Tier zur Gegenüberstellung vorm LG Ingolstadt: Die Katze blieb dann doch im Sack

11.07.2017

Vor Gericht gilt in der Regel strenges Tierverbot. Nicht so, wenn eine Katze im Mittelpunkt des Verfahrens steht, weil sie die Nachbarin gebissen haben soll. Die Gegenüberstellung vor dem LG blieb dem Tier dann aber doch erspart.

 

In einem Zivilverfahren musste am Montag eine Katze vor dem Landgericht (LG) Ingolstadt erscheinen. Dort sollte geklärt werden, ob es wirklich sie war, die die Nachbarin ihrer Halterin gebissen hatte. Zur geplanten Gegenüberstellung kam es dann aber nicht mehr - die Parteien einigten sich auf einen Vergleich.

In einem Korb vor dem Gerichtssaal, mit einem Tuch abgeschirmt vor neugierigen Blicken, wartete der Vierbeiner, begleitet vom Freund seiner Halterin. "Ist die Katze gut untergebracht?", fragte Richterin Heike Linz-Höhne zu Beginn der Verhandlung. Dies sei wichtig, wenn sie "so ein aufregendes Ereignis in ihrem Tierleben hat".

Es ging um Schmerzensgeld und den Ersatz von Behandlungskosten, die der Nachbarin aufgrund des Bisses einer Katze in den Oberschenkel entstanden waren. Doch handelte es sich dabei um die Katze der beklagten Tierhalterin? Eigentlich gilt vor Gericht strenges Tierverbot - doch um die Frage nach der "Täterschaft" zu klären, war die Katze extra für eine Gegenüberstellung bei Gericht erlaubt worden.

Richterin nimmt Verhandlung mit Humor

Am Abend des 9. Januar soll sich die Attacke zugetragen haben, als die klagende Nachbarin mit ihrem Mann spazieren ging. Schon öfter sei ihnen das Tier dabei gefolgt, gab sie an. "Ich habe noch zu meinem Mann gesagt, schau, wir bekommen wieder Begleitung", schilderte sie vor Gericht. Plötzlich habe das Tier sie jedoch "ohne Vorwarnung" angesprungen und in den Oberschenkel gebissen. Sie habe laut geschrien, ehe die Katze von ihr abließ. Die Wunde entzündete sich, es folgten Dutzende Arztbesuche. Eine Narbe werde ihr immer bleiben.

Richterin Linz-Höhne ließ es sich dennoch nicht nehmen, die Kuriosität der Verhandlung zu würdigen. Eine Katze müsse sie immerhin nicht belehren, tat sie unter dem Schmunzeln der Zuschauer kund.

Später fragte sie die Frau, woran sie die Katze in der Dunkelheit denn erkannt haben wolle, denn "bei Nacht sind schließlich alle Katzen grau - wobei diese schwarz-weiß ist". Die Gebissene gab an, sie habe das Tier an der Fellzeichnung erkannt.

Beklagte zahlt Schadensersatz zur Hälfte

Die Halterin versicherte indes, ihre Katze sei nie aggressiv geworden. Ein leichter Klaps mit der Pfote - mehr habe das vermeintlich gutmütige Haustier sich bislang nicht zu Schulden kommen lassen. Im Übrigen gebe es in der Nachbarschaft noch eine sehr ähnliche Katze, die sie selbst schon mit ihrer verwechselt habe: "Die habe ich sogar schon einmal aus Versehen in die Wohnung gelassen".

Schließlich einigten sich beide Parteien darauf, dass die Halterin die Hälfte des geforderten Schmerzensgeldes samt Behandlungskosten und vorsorglich geltend gemachte mögliche gesundheitliche Schäden für die Zukunft zahlen solle - zusammen knapp 2.700 Euro. Zunächst wollte sie aber noch klären, ob ihre Haftpflichtversicherung dafür aufkomme.

Das freute auch die Richterin: "Eine Katze soll ja nicht der Grund sein, dass man sich nicht mehr in die Augen schauen kann".

dpa/mam/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Tier zur Gegenüberstellung vorm LG Ingolstadt: Die Katze blieb dann doch im Sack. In: Legal Tribune Online, 11.07.2017, http://www.lto.de/persistent/a_id/23425/ (abgerufen am: 27.07.2017)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 11.07.2017 17:03, Mimimi

    Woraus ergibt sich das anhebliche "strenge Tierverbot" vor Gericht?

