Langzeitbetrachtung der Anwaltsumsätze: In 17 Jahren kaum gestiegen

von Martin W. Huff

25.02.2014

Das Institut für freie Berufe an der Universität Nürnberg-Erlangen hat Bilanz gezogen: Umsätze und Einkommen der Anwaltschaft sind in den vergangenen 17 Jahren kaum gestiegen – anders als dies in der Bevölkerung zuweilen wahrgenommen wird, meint Martin W. Huff. Besonders schwankend entwickeln sich die Zahlen bei den überörtlichen Sozietäten.

 

Seit 1993 führt das Institut für freie Berufe (IfB) im Auftrag der Bundesrechtsanwaltskammer innerhalb der Anwaltschaft die sogenannte STAR-Umfrage durch. Dabei ermittelt das Institut regelmäßig die Umsatz- und Einkommensentwicklung der Anwaltschaft. Mitte 2012 wurde dafür an 12.800 Anwälte aus acht Kammerbezirken ein umfangreicher Fragebogen versandt, mit einem Rücklauf von über 4.000 Fragebögen sieht das Institut einen repräsentativen Wert erreicht.

Mit der Veröffentlichung der Zahlen für das Jahr 2010 – wobei man hier durchaus fragen darf, warum diese Zahlen erst 2012 und nicht schon früher erhoben worden sind, in den Kanzleien dürften die Daten bereits seit Mitte 2011 vorliegen – hat das IfB nun auch die Zahlen von 1993 bis 2010 zusammengefasst und damit eine Langzeitbetrachtung vorgelegt.
Erhoben werden die Daten bei Rechtsanwälten, die in Vollzeit tätig sind, wobei Anwaltsnotare nicht berücksichtigt werden. Für die Zukunft sollte überlegt werden, ob nicht auch die immer mehr in Teilzeit arbeitenden Rechtsanwälte – ob wegen mangelnder Aufträge oder einer anderen Nebentätigkeit – erfasst werden sollten.

Ausgewiesen werden die Ergebnisse für drei Gruppen: Rechtsanwälte in Einzelkanzleien, in lokalen und in überörtlichen Sozietäten. Den weitaus größten Anteil an der deutschen Anwaltschaft machen die Rechtsanwälte im Westen des Landes aus. Für diese haben sich die Zahlen 2010 gegenüber den vergangenen fünf Jahren erholt. Das muss nicht von Dauer sein, denn die Zahl der zugelassenen Rechtsanwälte steigt weiter. Die Rechtsanwaltskammer Köln als fünftgrößte Kammer in Deutschland hatte 2013 einen Mitgliederzuwachs von 1,26 Prozent zu verzeichnen.

Umsatz bei Einzelkanzleien nahezu unverändert

Nahezu unverändert ist der Umsatz der Einzelanwälte und dies sowohl im Durchschnitt als auch bei der Ermittlung des Medians, also des Wertes, bei dem statistische Glättungen von oben und unten vorgenommen werden. Im Durchschnitt erzielte ein Einzelanwalt 2010 einen Umsatz (ohne Umsatzsteuer) von im Durchschnitt 133.000 Euro, im Median von 99.000 Euro. Letzterer lag schon 1993 bei diesem Wert, stieg dann bis 1996, sank wieder und erreichte 2008 mit 80.000 Euro einen Tiefpunkt, um nun wieder zu steigen.

Richtig erfreulich ist diese Entwicklung für Einzelanwälte dennoch nicht. Denn der persönliche Jahresüberschuss, also das Einkommen nach Abzug der Kosten, aber vor den eigenen Steuern, liegt seit Jahren um die 40.000 Euro.

Mit der Vorstellung der Bevölkerung von Anwaltseinkommen deckt sich das überhaupt nicht. Und betrachtet man die Preissteigerungen, die Entwicklung der Gehälter der Angestellten und die Inflationsrate, so kann man sogar von einem Rückgang der Einkommen sprechen.

Höhere Umsätze in lokalen Sozietäten

Ähnlich, aber auf höherem Niveau ist die Entwicklung bei den lokalen Sozietäten, die in der deutschen Anwaltschaft mittlerweile eine bedeutende Rolle spielen und neben den Einzelanwälten rund 25 Prozent der Kanzleien ausmachen. Hier pendelt der Median des Umsatzes zwischen rund 130.000 und 155.000 Euro, wobei im Jahr 2010 eine deutliche Verbesserung zu verzeichnen war.

Erheblich besser sieht es auch bei dem Jahresüberschuss aus, der jetzt bei 75.000 Euro liegt, und damit auf dem höchsten Wert seit 1993. Allerdings konnten die Kollegen in den Sozietäten bereits in den neunziger Jahren ähnliche Werte verzeichnen, mussten dann aber 2000 bis 2004 einen Rückgang hinnehmen.

Interessant ist dabei, dass die Kostenquote mit rund 50 Prozent auch nach dieser Untersuchung nahezu stabil bleibt. Einsparungen etwa bei der Bürotechnik werden durch steigende Mieten und Personalkosten anscheinend wieder ausgeglichen.

