Bewerbung und Lebenslauf: Ins Aus­land muss man wollen

von Sabine Olschner

29.05.2017

Ein Semester oder eine Wahlstation im Ausland, vielleicht sogar ein ganzes Studium dort nebst Abschluss  – es gibt viele Möglichkeiten, vor dem Berufseinstieg fremde Luft zu schnuppern. Wozu das nützt und welche Jobs man damit bekommt.

 

Im Studium hat sich Elisabeth Noltenius ganz aufs Lernen konzentriert und ist nicht ins Ausland gegangen – dafür reiste sie nach dem Ersten Staatsexamen viel: Sie lebte ein Jahr in Stellenbosch in Südafrika, wo sie ein LL.M.-Studium abschloss, und arbeitete während ihrer Wahlstation vier Monate in New York.

Heute fliegt die Anwältin im Auftrag ihres Arbeitgebers SKW Schwarz einmal im Monat nach London, um eine Mandantin vor Ort zu unterstützen. Zuvor hatte sie bei dieser bereits drei Monate lang im Rahmen einer Entsendung fest in der Rechtsabteilung gearbeitet. "Auslandserfahrung ist für meine heutige Arbeit Pflicht", sagt Noltenius, die mittlerweile seit fünf Jahren als Anwältin arbeitet. "Ohne englische Sprachkenntnisse, rechtliches Verständnis über das Common Law und Wissen über die Gepflogenheiten im Land unserer Mandanten könnte ich meine Arbeit gar nicht erledigen."

Zudem hätten ihr die Auslandsaufenthalte auch persönlich viel gebracht. "Man lernt viel über sich selbst, wenn man sich mal allein im Ausland zurechtfinden musste."

Auslandsaufenthalte meist während des Referendariats

So wie die 34-Jährige machen es viele angehende Juristen: Wer das Studium straff und zügig durchziehen will, verschiebt den Auslandsaufenthalt auf die Zeit des Referendariats oder vor dessen Beginn.

Vielen Kanzleien ist es im Grunde egal, wann und auf welchem Weg ein Kandidat Auslandserfahrung gemacht hat. "Hauptsache, jemand hat überhaupt länger im Ausland gelebt und dort auch fachliche Prüfungen absolviert", meint zum Beispiel Dr. Nicholas Kessler, Partner der international tätigen Kanzlei Orrick, Herrington & Sutcliffe LLP und dort zuständig für das Recruiting. Ein Auslandsaufenthalt ist für ihn zwar kein Muss für eine Einstellung, aber er bringe doch viele Vorteile mit sich. Dazu zählen natürlich die Sprachkenntnisse – und zwar nicht nur in der Fachsprache. "Es hilft enorm, wenn man beim zwanglosen Abendessen oder einer sonstigen Veranstaltung ohne Hemmungen mit dem Mandanten auf Englisch plaudern kann", ist Kessler überzeugt.

Den zweiten Vorteil sieht er in der Ausweitung des fachlichen Horizonts: "Wer sich schon mal mit Rechtsordnungen anderer Länder auseinandergesetzt hat, profitiert je nach Rechtsgebiet sehr von diesem Zusatzwissen." Das wirklich Entscheidende an der Auslandserfahrung ist jedoch für Nicholas Kessler die persönliche Komponente: "Man beweist Offenheit, Flexibilität und Wendigkeit, wenn man die Bereitschaft gezeigt hat, sich mal allein in der Fremde zurechtzufinden."

Zitiervorschlag

Sabine Olschner, Bewerbung und Lebenslauf: Ins Ausland muss man wollen. In: Legal Tribune Online, 29.05.2017, http://www.lto.de/persistent/a_id/23049/ (abgerufen am: 19.08.2017)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 29.05.2017 16:58, Sterbebett

    Wer so dumm ist und seine Lebenszeit danach ausrichtet, ob es ihm für das beschissene Blatt Papier samt Überschrift ,,Lebenslauf" nutzt, wird sich auf dem Sterbebett noch schwarz ärgern. Aber das merkt man erst, sobald im näheren Familienkreis jemand unheilbar erkrankt. Sicherlich ist die Welt zu bereisen erstrebenswert und man sollte es einfach tun. Zwei, drei Jahre mit dem Rucksack und ganz ohne aufgezwungenen LL.M Studium, einfach vom Nötigsten leben und echte Zwischenmenschlichkeit erfahren. Dann hat man halt eine Lücke im Lebenslauf, na und? Also lange Rede, kurzer Sinn: Macht, was ihr wollt und handelt nicht danach, ob es der ,,Karriere" nutzt!

