Weil sie keine Männer waschen wollte: Pfle­ge­di­enst durfte Mus­lima kün­digen

23.03.2017

Eine muslimische Pflegekraft, die keine männlichen Patienten waschen wollte, durfte in der Probezeit entlassen werden. Sie hatte ihrem Arbeitgeber, einem ambulanten Pflegedienst, vorgeworfen, sie wegen ihres Glaubens zu benachteiligen.

 

Weil eine muslimische Pflegehelferin keine männlichen Patienten waschen wollte, hat ihr Arbeitgeber sie entlassen - mit Recht, wie das Arbeitsgericht Mannheim entschieden hat. Es wies eine Klage der 40-Jährigen am Donnerstag ab. Nur eine Woche lang hatte die gebürtige Litauerin für den ambulanten Pflegedienst gearbeitet, ehe das Unternehmen sie entließ.

"Ich will doch nur für mein Recht kämpfen zu arbeiten", hatte die Frau erklärt, bevor sie am Donnerstag im Gerichtssaal Platz nahm. Seit drei Jahren lebe sie in Deutschland und wolle sich nur integrieren, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. In Litauen habe sie Medizin studiert, aber in Deutschland fehle ihr die Arbeitserlaubnis. Deswegen schlage sie sich als Pflegehilfe und hauswirtschaftliche Betreuerin durch. "Ich fühle mich hier diskriminiert", sagte sie. Sie verstehe nicht, warum ein so großes Unternehmen nicht darauf Rücksicht nehmen könne, dass es ihre Religion verbiete, Männer zu waschen.

Richterin Sigrid Bouwhuis jedoch betonte: "Sie können Ihre Religion hierzulande frei ausüben. Aber an Ihrem Arbeitsplatz kann Ihnen nicht alles zurecht gezaubert werden." Sie müsse sich daher an die Spielregeln halten. Außerdem greife in der sechsmonatigen Probezeit kein Kündigungsschutz. Und weil die Frau einen Tag zu spät Klage gegen ihre Entlassung eingereicht habe, sei diese ohnehin unzulässig.

Die Chefin des Pflegedienstes betonte, dass einzig das Verhalten den männlichen Patienten gegenüber zu der Entlassung geführt habe. "Wenn wir sie wegen ihrer Religion hätten diskriminieren wollen, dann hätten wir sie mit Kopftuch gar nicht erst eingestellt." Außerdem habe sie sich geweigert, Patienten auf Wunsch Zigaretten oder Alkohol zu kaufen.

dpa/acr/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Weil sie keine Männer waschen wollte: Pflegedienst durfte Muslima kündigen. In: Legal Tribune Online, 23.03.2017, http://www.lto.de/persistent/a_id/22463/ (abgerufen am: 30.04.2017)

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Kommentare
  • 23.03.2017 19:23, esfehltdiegründlicheReform

    Wertet eigentlich jemand mal aus, in welchem Masse Muslime Deutsche Gerichte beschäftigen?
    Subjektiv andauernd: subsidärer Schutzstatus reicht nicht, Schwimmunterricht, Kopftuch, jetzt will eine keine Männer waschen.

    Sie wollen alle nur für ihr Recht kämpfen?
    Ich sehe durch sie mein Recht beschnitten, mit solchen Gästen nicht mein Land teilen zu müssen.

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    • 24.03.2017 09:21, B.

      Der Gleichbehandlung zuliebe dann aber bitte eine Gesamtschau, in welchem Maße Angehörige aller anderen Konfessionen und A-/Antitheisten unsere Gerichte beschäftigen und aus welchen Gründen. Nur weil die anekdotischen Einzelfälle derzeit medial hochpräsent sind, heißt das nicht, dass uns keine anderen Sachverhalte mehr beschäftigen. Erinnern Sie sich noch an die Religions-frei-heit, die zum Kruzifix nochmal das BVerfG beschäftigt hat?

    • 24.03.2017 09:45, Knöllchen-Dieter

      Jawoll, und dann noch die ganzen Hartzer, die ständig die Sozialgerichte beschäftigen. Die sollen lieber mal arbeiten gehen. Hat noch keinem geschadet. Das rechtliche Gehör sollte nun wirklich nur den anständigen Bürgern vorbehalten sein, die sich z.B. über die Höhe von Gartenzäunen streiten.

    • 24.03.2017 12:06, Word

      Man könnte ja auch die zuständige Geschäftsstelle um Erteilung eines Rechtskraftzeugmisses bitten (§§ 706 Abs. 1 ZPO, 153 Abs. 2 GVG)

  • 23.03.2017 19:44, RA Nicolas

    Diese Klage war einfach nur dreist.

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    • 24.03.2017 22:33, Wolf-Dieter Busch

      yep

  • 23.03.2017 20:53, Martin

    Was für eine despektierliche, ja beinahe diskriminierende Stellung deutscher Justiz gegenüber dem Grundrecht der Religionsfreiheit. Ich fordere eine längst überfällige, umfassende Gesetzesreform: Anpassung von allen Rechtsnormen an die Regeln des jeweils einschläfigen "heiligen" Buches!

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 24.03.2017 14:12, Martin M.

      Es gibt zwar in Deutschland eine durch das Grundgesetz (Art. 4 Abs. 1 und 2 GG) geleistete Religionsfreiheit, aber man muss auch das Arbeitrecht im Verhältnis dagegen halten. Und es gibt auch Arbeiten, die der Religion nicht entsprechen, aber die man dennoch verrichten muss (durch die Verpflichtung ganz abgesehen, weil sie ja den Arbeitsvertrag unterschrieben hat).

  • 24.03.2017 15:09, Assessor

    Ich feiere ein weiteres Mal die grandiose Titelwahl für die Bilddatei: "Opa muss sich selbst waschen"

    Mit einem Lachen gehts doch am besten ins Wochenende. Danke dafür!

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 24.03.2017 22:39, Wolf-Dieter Busch

    Die Frau hat zwar Religions- und Berufsfreiheit, aber kein Recht auf Behalten der Arbeitsstelle: die arbeitsvertraglichen Pflichten gehen vor. Ihr Verhalten war schlicht unverschämt.

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