Überörtliche Sozietäten wieder auf Niveau von 1998

Besonders groß sind die vom IfB gemessenen Schwankungen bei den Anwälten in überörtlichen Sozietäten. Sie erzielten im Median einen Umsatz von 250.000 Euro und liegen damit wieder auf dem Niveau der Zahlen von Ende der Neunzigerjahre. Zwischendurch lag der niedrigste Wert 2006 bei 148.000 Euro.

Diese erheblichen Schwankungen lassen sich mit der Abhängigkeit der Umsätze von den großen Aufträgen aus der Wirtschaft (Unternehmenskäufe/Börsengängen) erklären. Auch der Jahresüberschuss erreicht mit 117.000 Euro im Median wieder höhere Werte.

Grob betrachtet zeigen die Zahlen des IfB, dass die Umsätze in kleineren Sozietäten stabil sind – was aber auch heißt, dass sie nicht steigen. Je größer die Sozietät, desto größer sind die Schwankungen über die Jahre. Insgesamt sind viele Anwaltseinkommen, dies zeigen auch andere Erhebungen, lange nicht so hoch, wie die Bevölkerung denkt.

Der Autor Martin W. Huff ist Rechtsanwalt und Journalist in Leverkusen. Er ist Geschäftsführer der Rechtsanwaltskammer Köln und hat u.a. einen Lehrauftrag für Berufsrecht an der German Graduate School of Management and Law (GGS) in Heilbronn.

Zitiervorschlag

Martin W. Huff, Langzeitbetrachtung der Anwaltsumsätze: In 17 Jahren kaum gestiegen . In: Legal Tribune Online, 25.02.2014, http://www.lto.de/persistent/a_id/11151/ (abgerufen am: 04.12.2016)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 25.02.2014 11:59, Wirtschaftsjurist

    Zitat: "...Ermittlung des Median, also des Wertes bei dem statistisch Glättungen von oben und unten vorgenommen werden."

    Sorry, aber diesen Mumpitz kann nur ein Volljurist geschrieben haben! Der Median ist ein statistisches Lagemaß und beschreibt den Punkt, der alle beobachteten Werte in genau zwei Hälften teilt, also 50% der Werte liegen oberhalb des Median und 50% aller gemessenen Werte liegen unterhalb des Median. Nix "Glättungen von oben und unten".

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  • 25.02.2014 22:05, eberhard maussner

    Sehr nett geschrieben, aber wen interessiert das? Der Berufsträger weiß es, die Nichtberufsträger interessiert das nicht! Letztere glauben, wenn sie einmal eine Honorarnote wegen Ehescheidung berappen müssen, dass der Anwalt in einer halben Stunde (Termin am Familiengericht) tatsächlich den Zahlbetrag der Rechnung "verdientt" hat, bzw. als Gewinn erzielt hat.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 02.10.2014 00:24, Anwalt

      Die RVG Reform hat nach 9 Jahren einen "Inflationsausgleich" von 9% gebracht, die letzte "strukturelle Reform" (ohne Anpassung der Tabelle ist 20 Jahre her. Es wird in der Politik davon ausgegangen, dass durch höhere Streitwerte weitere 10% Zuwachs zu verzeichnen seien, was in der Realität schlicht nicht stimmt. Also Reallohnverlust. Was in den 9 Jahren Nullrunde verloren gegangen ist, während in der sonstigen Wirtschaft alle 2 Jahre neue Tarife verhandelt werden, interessiert keinen. Dass man von 50.000 € Gewinn (bei 100.000 € Umsatz) erreicht, noch 18,5% ins Versorgungswerk zahlen muss, Krankenkassenbeiträge bezahlt werden müssen, Steuern, sieht keiner.

  • 26.02.2014 16:45, Zweifler

    Durchschnittsumsatz netto Einzelanwalt 133 T€ und Durchschnittsgewinn Einzelanwalt ca. 40 T€?? Das kann wohl nicht ganz stimmen...Bei durchschnittlichem Umsatz von 133 T€ bleiben selbst bei sehr hoher Kostenquote von 60 % noch 53.2 T€...

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 27.02.2014 11:22, Zweifeln berechtigt

    Also ich hab mir besagte Statistik mal angesehen und wo hat denn der Autor hier was von "Gewinn um die 40 T Euro" her? In der Statistik steht doch expliziet drin dass im Durchschnitt der Umsatz für Westdeutsche Einzelanwälte im Jahre 2010 133.000 und der Gewinn 57.000 Euro beträgt.

