Tag des bedrohten Anwalts 2016: Deut­scher Anwalt­ve­rein rügt China

25.01.2016

Der 24. Januar ist Tag des bedrohten Anwalts. Der DAV hat sich dieses Jahr zusammen mit anderen Verbänden gegen die Festnahme von 200 chinesischen Anwälten ausgesprochen, die angeblich eine kriminelle Vereinigung gebildet haben sollen.

 

Aus Anlass des "Tages des bedrohten Anwalts" 2016 setzt sich der Deutsche Anwaltverein (DAV) erneut für chinesische Anwältinnen und Anwälte ein, die vom chinesischen Staat verfolgt werden. Der weltweite Tag wird seit 2010 am 24. Januar ausgerichtet.

"Eine unabhängige Anwaltschaft und eine funktionierende Justiz sind essentiell für jeden Staat, dessen Gesellschaft und nicht zuletzt auch die Wirtschaft", erklärt der Präsident des DAV Rechtsanwalt und Notar Ulrich Schellenberg. Der DAV hat nach eigenen Angaben am 18. Januar 2016 gemeinsam mit namhaften Juristen aus der ganzen Welt einen offenen Brief an die chinesische Staatsführung versandt, in dem sie Präsident Xi Jinping aufforderten, Einschüchterungen von Anwälten zu beenden und inhaftierte Kolleginnen und Kollegen freizulassen.

Über 200 chinesische Rechtsanwälte festgenommen

Hintergrund war eine landesweite Aktion der chinesischen Behörden im vergangenen Sommer. Mehr als 200 Anwältinnen und Anwälte, die sich besonders für Menschenrechte einsetzten, sowie deren Familienmitglieder waren festgenommen worden. Die chinesischen Behörden warfen den Anwälten vor, eine "kriminelle Vereinigung" gebildet und "ernsthaft die öffentliche Ordnung" gestört zu haben. Sie seien Teil eines Verbrecherrings von "Unruhestiftern, die sich als Bürgerrechtler ausgegeben hätten".

Die Kriminalisierung von Rechtsanwälten allein aufgrund der Wahrnehmung ihrer beruflichen Aufgaben widerspricht zahlreichen international anerkannten menschenrechtlichen Standards, zu deren Einhaltung sich auch die Volksrepublik China rechtlich verpflichtet hat, kritisiert der DAV. Sie widerspreche aber auch den Vorgaben des chinesischen Rechts.

Noch immer befinden sich zwölf Anwälte in Haft, ohne dass sie Zugang zu Familienangehörigen oder einem Rechtsbeistand haben. Zum Teil ist ihr Aufenthaltsort immer noch nicht bekannt. Der Brief scheint Wirkung zu zeigen: Bereits einen Tag nach seinem Erscheinen teilten chinesische Behörden den Aufenthaltsort des verschwundenen Anwalts Li Heping mit.

ms/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Tag des bedrohten Anwalts 2016: Deutscher Anwaltverein rügt China. In: Legal Tribune Online, 25.01.2016, http://www.lto.de/persistent/a_id/18255/ (abgerufen am: 27.02.2017)

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