Nach Aufruf der Rechtsanwaltskammer Berlin: Anwälte über­nehmen Vor­mund­schaft für Flücht­lings­kinder

11.02.2016

Mehr als 750 Rechtsanwälte in Berlin stehen nach einem Aufruf der Rechtsanwaltskammer und des Berliner Anwaltvereins bereit, eine ehrenamtliche Vormundschaft für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge zu übernehmen.

 

Nach einem Aufruf des Berliner Rechtsanwaltvereins und der Berliner Rechtsanwaltskammer im Dezember 2015 haben sich nun bereits 750 Anwälte als freiwillige Vormünder für minderjährige Flüchtlinge gemeldet.

Minderjährige Flüchtlinge, die ohne Begleitung ihrer Eltern nach Berlin kommen, benötigen Vormünder für alle behördlichen Anträge, die Suche nach einer Unterkunft, für schulische Belange und bei Maßnahmen der Gesundheitssorge. Mehr als 4.000 minderjährige unbegleitete Flüchtlinge halten sich derzeit allein in Berlin auf. Die Amtsvormünder, denen nach dem Gesetz maximal 50 Mündel zugewiesen werden dürfen, sind daher überlastet. Andererseits warten viele minderjährige Flüchtlinge und viele freiwillige Vormünder auf die Einleitung des Vormundschaftsverfahrens.

"Die Bereitschaft der Berliner Anwaltschaft, anderen Menschen in der aktuellen Ausnahmesituation auch ehrenamtlich zu helfen und damit auch unsere Verwaltung zu entlasten, ist überragend", so Dr. Marcus Mollnau, Präsident der Rechtsanwaltskammer Berlin. "Mehr als 750 Anwältinnen und Anwälte sind zur ehrenamtlichen Übernahme einer Vormundschaft bereit, zusätzlich stehen viele weitere wie bisher als Berufsvormünder zur Verfügung."

Der Vorsitzende des Berliner Anwaltvereins, Uwe Freyschmidt, hofft, durch das Engagement der Anwälte den Bedarf an Vormündern nun decken zu können. Es sei jetzt die Aufgabe der Jugendämter und Justiz, die Vormundschaftsverfahren für minderjährige Flüchtlinge zügig in Gang zu bringen.

acr/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Nach Aufruf der Rechtsanwaltskammer Berlin: Anwälte übernehmen Vormundschaft für Flüchtlingskinder. In: Legal Tribune Online, 11.02.2016, http://www.lto.de/persistent/a_id/18436/ (abgerufen am: 31.07.2016)

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Kommentare
  • 11.02.2016 22:00, mhd

    Ich hätte mir von einer Interessenvertretung mehr erwartet. Der Staat sollte die Kosten hierfür auch tragen wenn eine Leistung erbracht wird.
    Die RAK Berlin trägt damit dazu bei, dass Leistungen zum Nulltarif angeboten werden die eigentlich der Staat zu erbringen hat.

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    • 14.02.2016 11:35, Selbstbestimmt

      Ich widerspreche Ihnen. Nicht jeder Mensch erwartet alles vom Staat bezahlt zu bekommen. Ich spende auch in der Kirche freiwillig und sage nicht, dass die Kirche allen Menschen helfen soll. Irgendwie geht es, glaube ich, immer mehr ums meckern. Stellen Sie sich einfach mal vor, die RA würden Geld dafür nehmen. Es hieße doch gleich, dass sie das nur wegen dem Geld tun und das, wo sie doch genug verdienen. Ich finde dass das eine großartige Aufgabe ist, die diese vielbeschäftigten Menschen hier noch nebenbei machen. Meinen vollen Respekt und Dank, dass den jungen Menschen geholfen wird.

  • 16.02.2016 17:37, Rajko P. Petrow

    MHD - Hirn einschalten u - zuvörderst!! - Kommata (richtig) setzen. Dann:
    Wir Juristen tun das in "unserer Freizeit", glauben Sie im Ernst, wir täten das zw. 08:00 und 18:00 Uhr??
    Hierzu: Das tun die RAe Berlin aus gänzlich freien Stücken, Empathie u basiszivilisatorischen Gehorsams - etwas, was Pegida & Co gänzlich abgeht!

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