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 11.07.2017 18:24, RGZ-Sammler

      § 175 Abs. 1 GVG:

      "Der Zutritt zu öffentlichen Verhandlungen kann unerwachsenen und solchen Personen versagt werden, die in einer der Würde des Gerichts nicht entsprechenden Weise erscheinen."
      Bereits im 1. Band RGZ hat dabei das Reichsgericht befunden:

      RGZ 1, 274 (276)
      "Unerwachsene Personen im Sinne des Par. 175 Absatz 1 GVG. sind solche natürliche Personen, die durch ihre Erscheinung, ihre Kleidung sowie ihre gestischem und mimischen Ausdrucksweisen einem verständigen Gericht den Eindruck vermitteln, dem Geschehen während der Verhandlung aus Mangel an Majorität zu folgen nicht in der Lage zu sein. Dies sind insbesondere, wie das Landgericht rechtsirrig verkannt hat, auch nichthumanoide Personen, da diese eine dem erwachsenen Menschen abzuverlangende Majorität nach dem derzeitigem Stand der Wissenschaft und Forschung nicht zu erlangen vermögen. Das Reichsgericht schließt sich hier den Ausführungen der eingeholten sachverständigen Äußerungen der Professoren Dres. Müller, Mayer und Maier an ..."

    • 11.07.2017 19:19, Botlike

      Bis "Müller, Mayer und Meier" hab ich es geglaubt :D

    • 12.07.2017 10:10, @Mimimi

      Steht so in der Hausordnung des Gerichts (und anderer Gerichte)

  • 27.07.2017 22:04, eono

    Ich hätte die Gegenüberstellung durch gezogen.
    BVerfG"Richter müssen Interesse an der Wahrheit zeigen"! Art 101 Absatz 1 GG

    Nachbarn können durchaus etwas schreckliches sein.
    Vielleicht hat die Nachbarin mal die Katze gebissen?
    Wenn es denn diese Katze gewesen ist.
    Warum sollte eine Katze einen Menschen anfallen und in den Oberschenkel beissen?
    Da kann etwas nicht stimmen.
    Wenn sich diese Leute Nachbarn überhaupt einigermaßen verstehen ...
    Warum sollte eine Katze das tun?
    Die gehen schon mal mit Menschen spazieren - mit Bekannten, mit Fremden...
    Die gehen auch fremde Leute besuchen - sie sind sehr gesellig.
    Aber: An an den Oberschenkel springen? Eines Menschen? Und: Beissen?
    Vielleicht war das gar keine Katze - sondern ein Hund?
    Vielleicht war es auch kein Hund - sondern etwas ganz anderes?
    Das hätte ich mir als Katzenhalterin nicht gefallen lassen.
    Das ist Misstrauenserregend.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 27.07.2017 22:07, eono

    Zum Foto - sehr beeindruckend.
    Ja - wenn Katzen Angst haben, fauchen sie.
    Aber dann rennen sie normalerweise weg.
    Ist die Katze eine Katzenmutter? Hat sie Babies ...?
    Katzen sind gute Mütter. Ihre Kinder verteidigt sie bestimmt.
    Hat die Nachbarin die Babies gefunden? Entfernt?

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 27.07.2017 22:19, eono

    Gibt es in so einem Fall keinen DNA-Test?
    Den hätte man sofort machen sollen.

    Das nimmt wieder niemand ernst.
    Der Ruf der Nachbarn und der Katze steht auf dem Spiel.
    Mit dem Fall wurde gespielt - aber er ist nicht geklärt.
    Ob die sich noch "in die Augen gucken können" oder werden - ist die Frage.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 27.07.2017 22:25, eono

    Eine angesetzte Gegenüberstellung hätte so aussehen können:
    Die Klägerin läuft im Gerichtssaal spazieren - langsam schlendernd
    vielleicht in einem dickeren Anzug, Mantel, Hosen.
    Der Katze wird gleichzeitig der Korb geöffnet.
    Vermutung: Entweder dreht sie sich um - und will gar nichts wissen.
    Oder: Sie kommt raus und guckt und verkriecht sich unter Stuhl/Bank.
    Aber: Vielleicht hätte sie die Dame erneut angegriffen. -
    Dann wäre es doch interessant gewesen zu erfahren - von der Frau -
    warum? Was das Tier hat? Worauf es aufmerksam machen will.

    Auf diesen Kommentar antworten
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