Unter dem undichten Dach verschimmelt: HU Berlin will tausende Jura-Bücher verbrennen

18.11.2014

Tausende Fachbücher sind in der Bibliothek der Jura-Fakultät der HU Berlin von Schimmel befallen, darunter auch rechtshistorische Werke. Sie waren seit fast 20 Jahren unter dem Dach der Universität gelagert worden und sind nun dort verschimmelt. Ihre für Montag geplante Verbrennung hat die Universität noch einmal aufgeschoben. Wie viele Bücher das retten kann, ist unklar.

 

Es war die Welt, die am vergangenen Freitag darauf aufmerksam machte, dass die Humboldt-Universität (HU) zu Berlin am heutigen Montag tausende von Büchern wegwerfen will, die sie nach eigenen Angaben bereits seit 1995 unter dem Dach des Gebäudes lagert. In einer Stellungnahme der Universität heißt es, "Diese Lagerung galt schon in den vergangenen Jahren als suboptimal, aber vertretbar".

Das war sie offenbar nicht, nach Angaben der HU jedenfalls nicht mehr seit dem Frühjahr dieses Jahres. 60.000 Bücher sind verschimmelt, wenn man der Welt glauben darf. Die Universität bestätigt diese Zahl weder noch dementiert sie. Darunter nach übereinstimmenden Angaben der Webseite und der HU Berlin auch spezielle juristische Literatur zum römischen Recht und zur römischen Rechtsgeschichte sowie laut der Universität "171 laufende Meter Rechtsliteratur der DDR".

Nur einen Teil davon kann die Universität entschimmeln, teilen die Berliner mit. Im Mai habe das Präsidium dazu 5.000 Euro bewilligt, die "70 laufenden Meter des Buchbestandes Spezielle juristische Literatur zum römischen Recht und zur römischen Rechtsgeschichte" fallen darunter, da von diesen Büchern jeweils nur ein Exemplar in der Bibliothek vorhanden sei. Mehr unikale, nicht näher bezeichnete Werke - sechs "laufende Meter" will die Universität bislang identifiziert haben - wollen die Berliner offenbar nur dekontaminieren, wenn eine nicht benannte private Stiftung bereits avisierte Mittel zur Verfügung stellt, auch der Dekan habe weitere Gelder in Aussicht gestellt.

HU: fehlende Gelder, mangelnde Kommunikation

Für rund 30.000 Bücher kommt auch nach Angaben der Universität aber jede Hilfe zu spät, weil das Geld fehlt, selbst wenn alle versprochenen Summen herein kämen.  Bei den Werken handelt es sich nach Aussagen der HU um sogenannte Dubletten, also Bände, die in Berlin mindestens noch einmal in der Staatsbibliothek zu Berlin oder im Grimm-Zentrum vorhanden seien, darunter auch insgesamt "430 laufende Meter" juristische Fachliteratur zu den Hauptgebieten des Rechts und die Rechtsliteratur der DDR.

Nachdem die Bücher zunächst am Montag verbrannt werden sollten, hat die HU nach dem Artikel der Welt angekündigt,den Bestand noch einmal zu sichten, um eventuell noch dort lagernde wertvolle Literatur zu separieren und zu sichern. Pressesprecher Hans-Christoph Keller teilte auf Nachfrage von LTO mit, die Bücher seien am Montag nicht abgeholt und vernichtet worden. 

Den entstandenen Schaden hätte man "intern durch rechtzeitige Kommunikation, extern aber vor allem durch Mittel für eine rechtzeitige Gebäudesanierung" vermeiden können, so die Universität. Der Sanierungsstau an der HU betrage derzeit fast 400 Millionen Euro.

Allein für die Erneuerung des Daches der Fakultät und den lagerungsfähigen Ausbau des Magazins wäre demnach eine Summe von rund fünf Millionen Euro nötig, welche die Universität selbst nicht aufbringen könne. Die beschriebene Situation gelte für eine Vielzahl wertvoller und traditionsreicher Universitätsgebäude in Berlin, da die Ressourcen für den Bauunterhalt bei weitem nicht ausreichten.

pl/afl/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Unter dem undichten Dach verschimmelt: HU Berlin will tausende Jura-Bücher verbrennen. In: Legal Tribune Online, 18.11.2014, http://www.lto.de/persistent/a_id/13829/ (abgerufen am: 04.12.2016)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 18.11.2014 11:50, Der Rechtsstudent

    Die übliche Endlagerproblematik. Wohin mit den ganzen Büchern? Am besten auf den Dachboden. Dort ist es im Sommer heiß und im Winter kalt und feucht. Genau der richtige Ort für diese Schätze!

    Für den sog. akademischen Mittelbau fehlt das Geld und nun morscht auch das Gebälk. Genderwut, interne Grabenkämpfe, Geld, Geld, Geld..

    Wann gibt es mal wieder etwas positives, von der HU zu berichten?

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  • 18.11.2014 14:29, Gerrit

    Großartig: Nicht nur, dass an der HU offensichtlich Lehrbücher verschimmeln, weil sie keiner nutzt, nein, dann kommt von der Fakultät am Bebelplatz auch noch der Vorschlag, sie zu verbrennen. Am besten direkt vor der Haustür!

