung gemacht. Im Ergebnis wird der Zweitkorrektor dadurch überflüssig.

    Neben den vom Autor aufgezeichneten Mängeln gibt es aber noch einen anderen Grundfehler.
    Warum kann das Prüfungsamt nicht einheitliche Bewertungskriterien ausgeben??

    Ja ich weiß, dass Jura keine exakte Wissenschaft ist wie Mathematik. Aber die Bewertung von Deutschklausuren im Abitur ist beispielsweise auch nicht so exakt vorzunehmen. Und trotzdem gibt es hier Bewertungsvorgaben.
    Man könnte zumindest festlegen, wieviele Punkte es grob für die einzelnen Klausurabschnitte wie Rubrum, Tatbestand und Entscheidungsgründe geben soll. Oder man könnte festlegen, dass die formale Richtigkeit einer Klausur z.B. maximal 20% der Gesamtnote ausmachen soll. Bei dem derzeitigen System hingegen ist es möglich, dass ein Korrektor einen Prüfling durchfallen lässt nur weil dieser aufgrund des Zeitdrucks am Ende vergisst die Unterschrift des Richters zu setzen, selbst wenn der Rest der Klausur gelungen ist. Da die Verwaltungsgerichte sehr strenge Maßstäbe an die Annahme von Willkür setzen, was ich im Übrigen auch kritisch sehe, wäre diese Prüfungsentscheidung wohl auch noch nicht einmal gerichtlich angreifbar.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 14.10.2013 01:06, Dr. T.

    Die Bezahlung der Korrekturassistenten an der Uni ist nicht gut, so dass es schwierig ist genug Referendare und Doktoranden mit passablen Ergebnissen zu gewinnen. Und so viele gibt es davon gar nicht. Im Massenfach Jura fallen oft zur gleichen Zeit (Zwischenprüfung) hunderte bis tausend Korrekturen (in allen drei Fächern) an. Naturgemäß wird es dann eng. Gleichzeitig soll es aber ganz schnell gehen, weil die Studis natürlich kaum ihre Noten erwarten können. Jura ist i.E. ein billiges Massenstudienfach, an dem gern noch mehr eingespart wird. Es gilt auch ein mieser Betreuungsschlüssel bei den Professoren, Mitarbeiterstellen etc., weil angeblich der Betreuungsaufwand geringer sei als bei BWLern, VWLern, Medizinern etc. Man kann die Korrektur bloßer Multiple-Choice-Klausuren aber nicht mir der Korrektur einer juristischen Klausur vergleichen.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 17.10.2013 21:11, Bernd M.

    Meines Erachtens ist diese Diskussion durchaus förderlich. Ob nun jeder Punkt korrekt wiedergegeben ist oder inwiefern sich hier mancher ([un-]berechtigte) Frust einschleicht, ist nicht wirklich entscheidend.
    Was hingegen entscheidend ist, sind die Faktoren. Betrachten wir diese nüchtern und bei Licht, so scheint sich herauszukristallisieren, dass es vorrangig um Zeit der Korrektur im Vergleich zur Vorbereitung, um die Fragestellung nach dem richtigen Lösungsweg sowie um die angemessene Bezahlung geht. Dazu ich vertrete die Ansicht, die Lehrstühle könnten auch beitragen. Warum nicht Zahlen und Fakten in die Problematik einführen? Jeder Lehrstuhl hat "seine" Korrektoren. Erfasst man einfach systematisch die Leistungen eines jeden Prüfers, könnten interessante Ableitungen getroffen werden: ist ein Prüfer stets unter/über dem allgemeinen Schnitt. Gibt es besonders gelungene oder schwere Klausuren. Das nähme auch den Studierenden den Wind aus den Segeln, die sich über "unfaire" Klausur-/Hausarbeitskorrekturen beschweren. Vergleichbarkeit und Nachvollziehbarkeit sind hier die Stichwörter. Vorweg kann noch gesagt werden, der Einwand, es gäbe ja immer Ausreißer und vielleicht habe ein Kollege nur die Nieten gezogen, trägt auch nicht, sofern die Datenbasis groß genug ist (und das wird sie nach spätestens zwei Semestern sein). Zusätzlich (gerade in den AG) belegen diese Zahlen, ob ein Tutor eine ordentliche Vorbereitung durchführt.
    Dieses Modell könnte auch im Rahmen des Staatsexamens angewandt werden - dies würde zumindest m.E. den wissenschaftlichen Anspruch unterstreichen. Nur leider fürchte ich, es würden sich keine Korrektoren mehr finden, die breit sind, ihre Leistungen (für die sie sicherlich schlecht - aber immerhin - bezahlt werden)gerade zu stehen. Es würde auch den Gerichten erleichtern, zumindest eine fundierte Vorinformation zu bekommen.
    Letztlich bleibt zu konstatieren: solange die Universitäten nicht bereit sind, fundamentale Änderungen durchzuführen, solange spielt der Faktor Glück - den jeder Student tunlichst eliminieren will - weiterhin eine große Rolle. Leider.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 19.10.2013 12:24, Meister Proper

    "junge Professoren ... zunächst für einige Jahre in erheblichem Umfang prüfen zu lassen, bevor sie in der Wissenschaft und der Justiz aufsteigen könnten. Während dieser Zeit wären sie somit stets mit allen examensrelevanten Problemen vertraut und hätten zudem eine viel größere Routine und einen viel besseren Eindruck auch von der relativen Leistungsfähigkeit der Prüflinge, um anschließend in der Lehre gezielt an den entscheidenden Stellen anzusetzen."

