Syndici – Wiederbelebte Risiken der Berufshaftpflicht: Keine Rosinentheorie für Justitiare

von Dr. Alexander Weinbeer

12.02.2015

Nach den Urteilen des BSG und der Vorlage eines Eckpunktepapiers aus dem Justizministerium sind die Verhandlungen über die rechtliche Zukunft von Unternehmensjuristen in vollem Gange. Insbesondere der BUJ drängt auf eine möglichst vollständige Gleichstellung mit Anwälten. Damit könnte er den Syndici jedoch einen Bärendienst erweisen, meint Alexander Weinbeer.

 

Initialzünder für die Debatte um die Rechtstellung der Syndici waren mehrere Urteile des Bundessozialgerichts (BSG) aus 2014. Darin entschied das Gericht, dass Unternehmensjuristen – im Gegensatz zu Anwälten – nicht von der Rentenversicherungspflicht befreit werden und in das anwaltliche Versorgungswerk einzahlen können. Diese finanziell schmerzlichen Entscheidungen führten zu lautstarkem und letztlich wohl erfolgreichem Protest auf Seiten der Unternehmensjuristen. Inzwischen hat Justizminister Heiko Maas ein Eckpunktepapier vorgelegt, welches unter anderem eine Befreiung von der gesetzlichen Rentenversicherung vorsieht. Allerdings sollen die Syndici nicht in den Genuss der (strafprozessrechtlichen) Anwaltsprivilegien wie Beschlagnahmeverbote oder Zeugnisverweigerungsrechte kommen, auch soll das für sie geltende Vertretungsverbot in Gerichtsverfahren mit Anwaltszwang weitestgehend beibehalten werden.

Diese Neuregelung empfinden manche als zu zaghaft. Insbesondere der Bundesverband der Unternehmensjuristen (BJU) will seinen Mitgliedern möglichst weitgehende Privilegien sichern. Man wolle "kein neues Berufsbild des Unternehmensjuristen", vielmehr sollten die gleichen Regeln gelten wie für Anwälte, die unabhängig Rechtsrat erteilen. Auf den ersten Blick hat dieser Wunsch manches für sich: Trotz ihrer Anstellung geben Unternehmensjuristen an, in ihrer Entscheidungsfindung unabhängig zu sein und sich als weisungsfrei agierende Anwälte zu empfinden. Den Vorwurf, die Mandanteninteressen zu sehr zu den eigenen zu machen, wies BUJ-Präsidentin Elisabeth Roegele unlängst auf einer Tagung in Berlin weit von sich: "Wir verschieben keine schwarzen Akten im Unternehmen - denn einmal ganz abgesehen von strafrechtlichen Regeln, verbietet uns das auch das Berufsrecht".

Im Eifer der Diskussion wird jedoch anscheinend vergessen, dass Gleichbehandlung nicht nur Gleichbehandlung im Guten bedeutet. Wer die Privilegien des Anwaltsberufs haben will, der muss auch dessen Nachteile in Kauf nehmen – und damit besonders die Haftungsrisiken.

BGH-Urteil aus 1969 mit ungebrochener Aktualität

Zu diesen hatte sich der Bundesgerichtshof (BGH) bereits 1969 geäußert. In seinem damaligen Urteil versagte er einem Syndikus die Berufung auf die Haftungsprivilegien, die für 'normale' Arbeitnehmer gelten, weil "dem schon die personale Stellung eines derartigen Dienstverpflichteten entgegen [steht], der seine Dienste in eigener Verantwortung leistet und im wesentlichen seine Tätigkeit frei gestalten und seine Arbeitszeit bestimmen kann" (BGH, Urt. v. 07.10.1969, Az. VI ZR 223/67). Weiter führte der BGH aus, dass die Arbeit des Syndikus als "Dienstleistung höherer Art" zu beurteilen sei; sie erfülle hingegen nicht die Kriterien einer "gefahrengeneigten" Tätigkeit.

Die Entscheidung ist insofern nicht ganz zeitgemäß, als das Bundesarbeitsgericht das Kriterium der "Gefahrengeneigtheit" in seiner Rechtsprechung inzwischen aufgegeben hat, sodass deren Vorhandensein oder Fehlen für die Haftung eines Syndikus heute keine Rolle mehr spielt. Die übrigen Ausführungen des BGH, insbesondere zur Art und Ausgestaltung der Arbeit von Syndici, sind jedoch von ungebrochener Aktualität, wenn das Gericht etwa formuliert: "Durch die Anstellung eines Justitiars will der Betriebsinhaber gerade das Risiko ausschalten oder doch mindern, das seinen geschäftlichen Unternehmungen in rechtlicher Beziehung anhaften kann. Er überläßt ihm die Art und Weise, wie er seinen Aufgaben nachkommt zu eigener Verantwortung und nimmt insoweit keinerlei Weisungsrecht in Anspruch."

