Werbekampagne: Autovermieter wirbt ungefragt mit Gustl Mollath

12.08.2013

Der Autovermieter Sixt wirbt seit Montag mit dem Konterfeit von Gustl Mollath. Der 56-Jährige selbst reagiert überrascht, sein Anwalt spricht von einem "dreisten Rechtsbruch" und will dagegen vorgehen. Das Unternehmen sieht sich dagegen auf der sicheren Seite, Mollath sei schließlich eine "öffentliche Person".

 

Der Fall des Gustl Mollath bewegt seit Monaten die Bundesrepublik. Nun bekommt er eine weitere Facette: Der am vergangenen Dienstag aus der Psychiatrie entlassene Mollath macht jetzt unfreiwillig Werbung.

Der Autovermieter Sixt setzt auf die Popularität des 56 Jahre alten Nürnbergers. Eine Anzeige in der Süddeutschen Zeitung zeigt ein Porträt Mollaths mit dem Text "Wenn hier jemand verrückt ist, dann Sixt mit seinen Preisen". Das Unternehmen hatte in der Vergangenheit wie auch andere Unternehmen wiederholt Politiker unabgesprochen vor seinen Werbekarren gespannt.

Mollaths Anwalt Gerhard Strate sagte am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa, das Zitat in der Anzeige sei frei erfunden. Sein Mandant sei von der Werbeaktion überrascht worden. "Wir werden presserechtlich dagegen vorgehen. Das ist ein dreister Rechtsbruch", unterstrich der Jurist. Vor allem die Verwendung des Begriffs "verrückt" halte er im Zusammenhang mit seinem Mandanten für höchst problematisch.

Sixt bietet Mollath nachträglich Honorar an

Ein Sixt-Sprecher räumte am Montag ein, dass die Werbung mit Mollath nicht abgesprochen sei. Das Unternehmen gehe aber davon aus, dass Herr Mollath mittlerweile eine öffentliche Person sei. Damit sei auch die Werbung ohne sein Einverständnis machbar. Im Gegensatz zu Politikern sehe man aber einen Unterschied - und biete auch deswegen ein Honorar. "Wir werden heute auf Herrn Mollath zugehen und ihm ein Honorar für die Anzeige anbieten."

Auch in den Augen von Verteidiger Strate ist die Werbung mit dem Mollath-Porträt nicht mit früheren Sixt-Webeanzeigen vergleichbar, die prominente Politiker zeigen. "Der Fall Mollath hat andere Komponenten", unterstrich Strate. Daher sei auch die Rechtsprechung zu früheren Sixt-Anzeigen nicht auf den Fall Mollath anwendbar.

Mollath war 2006 als gemeingefährlich in die Psychiatrie eingewiesen und vor einer knappen Woche entlassen worden. Das Oberlandesgericht Nürnberg hatte auf eine Beschwerde von Mollaths Anwalt hin zugleich angeordnet, das Verfahren gegen den 56-jährigen Maschinenbauer in Regensburg neu aufzurollen. Mit der Aufhebung eines früheren Urteils kam Mollath noch am selben Tag frei.

dpa/mbr/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Werbekampagne: Autovermieter wirbt ungefragt mit Gustl Mollath. In: Legal Tribune Online, 12.08.2013, http://www.lto.de/persistent/a_id/9339/ (abgerufen am: 23.08.2017)

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Kommentare
  • 12.08.2013 17:45, Andreas Moser

    Ich find's lustig. Herr Mollath kann das Honorar bzw. den Schadensersatz gut gebrauchen. Damit hat Sixt ihm mehr geholfen als Frau Merk.

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  • 12.08.2013 20:00, Gast

    Es handelt sich bei dieser Werbung um eine Unverschämtheit sondergleichen, deren Gipfel das Anbieten eines Honorars im Nachhinein ist, und gewiss um eine Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts von Gustl Mollath. Ein Unternehmen, dass sich solche Frechheiten erlaubt, werde ich sicher nicht mehr als Kunde beehren. Hoffentlich entschließt sich Herr Mollathzu einer Schadensersatzklage!

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  • 12.08.2013 20:39, Zweifler

    Dass JvM mit Geschmacklosigkeiten versucht, die Aufmerksamkeit zu maximieren, ist ja nichts Neues. Tun sie ja auch für Springer immer wieder. Gute Werbung machen dafür halt andere Agenturen.

    Was Sixt betrifft - die Kunden sollten wissen, was jetzt der richtige Schritt ist. Und Mollath und sein Anwalt bleiben hoffentlich hartnäckig und ziehen die Klage durch.

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  • 13.08.2013 11:31, Lykurg

    Die Klage wäre für Sixt ein weiteres Geschenk. Denn sie ist unschlüssig und Sixt müsste nicht einmal die Verteidigung anzeigen. Der Fall unterscheidet sich auch nicht von früheren Sixt-Kampagnen, da Mollath Person des öffentlichen Lebens ist. Dazu hat er durch die von ihm unterstützte, aggressive Medienkampagne schließlich selbst beigetragen (Stichwort: Selbstbegebung). die Benetton- und Caroline- Rechtsprechung lassen hier auch keine abweichenden Interpretationen zu. Er sollte lieber das Geschenk von Sixt annehmen und seinen öffentlichkeitsgierigen Anwalt vom Acker jagen.

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  • 13.08.2013 14:06, Zweifler

    Nein, er sollte durch alle Instanzen klagen, damit sich die Rechtslage endlich ändert und solche Geschmacklosigkeiten in Zukunft unterbunden werden.

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  • 13.08.2013 15:18, medienrecht-blog.com

    medienrecht-blog.com verlinkt auf diesen Artikel mit folgendem Linktext:
    Legal Tribune Online

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  • 14.08.2013 14:49, Ralph

    Eine Win Win Situation für beide, und hoffentlich kommt die Klage Mollaths :) Damit haben beide die Publicity die sie brauchen und Mollath kann das Geld gut gebrauchen. Geschmacklos? Ja, aber das Werbung nunmal meist, egal ob es ums Zahnfleisch, Darmprobleme oder die Prostata geht.

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