Publikationsdruck und Autorenschaft: Mit falschem Lorbeer

von Hermann Horstkotte

16.07.2015

Ein Habilitand veröffentlicht eine Klausur fürs Staatsexamen irreführend als Aufsatz unter eigenem Namen. Die Sache kam durch einen dummen Zufall ans Licht. Kein Einzelfall im Spannungsfeld von Publikationsdruck, Urheber- und Wissenschaftsrecht.

 

Dem Anschein nach war es lediglich eine Gefälligkeit für die Fachzeitschrift JuS, aber doch mit ungeahnten Folgen: Ein Nachwuchstalent im juristischen Wissenschaftsbetrieb präsentierte in der Juni-Ausgabe eine Examensklausur, die vor rund zwei Jahren in mindestens vier Bundesländern für die Erste Juristische Staatsprüfung gestellt worden war. Die Veröffentlichung war zugleich Werbung für einen "Examensworkshop" mit einer Wirtschaftskanzlei im August. Das Event findet jetzt ohne Beteiligung des Autors statt, auch hat er den Aufsatz inzwischen aus seinem Schriftenverzeichnis gelöscht.

Denn in Wirklichkeit haben Bochumer Fachkollegen, Professor Jacob Joussen und sein Assistent Tim Husemann "die fragliche Klausur auf Bitten des Justizprüfungsamts Hamm erstellt", wie dessen Sprecher auf Anfrage erklärt. Der Aufsatz in der JuS steuert noch ein paar Umformulierungen und aktualisierte Verständnishilfen bei. Die Zeitschrift bringt im nächsten Heft Ende dieses Monats einen Korrekturvermerk hinsichtlich der Autorenschaft. Weiterhin befasst sich jetzt der "Ombudsman für Verdachtsfälle wissenschaftlichen Fehlverhaltens" an der Uni des Habilitanden mit der Affäre.

Versehentlich die "falsche" Klausur eingeschickt…

Die Geschichte verlief natürlich anders als gedacht: Der JuS-Autor war davon ausgegangen, dass die Klausur von seinem Lehrstuhlinhaber stamme und hatte dessen Einverständnis für eine annähernd identische Zweitverwertung eingeholt.

Institutsinterne Absprachen dieser Art kommen offenbar nicht selten vor. In seinem Klassiker "Das Wissenschaftsplagiat" (2010) gibt der Münchener Jura-Professor Volker Rieble Beispiele für mancherlei "einvernehmliche Doppelproduktion". Wenn's gut geht (etwa mit pauschaler Danksagung für teilweise "Mitarbeit"), ist das eine Win-Win-Strategie für Lehrer und Schüler.

Im konkreten Fall wäre ein Doppelschlag umso weniger aufgefallen, als Examensklausuren stets anonym gestellt werden und auch nicht unbedingt nur von fertigen Hochschullehrern. Die Justizprüfungsämter, also auch jenes in Hamm, stellen die Aufgaben nachher allen Unis für Übungszwecke zur Verfügung. Nach einer Sperrfrist von etwa zwei Jahren können die Erstautoren ihre - aber eben nur ihre - Arbeit nach Belieben publizieren. Durch eine dumme Verwechslung reichte der Autor bei der JuS jedoch eine Klausur ein, die gar nicht von seinem Lehrstuhlinhaber und akademischen Mentor, sondern von einem Kollegen aus Bochum stammte.

Alles halb so wild, sagen die einen: Die Klausuraufgaben seien bloße "Ausbildungsliteratur" und mit einem richtigen wissenschaftlichen Aufsatz doch überhaupt nicht zu vergleichen. Die anderen geben zu bedenken, dass Klausurvorschläge zur heute viel beschworenen "Rechtsdidaktik" zählen und gerade Nachwuchskräfte damit ihre fachliche Breite demonstrieren können.

Vom Gesichtspunkt des Urheberrechts ist es nicht unbedingt zu beanstanden, wenn jemand nach einer entsprechenden Abrede mit dem eigentlichen Autoren dessen wissenschaftlichen Text in einer Fachzeitschrift als den eigenen ausgibt. Das hatte schon vor einigen Jahren ein renommierter Wirtschaftsprüfer und nebenamtlicher Honorarprofessor der Uni Frankfurt erlaubterweise getan, wie das dortige Oberlandesgericht entschied (Urt. v. 01.09.2009, Az. 11 U 51 /08). Es wies damit eine Unterlassungsklage des wahren Autors aus dem Forschungsteam der Kanzlei ab.

