Studenten und Referendare beim Juristentag: "Nicht nur gesetzte ältere Herren"

von Renata Karina Rehle

18.09.2012

Von manchen Dingen verstehen junge Leute einfach mehr, das weiß auch der Deutsche Juristentag. Beim 69. djt in München beteiligt sich der juristische Nachwuchs aktiv an der Fortentwicklung des Rechts. In Kooperation mit ELSA haben Studierende ein Gesetz entworfen und Artikel geschrieben. Und ganz nebenbei holen sie sich Input für eigene Haus- und sogar Doktorarbeiten.

 

Beim Deutschen Juristentag sollten sich "nicht nur ältere gesetzte Herren" treffen, sagt Dr. Peter Götz von Olenhusen, Präsident des Oberlandesgerichts Celle und Mitglied der Ständigen Deputation des djt. Auch die Stimme der jungen Juristen zähle. Deshalb begrüßten Götz und die Studentenvereinigung European Law Student Association (ELSA) am Dienstag die Studenten und Referendare mit einer gesonderten Einführungsveranstaltung beim 69. Deutschen Juristentag in München.

Studenten haben alle Mühe, erst einmal die Masse des geltenden Rechts zu verstehen. Ist es da angebracht, schon Änderungsvorschläge zu bringen? Ja, findet Götz. Gerade ihre Stimme zähle bei Themen, mit denen junge Menschen vertrauter sind: Die Fachabteilung Strafrecht behandelt, wie Internetkriminalität in den Griff zu bekommen sein könnte. Braucht es neue Straftatbestände und ein erweitertes Strafverfolgungsinstrumentarium?

In der Fachabteilung IT- und Kommunikationsrecht wird über "Persönlichkeits- und Datenschutz im Internet – Anforderungen und Grenzen einer Regulierung" diskutiert. Die Notwendigkeit zeigt aktuell der Fall Bettina Wulff. 

Studenten erarbeiten Gesetzentwurf

Um der Stimme der Nachwuchsjuristen mehr Gewicht zu verleihen, hat die Studentenvereinigung European Law Students Association (ELSA) ein Pilotprojekt initiiert: Ein Jahr lang haben sich sechs Studierende aus ganz Deutschland in so genannten Legal Research Groups intensiv mit zwei Themen des Juristentags beschäftigt.

Das Ergebnis: Ein Artikel zum Wirtschaftsrecht und ein Gesetzentwurf zum Verbraucherrecht: "Wir nennen es das VerSchG - Verbraucherschutzgesetz", erklärt Kristin Kamann, Jurastudentin im 7. Fachsemester aus Münster. Ihr Kollege Vincent Nossek aus Bonn stellt fest, dass es "durchaus anstrengend" war, solch ein Gesetz zu formulieren.

Den Gesetzentwurf wollen die Jungjuristen im Rahmen der Abteilung Zivilrecht einbringen, der Artikel soll veröffentlicht werden. Martin Bär der Autor des wirtschaftsrechtlichen Artikels, erklärt, warum sich die Mühe für das Projekt neben seinem Studium an der Universität Bayreuth lohne: Ihn begeistere das wissenschaftliche Arbeiten außerhalb des Hörsaals. Der Deutsche Juristentag biete ein Forum mit gesellschaftsrechtlicher Relevanz.

Auch Solveig Heilmann, Präsidentin von ELSA. meint: "Der Blick über den Tellerrand gehört zu einem engagiertem Juristen."

Ganz praktisch mitten aus dem Studentenleben

Aber es sind nicht nur ideelle Motive, welche die Studenten zum Deutschen Juristentag nach München treiben. Auch ganz praktische Gründen spielen für den Nachwuchs eine Rolle: Matthias aus München schreibt gerade an einer Seminararbeit mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsrecht. Er erhofft sich von der wirtschaftsrechtlichen Abteilung den ein oder anderen guten Gedanken. Stefan aus Bayreuth interessiert sich für das Verbraucherrecht: Er promoviert über das italienische Verbrauchergesetzbuch, das im Jahr 2005 erlassen worden ist.

Jara und Berit sind aus Münster angereist. Die Universität hat die Reise bezuschusst, weil sich ihr Seminar "Neue Formen der Bürgerbeteiligung vor und nach Stuttgart 21" deckt mit dem Thema der Fachabteilung im Öffentlichen Recht. Obwohl sie damit über eine gewisse Expertise verfügen sind, trauen sie sich keinen Wortbeitrag in der großen Diskussionsrunde in der Fachabteilung der Öffentlich-Rechtler zu: "Nein! Aber bei der kleinen Runde vielleicht schon." In einer Sonderveranstaltung am Mittwoch dürfen die Studenten und Referendare nämlich wieder mitsprechen. Im kleinen Kreis, ganz exklusiv mit den Leitern aller Fachabteilungen.

Zitiervorschlag

Renata Karina Rehle, Studenten und Referendare beim Juristentag: "Nicht nur gesetzte ältere Herren". In: Legal Tribune Online, 18.09.2012, http://www.lto.de/persistent/a_id/7111/ (abgerufen am: 24.01.2017)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 19.09.2012 00:32, M. Spiegelkam

    Besuchszeiten? Eintritt? Öffentlich? Informationen zum DTJ? Auf der Webpräsenz steht lediglich der Teilnahmepreis....

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 19.09.2012 15:15, Christian DülpersVistenkarte

    Für die Teilnahme war eine Anmeldung notwendig. Mitglieder des djt zahlen eine Tagungsgebühr von 140 Euro, Nicht-Mitglieder 220 Euro. Studenten und Referendare zahlen als Mitglied 30 Euro und als Nicht-Mitglied 60 Euro. Vormittags ist nach unserer Kenntnis der Besuch auch ohne vorherige Anmeldung möglich, nachmittags ist die Teilnahme auf angemeldete Personen beschränkt. Das Programmheft gibt es unter http://www.djt.de/fileadmin/downloads/69/djt_69_Programmheft_120420.pdf.

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