Professionell präsentieren
"Dreimal üben - das muss drin sein"
17.12.2010

© Peter Hansen - Fotolia.com
Na, kommt Ihnen dieses Szenario bekannt vor? Powerpoint-Präsentationen sind die Konzentrationskiller jeder Konferenz – solange sie schlecht gemacht sind zumindest.
Richtig eingesetzte, informative und unterhaltsame Präsentationen hingegen können wahre Erfolgsgaranten sein. "Wer sich und sein Projekt gut präsentiert, wird den Job bekommen, den Auftrag oder den Zuschlag", davon ist der kanadische Designer Jesse Desjardins überzeugt. Deshalb hat er sich darauf spezialisiert, Geschäftsleuten in Sachen Powerpoint unter die Arme zu greifen. Viele seiner Tipps stellt er gratis online, zum Beispiel in seiner eigenen, vorbildlichen Präsentation "You Suck At Powerpoint".
Im Interview mit LTO erzählt Desjardins, dass er es einfach nicht verstehen könne, warum so viele Menschen so wenig Zeit in ihre Präsentationen stecken: "Meiner Meinung nach muss man an einem guten, einstündigen Vortrag mindestens 30 Stunden arbeiten." Die Arbeit sollte im Idealfall zwei Wochen vor dem Präsentationstermin anfangen. Ok, das ist oft nicht machbar. Aber die Präsentation mindestens ein-, besser dreimal zu üben, das muss einfach drin sein, findet der Desjardins. "Apple-Chef Steve Jobs verwendet sogar zwei Tage darauf, seine Vorträge zu üben. Und Steve Jobs ist ein hervorragender Redner, dem man unheimlich gern zuhört – Bill Gates hingegen nicht so sehr."
Too much information
Zuwenig Zeit und Mühe bei der Vorbereitung ist der verbreiteste Fehler bei digitalen Präsentationen. Direkt danach kommt das Überladen von Slides mit Text und Information. "Welchen Sinn macht es, Wort für Wort das aufzuschreiben, was man auch erzählt?", fragt Jesse Desjadins. "Dann kann man doch gleich alles ausdrucken, verteilen und sich wieder hinsetzen."
Je mehr das Publikum lesen muss, desto weniger hört es zu – und umgekehrt. Auf den Slides sollten demnach lediglich prägnante Stickpunkte stehen, und zwar einer nach dem anderen, Slide für Slide, so dass die Zuhörer nicht schon voraus lesen können.
Dabei ist es ratsam die "10/20/30-Regel" zu beherzigen: Nie mehr als 10 Slides, wenn möglich nicht länger als zwanzig Minuten reden, immer mindestens Schriftgröße 30 benutzen.
Was die Titelseite angeht, muss man sich nicht scheuen, auch mal auf Schriftgröße 75 oder 80 zu gehen, um erst einmal alle Augen für sich zu gewinnen.
Bild-schön
Jede Präsentation sollte neben purem Text auch ein paar Illustrationen beinhalten. Das können Infografiken zur Vertiefung des Inhalts sein, das können aber auch witzige und originelle Schmuckbilder sein, die zum Thema oder zur Aussage des jeweiligen Slides passen. Firmenlogos allerdings gelten nicht als "Illustration" und sollten laut Desjardins bloß nicht auf jeder einzelnen Seite auftauchen! Einmal am Anfang und einmal am Ende – das reicht völlig. Wichtig ist, dass die Bilder erstens groß genug und deutlich erkennbar und zweitens von angemessener Qualität sind. Pixelpeinlichkeiten gehen gar nicht.
Es lohnt sich auch in Sachen Schriftart einmal etwas anderes als Arial und Sans Serif auszuprobieren. Zum Beispiel unter www.fontspace.com findet sich eine große Auswahl gut lesbarer und Powerpoint-geeigneter Fonts. Wichtig ist allerdings, bei einer Schriftart oder zumindest einer Schriftfamilie zu bleiben.
Für Ordnung sorgen!
Eine gleichmäßige Strukturierung aller Seiten hilft dem Publikum, die Konzentration zu wahren. Seitenränder, Zeilenabstände und gegebenenfalls die Verwendung von Farben sollte konsequent und einheitlich von Anfang bis Ende beibehalten werden. Grafiker wie Desjardins arbeiten mit sogenannten Farb-Schemata: Sie legen ein paar wenige, unterschiedliche Farben fest, die sie ausschließlich auf allen Slides verwenden. Eine Auswahl an geschmackvollen und gut aufeinander abgestimmten Farbschemata findet sich unter www.colorlovers.com.
Und… Action!
Text, der sich bewegt, Slides, die mit Trommelwirbel auftauchen, sowie alles, was glitzert und blinkt, ist ein No-Go bei Business-Präsentationen. Das Einfügen von Videos hingegen ist – so es das Thema der Präsentation zulässt – äußerst empfehlenswert. Länger als drei Minuten sollten die gezeigten Filmchen allerdings nicht sein, 30-Sekünder sind das Optimum.
Wichtig, so der kanadische Designer Desjardins, sei auch, am Ende einer Präsentation die wesentlichsten Punkte zu rekapitulieren. Deshalb erinnert er am Ende des Interviews mit LTO noch einmal eindringlich daran, Präsentationen und Vorträgen eine angemessene Vorbereitungszeit zu widmen. "Ich glaube ja, dass viele Leute nur deshalb so ungern Vorträge halten, weil sie schlichtweg immer schlecht vorbereitet sind. Wenn sie wüssten, dass sie eine wirklich gute Präsentation dabei haben, wären sie nur halb so nervös."
Weitere Artikel der Autorin auf LTO.de:
Frankfurter Buchmesse: Die besten Begleiter für die Reise
Oktoberfest: Dirndl-Tipps für Muschelschubser
Yoga: Von Männern, die den Löwen machen
Zitiervorschlag
Nina Anika Klotz, Professionell präsentieren: "Dreimal üben - das muss drin sein". In: Legal Tribune ONLINE, 17.12.2010, http://www.lto.de/persistant/a_id/2143/ (abgerufen am 21.05.2012)
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