…aber auch die "richtige" wäre die falsche gewesen

Gleichzeitig stellten die Richter aber klar, dass eine fiktive Autorenschaft "mit Blick auf die beruflich eminent wichtige Ehre als Wissenschaftler" je nachdem auch "sittenwidrig" sein könne – und zwar insbesondere im Miteinander von vollberuflichen Professoren und ihren wissenschaftlichen Mitarbeitern. Das unterstrich seinerzeit auch ein Sprecher der Frankfurter Universität.

Anders als die urheberrechtliche Frage scheint die Beurteilung nach dem erstarkenden Wissenschaftsrecht in der Autorenfrage allerdings eindeutig. So verlangen die bundesweit verbindlichen "Vorschläge zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis" bei der Autorenschaft "strikte Ehrlichkeit". Entsprechend rügte die Darmstädter Unileitung vor ein paar Jahren einen Rechtsprofessor, weil er einen Kommentar von einem Assistenten buchstäblich als sein eigenes Werk verkauft hatte. Im Fall der JuS-Einsendung war offenbar der umgekehrte Rollentausch verabredet, auch wenn dies durch die irrtümlich eingesandte Klausur im Ergebnis keine Rolle spielt.

Ein Fehler verursacht schnell den nächsten. So stellt etwa das JPA Hamm seine Klausurthemen den Hochschulen ausschließlich "für nicht kommerzielle Zwecke" zur Verfügung. Davon bleiben die späteren Publikationsrechte der Erst-Autoren zwar unberührt. Wenn aber ein Dritter die Aufgabe und Lösung auf eigene Faust in einer Zeitschrift veröffentlicht, dient er damit unweigerlich (auch) kommerziellen Zwecken.

Im konkreten Fall haben sich alle Beteiligten auf einen Korrekturvermerk geeinigt, wonach die gestellte Klausur im Zeitschriftenaufsatz "verarbeitet" worden sei. Das klingt nach dem Eindruck kundiger Rechtslehrer vage - und ist vielleicht gerade damit ganz charakteristisch für einen Graubereich im akademischen Wettbewerb.

Zitiervorschlag

Hermann Horstkotte, Publikationsdruck und Autorenschaft: Mit falschem Lorbeer. In: Legal Tribune Online, 16.07.2015, http://www.lto.de/persistent/a_id/16245/ (abgerufen am: 23.08.2016)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 16.07.2015 11:09, Beobachter

    Die hier angedeuteten Versuche, den Sachverhalt zu banalisieren, sind hochnotpeinlich. Angesichts der Tatsache, dass sich weite Teile der Rechtswissenschaft damit begnügen, Fälle zu lösen und zu kommentieren und das für die Ausgeburt von Wissenschaftlichkeit halten, ist die Veröffentlichung eines fremden Falls dann wohl kaum eine Lappalie. Wenn man weiß, wieviel Arbeit das Erstellen eines Examensfalls macht, ist das umso ärgerlicher. Allein, dass so etwas passiert - unterstellt einmal, die etwas abenteuerliche Geschichte ist wahr - zeigt, dass es um die Wissenschaftspraxis dieses Faches nicht besonders gut bestellt ist.

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  • 16.07.2015 11:11, A. Stiller

    Dem Artikel nicht zu entnehmen (aber naheliegend) wäre, dass die ursprünglich einzusendende Klausur nicht vom Chef des Habilitanden, sondern von diesem für den Chef entworfen worden ist (was ein übliches Vorgehen wäre; wer entwirft schon gerne Klausuren?). Dann wäre das geplante Vorgehen wissenschaftlich redlich gewesen. Reine Spekulation, aber plausibel. Danke für den Artikel im Übrigen.

