OLG Brandenburg zur Kirche des fliegenden Spaghettimonsters: Reli­gi­ons­kritik allein reicht nicht aus

10.07.2017

Die Spaghettimonster-Kirche habe mit etablierten Kirchen nichts gemein, ließ das OLG Brandenburg im Berufungsverfahren durchblicken. Hinweise auf die "Nudelmessen" am Ortseingang Templin wird es deshalb wohl auch künftig nicht geben.

 

Ist die "Spaghettimonster"-Kirche in Templin in der Uckermark eine eigene Weltanschauung? Darüber berät derzeit das Oberlandesgericht (OLG) Brandenburg - und tendiert dazu, diese Frage zu verneinen. Das jedenfalls deutet sich allmählich in dem Berufungsverfahren an, wie eine Gerichtssprecherin auf Anfrage zu dem Fall zwischenzeitlich sagte (Az. 4 U 84/16).

Der deutsche Ableger der "Kirche des fliegenden Spaghettimonsters" ist hierzulande als Verein organisiert und hatte für seine Nudelmessen Hinweisschilder an den Ortseingängen vom Templin aufgestellt. Diese wurden vom Straßenbauamt später wieder entfernt. Eine hiergegen gerichtete Klage gegen das Land hatte vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) keinen Erfolg.

Die selbsternannten "Pastafari" berufen sich auf eine mündliche Vereinbarung mit dem Landesbetrieb Straßenwesen – angeblich auch im Beisein des Templiner Bürgermeisters - aus dem Dezember 2014. Danach soll das Aufstellen der Hinweisschilder an den Ortseingängen der Stadt erlaubt worden sein.

Die Behörde bestreitet, dass es eine solche Vereinbarung gegeben habe. Hilfsweise hat sie diese auch gleich mit gekündigt. Für die Frage, ob eine solche Kündigung möglich ist, ist besonders entscheidend, ob es sich bei der Spaghettimonster-Kirche um eine eigene Weltanschauung handelt, sagte eine Gerichtssprecherin gegenüber LTO.

Nur Kritik an anderen Weltanschauungen

Daran zweifelt das OLG offenbar: Vom Auftreten, äußeren Erscheinungsbild und dem geistigen Gehalt der Anschauungen her sähen das die Richter nämlich nicht so, heißt es seitens des Gerichts. Dabei sei auch die Satzung des Vereins berücksichtigt worden: Die Mitglieder wollen sich mit anderen Überzeugungen, die sie als engstirnig ansehen, mit satirischen Mitteln auseinandersetzen. Eine eigene Auffassung zum Weltganzen hätten sie hingegen nicht.

Nach weiteren Beratungen will das Gericht die endgültige Entscheidung am 2. August verkünden. Der Vorsitzende des Vereins, Rüdiger Weida, äußerte sich zufrieden, dass das Gericht sich Zeit für die Entscheidung nimmt: "Ich rechne mit einem positiven Ausgang", sagte er.

Bis zum Ende des Streits darf der Verein mit Genehmigung der Verwaltung Schilder an anderen Stellen in der Stadt anbringen. Dort wird unter anderem auch über Städtepartnerschaften von Templin informiert. Eigentlich wollen die Pastafari für ihre Nudelmessen an den Ortseingangs-Masten gleichberechtigt mit der katholischen und evangelischen Kirche werben.

Die Kirche des Spaghettimonsters entstand vor mehr als zehn Jahren in den USA. Sie versteht sich als Kritik darauf, dass unter anderem der Kreationismus - die Ablehnung der Evolutionstheorie nach Charles Darwin - immer mehr Anhänger findet.

dpa/mgö/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

OLG Brandenburg zur Kirche des fliegenden Spaghettimonsters: Religionskritik allein reicht nicht aus. In: Legal Tribune Online, 10.07.2017, http://www.lto.de/persistent/a_id/23407/ (abgerufen am: 22.07.2017)

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Kommentare
  • 10.07.2017 13:47, RDA

    ...das wäre ja auch noch schöner, wenn jeder so seine Geschichten als Religion verkaufen könnte. Bald kommt womöglich noch jemand, der erklärt, dass Schwangerschaften per Erscheinung eines Engels möglich sind, dass jemand über dass Wasser gehen kann oder dass dass Tote nach 3 Tagen ohne äußeres Zutun aus ihrem Grab verschwinden...
    (Ironie off)

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    • 10.07.2017 15:40, Haha

      ... oder dass einem nach dem Märtyrer-Tod 72 Jungfrauen erwarteten, dass Schweinefleisch haram sei oder dass es die Religion verlange, im Referendariat unentwegt ein Kopftuch tragen zu müssen.

