Einstweilige Entwarnung an der HU Berlin: Verschimmelte Bücher werden zunächst nicht verbrannt

19.11.2014

Die zehntausende unter dem Dach der Bibliothek der rechtswissenschaftlichen Fakultät verschimmelten Bücher sollen in nächster Zeit doch nicht verbrannt werden, gab die HU Berlin am Dienstagabend bekannt. Stattdessen werden die Bücher erst einmal umgelagert.

 

Laut einer Stellungnahme der Humboldt-Universität (HU) zu Berlin von Dienstagabend hat die Leitung der Universität beschlossen, den gesamten betroffenen historischen Buchbestand zu erhalten und auf dem Campus Berlin-Adlershof in trockenen Räumen zwischenzulagern.

Damit reagiert die HU auf die Medienberichterstattung der letzten Tage. So war unter anderem bekannt geworden, dass rund 30.0000 verschimmelte Bücher von der Uni vernichtet werden müssten, weil das Geld für eine Dekontaminierung fehle. Seit Frühjahr dieses Jahres ist das Dach der Bibliothek der juristischen Fakultät undicht. Dadurch ist ein Teil des Buchbestandes, der bereits seit 1995 direkt unter dem Dach gelagert wurde, verschimmelt.

Nach Angaben der HU hat eine genaue Zählung des Bestandes nun ergeben, dass insgesamt 25.489 Bücher unter dem Dach gelagert werden. Bei den "70 laufenden Metern", welche die Universität bereits hat entschimmeln lassen, handele es sich um ca. 2.450 Exemplare.

Noch keine endgültige Entscheidung

Die Universität will die verbleibenden ca. 23.000 Bücher nun zunächst auf Schimmelbefall untersuchen. Betroffene Bücher würden dann dekontaminiert und anschließend zum Austrocknen auf den Campus Adlershof verbracht. Zusätzliche Kosten sollen dabei gegenüber der ursprünglich geplanten Abholung und Verbrennung nicht entstehen. 

Im Anschluss an diese Maßnahmen wollen Fakultät und Universitätsbibliothek den Bestand erneut gemeinsam sichten und über das Schicksal der einzelnen Bücher entscheiden. Dabei könne durchaus festgestellt werden, dass bestimmte Exemplare aus juristischer und bibliothekarischer Sicht nicht mehr benötigt würden. Was genau mit diesen Büchern dann geschieht, ist allerdings noch nicht bekannt. Die Uni gab an, dass diese gegebenenfalls anderen Bibliotheken zur Verfügung gestellt werden könnten.

Die Kosten der Rettung der Bücher, die final wieder hergestellt werden sollen, sind vor dieser Sichtung noch nicht absehbar. Es heißt aber, der Universität lägen bereits Hilfsangebote vor, damit die Kosten gestemmt werden können. Über das weitere Vorgehen wird die Universität jedoch voraussichtlich nicht vor Frühjahr 2015 entscheiden.

afl/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Einstweilige Entwarnung an der HU Berlin: Verschimmelte Bücher werden zunächst nicht verbrannt. In: Legal Tribune Online, 19.11.2014, http://www.lto.de/persistent/a_id/13854/ (abgerufen am: 30.09.2016)

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Kommentare
  • 19.11.2014 22:00, R Hartnack

    Jetzt weiß ich auch, warum ich in der Bibliothek der Kommode (Fakultät) sitzend plötzlich Allergie bekomme - außerhalb der Heuschnupfzeit. Die geplante Bücherverbrennung ist vor dem Hintergrund der Historie des vor dem Gebäude liegenden Bebelplatzes wohl auch keine gute Idee gewesen.

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    • 20.11.2014 16:59, [obl]

      Körperverletzung?

  • 20.11.2014 13:20, Gustav

    Die HU ist doch Eliteuni, dann her von Bund und Land mit den Elitemittel und zu allererst für die Bücher.

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  • 20.11.2014 16:52, [obl]

    Bei der Einlassung der Universitätsleitung, es sei kein anderer Platz vorhanden, handelt es sich um eine klassische Schutzbehauptung, der Unwahrheit leicht zu beweisen ist. In dem 2010 eröffneten - grandiosen - Grimm-Zentrum stehen hunderte [!] laufende Meter frei, für künftigen Bestandsaufbau. Hier bestand eine Möglichkeit zur Zwischenlagerung. Warum werden die Verantwortlichen nicht materiell in die Pflicht genommen? Ausreichend Kompetenz sollte an der juristischen Fakultät vorhanden sein, die Universitätsleitung - und die Öffentlichkeit - gegenüber den verantwortungslosen Verantwortlichen zu vertreten.

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