Diese Vorstellung vom Berufsbild eines Justiziars hat der BGH auch in späteren Entscheidungen aufrechterhalten; sie findet ihre Entsprechung zudem im Eckpunktepapier des Justizministeriums. Dann aber liegt es nahe, dass Arbeitgeber ihre Syndici für etwaige Fehler haftbar machen könnten, wie dies auch bei fehlerhafter Beratung durch einen externen Anwalt üblich ist.

Versicherungsschutz für Syndici oft nicht gegeben

Eine gewisse Kritik an den Entscheidungen des BSG ist sicher nachvollziehbar und auch in der Sache treffend: Das Gericht hatte einseitig zugunsten der Rentenversicherungskasse geurteilt und dabei in Kauf genommen, dass "bei einem strikt Wortlaut getreuen Normverständnis die tatbestandlichen Befreiungsvoraussetzungen bei Rechtsanwälten zumindest grundsätzlich nicht erfüllt werden". Damit wäre das Recht zur Befreiung von der gesetzlichen Rentenversicherung nicht nur für Syndici, sondern auch für (angestellte) Rechtsanwälte praktisch abgeschafft worden.

Dann aber können Betroffene mit guten Gründen die Frage stellen, weshalb sie rentenversicherungsrechtlich mit 'normalen' Angestellten gleichgesetzt werden, haftungsrechtlich aber mit den freien, nur dem eigenen Gewissen unterworfenen Anwälten. Deshalb ist auch der Verweis des BSG auf eine frühere BGH-Entscheidung wenig überzeugend, in der es hieß, "daß das Arbeitsverhältnis von dem Prinzip der Über- und Unterordnung beherrscht wird […und], daß der Syndikusanwalt zwei Arbeitsbereiche hat, nämlich einen arbeitsvertraglich gebundenen und einen als freier Anwalt" (v. 07.11.1960, Az. AnwZ (B) 4/60).

Bei aller berechtigten Kritik an der aktuellen Situation sollten die Befürworter einer möglichst weitgehenden Gleichstellung von Syndici und Anwälten die Nachteile und Risiken ihres Ansinnens aber nicht aus den Augen verlieren. Die Tätigkeit als Angestellter eines nichtanwaltlichen Unternehmens ist nach den Standardversicherungsbedingungen gemäß § 51 Bundesrechtsanwaltsordnung für die Berufshaftpflichtversicherung von Anwälten nicht gedeckt; auch über sogenannte D&O-Policen besteht für Compliance-Beauftragte und Hausjustitiare grundsätzlich kein Versicherungsschutz.

Wenn eine Gleichstellung also auch in dieser Hinsicht gewollt ist, dann werden Syndici neben dem erwünschten Beschlagnahmeverbot und Zeugnisverweigerungsrecht bald noch die Bedeutung eines weiteren Begriffs kennenlernen, der bislang vor allem für Anwälte eine Rolle spielte: Die Privatinsolvenz infolge erfolgreicher Regressnahme durch den Arbeitgeber.

Der Autor Dr. Alexander Weinbeer ist Rechtsanwalt bei bock legal in Frankfurt am Main.

Zitiervorschlag

Dr. Alexander Weinbeer, Syndici – Wiederbelebte Risiken der Berufshaftpflicht: Keine Rosinentheorie für Justitiare. In: Legal Tribune Online, 12.02.2015, http://www.lto.de/persistent/a_id/14656/ (abgerufen am: 26.07.2016)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 12.02.2015 21:46, Referendar

    Syndici haben also aktuell schon alle Nachteile, aber nicht die Vorteile.

    Nun: Was ist so falsch daran, auch die Vorteile haben zu wollen?

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  • 13.02.2015 08:45, tut

    du nix verstehen Problem!

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  • 13.02.2015 11:20, JF

    Lieber Herr Referendar,

    vermutlich ist die Haftung von Unternehmensjuristen nicht Teil der Referendarausbildung. Allerdings sollten Sie, bevor Sie möglicherweise später einmal als Unternehmensjurist tätig werden, im eigenen Interesse prüfen, wie Sie Risiken der Haftung gegenüber Ihrem Arbeitgeber im Falle eines (nicht auszuschließenden) Fehlers von vorneherein vermeiden. Können Sie das arbeitsvertraglich regeln? Gibt es eine D&O Versicherung, die Schäden abdeckt.

