Vergütungsmodelle von Anwälten: Gleichschritt und Meriten in Zeiten des Abschwungs

von Robert Peres

09.07.2013

Nicht zuletzt die Pleite des US-Giganten Dewey & LeBoef hat gezeigt, wohin falsch gewählte Vergütungssysteme Kanzleien bringen können. Mitten im Umbruch des weltweiten wie nationalen Anwaltsmarktes stellt sich längst nicht mehr nur die Frage, was eigentlich für die Partner gerecht ist. Welches Vergütungssystem dient eigentlich dem Mandanten?

 

Wenn Rechtsanwälte sich zusammentun, um gemeinsam unter einem Kanzleinamen zu praktizieren, nennt man das gemeinhin eine Sozietät. Die älteste deutsche Rechtsanwaltssozietät, Esche Schümann Commichau, wurde 1822 von Johann Carl Knauth in Hamburg gegründet. Seit dieser Zeit stehen Sozien einer Kanzlei vor dem Problem, gemachte Gewinne gerecht unter den einzelnen Partnern zu verteilen und dabei Weiterentwicklung und Wachstum der Kanzlei im Auge zu behalten.

Während Einzelanwälte und Mitglieder von Bürogemeinschaften in die eigene Kasse wirtschaften, müssen viele Unternehmen mehr Manpower für die Bearbeitung ihrer wirtschaftsrechtlichen Fragen. Sie brauchen Teams von Rechtsexperten, die arbeitsteilig operieren und Mandanten bei umfangreichen Projekten wie Unternehmenskäufen oder dem Bau von Einkaufszentren betreuen.

Die einzelnen Arbeitsbeiträge können dabei völlig unterschiedlich sein hinsichtlich Qualität und Zeitaufwand. Wie grenzt man also die individuelle Leistung ab und kommt zu einer fairen Vergütung des einzelnen Partners?

Gleiche Anteile und die Nachteile von Bonussystemen

Relativ einfach ist es, nach gleichen Anteilen, also pro Kopf, zu verteilen. Diese Methode kommt typischerweise in kleineren Kanzleien zur Anwendung, insbesondere wenn die Partner in etwa gleich alt sind und einen vergleichbaren Einsatz zeigen. Das Equal Share-System ist die reinste Form der Partnervergütung und fördert die Zusammenarbeit der Partner am besten, da hierbei keine Eifersucht bezüglich Mandaten besteht oder andere "Fehlanreize" gesetzt werden.

Solche Fehlanreize sind nach Auffassung von Christoph Vaagt, dem Doyen der der deutschen Kanzleiberater, Boni und andere leistungsbezogene Elemente im Vergütungsmodell: "Wer Zusammenarbeit und damit Qualität will, sollte jede Art von Boni vermeiden. Das geht aber auch mit dem Senioritätsprinzip. Der Trend geht leider in die andere Richtung, also zu individuellen Bezahlsystemen, meist auf Billable Hours oder Umsatz basierend."

Beim Senioritätsprinzip, auch Lockstep genannt, handelt es sich um ein inzwischen klassisches Gewinnverteilungssystem, das der Idee folgt, dass die Partner einer Sozietät mit längerer Kanzleizugehörigkeit und Erfahrung in höherem Maße zum Erfolg beitragen und dementsprechend besser vergütet werden sollen. Sie steigen bei einer gewissen Grundzahl von Punkten auf dem Konto in die Partnerschaft ein und steigern die Zahl der Punkte mit jedem Jahr der Zugehörigkeit im Gleichschritt, also im "Lockstep".

Lockstep: Gemeinsam im Gleichschritt partizipieren

Der Wert jedes einzelnen Punktes wird dann über den Jahresüberschuss ermittelt, indem dieser durch die Anzahl aller vorhandenen Punkte geteilt wird. Dieses Prinzip hat den Vorteil, dass nicht jedes Jahr eine Bewertung der Partnerleistung erfolgen muss und somit der Verwaltungsaufwand gering ist.

Erfahrene Partner partizipieren stärker, der Lockstep fördert auch die Zusammenarbeit unter den Kollegen, da der Umsatz des anderen jedem unmittelbar zugute kommt. Außerdem können Partner Managementaufgaben übernehmen, ohne finanzielle Einbußen hinnehmen zu müssen.

Erfolgreiche internationale, aber auch nationale Sozietäten orientieren sich am Lockstep. Dazu gehören beispielsweise Cleary, Gottlieb, Steen & Hamilton sowie Cravath, Swaine & Moore aus den USA, aber auch die britischen Firms Slaughter & May und Linklaters.

In Deutschland verkörpert die Premiumkanzlei Hengeler Müller den Idealtypus eines Lockstep-Modells. Der Erfolg eines Partners und seines Associate- Teams wirkt sich auf alle anderen Partner positiv aus. Das verhindert, dass Rechtsanwälte Mandate mit aller Macht an sich ziehen. Vielmehr werden die für den Mandatserfolg benötigten Experten mit einbezogen.

Zitiervorschlag

Robert Peres, Vergütungsmodelle von Anwälten: Gleichschritt und Meriten in Zeiten des Abschwungs. In: Legal Tribune Online, 09.07.2013, http://www.lto.de/persistent/a_id/9104/ (abgerufen am: 22.08.2017)

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