BGH zur Trittschalldämmung in Eigentumswohnungen: Nachbar darf Teppich gegen lauteres Pakett austauschen

27.02.2015

Wohnungseigentümer können nicht verhindern, dass über ihnen lebende Eigentümer in ihrer Wohnung den leiseren Teppichboden durch Parkett ersetzen. Ein Vertrauensschutz bestehe nicht, entschied der BGH am Freitag. Maßgeblich sei allein, dass die Schallschutzwerte eingehalten werden, die zur Zeit der Errichtung des Gebäudes galten.

 

Ein Rentner-Paar aus Travemünde an der Ostsee hatte gegen die neuen Eigentümer der über ihnen liegenden Wohnung geklagt. Diese hatten den Teppichboden, der seit dem Erstbezug der Wohnung Anfang der 1970er Jahren dort gelegen hatte, gegen einen Laminatboden ausgetauscht. In der Folge war es in der darunter liegenden Wohnung lauter geworden – zu laut nach Ansicht des Rentner-Paares. Schließlich sei bei der Errichtung des Gebäudes mit dem hohen Standard mit Teppich geworben worden. Dies begründe einen Vertrauensschutz.

Während die Pensionäre mit Ihrer Klage auf Widerverlegung eines Teppichbodens oder eines der Trittschalldämmung gleichwertigen Bodenbelages vor dem Amtsgericht Lübeck noch Erfolg hatten, wies das Landgericht (LG) Itzehoe die Klage ab.

Der unter anderem das Wohnungseigentumsrecht zuständige V. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs (BGH) bestätigte mit seinem Urteil nun die Entscheidung des LG (Urt. v. 27.02.2015, Az. V ZR 73/14). Maßgeblich seien die zum Zeitpunkt der Errichtung des Gebäudes geltenden Schallschutzbestimmungen. Diese würden auch mit dem neuen Bodenbelag eingehalten.

Ein höheres Schallschutzniveau könne sich aus der Gemeinschaftsordnung ergeben, nicht aber aus einem sogenannten besonderen Gepräge der Wohnanlage. Die Gemeinschaftsordnung enthalte keine solchen Vorgaben. Dass die im Zuge der Errichtung des Hochhauses erstellte Baubeschreibung und der ursprüngliche Verkaufsprospekt eine Ausstattung der Appartements mit Teppichböden vorsahen, sei unerheblich.

mbr/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

BGH zur Trittschalldämmung in Eigentumswohnungen: Nachbar darf Teppich gegen lauteres Pakett austauschen. In: Legal Tribune Online, 27.02.2015, http://www.lto.de/persistent/a_id/14815/ (abgerufen am: 23.07.2016)

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Kommentare
  • 01.03.2015 11:36, Gunhild

    Beschwerden dieser Art sind häufig. Solche Umbaumaßnahmen finden oft statt im Zusammenhang mit einem Bewohnerwechsel, z.B. mit dem Einzug einer jungen Familie mit Kindern, die dann schlimmstenfalls auch noch Bobbycar und hüpfende Bälle in der Wohnung haben.
    Gegenüber dem Erbauungszustand hat sich heute oft auch die Hausordnung bzw. die Beachtung der Hausordnung geändert. Geändert haben sich auch die Lebensrhythmen Berufstätiger und ein Schallschutz, der ausreichend war für ein halbwegs synchrones nachbarschaftliches Leben reicht nicht mehr aus, wenn in unterschiedlichen "Schichten" geschlafen, geduscht, Musik gehört wird.

    Eine gütliche Einigung unter Nachbarn wird umso schwieriger, je länger sich der Konflikt schon aufgeschaukelt hat.
    In München gibt es ein städtisches Angebot von Mediation, bei der im besten Fall die Nachbarn eine für beide Seiten tragbare Absprache treffen können, wann wer welchen Lärm machen darf, wann Ruhezeit ist.

    Es bleibt im Einzelfall noch die Möglichkeit, zu klären, ob beim ursprünglichen Schallschutz die dämmende und dämpfende Wirkung des Teppichbodens schon mit eingerechnet war.

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  • 10.03.2015 20:06, Geschädigter

    Gerne überlasse ich den "Trittschall-Richtern" meine Wohnung - damit sie sehen und hören, was sie anrichten bzw. angerichtet haben.

    Diese Leute leben leider zum Nachteil der Wirklichkeit in einer eigenen und von der realen abgekoppelten Welt.

    Auf jeden Fall nicht in einer Eigentumswohnung aus 1970-1980 - dann wären sie in eigener Anschauung - lies Anhörung - zu einem anderen Urteil gekommen.

    Bin gespannt, ob einer der Richter mein längerfristiges Wohnangebot annimmt , um sich stundenlang "auf dem Kopf" trampeln etc. zu lassen.

    Ein nunmehr Geschädigter, der seine Wohnung verschenken kann, weil auch kein anderer einziehen will.

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