Donnerstag, 24.04.2014

ArbG Frankfurt a.M. zum Kündigungsschutz

Langjährige Arbeitnehmer dürfen auch lange krank sein

27.03.2013

Mitarbeiter, die bereits viele Jahre im Unternehmen sind, genießen auch dann Schutz vor einer Kündigung, wenn sie häufig wegen Krankheit fehlen. Die Richter kippten damit die Entlassung einer Briefsortiererin, die über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren hinweg überdurchschnittlich häufig gefehlt hatte.

Das Arbeitsgericht (ArbG) Frankfurt am Main hat am Mittwoch die Kündigung einer Mitarbeiterin in einem Postunternehmen aufgehoben. Die Frau hatte bereits seit 16 Jahren in dem Betrieb gearbeitet und war deshalb ordentlich nicht kündbar. Das Arbeitsverhältnis wurde seitens des Unternehmens jedoch aus betrieblichen Gründen fristlos "mit sozialer Auslauffrist" aufgelöst, weil die Frau innerhalb von zweieinhalb Jahren jährlich bis zu 80 Tage gefehlt habe. Nach Angaben des Unternehmen hätten die Lohnfortzahlungskosten bereits knapp 11.000 Euro betragen, weitere seien unzumutbar. Dem wollte sich das Gericht nicht anschließen (Urt. v. 27.03.2013, Az. 7 Ca 5063/12).

Ein Zeitraum von nur zweieinhalb Jahren sei bei 16 Jahren Betriebszugehörigkeit zu kurz, um eine negative gesundheitliche Zukunftsprognose stellen zu können. Insbesondere hätte das Unternehmen bei einer Mitarbeiterin mit derart langer Betriebszugehörigkeit einen Versuch einer betrieblichen Wiedereingliederungsmaßnahme unternehmen müssen, heißt es in der Entscheidung.

dpa/una/LTO-Redaktion

Artikel kommentierenDruckenSendenZitieren
Zitiervorschlag

ArbG Frankfurt a.M. zum Kündigungsschutz: Langjährige Arbeitnehmer dürfen auch lange krank sein. In: Legal Tribune ONLINE, 27.03.2013, http://www.lto.de/persistent/a_id/8426/ (abgerufen am 24.04.2014)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare

02.04.2013 10:23
www.labournet.de verlinkt auf diesen Artikel mit folgendem Linktext:
Artikel auf Legal Tribune Online vom 27.03.2013
www.labournet.de Auf diesen Kommentar antworten

09.04.2013 11:10
Spätestens, wenn der Arbeinehmer in so eine missliche Lage kommt wie dieser,aufgrund von Krankheit nicht mehr arbeiten zu können, weiss das. Dieses Arbeitgeber ignoriert das Gesetz. Noch nie was von Wiedereingliederung gehört? So was! Jeder kranke Mitarbeiter hat einen Anspruch auf Wiedereingliederung, so laut Urteil des höchsten Arbeitsgerichtes (Bundesarbeitsgericht). Ebenso muss der Arbeitgeber den Betriebrat miteinbeziehen.Laut Betriebsverfassungsgesetz ist er verpflichtet den Betriebrat aufgrund ihres Mitbestimmungsrechts zu informieren und in das Vorgehen miteinzubeziehen. Ich verstehe nicht, dass solche Arbeitgeber ungeschoren davon kommen.
Aus meinem Bekanntenkreis erging es einer Person ähnlich. Sie ist ebenso Briefzustellerin in einem großen Postunternehmen. Zufall, dass sie den gleichen Beruf hat wie die Klägerin. Der Betriebsrat tat nicht viel für sie. Oder sagen wir mal so: Nur das was sein muss. Die Wiedereingliederung war ein Fiasko. Schema F, nicht auf sie abgestimmt. Im Gegenteil:so schnell wie möglich die Wiedereingliederung hinter sich lassen und auf die vollen Arbeitsstunden kommen. Einwände ihrerseits wurden so gut wie nicht beachtet. Dass sie nicht die Kraft hatte für sich zu sprechen wurde, wurde ihr zur Verhängnis. Nach einige Wochen Vollzeit incl. Mobbing ( seitens der Vorgesetzten,(das Motto in diesem Unternehmen heisst: kranke Arbeitnehmer darf es nicht geben, diese kann man nicht flexibel einsetzen)ist sie zusammengebrochen und seitdem in psychatrischer Behandlung. Ich frage mich, wer die Wiedereingliederung übewacht? Wem nützt die Wiedereingliederung was, wenn sie nicht kontrolliert wird, dass sie korrekt eingehaltwn wird. Meiner Bekannten hat die Wiedereingliederung nicht geholfen. Nun ist sie weg vom Fenster.So war es gewollt.
erika Auf diesen Kommentar antworten
Antwort auf den Kommentar von erika 16.04.2013 09:01
Richtig, Und noch schlimmer ist es, wenn der Arbeitgeber mit dem Betrriebsrat gemeinsame Sache macht - das Ziel verfolgen, den Mitarbeiter loszuwerden. Was kann ein Arbeitnehmer denn noch tut, wenn der BR nicht seine Interessen, sondern nur Eigene und die des AG vertritt?
Karina
Neuer Kommentar
Wollen Sie mit Visitenkarte kommentieren? Hier klicken und einloggen *

Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren
Rechtsgebiete
LTO-Newsletter
kostenlos abonnieren