    Denn - und dies haben Sie übersehen - es gibt insoweit überhaupt keine "Vorteile" von Syndici - wie Sie meinen - sondern haftungsrechtlich möglicherweise nur Nachteile. Weinbeer schreibt klar und eindeutig, dass der BGH

    "einem Syndikus die Berufung auf die Haftungsprivilegien, die für 'normale' Arbeitnehmer gelten [versagte], weil "dem schon die personale Stellung eines derartigen Dienstverpflichteten entgegen [steht], der seine Dienste in eigener Verantwortung leistet und im wesentlichen seine Tätigkeit frei gestalten und seine Arbeitszeit bestimmen kann" (BGH, Urt. v. 07.10.1969, Az. VI ZR 223/67). "

    Das ist also nicht neu. Aber offensichtlich ist die Haftung von Unternehmensjuristen gegenüber ihrem Arbeitgeber eine Thematik, die in der juristischen Literatur bestenfalls jahrelang übersehen und schlimmstenfalls bekannt war und in Betracht gezogen aber nie thematisiert wurde, weil man keine schlafende Hunde wecken wollte. Die Realität und Praxis sieht aber möglicherweise ganz anders aus, wie die zunehmende Inanspruchnahme von Managern zeigt (die aber durch D&O Versicherungen besser abgesichert sind als Unternehmensjuristen, oder?).

    Wegschauen und nach dem Prinzip „Vogel Strauß“ handeln hilft also nicht mehr. Wer als Unternehmensjurist das Prinzip “diligentia quam in suis rebus adhibere solet” - auf die vorliegende Problematik angewendet - ernst nimmt, sollte besser heute als morgen prüfen, in welchem Umfang er gegenüber seinem Arbeitgeber haften kann und wie er seine Haftung begrenzen kann.

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  • 13.02.2015 12:12, RAin Z

    Liebe Kollegen,
    es dürfte außer Frage stehen, dass jeder Anwalt, wo er auch immer arbeitet oder wie er auch immer beschäftigt ist immer dem Standesrecht unterworfen ist und sich an Recht und Gesetz zu halten hat. Was spricht dagegen, Unternehmensjuristen für grobe Fahrlässigkeit und ggf. Fahrlässigkeit analog der normalen Berufshaftpflichtversicherung (Vermögensschadenhaftpflicht) abzusichern? Wo ist da der Bärendienst? Dies
    meint eine ehm. angestellte RAin in Kanzleien, Freelancerin und jetzt festangestellte Unternehmensjuristin, die seit über 5 Jahren mit der DRV um die Befreiung streitet...

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  • 13.02.2015 12:59, F

    Zu Ihrer Frage:

    "Was spricht dagegen, Unternehmensjuristen für grobe Fahrlässigkeit und ggf. Fahrlässigkeit analog der normalen Berufshaftpflichtversicherung (Vermögensschadenhaftpflicht) abzusichern?"

    Nichts. Aber:

    - Besteht denn überhaupt eine "normale Berufshaftpflichtversicherung" für fahrlässiges Handeln als Angestellter eines nichtanwaltlichen Unternehmens und bis zu welchem Höchstbetrag?

    Selbst wenn Versicherungsschutz besteht. In KMU und gerade in großen Unternehmen geht es möglw. nicht um Schäden in Höhe von 250.000,00 EURO sondern im Falle von Fahrlässigkeit um ganz andere Summen.

    - Sind mögliche Schäden im ein- oder zweistelligen Millionenbereich infolge von Fahrlässigkeit über die "normalen Berufshaftpflichtversicherung" abgesichert? Nach Weinbeer ist ja wohl so, dass die "Tätigkeit als Angestellter eines nichtanwaltlichen Unternehmens nach den Standardversicherungsbedingungen gemäß § 51 Bundesrechtsanwaltsordnung für die Berufshaftpflichtversicherung von Anwälten nicht gedeckt [ist]"

    Also schauen Sie vorsorglich mal in Ihren Versicherungsvertrag bzw. fragen Sie Ihre Versicherung.

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  • 13.02.2015 13:13, RAin Z

    Bitte genau lesen: ANALOG bedeutet, es müsste dann, je nach dem wie die angekündigte Gesetzesänderung aussieht, eine (bei doppelter Zulassung weitere) Versicherung abgeschlossen werden!