    Klar. Dafür hat man promoviert, habilitiert etc. In England, den USA usw. ist es auch schön...

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 06.11.2013 14:02, Dr. A. BeeCe

    Ich bin sicher, dass es unter den Korrektoren (wie überall auf der Welt) ein großes Mittelfeld geeigneter Prüfer gibt, aber auch Ausreißer nach oben und untern. Solche nach oben sind sicher zu begrüßen, solche nach unten sollte man meiner Meinung nach aber rigoros aussortieren, was bisher wohl mit Rücksicht auf die Laufbahn der entsprechenden Kollegen nicht geschieht.

    Ich selber habe im ersten Examen eine ausgesprochen unerfreuliche Korrektur durch einen Richter am AG "erlitten"; mit einem ÖR-Klausurenkursdurchschnitt von 14,5 Punkten (jahrelange Verwaltungstätigkeit) hat man mir in einer Verwaltungsrechtsklausur 6 Punkte gegeben und dies mit "ungelesen in den Papierkorb" kommentiert. Außerdem wurde mir unterstellt, es bestehe keinerlei Verständnis der Materie und es werde ausschließlich auswendig gelerntes "abgeladen". Der Zweitkorrektur begnügte sich mit einem Haken und einem Namenszeichen.

    Diese Korrektur hat mich damals sehr wütend gemacht, insbesondere, da sich die mangelnde Kenntnis scheinbar über Nacht ins Gegenteil verkehrt hat und ich insgesamt die Note "gut" erzielen konnte. Meiner Meinung nach verstellen solche Unsachlichkeiten den Blick auf die Klausur und wenn es mich damals einen Notensprung gekostet hätte, wäre ich mit Sicherheit gegen die Korrektur vorgegangen.

    Der gleiche Korrektur hat im Übrigen den Ruf, dass bei ihm keine Frau die mündliche Prüfung mit mehr als 4 Punkten verlasse. Damalige Kommilitoninnen habe sich seinerzeit lieber vom Amtsarzt krank schreiben lassen, als in seine Prüfung zu gehen.

    Wenn sich solche Umstände bereits unter den Studenten rumgesprochen haben, dann muss dies doch auch den entscheidungsbefugten Personen bekannt sein. Solche Korrektoren gehören dauerhaft entfernt.

    Aber noch einmal: Der Großteil der Korrektoren macht einen guten Job für wenig Geld - Prädikatsexamen hin oder her.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 17.04.2014 02:14, pwmonatsblatter.com

    pwmonatsblatter.com verlinkt auf diesen Artikel mit folgendem Linktext:
    mit zahlreichen Unwägbarkeiten behaftet

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 27.05.2015 12:37, Natalie Becker

    >>Zwei identische Hausarbeiten wurden im großen Schein einmal mit 3 und einmal mit 11 Punkten benotet.<<

    Zwei identische Hausarbeiten sind ein klarer Täuschungsversuch und beide mit 0 Punkten zu bewerten.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 28.12.2015 13:37, Der Graf

    Das Prüfungssystem und die Korrektoren sind nur ein Teil des Ganzen. Das Hauptübel ist der Studiengang selbst.
    Es kann doch nicht sein, dass sich Jahr für Jahr etliche Studenten zu privaten Repetitoren schleppen, nur um die Examina bestehen zu können.
    Es kann doch nicht sein, dass im Grundstudium bei Klausuren und Hausarbeiten seitens der Korrektoren oftmals beide Augen zugedrückt werden, man im Hauptstudium bei den Übungen für Fortgeschrittene auch noch durch die Klausuren kommt, wenn man beispielsweise im öffentlichen Recht die Zulässigkeit der Klage halbwegs fehlerfrei durchgeprüft hat, zur Begründetheit aber nicht mehr kam, und man dann im Examen sämtliche Unzulänglichkeiten der Uni-Korrekturen um die Ohren gehauen bekommt.
    Wo sind im Hauptstudium die AG's oder Seminare, die gezielt auf die Bearbeitung einer Examensklausur vorbereiten?
    Ein erster Anfang sind Uni-Repetitorien, die aber völlig überfüllt sind und z.T. wenn überhaupt nur "ausreichend" geleitet werden.
    Das ganze juristische Ausbildungssystem gehört reformiert. Aber dazu ist man nicht in der Lage bzw. gewillt, da Veränderungen unter den Wissenschaftlern ungern gesehen werden.
    Da diskutiert man lieber (vollkommen Sinn-befreit) über eine Modernisierung der Mord- und Totschlag-Normen.

    Auf diesen Kommentar antworten
Neuer Kommentar
Veranstaltungstipps

71. Deutscher Juristentag (13. - 16.09.2016 in Essen)

Der Deutsche Juristentag ist mit über 2.500 Teilnehmern aus allen juristischen Berufsgruppen (plus Begleitpersonen) die größte juristische Fachtagung Europas. Tagungsort ist die Messe Essen am Grugapark. Weitere Infos gibt es auf djt.de.

27. Jahrestagung der Gesellschaft Junger Zivilrechtswissenschaftler e.V. (14. -17.09.2016 in München)

Unter dem Thema "Perspektiven einer europäischen Privatrechtswissenschaft" diskutieren die Teilnehmer über die Grundlagen und Methoden des Zivilrechts, das allgemeine Zivil- und Zivilverfahrensrecht sowie das Wirtschafts- und Arbeitsrecht. Mehr Infos gibt es hier.