ICC International Commercial Mediation Competition

Verhandeln in Paris, mon amour

von Jens KahrmannVistenkarte

21.02.2013

ICC-Team der Universität Bonn

Zum dritten Mal haben Jurastudenten der Universität Bonn bei der ICC International Commercial Mediation Competition in Paris ihr Verhandlungsgeschick unter Beweis gestellt. Die LTO hat das vierköpfige Team und ihre Coaches begleitet. Dass es spannend wird, war von Anfang an klar: In diesem Jahr wollten die Bonner endlich zu den besten 16 Teams gehören, die in die Finalrunde einziehen.

Einen Moot Court vermutet man zunächst nicht im Bereich der Mediation.  Für simulierte Verhandlungen scheinen sich eher kontradiktorische Verfahren zu eignen. Aber auch bei einer Mediation treffen zwei Parteien aufeinander, die beide weitestgehend ihre Interessen wahren wollen. Soweit die Gemeinsamkeiten.

Die Unterschiede liegen in der Art und Weise der Konfliktlösung. Entsprechend geht es bei diesem Moot Court nicht primär um das Verhandlungsergebnis und darum, dass man "gewinnt". Die Teilnehmer sollen vor allem beweisen, dass sie verstanden haben, wie der Prozess der Mediation funktioniert.

Am Wettbewerb der Internationalen Handelskammer (ICC) in Paris nehmen 66 Universitätsteams aus aller Welt teil. Sie treten in vier Vorrunden gegeneinander an und widmen sich dabei jeweils vier Fallszenarien. Je zwei Studenten eines Teams agieren als Mandant und dessen Rechtsbeistand. Sie verhandeln vor einem praxiserfahrenen Mediator – 85 Minuten lang und ausschließlich in englischer Sprache. Zwei Punktrichter beurteilen anschließend die Leistung. Die 16 besten Teams gelangen in die Finalrunde.

Vier für Paris

In die Finalrunde wollen auch die Bonner Jurastudierenden Michael Fengler, Stephan Ortner, Clara Schröder und Thomas Ackermann. Sie sind ein junges Team – Clara beispielsweise ist erst im dritten Semester und legt gerade die Zwischenprüfung ab, während sich Thomas im sechsten Semester an die Schwerpunktklausuren macht. "Ohne Freisemester muss es gehen – aber ist es halt viel Zeitaufwand", entgegnen sie Nachfragen einmütig.

Betreut wird das Quartett von den Coaches Anne Goertz, Marc Ohrendorf und Philipp Warflinger. Sie alle kennen den Wettbewerb bereits aus eigener Erfahrung und geben ihre Erkenntnisse an das Team weiter. Zu Beginn ihrer Vorbereitung haben sie Workshops veranstaltet, "in denen es vor allem um Verhandlungsmanagement und Mediation im Allgemeinen ging. Es folgte ein Workshop zum Thema Körpersprache", erzählt Anne. Schließlich ging es in Probeverhandlungen,  "die wir auf Video aufgezeichnet haben. So konnten wir die Körpersprache, den Ausdruck und die Art der Argumentation besser analysieren.".

Die Vorbereitung auf den Wettbewerb bestand aber nicht nur im Einüben von Verhandlungstaktiken. Es ging auch darum, die Kosten für den Wettbewerb zu refinanzieren. Diese Aufgabe fiel dem ganzen Team zu. "Das Problem ist, dass die ICC Mediation Competition weniger bekannt ist als andere Moot Courts. Ich habe daher jeden Tag viel herumtelefoniert", erzählt Stephan, der vor allem für die Telefonakquise zuständig war. Ihre Bemühungen trugen schließlich Früchte: Fünf Kanzleien und drei Verlage haben sie als Unterstützer gewinnen können.

Die Finalrunde fest im Visier

In den beiden vorherigen Jahren verfehlten die Teams der Uni Bonn die Finalrunde. Das mag auch an den unterschiedlichen Ausgangssituationen gelegen haben: "Es gibt Unis, die sogar ein Freisemester dafür zur Verfügung stellen. Und dann ist die Vorbereitungsmöglichkeit natürlich noch eine ganz andere", weiß Coach Marc.

Allen Schwierigkeiten zum Trotz - diesmal soll es die Finalrunde sein. "Ich bin nervös", räumt Clara freimütig ein. "Aber vor allem freue ich mich darauf – es ist ein einmaliges Angebot." Michael versucht weiter zu beruhigen: "Alleine dadurch, dass wir dabei sein dürfen, haben wir ja schon gewonnen."

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  1. Seite 1: "Die Finalrunde fest im Visier"
  2. Seite 2: Startschuss im Hauptquartier von Gide Loyrette Nouel
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Zitiervorschlag

Jens Kahrmann, ICC International Commercial Mediation Competition: Verhandeln in Paris, mon amour. In: Legal Tribune ONLINE, 21.02.2013, http://www.lto.de/persistent/a_id/8198/ (abgerufen am 29.07.2014)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare

21.02.2013 20:50
Die besten 30 teilnehmenden Universitäten nach Angaben der ICC:

1 Jagiellonian University (Poland)
2 University of Auckland * (New Zealand)
3 Singapore Management University (Singapore)
4 São Paulo Law School of Fundação Getúlio Vargas (Brazil)
5 Cornell LS (USA)
6 University of New South Wales (Australia)
7 Bucerius LS (Germany)
8 National Law University, Jodhpur (India)
9 Ludwig Maximilian University of Munich (Germany)
10 Vanderbilt Law School * (USA)
11 Benjamin N. Cardozo School of Law (USA)
12 KU Leuven (Belgium)
13 St. John's University School of Law (USA)
14 University College London (United Kingdom)
15 University of Warsaw (Poland)
16 Stockholm University (Sweden)
17 Saint Joseph University (Lebanon)
18 UC Hastings College of the Law (USA)
19 Bar Ilan (Israel)
20 Hamline University School of Law (USA)
21 South Texas College of Law (USA)
22 University of Athens * (Greece)
23 University of Ottawa, Faculty of Law (Canada)
24 Willamette University College of Law * (USA)
25 Leibniz University Hanover (Germany)
26 Université de Lorraine (France)
27 University of São Paulo (Brazil)
28 University of Montpellier (France)
29 Renmin University of China LS * (China)
30 University of Florence * (Italy)

* first time participation
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