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    • 07.08.2015 12:57, HB

      Was dann natürlich bedeuten würde, dass der Habilitand sich nicht mehr daran erinnert hab, ob er diese Klausur seinerzeit erstellt hatte ;-)

  • 16.07.2015 12:30, Hermann Horstkotte

    ad A. Stiller: Der Art. sagt klar, dass die Klausur von Prof. Joussen und seinem Assistenten Husemann, beide Bochum, erstellt worden war, aber nicht vom Autor der JuS(-Beilage)

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    • 16.07.2015 13:58, A. Stiller

      Die eingereichte Klausur schon; mir geht es um die Klausur, die der Habilitand (angeblich) eigentlich einreichen wollte. "Der JuS-Autor war davon ausgegangen, dass die Klausur von seinem Lehrstuhlinhaber stamme und hatte dessen Einverständnis für eine annähernd identische Zweitverwertung eingeholt." Ich spekulierte lediglich darüber, wer die eigentlich einzusendende Klausur tatsächlich verfasst hat. Denn seit wann verzichten Professoren auf eine (Mit-)Autorbenennung, wenn sie selbst etwas verfasst haben? Aber nochmals: Natürlich ist das reine Spekulation und keine Kritik am Artikel.

  • 16.07.2015 12:54, Thomas

    Der Kollege weiß halt genau, wie der "Wissenschaftsbetrieb" bei den Juristen läuft und ging jetzt wohl einmal etwas zu nassforsch vor, um das eigene Publikationsverzeichnis noch ein wenig "gehaltvoller" zu gestalten. Da aber Plattformen wie juraexamen.info ohnedies bereits den neuen Standard "wissenschaftlichen" Denkens unter Nachwuchsjuristen markieren, wen wundert das noch ? Nur die Spitze des Eisbergs. Ich kenne genügend sog. Nachwuchsakademiker, die selbst banalste Tagungsberichte von 1-2 Seiten dort verewigen.

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  • 16.07.2015 14:20, Hermann Horstkotte

    zu Stillers 2. Kommentar: Nach Angaben des Habilitanden schlug er der JuS-Redaktion mit Einverständnis seines Chefs zunächst 5 gelaufene Examensklausuren aus dem Fundus des Instituts vor, von denen dann ausgerechnet eine ursprünglich Bochumer (Joussen / Husemann) ausgewählt wurde. Drei stammten angeblich wirklich vom eigenen Chef, unglücklicherweise erhielt eine andere den Vorzug. "Besser aufpassden!", rät ein Professorenkollege am Standort des JuS-Autors...

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    • 16.07.2015 14:53, A. Stiller

      Vielen Dank für die weitere Info!

    • 07.08.2015 12:59, HB

      Zumal man doch auch Druckfahnen bekommt??

  • 16.07.2015 18:50, Gast

    Der Umstand, dass die JuS den Habilitanden gleich zum Mitglied ihres Beirats gemacht hat, erklärt wohl die schwache Klarstellung des Fehlverhaltens.

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    • 16.07.2015 20:09, Hermann Horstkotte

      Genaugenommen war der Habilitand schon Mitglied im Beirat von JuS, als die Redaktion bei ihm wg. einer Examensklausur für die Erste Staatsprüfung nachfragte. Dass zeigt etwa das Impressum von Heft 7 diesen Jahres.

    • 17.07.2015 13:19, Hermann Horstkotte

      Auf seiner Institutswebseite gibt der Habilitand selber an, seit Mai 2015 im JuS-Beirat zu sein

    • 17.07.2015 15:19, Fragender

      Hallo Herr Horst Kotte, wird die JuS ihn im Beirat halten???

    • 23.02.2016 11:43, Antwortender

      Die JuS hat letzthin ihren Beirat aufgeräumt: http://rsw.beck.de/cms/?toc=FI.1000

  • 16.07.2015 20:32, Marie Herberger

    Diskussionen um den Autor hin oder her - man sollte diese Klausur auch inhaltlich analysieren. Ein Versuch findet sich unter http://www.klartext-jura.de/2015/07/16/ich-will-nicht-der-autor-sein.

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    • 16.07.2015 23:38, Leguleius

      *Daumen hoch* ... und weitermachen!

  • 16.07.2015 21:25, Gast

    Man darf sich durchaus fragen, wie die JuS glaubhaft rechtsWISSENSCHAFTLICHE Grundlagen vermitteln will, wenn sich Mitglieder ihres Beirats wissentlich mit fremden Federn schmücken und hierdurch anerkannte Standards der Wissenschaft eklatant missachten.

