Toter Vogel im Justizbriefkasten: 3.000 Euro für Kör­per­ver­let­zung durch Ekel­ge­fühl

05.02.2016

Die Überwachungskamera filmte einen Mann dabei, wie er einen toten Vogel in den Justizbriefkasten des AG Frankfurt warf. Jetzt ist er wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung zu 3.000 Euro Strafe verurteilt worden.

 

Weil er einen Vogelkadaver in den Fristenbriefkasten des Amtsgerichts (AG) Frankfurt am Main geworfen hat, muss ein 35-Jähriger eine vierstellige Geldstrafe zahlen. Das AG verhängte, wie die Staatsanwaltschaft am Freitag bestätigte, per Strafbefehl 150 Tagessätze. Der Vorwurf: Körperverletzung und Sachbeschädigung (Urt. v. 05.02.2016, Az. 8940 JS 2515 45/14).

Ein Justizangestellter erlitt demzufolge beim Anblick und der Berührung der bereits von Maden befallenen toten Elster ein "längere Zeit bestehendes Ekelgefühl". Dies erfüllt laut Urteil den Tatbestand der Körperverletzung. Die Sachbeschädigung ergebe sich aus der Beschmutzung der eingegangenen Post durch den Kadaver, erläuterte Oberstaatsanwältin Nadja Niesen. Beim Einwerfen des toten Vogels war der Mann von einer Videokamera gefilmt worden. Die Strafe nahm er widerspruchlos hin, "der Strafbefehl ist rechtskräftig", erklärte Niesen.

dpa/ms/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Toter Vogel im Justizbriefkasten: 3.000 Euro für Körperverletzung durch Ekelgefühl. In: Legal Tribune Online, 05.02.2016, http://www.lto.de/persistent/a_id/18387/ (abgerufen am: 08.12.2016)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 05.02.2016 18:46, JvH

    Und wie bitte kann man aus einem Überwachungskamerabild (ohne weitere Daten oder Anhaltspunkte) zweifelsfrei die Identität ermitteln? Zufällig bereits mal erkennungsdienstlich erfasste Person oder Biometrie, von der die Öffentlichkeit nichts ahnt??

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 05.02.2016 20:16, P.U.

      Bei 150 TS liegt die Vermutung nahe, dass der Mann vorbestraft war. Von daher kann es gut sein, dass da schon das ein oder andere Foto von ihm im System war.

    • 05.02.2016 20:18, Ghost

      Vielleicht, weil man den Mann schlicht und ergreifend kannte...?! Jemand, der mit der Justiz noch nicht in Kontakt gekommen ist, kommt idR nicht auf solche schwachsinngen Ideen. Oder er ist psychisch durch. Und in dem Fall ist er den Behörden auch bekannt. Wahrscheinlich ein Querulant oder Dauergast...worauf auch die Höhe der Strafe hindeutet.

  • 05.02.2016 19:10, Reibert

    "Dies erfüllt laut Urteil den Tatbestand der Körperverletzung."

    Ich denke es war ein Strafbefehlsverfahren?

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 05.02.2016 20:14, Markus K

      Und?

  • 06.02.2016 06:34, Rainer

    Mich erstaunt immer wieder: wenn ein normaler Bürger vor Gericht Schmerzensgeld will, weil er was ekliges gegessen hatte und erbrach, unterstellt ihm die Justiz regelmäßig, er sei nur auf Geld aus und das Ganze ja gar nicht so schlimm. Ist aber jemand aus dem Justizsystem selbst betroffen, werden drakonische Strafen verhängt.

    Jeder kleine Gauner wird verurteilt. Das ein Richter aber mal wegen Rechtsbeugung verurteilt wurde ... wann gab es das zuletzt.

    Mir scheint:
    Ein Staat im Staate.

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    • 06.02.2016 16:03, prima facie

      wenn ein "normaler bürger vor gericht schmerzensgeld will", hat er - je nach fallgestaltung - zivilrechtliche ansprüche gegen den schädiger.

      hier geht es um den strafverfogungsanspruch des staates wegen einer straftat.

      den unterschied in der sachlichen zuständigkeit innerhalb des gerichtsaufbaus und die daraus folgenden schutzrichtungen haben sie offensichtlich nicht so ganz verstanden...

    • 08.02.2016 19:21, Johann

      "den unterschied in der sachlichen zuständigkeit innerhalb des gerichtsaufbaus und die daraus folgenden schutzrichtungen haben sie offensichtlich nicht so ganz verstanden..."

      Sie verstehen den Post des Kollegen offenbar überhaupt nicht. Nun ja ... typisch für juristisches Schubladendenken, offensichtlich verursacht durch diese abstruse Juristenausbildung ...

      Was der Kollege sagen wollte: Dem Normalbürger ist es nicht zu vermitteln, warum der Beamte bevorteilt, der Normalbürger benachteilt wird.

      Kann ich übrigens aus eigener Praxis sehr gut nachvollziehen. Hätte Fam. Mustermann in ihrer Post einen toten Vogel gefunden und wäre allen schlecht geworden, hätte man auf der Polizeiwache sicher gesagt: Nun haben sie sich aber mal nicht so .....

    • 10.02.2016 16:39, Alexander T.

      Der Vogelmann wurde wg. Körperverletzung und Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Geld kommt dabei dem Staat zugute und nicht dem Justizbeamten, der das Ekelgefühl empfand. Ob der Justizbeamte - wenn er denn zivilrechtlich überhaupt gegen den Vogelmann vorgegangen ist - auch Geld bekommt und wenn ja, wie viel, steht auf einem anderen Blatt. Zivilrechtlich dürfte es schwer werden für den Justizbeamten. Alles über 250,- € wäre sehr, sehr verwunderlich. Wahrscheinlicher, dass er nada bekommt.
      Von Ungleichbehandlung also bislang keine Spur :)

    • 11.02.2016 03:16, Tamtam

      Noch so ein Nichtverstehenkönner.

  • 06.02.2016 17:42, RDA

    Warum hat sich der Mann nicht auf "unvermeidbaren Verbotsirrtum" berufen? Damit kommen selbst Angehörige unserer "Exekutivorgane" (im wahrsten Sinne des Wortes) sehr milde davon, wenn mal jemand in ihrem Gewahrsam zu Tode kommt (siehe BGH-Urteil im Fall "Oury Jalloh").

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 08.02.2016 19:24, Johann

      Stimmt, die Angehörigen der Exekutive werden immer wieder bevorzugt behandelt ... der Judikative übrigens auch ... sehr frustrierend und beschämend ...

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