    Und die Gewinne sind über die letzten Jahre nur gestiegen wo soll den da der Reallohnverlust herkommen? Vorallem sind diese Zahlen ja natürlich auch vor der letzten RVG Gebührenerhöhung, also im Großen und Ganzen gehts den Einzelanwälten heute wieder besser als die Allgemeinheit oft vermutet.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 24.02.2015 21:56, Dr. Aziz Kaba

    Man darf nicht vergessen, dass die Zahlen aus "Umfragen" herrühren und keine Fakten darstellen. Vielleicht haben die Anwälte, die wenig Umsatz machen eher die Zeit, um an solchen Umfragen teilzunehmen, wer weiß es schon. Eigentlich müsste man die Umfrage bei den Steuerberatern der Anwälte machen. Die kennen die Zahlen der Anwälte wahrscheinlich besser als diese selbst.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 16.07.2015 12:26, Anwalt

      Jeder selbständige Anwalt kennt selbstverständlich seinen Umsatz sehr gut und fakt ist auch, dass bei den meisten Einzelanwälten (immer noch über 50% der Kanzleien) ein reines Nettogehalt (Steuerklasse 1) von unter 2500,00 EUR übrig bleibt.
      Dies ist relativ wenig, wenn man den Arbeitsaufwand sowie die lange harte Ausbildung betrachtet.

    • 29.08.2015 22:48, @Anwalt

      "16.07.2015 12:26, Anwalt
      Jeder selbständige Anwalt kennt selbstverständlich seinen Umsatz sehr gut und fakt ist auch, dass bei den meisten Einzelanwälten (immer noch über 50% der Kanzleien) ein reines Nettogehalt (Steuerklasse 1) von unter 2500,00 EUR übrig bleibt.
      Dies ist relativ wenig, wenn man den Arbeitsaufwand sowie die lange harte Ausbildung betrachtet."

      Als Jurist in einer der großen WP-Gesellschaften, kann ich berichten, dass auch Steuerberater bei Steuerklasse 1 mit einem Netto-Gehalt von 2.500€ nach Hause gehen. Und diese haben ebenfalls ein hartes Studium (oft auch Jura) hinter sich und zusätzlich nochmal das harte StB-Examen. Das sind halt so die Einkommen.

  • 22.02.2016 12:13, Rechtsanwalt

    http://strafblog.de/2012/03/30/ziemlich-jammerlich-was-anwalte-so-verdienen/

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 28.08.2016 10:12, J.

    Viele hier scheinen die Zahlen nicht zu verstehen. Ich denke der Autor kommt auf einen Gewinn vor Steuer von 40k wenn er die durchschnittlichen 57k Gewinn nimmt und anschließend noch Versorgungswerk und KV abzieht

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 28.09.2016 23:46, Leon123

    Moin Leute, ich glaube ein Freund von mir hat dasselbe Problem. Es kann doch nicht sein, dass er wenn er morgens 8 Uhr bis abends 9 Uhr oder später mit einer Stunde Mittagspause arbeitet mit einem Bruttoumsatz von über 300t am ende aller ausgaben und Steurabzüge und Kosten nur knapp über 1,5t im Monat übrigbleiben. Er ist sehr erfolgreich und die Leute schätzen ihn, er macht alles legal, ist gut besucht aber was macht er falsch, dass er nur noch so wenig bekommt O.o Ich meine, es lohnt sich doch nicht, an die 10 Jahre zu studieren, nur damit man weiger bekommt als ein Tischler ....

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 29.09.2016 10:38, Anwalt

      Ihr Freund hat eine zu hohe Kostenquote. Ich lese das ziemlich häufig, dass da Anwälte Kostenquoten von mindestens (!) 50% wie selbstverständlich nennen. Fragt man einen Wirtschaftsprüfer, wird der eine Quote von 50% schon als kritisch sehen, darüber geht gar nicht, eigentlich. Ich selbst habe einige Jahre in einer WP-Gesellschaft gearbeitet und u.a. auch Steuererklärungen gemacht. Da waren auch ein paar Anwälte als Mandanten dabei. Das waren Einzelanwälte. Die hatten alle eine Kostenquote von maximal 40% und das halte ich auch für gesund, da blieben stattliche Gewinne übrig. Ich erinnere mich an eine Anwältin, die mit einer Kostenquote von 20% begonnen hatte und das dann auf 35% gesteigert hatte, als die Kanzlei schon gut lief. Der Umsatz war damals knapp 200.000 € im 6. Jahr. Ich erinnere mich, dass sie sehr viel selbst gemacht hat, viel auf Automatisierung gesetzt und nur ein Spezialgebiet beackert hat. Auch bei den üblichen Kosten hat sie unternehmerisches Geschick und Kreativität gezeigt, ich wäre da selbst nicht drauf gekommen. Nach etwa 7 Jahren ist die dann eine Bürogemeinschaft eingegangen. In diesen Jahren ist die Entwicklung, von Null angefangen, stetig nach oben gegangen; konnte ich an den Zahlen sehen. Danach habe ich die Abteilung gewechselt und hab das aus dem Augen verloren. Bei den anderen Anwaltsmandanten war es ähnlich und hat mir gezeigt, dass es durchaus möglich ist, wirklich sehr gut als Einzelanwalt leben zu können. Das sollte aber nicht bei der Kostenquote der Kanzlei anfangen.

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