Netzwerke für Juristinnen
Männer müssen draußen bleiben
17.05.2010

© Franz Pfluegl - Fotolia.com
"Männer sind einsame Streiter", sang Herbert Grönemeyer in seinem Song "Männer" und lag damit nicht ganz richtig, denn Seilschaften und Netzwerke unter Männern haben diesen immer schon zu beruflichen Erfolgen und Karrieren verholfen, die sie alleine sehr viel schwerer erreicht hätten. Den Vorteil von Netzwerken haben aber auch Frauen längst erkannt und organisieren sich verstärkt in Bündnissen vielfältiger Art. So gibt es neben allgemein zugänglichen Verbindungen auch Vereinigungen, in denen speziell die Interessen von Juristinnen vertreten werden.
Als Zusammenschluss von Juristinnen, Volks- und Betriebswirtinnen arbeitet der Deutsche Juristinnenbund (djb) vor allem an der Fortentwicklung des Rechts sowie an der Gleichstellung und Gleichberechtigung von Frauen und trägt zur Fortbildung durch Seminare und wissenschaftliche Veranstaltungen bei. Auch bringt der djb die Verbandszeitschrift djbz heraus, die in der Rubrik "Ausbildung und Arbeit" regelmäßig interessante Themen für Studentinnen, Referendarinnen und Berufsanfängerinnen bietet.
Mitglied kann jede Frau werden, die Rechts- oder Wirtschaftswissenschaften studiert hat oder studiert. Das erste Jahr der Mitgliedschaft ist kostenlos, danach wird ein regulärer Beitragssatz von 125 Euro pro Jahr erhoben. Ermäßigungen gibt es für Mitglieder in Ausbildung oder Elternzeit.
"Was der djb auf nationaler Ebene in Deutschland ist, ist EWLA auf europäischer Ebene", beschreibt Prof. Dr. Beate Rudolf, EWLA-Vizepräsidentin, die European Women Lawyers’ Association, die unter maßgeblicher Beteiligung des djb im Jahr 2000 gegründet wurde. Das Netzwerk dient dem Erfahrungs- und Fachaustausch, dem Aufbau persönlicher Kontakte unter Juristinnen in Europa sowie der politischen Einflussnahme im Hinblick auf europäische Rechtsentwicklungen und –gestaltung, speziell im Hinblick auf Gleichberechtigung und Chancengleichheit.
Auch auf europäischer Ebene vernetzen
"Die Mitgliedschaft bei EWLA lohnt sich für jede Juristin, unabhängig von einer europäischen Ausrichtung ihrer Tätigkeit", betont Prof. Dr. Rudolf. Mitglied kann werden, wer ausgebildete Juristin ist oder wer in einem der EU-Mitgliedsstaaten als Frau ein Studium der Rechtswissenschaft betreibt oder betrieben hat. Der Mitgliedschaftsbeitrag beträgt für ein Einzelmitglied 100 Euro je Geschäftsjahr.
Auch in den sich immer zahlreicher gründenden Studentinnenverbindungen können junge Juristinnen Netzwerke knüpfen. "Das Verhältnis einzelner Fachrichtungen ist sehr ausgeglichen bei uns", stellt Annika Norpoth von der ADV Agrippinia in Köln fest. Wie bei vielen anderen Studentinnenverbindungen stehen hier neben lebenslanger Freundschaft insbesondere die gegenseitige Unterstützung in Studium, Berufseintritt und Alltag im Vordergrund. "Man lernt viele Leute kennen, die man immer ansprechen kann – sei es bei der Wohnungssuche, bei der Jobvermittlung oder bei der Suche nach einem Promotionsthema", bestätigt Annika Norpoth.
Und was ist mit dem Gerücht, es gäbe nur Wasser und Tee statt der bei männlichen Studentenvereinigungen üblichen Trinkgelage? Man wirft einen Blick in das Sommerprogramm der Agrippinen und entdeckt eine "Sommer-Sonne-Sangria-Party" und eine "Vodka-Ahoj-Tour" über den Rhein. Gleichberechtigung muss schließlich sein.
Zitiervorschlag
Dr. Thurid Koch, Netzwerke für Juristinnen: Männer müssen draußen bleiben. In: Legal Tribune ONLINE, 17.05.2010, http://www.lto.de/persistant/a_id/541/ (abgerufen am 23.05.2012)
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