    • 10.07.2017 16:28, Max

      Du sagst es ja gerade: So schwachsinnig Dir auch andere Weltanschauungen erscheinen mögen, sie sind wenigstens eine Anschauung, während der Inhalt dieser Spaghettimonster-Religion hauptsächlich einen satirischen Inhalt hat, aber keine Anschauung an sich vermittelt.

    • 10.07.2017 17:02, Gabriel

      @Max:
      > aber keine Anschauung an sich vermittelt.

      Und wenn EBEN DAS die Anschauung ist?

    • 11.07.2017 17:41, McOlle

      @ Max Hm... wenn ich auf Pastafari .eu erst auf "Propaganda", dann auf den Link "Wer wir sind und was wir wollen" - Kurze Vorstellung klicke, lese ich - unter Anderem - schon etwas, was wie eine Welschauung klingt.
      Da steht ja nicht "Religiomnen sind doof" sondern schon etwas differenzierter:

      Unser Ziel / wir sind für:
      - Die Förderung wissenschaftlicher Weltanschauungen,
      - Die Werte von Aufklärung und Humanismus
      - Vollendung der Trennung von Kirche und Staat
      - absolute Gleichberechtigung aller Religionen, aber nicht auf dem Niveau der Großkirchen, sondern auf unserem (Vereinsstatus)

      WIr sind gegen:
      - Fundamentalismus, gleich ob religiös oder politisch
      - Sonderrechte der Kirchen
      - Gottesbezug in der deutschen und EU Verfassung
      - Dogmen

      Das plus die Seite unter "Weltliches" --> EInführung (ebenfalls auf pastafari .eu)
      "Wir in der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e.V. haben uns deshalb entschieden, die Verbreitung einer offenen und toleranten Ethik zu fördern und dabei auf wissenschaftliche Weltanschauungen, wie den evolutionären Humanismus, zu setzen. Wir vertreten und verbreiten einen konsequenten Naturalismus. Das heißt, auf der Welt geht alles natürlich zu, da sind keine Feen, Elfen, Götter, Wichtelmänner, Trolle oder ähnliche Märchenfiguren. Die Welt wurde nicht erschaffen, sondern entstand, und lässt sich wissenschaftlich erklären. 
      Dabei haben wir keine Angst, nie zur vollen Erkenntnis zu gelangen. Wir sollen ja sowieso an allem zweifeln, von da bis zum nicht alles wissen können ist kein großer Unterschied. 

      So verstehen wir uns denn auch als Weltanschauungsgmeinschaft."
      Klingt doch schon nach mehr als "keine Anschauung an sich vermittelt."

  • 10.07.2017 14:28, xy

    Ich fürchte auch, dass Jesus heute möglicherweise zwar nicht mehr am Kreuz enden, aber hinter den gesicherten Mauern einer Irrenanstalt und vollgepumpt mit Psychopharmaka sein Leben fristen müsste.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 10.07.2017 22:32, RDA

      Da er mutmaßlich "erwerbsfähig" war und mutmaßlich keiner geregelten Arbeit nachging, wäre er wahrscheinlich vom Fallmanager mit allerlei Qualifikationsmaßnahmen und Sanktionen zur Raison gebracht worden.

  • 10.07.2017 15:29, Felix1999

    1. Weibsvolk ist bei Steinigungen nicht zugelassen
    2. Jeder nur ein Kreuz !
    3. Always look on the bright side of life !

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 10.07.2017 19:14, Schinge

    Sind nicht alle Religionen ein wenig seltsam und haben einen komischen Kern? Wo ist denn da die Grenze?

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 10.07.2017 20:31, RDA

      Einige haben sich über Jahrhunderte ihre Rechte ersessen und ihren Einzug ins Grundgesetz sowie diverse andere Gesetze gefunden. "Newcomer" haben es da schwer.

    • 11.07.2017 11:01, Haha

      Zum Glück hat nur eine Religion und nicht "einige" ihren Niederschlag im Grundgesetz gefunden.