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  • 17.07.2015 08:18, vroniplag

    Zu begrüßen ist, dass der Ombudsman für Verdachtsfälle wissenschaftlichen Fehlverhaltens an der Uni in Bonn sich des Sachverhalts nunmehr annimmt. Dabei ist zu hoffen, dass nicht nur ein Fehlverhalten des Habilitanden, sondern auch ein Fehlverhalten seines Mentors, welcher - als Mitglied der Zivilrechtslehrervereinigung! - seinem Schützling offenbar vermittelt, dass es zulässig ist, fremdes Gedankengut als eigenes zu verkaufen, untersucht wird.

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    • 17.07.2015 12:15, Gast2

      hallo Herr horstkotte, gibt es zu dem Thema auch eine Stellungnahme vom Lehrer des Habilitanden?

    • 17.07.2015 13:17, Hermann Horstkotte

      Vom Lehrstuhlinhaber gibt es bisher jedenfalls keine öffentliche Stellungnahme. Er stellt die Darstellung im Artikel mithin auch nicht in Abrede. Man darf gespannt sein, wie sich der Ombudsman zu ihm verhält.

    • 17.07.2015 14:42, Leguleius

      Der wohl zuständige Ombudsmann ist immerhin Fakultätskollege des Lehrstuhlinhabers, aber auch Ombudsmann der DFG - keine leichte Aufgabe.

    • 17.07.2015 16:49, Hermann Horstkotte

      Zu Leguleius : Der Ombudsman ist in diesem Falle ein reines Uni-Organ und nicht zu verwechseln mit dem bundesweiten (DFG-)"Ombudsman für die Wissenschaft". Tatsächlich ist er aber ein Fakultätskollege des fraglichen Lehrstuhlinhabers, der Nachname beginnt mit S. ...

    • 17.07.2015 17:11, Leguleius

      Das ist mir sehr wohl bewusst. Ich wollte damit anmerken, dass der Balanceakt dadurch nicht leichter wird, eben weil er zwar (vorerst allein) in seinem Uni-Amt tätig wird, aber sein Verhalten in dieser Sache aufgrund seiner DFG-Funktion auch unter anderer Perspektive wahrgenommen werden wird.

    • 17.07.2015 17:13, Leguleius

      Ich dachte allerdings, es handelt sich in dieser Sache um L., nicht um S.

      Dann nehme ich alles zurück.

    • 17.07.2015 17:31, Leguleius

      Allerdings ging ich davon aus, mit dieser Sache sei Fakultätskollege L., nicht S. betraut.

      Dann nehme ich alles zurück.

  • 17.07.2015 10:31, Manchmal ist weniger mehr

    Dieses offensichtliche wissenschaftliche Fehlverhalten von Schüler und Mentor sollte nicht banalisiert werden. Selbst wenn man der "interessanten" Einlassung des Habilitanden Glauben schenken mag, räumt er doch ein, dass er vorsätzlich bereit ist, sich mit fremden Federn zu schmücken. Seltsam auch, dass Habilitand und Lehrer nach dem angeblichen Einverständnis nicht ein einziges Mal mehr über die Klausur gesprochen haben wollen. Üblicherweise werden die Lösungshinweise vom JPA nur in Papierform verschickt, der Habilitand muss diese also abgetippt haben etc. Warum fragt er nicht seinen Lehrer nach der Word-Datei, wenn er doch glaubt, dass er der Autor sei? Wenn man sich die Länge der Veröffentlichungsverzeichnisse des Lehrstuhlchefs und seiner Jünger ansieht, so stellt sich ohnehin die Frage, wie hier noch eine Qualitätskontrolle gewährleistet werden kann... Auch in diesem Fall scheint es ja mit der Qualität nicht so weit hergewesen zu sein, wenn man Marie Herbergers Beitrag liest.

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    • 17.07.2015 14:56, Leguleius

      Die Qualitätskontrolle wird hier und da ersetzt durch eine Quantitätskontrolle. Ich erinnere mich unweigerlich an eine Stelle in einer der letzten Fischer-Kolumnen auf ZON (vom 23.06.):

      "[...] Und es gibt die Sieger der Evaluation, die Quotenjunkies der Rechtswissenschaft, die Escortgirls einer verschlankten Wissenschaft der "herrschenden Meinung". Sie sind mal hier, mal da. Sie haben Veröffentlichungslisten, die sich jenseits des Menschenmöglichen bewegen."