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    • 13.02.2015 13:56, Bert Bock

      Eben. Im übrigen war es doch schon immer das Privileg des Syndikus, mitzubestimmen, ob überbordende Haftungsrisiken (für das Unternehmen, künftig für sich selbst?) nach draußen an den externen Rechtsanwalt abgegeben werden.

  • 13.02.2015 14:14, F

    Sehr geehrter Herr Bock, was meinen Sie mit "künftig für sich selbst"?

    Nach dem Beitrag von Weinbeer bestehen doch schon jetzt weder die "Haftungsprivilegien, die für 'normale' Arbeitnehmer gelten" zu Gunsten von Unternehmensjuristen noch besteht Versicherungsschutz zu Gunsten von Unternehmensjuristen. Noch einmal das Zitat:

    "Die Tätigkeit als Angestellter eines nichtanwaltlichen Unternehmens ist nach den Standardversicherungsbedingungen gemäß § 51 Bundesrechtsanwaltsordnung für die Berufshaftpflichtversicherung von Anwälten nicht gedeckt"

    Danach müsste ein Syndikus doch schon (und nicht erst "künftig") alle "überbordenden nHaftungsrisiken ... nach draußen an den externen Rechtsanwalt abgeben", um eine mögliche Haftung gegenüber dem Arbeitgeber zu vermeiden. Oder ist das falsch?

    Auch soweit Frau RAin Z schreibt, es müsse "eine WEITERE Versicherung abgeschlossen werden" zeigt das, dass sie wohl mit Weinbeer den aktuellen Versicherungsschutz für unzureichend hält und die Unternehmensjuristen derzeit im Falle von etwaigen Fehlern für nicht versichert und damit für schutzlos hält, oder?

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  • 13.02.2015 15:18, Syndicus

    Der Artikel ist wenig hilfreich, ändert doch das Berufrecht nicht die Haftung, die sich individuell nach einem jeweiligen Arbeitsvertrag beurteilt. Das wird z.B. In der BGH -Entscheidung zur strafrechtlichen Verantwortarkeit eines Leiters Recht/Revision deutlich. Die Markteinschätzung zum Versicherungsschutz eines ComplianceOfficers ist falsch: D&O Versicherungen bieten dies heute schon ungefragt an. Ich als Syndicus stelle mich der Haftungsverantwortung - wie jeder andere Anwalt auch.

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    • 13.02.2015 16:29, Thomas

      Ich finde den Artikel sehr hilfreich. Ich wusste nicht, dass es derart große Schutzlücken für Justiziare gibt. Was raten Sie - Justiziar - denn einem Syndikus, wenn er noch keine haftungsbegrenzende Regelung im Arbeitsvertrag und keine D&O Versicherung hat: Mit dem Arbeitgeber nachverhandeln oder eine D&O Versicherung abschließen? Und wer zahlt das? Tolle Aussichten.

  • 13.02.2015 21:36, tut

    Du Syndikus - Du Arbeitnehmer
    dann Arbeitnehmerhaftung, Du machen innerbetrieblichen Schadenausgleich, wenn Du Deutschen Arbeitgeber = Du haften ohnehin bei grober Fahrlässigkeit und Vorsatz,
    Da nix zahlen Berufshaftpflicht

    Daher alle schreiben hier umsonst . . . Denken immer nach bevor lange Monolog Du verfassen

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  • 17.02.2015 11:01, Lionel Hutz

    Erstmal scheint Kollege Weinbeer nicht ganz im Markt zu sein. Ich habe spaßeshalber mal nachgeschaut, die D&O meines AG (das ist chubb) kennt keinen Ausschluß für Syndici/Juristen/Justiziare/Compliance Officer o.ä. Ich weiß auch nicht, wo da das Problem liegen soll, solche Versciherungen sind international so üblich und lassen sich fraglos auch in D anbieten - das ist kein unversicherbares Risiko.

    Die meisten Arbeitgeber freuen sich, wenn sie sich gegen durch Mitarbeiter verursachet Schäden versichern können und tun dies auch umfangreich. Ein AG hätte sicher regelmäßig Sympathien, die Versicherung eines AN zu bezahlen (sei es eine etwa erforderliche Erweiterung der D&O oder dessen Berufshaftpflicht), wenn er dafür auch werthaltigen Regress hat. Die meisten AN (auch Syndici) werden - im Gegensatz zu Top-Management - nicht so bezahlt, dass das wahnsinnig viel zu holen ist. Schon früher wurde gerne mal diskutiert, ob man nicht etwas ausmandatieren soll, um einen Haftungsschuldner zu haben ...