    • 11.07.2017 12:34, Mimimat

      @haha: Warum "zum Glück"? Was ist mit dem Gleichheitsgrundsatz, der auch im GG steht? Eigentlich müßten ALLE Glaubensrichtungen festgeschrieben sein, egal ob an Wotanm, Helios, Quatzalcoatl, Buddha, Zeus, Ra oder sonst wen geglaubt wird. Oder aber, man trennt endlich mal Staat und Religion, wie es ja angeblich ist, wirklich konsequent.

    • 11.07.2017 14:13, Haha

      Ich bin der Meinung, wir sind in Europa mit dem Christentum ganz gut gefahren. Gut, dass der Islam keinen Einfluss auf unser GG hatte.

    • 11.07.2017 17:50, McOlle

      @Haha Natürlich sind wir nicht unbedingt schlecht mit dem Christentum gefahren.
      Abgesehen von den Zwangssteuern, und natprlich den Jungs und Mädel im Mittelalter die anderer Meinung waren, oder - wie man bis heute sieht - Frauen, Homosexuelle oder scheibar generell andersdenkender oder anderseiender Menschen.
      Auch der Glaubenskrieg unter den Christen, Katholiken und Protestanten (Republik Irland vs. Nord-Irland) ist noch nicht all zu lange her:

      Es ist eine Frage der Betrachtungsweise, was "nicht schlecht", oder auch eine Zeit lang "Ganz gut" gelaufen ist, und "was besser laufen könnte" :-)

    • 12.07.2017 07:18, Dirk

      EINE RELIGION ("G o t t" ....) hat sich im aktuellen GG im Vorwort niedergeschlagen. Nicht der umstrittene Prophet Christus für den es drei Varianten INNERHALB der Religion gibt, mit jeweils Untersekten. Das FSM ließe sich u.U. auch umbenennen wenn es freundlich(!) gefragt würde.

  • 11.07.2017 11:40, Hans A.

    Sehr problematisch. Die Grenzen zwischen Religionen, Lebensanschauungen und Satire sind fließend. Der Buddhismus z.B. ist in manchen seiner Ausprägungen ungefähr so wissenschaftlich wie die Psychoanalyse (die ja ihrerseits auch religiöse Züge trägt). Andererseits hat er aber auch Ausprägungen, in denen die Buddha-Verehrung stark der Jesus-Verehrung der Christen ähnelt.

    In den USA gibt es bereits zahlreiche Spaghettimonster-Anhänger der zweiten Generation. Für sie geht es bei den Ritualen nicht mehr primär um Satire, sondern um Geborgenheit in den Traditionen, mit denen sie aufgewachsen sind. Der Gedanke, dass das Christentum oder gar schon das Judentum auf ähnliche Weise aus einer politischen Bewegung hervorgegangen sein könnte, scheint da gar nicht so abwegig.

    Ich glaube nicht, dass man das Abgrenzungsproblem durch eine klare Definition lösen kann. Man kann höchstens aus den bereits anerkannten Religionen Kriterien entwickeln, die es besonders wahrscheinlich oder besonders unwahrscheinlich machen, dass etwas eine Religion ist. Und im Grenzbereich, in dem sich der Pastafarianismus durchaus auch hier zu Lande schon befinden dürfte, sollte das Selbstverständnis den Ausschlag geben.

    Anders als in anderen Lebensbereichen kann man dabei nicht argumentieren, dass bestimmte Aussagen offensichtlich nicht ernst gemeint seien. Erkennbar unsinnige Behauptungen wie die, bei einem Stück Brot handle es sich um ein Stück einer 2000 Jahre alten Leiche, oder das Aufhängen von Folter- und Hinrichtungswerkzeugen in Schulen sei ein Zeichen der Hoffnung ist ja gerade eines der Anzeichen von Religionen. Diese Behauptungen werden immer zugleich 'geglaubt' und nicht wirklich geglaubt, sind immer zugleich ernst gemeint und Teil eines großen Spiels. (Eines, das für Theologen immer auch ein Intellektuelles ist. So wie der Vatikan Hostien ohne Gluten für ungültig erklärt hat. Ich kann mir das Gelächter gewisser Kreise im Vatikan gut vorstellen, als man auf diese Idee kam.)

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