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    • 18.11.2014 19:51, bombo claat

      am besten auch noch nachts, würde in zeiten der nsu-vs-farce und des allgemeinen schleichenden rechtsrutsches ziemlich gut passen, sozusagenwie gesäß auf kübel...

      zynikmodus wieder aus

    • 19.11.2014 10:31, Skepsis

      Viel schlimmer als die mangelnde Organisationsmöglichkeiten (aus welchen Gründen auch immer) finde ich ja eher die reißerische Aufmachung ála Bild-Qualität dieses Artikels.
      Ich habe den verlinkten Welt-Artikel gelesen. Dort ist nirgends davon die Rede, dass die Bücher "verbrannt" werden soll. Von daher würde mich schon sehr interessieren, woher denn die Information stammen soll, dass die Bücher den Feuertod sterben sollen, nachdem sie schon vom Schimmel infiziert worden sind.
      Schade, dass es mit der Qualität der LTO-Beiträge zum Jahresende hin bergab geht.

  • 18.11.2014 16:20, soeren heuer

    Tolle Wurst!
    Gleich was drauf grillen.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 18.11.2014 17:49, irgendein Sven

    Ich bin für volle Studiengebühren bei allen Fächern die überwiegend oder zu einem erheblichen Anteil etwas mit politischer Ideologie zu tun haben. Außerdem keine Staatsfinanzierung für diese Fächer über Stipendien oder so was, dann ist mehr Geld für den Rest da. Wer Soziologie, Politologie, Kultur"wissenschaften" oder insbesondere Genderismus studieren will, kann das auf eigene Kosten tun oder sich von Dritten finanzieren lassen.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 19.11.2014 10:32, Skepsis

      Hoffentlich sagen Sie das auch zu Ihrem Anwalt

  • 18.11.2014 21:14, irgendein Mensch

    ,,des allgemeinen schleichenden rechtsrutsches ziemlich gut passen, sozusagenwie gesäß auf kübel...

    zynikmodus wieder aus
    bombo claat``


    Jaja, Nazis ueberall...

    Sie meinten wohl eher zu sagen: ,,Debilitätsmodus wieder aus`` -

    a propos, würde das bei Ihnen noch helfen?


    irgendein Mensch

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 19.11.2014 06:44, Andreas Kuhn

    Ist doch kein Problem.
    Gebt der ProfX und ihren Mitläufer_innen der Gender-Abteilung an der HU Putzlappen in die Hand und lasst sie die Bücher entschimmeln.
    Dann machen sie sich wenigstens einmal in ihrem Leben nützlich, anstatt nur dem Steuerzahler auf der Tasche zu liegen.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 19.11.2014 10:34, Skepsis

      Da bringt wohl jemand Genderwissenschaften und den ach so bösen "Feminismus" durcheinander. Sexismus ist ja auch gar nicht so schlimm, wenn man dem nicht diskrimierten Geschlecht angehört. Gruß an die Vernunft.

  • 19.11.2014 11:04, Mensch ärgere dich

    Na Hauptsache die Moneten für nicht flugtaugliche Drohnen sind vorhanden. Und weil die Beteiligten da so eine gewissenhafte Arbeit geleistet haben dürfen die gleich nochmal ran...
    Was sind schon 650 Millionen, nicht wahr? Wer braucht schon Bildung in [SIC] Deutschland.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 19.11.2014 12:06, smorgasbroed

    Haben die wegen der ganzen Gender Geschichte kein Geld mehr für PutzInnen? Was für eine Lachnummer ...

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 19.11.2014 13:46, Skepsis

      Auch hier fehlt jeglicher Zusammenhang mit dem Sachverhalt im Artikel und Ihrem Kommentar. Selbst Hand angelegt haben Sie beim Putzen scheinbr auch nicht, denn sonst wüssten Sie, dass sich Schimmel nicht durch einfaches "Putzen" entfernen lässt.

      Auch für Sie gilt: Da bringt wohl jemand Genderwissenschaften und den ach so bösen "Feminismus" durcheinander. Sexismus ist ja auch gar nicht so schlimm, wenn man dem nicht diskrimierten Geschlecht angehört. Gruß an die Vernunft.

  • 19.11.2014 17:55, Andreas Kuhn

    @Skepsis:
    Ach?
    http://feministisch-sprachhandeln.org/
    Kommt von Profx. Lann Hornscheidt, Professx für Gender Studies und Sprachanalyse an der HU.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 19.11.2014 22:47, smorgasbroed

    @skepsis
    Um es mal kurz zu machen: Die Genderdebatte ist in ihrer Dimension an der HU völlig überzogen und bindet daher Ressourcen jedweder Form, die besser woanders eingesetzt worden wären.

    PutzInnen können nach Weiterbildung auch als LüftInnen eingesetzt werden. Ich selbst bin ausgebildete PutzIn, LüftIn und WischIn mit Zusatzqualifikation ParkettwischIn.

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