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    • 01.06.2017 21:58, Sebi

      "extremen Arbeitszeiten nie in Betracht gekommen"

      "beschissene Blatt Papier samt Überschrift ,,Lebenslauf""

      "Zwei, drei Jahre mit dem Rucksack"

      Volle Zustimmung!

    • 02.06.2017 17:57, Oliver

      Freut mich immer wenn jemand das Leben verstanden hat :)

  • 29.05.2017 20:19, Berkeleyboy

    Wow, wie kann man nur so eindimensional daherreden? Es macht also einen qualitativen Unterschied, ob man einen LLM macht oder mit einem Rucksack das Unbekannte erkundet? Wow. Tolle Erkenntnis. Mehr Klischeebeladenheit und Engführung ist ja nicht möglich :-D
    Ich habe beides gemacht und bin promoviert. Und mir sagte man immer: "Jetzt arbeite doch endlich, du wirst immer älter." Für mich kann ich feststellen, dass jede dieser Erfahrungen jede Sekunde wert gewesen ist. Und der LLM - auch an einer US-amerikanischen Elite-Uni - ist in menschlicher Hinsicht eine wahnsinnig gewinnbringende Erfahrung, aber das ist für Romantiker, die den Thailandurlaub mit Rucksack für sooooo individuell und besonders halten, sicher nur schwer nachzuvollziehen (Ich wiederhole: Ich war auch vier Monate als Backpacker in Asien unterwegs.). Wo haben Sie Ihren LLM gemacht? Ich gehe davon aus, dass Sie sicher wissen, dass es Leuten, die sich durch diese selektiven Bewerbungsprozess kämpfen, nur um die zwei-drei Zeilen im Lebenslauf geht.

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  • 31.05.2017 16:43, ShakingBarley

    Diese ganzen Tips fürs Optimieren der Karrierelebensläufe in allen Ehren. Ich stelle mir aber eine ganz praktische Frage:

    Wo kriegen diese meist jungen Leute die Kohle her, um z.B. ein teures LLM Studium im Ausland nebst Aufenthalt und Verpflegung vor Ort zu finanzieren oder die en vogue 4-Monats-Station in New York?

    Dass das die Empfehlung von silbener-Löffel-im-Mund-Haber und Anwalts-Papa-Menschen ist ist nachvollziehbar. Wie macht es aber der Normalo?

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    • 31.05.2017 18:45, 321Meins

      Die meisten werden für den LL.M. ein Stipendium haben (ist für deutsche Verhältnisse nicht sonderlich schwierig), das bei einer Eliteuni natürlich noch einen hohen fünfstelligen Betrag offenlässt. Dafür, das ist das eigentliche Problem, springen die Eltern ein, die selbst meist keine Ahnung vom begrenzten Wert des LL.M. haben. Schlimmstenfalls wird ein Kredit aufgenommen, so lief es jedenfalls in meinem Umfeld. Egal welche wertvollen zwischenmenschlichen Erfahrungen daran hängen mögen, wirtschaftlich ist das natürlich eine Katastrophe, aber für die Unis ein gutes Geschäft und die jungen, finanziell unbedarften Absolventen, besonders aus Deutschland, eben leichte Opfer.
      Warum der LL.M. bei Kanzleien überhaupt als kleines Plus und nicht als Makel gewertet wird, kann ich mir am ehesten damit erklären, dass der verschuldete oder familiär unter Rechtfertigungsdruck stehende Berufsanfänger der attraktivere Arbeitnehmer ist, insbesondere in Zeiten, in denen Familiengründungen (die sonst den Antrieb liefern) weniger werden oder später angegangen werden. An der Stelle muss man trotzdem noch die Männer warnen, sich eine solche Berufsstudentin mit höchsten akademischen Weihen zu angeln. Zu viele meiner ehemaligen Referendarskollegen zahlen indirekt Buchstaben vor und hinter dem Namen ihrer Partnerin ab, die damit statt in die Großkanzlei doch in den ÖD gegangen ist, ggf. noch in Teilzeit.

