AG Bonn zu Reise auf "Traumschiff": Geld zurück wegen Dreh­ar­beiten an Bord

15.01.2016

Wegen Beeinträchtigung durch Dreharbeiten für die ZDF-Serie "Traumschiff" bekommt ein Berliner Ehepaar Geld zurück. Das AG Bonn gab am Freitag einer Klage des Rentnerpaars auf Reisepreisminderung statt.

 

Wie eine Gerichtssprecherin am Freitag bestätigte, muss das Bonner Reiseunternehmen den 82 und 79 Jahre alten Eheleuten für die Reisetage, an denen auf ihrem Kreuzfahrtschiff gedreht wurde, 1022,76 Euro zurückzahlen. Das ist eine Minderung um 20 Prozent an zwölf Drehtagen.

Die Eheleute hatten die 26-tägige Kreuzfahrt von Vietnam nach Neuseeland auf der "MS Amadea" für 11.080 Euro gebucht. Was die erfahrenen Kreuzfahrer nicht wussten: Das relativ kleine Schiff mit 600 Passagieren dient seit Anfang 2015 als Kulisse für die Serie "Traumschiff". Dementsprechend waren Teile des Luxusliners, vor allem das Promenadendeck, für Aufnahmen mit Sascha Hehn als Traumschiff-Kapitän und Heide Keller als Chefstewardess gesperrt. Das Ehepaar fühlte sich auch gestört durch lautes Hämmern und Sägen sowie Megafon-Anweisungen an die Darsteller und das übrige Filmteam. Als Passagier sei man stets auf der Flucht vor dem Filmteam gewesen.

Es gehöre zum Vertrag einer ordnungsgemäßen Reise, so das Urteil des Bonner Amtgesrichts (AG), dass Passagiere jederzeit alle Freizeitmöglichkeiten nutzen könnten. Einschränkungen beispielsweise durch die Absperrungen des Promenadendecks für die Dreharbeiten seien ein Reisemangel und müssten nicht hingenommen werden (Urt. v. 15.01.2015, Az. 101C 423/15).

dpa/mbr/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

AG Bonn zu Reise auf "Traumschiff": Geld zurück wegen Dreharbeiten an Bord. In: Legal Tribune Online, 15.01.2016, http://www.lto.de/persistent/a_id/18167/ (abgerufen am: 01.09.2016)

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Kommentare
  • 23.01.2016 10:24, Marlies und Werner Steube

    Wir können auch bei einem Reisemangel, auf einer Kreuzfahrt, mitsprechen. Im Juli 2014 haben wir eine 44 tägige Kreuzfahrt zum Indian Summer, vom 17.Sept.-31.Okt.2015, in einer sogenannten Glückskabine gebucht, auf der MS Albatros,
    dem Schwesterschiff der MS Amadea.
    Was wir dort mitmachen mussten, spottet jeder Beschreibung.
    In der Kabine herrschte ein Lärmpegel, der unerträglich war.
    Es war nicht zu definieren, was den Lärm verursacht hat. Die ganze Nacht und auch verschiedentlich am Tag herrschte unerträglicher Lärm. Man musste sich anschreien wenn man sich unterhalten wollte. Das Fernsehprogramm war nicht zu verstehen und auch die Borddurchsagen waren nicht zu hören.
    Wir konnten die Kabine nicht wechseln, da das Schiff ausgebucht war. Der Erholungswert der Reise war gleich Null.
    Dieses betraf uns aber nicht allein, sondern alle Passagiere, die eine Glückskabine gebucht hatten und im Heck des Schiffes untergebracht waren.
    Wir werden das aber nicht hin nehmen und haben die Angelegenheit unserer Rechtanwältin übergeben, welche unser Recht vor Gericht vertreten wird, falls die Reisegesellschaft uns nicht mit einer angemessenen Entschädigung entgegen kommt.

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