    Die gedankliche Grundlage der AN-Haftung würde das BAG heute wohl auch auf Syndici ausweiten, denn das Argument, dass Vergütung (=wesentliche Beteiligung am wirtschaftlichen Erfolg) und Risiko in einem Missverhältnis stehen gilt für Juristen nicht anders als für andere AN, die teilweise ebenfalls ihre Arbeitszeit und Tätigkeit sehr frei gestalten können.

    Das Stellen der Frage ist berechtigt, die Bosheit und Häme, die insbesondere aus dem letzten Absatz des Artikels gegen die Betroffenen strotzt, ist erstaunlich. Und das von einem Anwalt, der laut seiner Homepage auch für Syndici tätig ist und selber mal einer war.

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  • 18.02.2015 21:31, Syndikus A.

    Als Syndikus bin ich ein Rechtsanwalt, der in einem Arbeitsverhältnis zu meinem Arbeitgeber steht. Mögliche Schadensersatzansprüche meines Arbeitgebers gegenüber mir werden von den heutigen Arbeitsgerichten entschieden. Da interessiert das Urteil des BGH aus den 60er Jahren herzlich wenig. Und die Arbeitsgerichte werden das Haftungsprivileg zu Gunsten aller(!) Arbeitnehmer auch auf Arbeitnehmer anwenden, die als Syndikus arbeiten.

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    • 19.02.2015 09:01, D. aus F.

      Unternehmensjuristen - wie Sie Herr A. - sollten diesen Beitrag über Ihren Schreibtisch hängen. Denn wer sich für ein "Urteil des BGH aus den 60er Jahren herzlich wenig" interessiert und bereits jetzt weiß, das Gerichte "das Haftungsprivileg zu Gunsten aller(!) Arbeitnehmer auch auf Arbeitnehmer anwenden, die als Syndikus arbeiten" hat hoffentlich eine gute Versicherung oder einen guten Arbeitsvertrag.

      Wir haben den Beitrag jedenfalls zum Anlass genommen, in unserer Abteilung die Verträge und Policen durchzusehen und gemerkt, dass weder ausreichender Versicherungsschutz besteht noch ein begrenzter Haftungsmaßstab arbeitsvertraglich vereinbart wurde. Daher: Danke LTO. Wir bekommen täglich die üblichen Newsletter von Kanzleien (die meist keiner liest) oder werden ständig auf die X-Kanzleiveranstaltungen zu Compliance eingeladen. Aber auf dieses Thema des Haftungsrisikos von Unternehmensjuristen, welches gegenüber anderen Arbeitnehmern erweitert sein könnte, wurden wir dabei allerdings nicht hingewiesen.

      Und alle selbstbewußten Unternehmensjuristen schätzen die deutlichen Worte eines Anwalts letztlich mehr als wenn uns jemand nach dem Mund spricht. Hier von "Bosheit und Häme" zu sprechen, wie der Herr Hutz es macht, ist falsch. Unternehmensjuristen sind ebenso wie Vorstände, die klare Worte und Kritik nicht schätzen, bekanntlich ein Risikofaktor für das Unternehmen.

  • 19.02.2015 11:41, Lionel Hutz

    Sehr geehrter Kollege D aus F,

    ich finde es sehr wohl hämevoll, wenn hier mit Begriffen wie "Rosinentheorie" erstmal Stimmung gemacht wird und gleich mit der Privatinsolvenz geschwungen wird. In der NJW aktuell würde etwas in dieser "Schreibe" kaum veröffentlicht, die LTO ist normalerweise auch recht gut, z.B. wenn Kollege Zuck schreibt. Juristen, die diese Art von Emotionalisierung brauchen, um ein Problem zur Kenntnis zu nehmen, haben wohl ihren Beruf verfehlt.

    Zwar kann man das 50 Jahre alte BGH-Urteil nicht einfach vom Tisch wischen, allerdings wäre eine heutige Nichtanwendung der arbeitsrechtlichen Grundsätze auf Syndici eine deutlich größere Überraschung als die BSG-Entscheidungen es waren, die Wahrscheinlichkeit, dass das potenzielle Problem wirklich eines ist.

