LG Essen nach Vergewaltigungprozess: "15-Jährige hätte sich mehr wehren müssen"

13.09.2012

Das LG Essen hat einen 31 Jahre alten Mann vom Verdacht der Vergewaltigung freigesprochen, weil das vermeintliche Opfer nicht deutlich genug gemacht habe, dass es keinen Sex wolle. Worte allein reichen nicht. Das berichten die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (WAZ) und die "Hertener Allgemeine" in ihren Online-Angeboten.

 

Der Mann aus Gelsenkirchen soll laut Anklage am besagten Abend im Juli 2009 unter Alkohol- und Drogeneinfluss die damals 15-jährige Jugendliche vergewaltigt haben. Die Schülerin soll gesagt haben "Nein, ich will das nicht!", sie habe aber keine andere Gegenwehr geleistet.

Zwar gilt der Mann als äußerst gewaltbereit und sitzt derzeit eine Haftstrafe von drei Jahren ab. Das reicht nach Auffassung der Vorsitzenden jedoch nicht für eine Verurteilung. 

Wenn man etwas nicht will, müsse man das deutlicher machen, wird die Richterin zitiert. Der Mann habe nicht wissen können, dass sie das gar nicht wollte.  Die Anklage war von einer schutzlosen Lage des Mädchens ausgegangen. Dies bestätigte sich jedoch nicht - das Mädchen hätte nach den Feststellungen des Gerichtes weglaufen oder um Hilfe rufen können (Urt. v. 12.09.2012, Az. 12 Js 1491/09).

una/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

LG Essen nach Vergewaltigungprozess: "15-Jährige hätte sich mehr wehren müssen". In: Legal Tribune Online, 13.09.2012, http://www.lto.de/persistent/a_id/7073/ (abgerufen am: 30.05.2016)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 13.09.2012 17:27, Stefan Weinert

    "Er war Jurist und auch sonst von mäßigem Verstand." Alles andere, als das treffende Zitat von Ludwig Thoma würde diesem Urteil nicht gerecht werden.

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  • 13.09.2012 20:06, S.K.

    Also heißt "nein" nicht "nein", sondern mehr oder weniger "ja". Super! Ohne Worte...

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  • 13.09.2012 23:44, keinevergewaltigung.co.cc

    Richtig! Weiter lies hier meine Petition für die Abschaffung Strafparagraf "Vergewaltigung":

    http://keinevergewaltigung.co.cc

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  • 14.09.2012 11:22, prosa

    Skandalös!!Dem Mädchen wurde das Recht altersgemäßer Schockstarre aus Angst abgesprochen,welche selbst erwqachsene Frauen bei entsprechenden Taten befällt - wäre es doch nur die Tochter dieser peinlichen Richterin gewesen - der Täter hätte Höchststrafe bekommen!Am besten fesselt man ein Opfer und klebt den Mund zu,dann darf man ja alles - klaut mir einer mein Fahrrad und ich sage nur einmal Nein,darf er es behalten!!!Überfalle ich eine Bank darf ich alles behalten-der Mitarbeiter an der Kasse wird bestimmt nicht nein sagen!!Bananenrepublik Deutschland-es ist nicht mehr zum aushalten!!!!!!!!!!!

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  • 14.09.2012 17:31, Bärbel Recknagel

    OMG! Wo lebt diese Richterin - und in welchem Jahrhundert?

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  • 15.09.2012 13:31, rueby

    Pressemitteilung des LG Essen vor dem Gerichtstermin (http://www.lg-essen.nrw.de/presse/Pressespiegel/ZT_ErsteInstanz/10-09--14-09-2012.pdf):

    "An einem nicht mehr genau bestimmbaren Tag Ende Juli 2009 befand sich die damals 15-jährige C. in der Wohnung des Angeklagten auf der Heinrich-Heine-Straße in Marl. Ebenfalls anwesend waren die Zeuginnen Margarethe B. und Katja K.. Der Angeklagte hatte bereits den gesamten Abend sehr viel getrunken und gekifft. Irgendwann legten sich dann die drei Erwachsenen und die Jugendliche zum Schlafen. Alle befanden sich dazu im Wohnzimmer. Während die drei Frauen auf einer Matratze auf dem Boden lagen, legte sich der Angeklagte zunächst auf die Couch. Noch vor dem Einschlafen forderte der Angeklagte plötzlich die beiden Zeuginnen B. und K. auf, die Wohnung zu verlassen und in den Keller zu gehen. Die beiden Zeuginnen kamen der Aufforderung nach, ohne nach dem Grund zu fragen oder sich der Aufforderung zu widersetzen. Beide wussten, dass der Angeklagte immer dann,wenn man seinen Aufforderungen nicht nachkam, sehr aggressiv reagierte. Am selben Abend soll es dann zu einer
    massiven Körperverletzung zum Nachteil der Zeugin Margarethe B., die jedoch Gegenstand eines anderen Ermittlungsverfahrens war, gekommen sein.
    Nachdem die Zeugin die Wohnung verlassen hatte, kam der Angeklagte zu der durch die vermeintliche Körperverletzung verängstigte C. auf die Matratze. Anschließend soll es zu einer Vergewaltigung der C. gekommen sein."

    "Wenn man etwas nicht will, müsse man das deutlicher machen"?

    Man fordert hier also von einem vollkommen eingeschüchterten 15jährigen Mädchen sich gegen einen gewaltbereiten 31jährigen zu wehren oder das Risiko einer Flucht auf sich zu nehmen. Vom Täter hingegen wird nicht erwartet die Bedeutung des Wortes Nein zu verstehen.
    Die nächste Instanz sieht dies hoffentlich anders.

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  • 18.09.2012 08:19, Stefanie Herfurth-Schmidt

    Der werten Frau Richterin ist nicht zu wünschen, dass sie im Falle eines Falles einen Notwehrexzess begeht, wenn ihr ein Kollege attestiert, dass ein einfaches Nein auch gereicht hätte.

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  • 30.04.2016 17:11, goetzie

    eine schande, dieses urteil. für mich liegt hier eindeutig befangenheit vor oder sogar spielen da noch privat persönlich finanziellen interessen von den leuten eine rolle, die dieses urteil für rechtskräftig verabschiedet haben.
    dieses urteil ist ein FREIBRIEF für zukünftige sexualtäter !!!

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