Fußballprofi streitet um Maklerprovision: 300.000 Euro ein Freund­schaft­s­preis?

11.01.2017

Ein befreundeter Makler vermittelte Jérôme Boateng ein Haus - gegen eine Provision von rund 300.000 Euro. Damit überraschte er den Bayern-Star, der offenbar mit einem Freundschaftspreis gerechnet, aber keine genaue Summe ausgehandelt hatte.

 

"Ein Freundschaftspreis war das nicht", stellte Richter Klaus Mickat in der Verhandlung fest. "Da kann ich Herrn Boateng verstehen, dass er sich ein bisschen mehr von Ihnen erwartet hätte." Am Mittwoch begann vor dem Landgericht (LG) München I die Verhandlung um eine Provision, welche Fußballprofi Jérôme Boateng mit einem befreundeten Makler ausgehandelt haben soll.

Hintergrund ist, dass der FC-Bayern-Star ein Haus in Grünwald bei München kaufen wollte, die Verhandlungen aber ins Stocken gerieten. Schließlich beauftragte er einen befreundeten Makler, sich um das Geschäft zu kümmern. Beide hatten sich zuvor über ihre Kinder kennen gelernt.

Hinsichtlich des Hauskaufes war die Aktion ein Erfolg: Der Makler schaffte es, den Preis um eine halbe Million Euro zu drücken und Boateng kaufte es schließlich. Ärger stand aber anderweitig ins Haus, denn beide hatten sich darauf geeinigt, dass der Vermittler für seine Dienste etwas bekommen solle, jedoch nicht, wie viel.

Freundschaftsdienst oder entgeltliche Leistung?

Sodann gerieten beide Parteien in Streit über die Höhe der fälligen Provision, der auch mittels Chatprotokollen in der Verhandlung nachvollzogen werden konnte. Schließlich forderte der Makler eine Summe von 250.000 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer. Für ein Objekt in dieser Preisklasse eine marktübliche Summe. In der Verhandlung sollte nun geklärt werden, ob es sich um einen Freundschaftsdienst oder eine entgeltliche Dienstleistung gehandelt habe, erklärte ein Sprecher des Gerichts.

Rätselhaft ist, warum Boateng eine Provisionsvereinbarung unterschrieb, ohne eine Summe ausgemacht zu haben. Die Beweggründe des Fußballers blieben auch am Mittwoch im Dunkeln, denn er erschien nicht zur Verhandlung - entgegen einer richterlichen Anordnung. "Er hätte uns das sicher erklären und erläutern können" sagte Richter Mickat.

Boatengs Anwalt Hans-Thomas Rosenkranz gab dazu an, sein Mandant sei "wegen anderer Termine verhindert".

Parteien um Vergleich bemüht

Der Nationalspieler weilt indes derzeit nicht mit seiner Mannschaft im Trainingslager in Katar. Stattdessen kuriert er in der Heimat eine Schulterverletzung aus.

Rechtsanwalt Rosenkranz erklärte, sein Mandant habe keine Chance gehabt, die Vereinbarung individuell auszuhandeln. Er habe dem Makler bei der Festlegung der Provision vertraut.

Auf ein Angebot des Maklers, die geforderte Summe auf 220.000 Euro zu reduzieren, ging Rosenkranz vor Gericht nicht ein. Nun soll zunächst schriftlich weiterverhandelt werden. Im Raum steht eine Vergleichssumme von 185.000 Euro.

dpa/mam/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Fußballprofi streitet um Maklerprovision: 300.000 Euro ein Freundschaftspreis?. In: Legal Tribune Online, 11.01.2017, http://www.lto.de/persistent/a_id/21742/ (abgerufen am: 27.06.2017)

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Kommentare
  • 11.01.2017 20:27, Linksliberaler Multi-Kulti+Ökospinner

    Buhuhuhuhuhuhu. 3,57 Prozent inkl. MwSt. sind normal. Bezahlen, nicht heulen. 300.000 Euro. Wie viele Tage muss er dafür arbeiten? 9? 10?

    Das ist zu schaffen.

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    • 12.01.2017 04:25, BI

      Das ist alles, nur kein Argument!

    • 12.01.2017 07:56, sowhat

      nur ist Herr Boateng selbst schuld. Wenn man eine Provisionsvereinbarung unterzeichnet und keine Summe festlegt, erscheint mir eine marktübliche Provision angemessen. Nur weil Herr Boateng zu "beschäftigt" ist weil er gerade in einem super wichtigen Meeting mit Jay-Z, oder sonst wem ist, um seine Marke zu stärken, kann er keine Sonderbehandlung erwarten. Aber wie war das doch mit dem Sprichwort "was man nicht im Kopf hat, hat man in den Beinen"

    • 12.01.2017 08:51, Linksliberaler Multi-Kulti+Ökospinner

      @sowhat: Exakt! Aber das versteht der Nichtjurist nicht. Weil der Boateng ist ja Fussballer und für die gelten andere Regeln. Da darf man nicht so sein.

      Wie man's halt gerade braucht.

      Mal angesehn davon.. Dass der beim falschen Verein spielt ;-) Aber das ist nur meine ganz persönliche Meinung.

      In einem Land, in dem man noch ungestraft Trikots vom FCB tragen darf, kann man über ein Burkaverbot nicht wirklich diskutieren ;-)

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