    Ich habe mir den Spaß gemacht, das in Bezug genommene BGH-Urteil einmal zu lesen und würde auch Ihnen das empfehlen. Es ging hier eigentlich um die (rechtspolitisch unglaubliche) Subsidiarität der Notarhaftung (da sind die wirklichen Rosinenpicker) vor dem Hintergrund der möglichen Inanspruchnahme des "Justiziars". Aus der Begründung ist ersichtlich, dass dessen offensichtlich vorhandene Anwaltszulassung keinerlei Rolle für die Entscheidung spielte, sondern sie für einen nicht zugelassenen Juristen genauso ergangen wäre. Kernpunkt ist die Aussage, dass die Grundsätze der Arbeitnehmerhaftung nicht für leitende Angestellte gelten (wobei dem Urteil jede Subsumtion fehlt, warum er leitender Angestellter gewesen sein soll, ob er das im arbeitsrechtlichen Sinne war ist jedenfalls völlig offen). Ich glaube nach der Lektüre noch weniger, dass der BGH und das BAG das heute noch so sehen und entscheiden würden, zu anderen Fällen leitender Angestellter fällt das Urteil deutlich differenzierter aus. Da die anwaltliche/juristische Tätigkeit auch bei leitenden Syndici keinen spezifischen Bezug zur Leitungsfunktion hat, sollten die Regeln zur Anwendung kommen.

    Gerne kann das auf die Liste von Problemen, die man im Kopf behalten sollte. Das was der Autor produziert, geht aber in Richtung Panikmache. Wenn wesentliche Grundsätze der Rechtsprechung geändert wurden und spezfische Fallkonstellationen noch nicht im neuen Licht entschieden wurden, kann man natürlich noch mit der ollen Kamelle winken, dass das nochmal so entschieden würde, ist natürlich nie auszuschließen, aber doch überwiegend unwahrscheinlich. Jedenfalls unwahrscheinlich genug, als dass man deswegen täglich bibbernd am Schreibtisch sitzen müsste.

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    • 20.02.2015 13:28, Syndikus A.

      Hinzu kommt, dass es nicht nur um eine "gute Versicherung oder einen guten Arbeitsvertrag" geht. Viele Syndikusanwälte arbeiten in großen Unternehmen, in denen das Thema Arbeitnehmerhaftung (für alle (!) Arbeitnehmer, also auch Syndikusanwälte) in Betriebsvereinbarungen/Tarifverträgen zusätzlich geregelt ist. Sicher zumeist zu Gunsten der Arbeitnehmer, d.h. eine nochmalige Verbesserung des ohnehin schon bestehenden Haftungsprivilegs zu Gunsten aller Arbeitnehmer.

      Ich schließe mich den Worten des verehrten Kollegen aus Springfield an:

      Gerne kann das auf die Liste von Problemen, die man im Kopf behalten sollte. Das was der Autor produziert, geht aber in Richtung Panikmache.

  • 20.02.2015 20:43, Ka

    Zu kommentar von Hutz:

    Das einzige was man der LTO zum Vorwurf machen könnte ist, dass hier eine Person alias Hutz Schleichwerbung machen kann, für einen "Kollegen Zuck". Dass Hutz Unternehmensjurist ist erscheint bereits deshalb fraglich, weil kein normaler Unternehmensjurist Zeit für und Interesse daran hat, derart lange Abhandlungen wie Hutz zu schreiben, die offensichtlich nur ein Ziel haben. Die LTO und einen ihrer Autoren schlechtzureden und Werbung u.a. für einen Anwalt zu machen.

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    • 25.02.2015 12:50, Lionel Hutz

      Soso, was ist denn Ihr Ziel? Troll? Glückwunsch, geschafft! Oder Herr Dr. Weinbeer selbst?

      Lesen können Sie wohl auch nicht, denn die LTO sollte ja nicht schlecht geschrieben werden, aber wenn Sie lernen, fokussiert zu lesen, werden Sie vielleicht irgendwann Zusammenhänge in einer Geschwindigkeit zu erfassen, die ihnen auch ein paar Minuten für die BEschäftigung mit solchen Themen lassen.

      Ich stelle übrigens gerade fest, dass Rüdiger Zuck gar keine Anwaltszulassung besitzt (und "nur" emeritierter Professor ist.), deswegen in dem Sinne gar kein Kollege ist und außerdem, dass ich eigentlich Herrn Huff meinte.

  • 08.07.2015 11:16, Sarah M.

    Ganz so einfach wie Herr Syndikus A. hier meinte, ist das wohl doch nicht. http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/recht-steuern/gleichstellung-mit-anwaelten-syndikusanwaelte-fuerchten-strenge-haftung-13690144.html

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