    • 02.06.2017 00:39, Zivilist

      "Wo kriegen diese meist jungen Leute die Kohle her, um z.B. ein teures LLM Studium im Ausland nebst Aufenthalt und Verpflegung vor Ort zu finanzieren oder die en vogue 4-Monats-Station in New York?"

      Mit einer ordentlich bezahlten Nebentätigkeit im Vorfeld und einer sparsamen Lebensführung kann man sich die Auslandswahlstation auch als Referendar ganz gut zusammensparen. New York ist ausgesprochen teuer, aber auch dort gibt es WG-Zimmer und Wohnheime und Dosenravioli im Supermarkt.

      Außerdem finanziert die ein oder andere Großkanzlei auch den Auslandsaufenthalt in der Wahlstation, wenn's mit dem Referendar in der Anwaltsstation gut klappt.

      Wie die Leute ihre Harvard-LLMs finanzieren, weiß ich allerdings auch nicht.

    • 05.06.2017 21:42, RR

      Aus eigener Erfahrung kann ich berichten: Ja, man kann sich auch in NYC beim Wohnen, Essen etc. einschränken, das wird der Großteil der Referendare angesichts der wirklich horrenden Lebenshaltungskosten sogar müssen.
      Nichtsdestotrotz wäre es mir ohne die finanzielle Unterstützung meiner Eltern nie möglich gewesen, meine Wahlstation zu verbringen.
      In der Tat habe auch ich mich (oft) gefragt, ob ein solcher Aufenthalt auch ohne monetäre Unterstützung und ohne Kreditaufnahme überhaupt möglich ist. Irgendjmd hier mit Erfahrungsberichten?

  • 01.06.2017 00:01, Reibert

    "Wer das Studium straff und zügig durchziehen will, verschiebt den Auslandsaufenthalt auf die Zeit des Referendariats oder vor dessen Beginn."

    Nun grundsätzlich ist es richtig und wichtig, sein Studium straff und zügig zu führen, um am Ende den Freischuss mitzunehmen. Das ist angesichts der Durchfallquoten sicherlich keine schlechte Idee.

    Also verschiebt man den Auslandsaufenthalt einfach ins Referendariat. An dessen Ende lauert ja auch kein Zweites Staatsexamen mit ähnlich hohen Anforderungen. Weswegen man dieses auch nicht straff führen muss und endlich einmal Zeit für einen Auslandsaufenthalt hat.

    Was für ein Hohn,

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    • 01.06.2017 14:39, Unternehmensjurist

      Ja, und unmittelbar im Anschluss an die schriftlichen Prüfungen schließt sich dann die Wahlstation an ;-) Ich fand es klasse, nach Abgabe der letzten Klausur zu wissen, dass es in 2 Wochen nach Los Angeles geht, wo ich meine Wahlstation abgeleistet habe. Eine wirklich sehr tolle, bereichernde Erfahrung!

      Nach dem 1. Examen hätte ich auch gerne den LL.M. in Neuseeland gemacht, damals hatte die Finanzierung trotz Studienplatzzusage nicht geklappt. Allein die Studiengebühren hätten 24.000 NZ$ gekostet. Im Nachhinein war das aber gar nicht so schlecht, da der LL.M. zwar eine nette Zusatzqualifikation ist, man den aber auch anderswo deutlich günstiger machen kann. M.E. bringt er einem in beruflicher Hinsicht nur etwas, wenn man eine Beschäftigung in einer GK anstrebt, was für mich aufgrund der dortigen extremen Arbeitszeiten nie in Betracht gekommen ist.

  • 04.06.2017 12:19, Referendar

    Danke für die ganzen kritischen Kommentare, die ich deutlich durchdachter als diesen schwalligen Karriereartikel finde. Hoffentlich bekommen Sie alle mal Personalverantwortung und suchen die Leute dann auch mit diesen Grundansichten aus! ;-)

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 09.06.2017 07:48, MD

    Alles Tralala! Wenn die Note stimmt, kann der Bewerber sein Leben lang daheim bei Mutti gewohnt und mit der Modelleisenbahn gespielt haben. Wenn die Note nicht stimmt, kann dahinstehen, ob er in einem Schlauchboot die Welt umsegelt hat, oder ob in New York bei Burger&King drei Monate lang in einem Hinterzimmer den Posteingang sortiert hat.

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