OVG NRW zu öffentlichen Bekenntnisschulen: Katho­li­scher Junge muss bevor­zugt werden

22.03.2016

Ein katholischer junge wird nicht an der katholischen Grundschule angenommen. Da zu viele Anmeldungen eingingen, machte die Schulleiterin die Länge des Schulwegs zum Kriterium für die Aufnahme. Das war rechtwidrig, entschied das OVG NRW.

 

Bekenntnisangehörige Kinder haben an öffentlichen Bekenntnisschulen in Nordrhein-Westfalen einen vorrangigen Aufnahmeanspruch, der sich unmittelbar aus der Landesverfassung ergibt. Das hat das Oberverwaltungsgericht (OVG) Nordrhein-Westfahlen in Münster entschieden (Beschl. v. 21.03.2016, Az. 19 B 996/15).

Die Aufnahme eines katholischen Jungen aus Euskirchen an der städtischen Franziskusschule lehnte die Schulleiterin im Aufnahmeverfahren 2015/16 ab. Da fünf Anmeldungen zu viel eingegangen waren, entschied sie, die Kinder unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit zu behandeln und die Schulweglänge zum maßgeblichen Kriterium für die Aufnahme zu machen. Weil der Schulweg des Jungen mehr als 1.6 km betrug, landete er bei 58 freien Plätzen nur auf Rang 60. Kinder mit kürzerem Schulweg, aber ohne Religionszugehörigkeit, wurden dagegen aufgenommen.

Die Schulleiterin stützte sich bei der Entscheidung auf eine Rundmail des Schulministeriums, in der es heißt, bei der Aufnahme in eine Bekenntnisgrundschule sei kein Unterschied mehr zwischen bekenntnisangehörigen und bekenntnisfremden Kindern zu machen, wenn die Eltern die ausdrückliche Erklärung abgeben, dass sie ihr bekenntnisfremdes Kind wegen des Bekenntnischarakters der gewünschten Schule dort erziehen und unterrichten lassen wollen.

Die Richter am OVG haben nun, ebenso wie bereits das Verwaltungsgericht (VG) Aachen, dem katholischen Jungen den Aufnahmeanspruch zugesprochen. Die Entscheidung der Schulleiterin sei rechtswidrig. Sie habe das Aufnahmekriterium der Schulweglänge nicht auf den katholischen Antragsteller anwenden dürfen. Als bekenntnisangehöriges Kind habe er vielmehr einen vorrangigen, die Anwendung der Aufnahmekriterien regelmäßig ausschließenden Aufnahmeanspruch aus der Landesverfassung. Die Rechtsauffassung des Schulministeriums sei hiermit unvereinbar und beruhe auf einer ungerechtfertigten Übertragung schulorganisationsrechtlicher Rechtsprechung auf das Recht der Schulaufnahme.

acr/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

OVG NRW zu öffentlichen Bekenntnisschulen: Katholischer Junge muss bevorzugt werden. In: Legal Tribune Online, 22.03.2016, http://www.lto.de/persistent/a_id/18864/ (abgerufen am: 05.12.2016)

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Kommentare
  • 02.04.2016 08:09, RDA

    Das wäre allenfalls dann logisch nachvollziehbar, wenn die katholische Kirche auch 100% sämtlicher Kosten für diese Schule trägt, einschließlich Lehrerbesoldung etc.. Aber wir alle wissen, dass dem nicht so ist. Im Kaiserreich war das Militär ein Staat im Staat. Was ist die Kirche heutzutage?

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  • 18.04.2016 12:44, MAGT-W

    Da reden wir täglich von Ökumene (griech. oikoumene, „Erdkreis, die ganze bewohnte Erde“) und ich verstehe, dass
    - die Politik sich nach der Kirche richtet
    - die katholische Kirche sich Rechte einfordert, die längst überholt sind
    - und die Rechtsprechung diese Rechte noch verstärkt und
    - sich die katholische Kirche unwidersprochen aller Steuerzahler bedienen darf.

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  • 10.11.2016 16:43, Dirk

    Es ist ja noch viel schlimmer als hier beschrieben. Die katholische Grundschule in unserem Stadtteil voll ist, allein mit den kath. Kindern. Alle z.B. türkischen Kinder müssen weit fahren und können nur noch in die städtische Schule. Das ist das Gegenteil von Integration. Es ist Apartheid und Gettobildung. NRW und Niedersachsen sind die letzten Bundesländer mit Konfessionsschulen, selbst Bayern ist da schon weiter. Weg mit den Konfessionsschulen!

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  • 22.11.2016 11:01, alno

    Das Kind besucht einen katholischen Kindergarten. Nimmt an allen Veranstaltungen teil. Wir aber von der katholischen Grundschule abgewiesen. Muss einen längeren Schulweg in Kauf nehmen. Die Kinder werden selektiert. Was soll ich den kleinen sagen. Dein Vater bezahlt diese Schule mit. Du darfst aber nicht zusammen mit deinen Kindergartenfreunden auf diese Schule. Du bist anders. Dann reden die von Integration. Der Grund wieso diese Schule voll ist, liegt an der geringen Anzahl Kinder mit Migrationshintergrund. Die die Eltern sind schon 10-15% Migrantenkinder zuviel auf der Schule. Das die Lehrkraft am wichtigsten ist, wird vergessen. Hauptsache keine Migrantenkinder. Ich kenne keine Eltern, die wegen der Konfession Ihre Kinder auf die katholische Schule schicken. Nie in die Kirche gehen, aber behaupten Ihre Kinder wegen der Konfession in die entsprechende Schule zu schicken. So werden Gettos gebildet. Was ist wichtiger, unsere Kinder, das Gemeinschaftswohl oder ein veralteter Paragraph in der Verfassung, welches auch zu Gunsten der Kinder auf den Stand von 2016 gebracht werden könnte.

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