Streit um Entschädigung: Land kommt auf Jus­ti­zopfer Harry Wörz zu

19.02.2016

Harry Wörz steht für einen der spektakulärsten Justizirrtümer: Er saß über Jahre wegen angeblichen versuchten Totschlags an seiner Frau unschuldig im Gefängnis. Seit langem kämpft er um eine höhere Entschädigung. Jetzt gibt es ein neues Angebot.

 

Bewegung im festgefahrenen Streit um eine höhere Entschädigung für Justizopfer Harry Wörz: Das Land Baden-Württemberg hat dem 49-Jährigen aus Birkenfeld bei Pforzheim ein neues Entschädigungsangebot unterbreitet. Dies teilte die Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe am Freitag mit. Über die Höhe machte die Behörde keine Angaben. Sprecher Jürgen Gremmelmaier sagte aber: "Unser Ansinnen ist, eine endgültige und umfassende Einigung zu erzielen." Von Harry Wörz war dazu zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Harry Wörz war 1998 wegen versuchten Totschlags an seiner damaligen Frau verurteilt worden und saß viereinhalb Jahre unschuldig im Gefängnis. Er stritt 13 Jahre vor verschiedenen Gerichten, bis er im Dezember 2010 rehabilitiert wurde. Seine damals von ihm getrennt lebende Frau war 1997 mit einem Schal fast zu Tode gewürgt worden. Die frühere Polizistin ist heute ein schwerer Pflegefall und kann sich nicht mehr mitteilen. Wer die Tat verübte, wurde nie aufgeklärt. Der Fall erfuhr große mediale Aufmerksamkeit und wurde sogar verfilmt.

Wörz hatte im vergangenen Sommer ein Vergleichsangebot des Landes abgelehnt, das eine "sechsstellige Summe zur Abgeltung aller Forderungen" vorgesehen hatte, um den Rechtsstreit abzuschließen. Wörz hatte damals nach Medienberichten seine Ablehnung des nicht näher genannten Betrags mit "hohen Steuern" und weiteren Abzügen begründet. Auch müsse er davon Anwaltskosten für einige Prozesse und Schulden abzahlen.

Generalstaatsanwaltschaft: Nun ist Wörz am Zug

Bislang hat der Staat dem Installateur knapp 156.000 Euro zugebilligt. Wörz wollte nach Stand im Sommer vom Land Baden-Württemberg zusätzlich 86.000 Euro für seinen Verdienstausfall. Außerdem verlangte er einen Ausgleich der Kosten für Anwälte und Möbel aus seiner wegen der Haft aufgelösten Wohnung in Höhe von 26.000 Euro. Schließlich hatte er eine Berufsunfähigkeitsrente über das Jahr 2016 hinaus gefordert.

Der Generalstaatsanwaltschaft zufolge war Wörz jetzt vor einiger Zeit auf die Behörde zugekommen. Nach dem neuen Angebot des Landes sei nun Wörz am Zug: "Wir warten auf eine Reaktion", so Gremmelmaier.

dpa/acr/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Streit um Entschädigung: Land kommt auf Justizopfer Harry Wörz zu. In: Legal Tribune Online, 19.02.2016, http://www.lto.de/persistent/a_id/18535/ (abgerufen am: 10.12.2016)

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Kommentare
  • 21.02.2016 07:11, Dr. Diesel

    Die Summen sind beschämend die Justizopfer hierzulande bekommen.

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  • 26.02.2016 12:39, Holger Söder

    Meine Justizopferentschädigung gemäß GG Art.34 wird auch schon 4 Jahre rechtswidrig verschleppt mit weiteren Schädigungen als Folge ! Das Land Berlin und Land Brandenburg kommen ihren Verpflichtungen NICHT nach !!! Verbrechen gegen die Menschlichkeit liegen vor .

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