    • 17.07.2015 17:04, Hermann Horstkotte

      Ergänzend zu Leguleius: Das Zitat von Bundesrichter Thomas Fischer findet sich hier: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-06/justiz-karriere-strafrechtspersonal-richter/seite-4

  • 17.07.2015 17:07, Papier ist geduldig

    Die für die Universität Bonn im Jahr 2014 verbindlich festgelegten Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis lauten auszugsweise:
    § 1
    Leitprinzipien
    Wer an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn wissenschaftlich tätig ist, ist verpflichtet,
    - lege artis zu arbeiten,
    - Resultate und die Schritte zu ihrer Erzielung zu dokumentieren und alle Ergebnisse konsequent selbst anzuzweifeln,
    - strikte Ehrlichkeit im Hinblick auf die Beiträge von wissenschaftlichen Partnern,
    Konkurrenten und Vorgängern zu wahren,
    - wissenschaftlichem Fehlverhalten vorzubeugen und
    - die im Folgenden beschriebenen Regeln zu beachten.

    Ein Verstoß des Habilitanden gegen Spiegelstrich 3 und seines Lehrers gegen Spiegelstrich 4 der Regelung erscheint - legt man den im Beitrag geschilderten Sachverhalt zugrunde - kaum zu leugnen. Wie die verbindlichen Grundsätze belegen, handelt es sich aus Sicht der Wissenschaft auch nicht um eine Kleinigkeit, sondern um einen Verstoß, der seitens der Wissenschaft klar und unmissverständlich zu ächten ist. Es ist zu hoffen, dass der Ombudsmann hierzu den Mut hat.

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    • 17.07.2015 19:53, Hermann Horstkotte

      Die hier laufende Diskussion wirft indirekt ein Licht auf ein Urteil des LG Köln: Da wurde ZEIT ONLINE (und mir als Autor) vorgehalten, man müsse nicht Namen in der breiten Öffentlichkeit nennen, wenn Sachkenner ohnehin wüssten (oder durch ein paar Internet-Klicks) feststellen könnten, um wen es an welchem Standort gehe..

  • 20.07.2015 14:21, ich möchte nicht der Ombudsman sein

    Wer immer der Autor des JuS-Texts sein mag: Er hat nicht nur abschnittsweise Text aus den Lösungshinweisen übernommen. Er hat das Original auch umgearbeitet. Von den vier Belegstellen, die auf Kommentierungen und Lehrbuch von Joussen verweisen, hat es nur eine in den JuS-Text geschafft. Dafür ist ein Verweis auf einen Aufsatz von Thüsing ergänzt worden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

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    • 20.07.2015 14:37, Leguleius

      Das macht die Version von der versehentlichen Falscheinsendung nicht plausibler.

  • 20.07.2015 17:47, LTO-Leser

    Herrn Horstkotte ist immer alles gleich Beleg für die abgrundtiefe Verkommenheit des Systems "deutsche Universität", das ihn damals partout nicht zum Professor berufen wollte. "Kein Einzelfall im Spannungsfeld von Publikationsdruck, Urheber- und Wissenschaftsrecht" - man fragt sich, wieviele Konfidenten Herr Horstkotte wohl haben mag unter Deutschlands Juraprofessoren und -habilitanden.

    Natürlich ist das evident inkorrekt, was Professor und Habilitand hier verabredet hatten. Aber ein Skandal, der bundesweite Aufmerksamkeit verdient hat? Weil einer die explizit kursorische Prüferlösungsskizze verwursten wollte, die der Chef gefertigt hatte (oder eher: irgendein Hiwi für diesen)? Man bleibe bitte auf dem Teppich.

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    • 20.07.2015 18:02, kt

      Naja, das ist aber doch nicht nur eine Psycho-Macke von Herrn Horstkotte oder einem seiner Konfirmanden. Wenn hier mal exemplarisch gezeigt wird, wie die eindrucksvollen Publikationslisten mancher Nachwuchswissenschaftler zustandekommen, ist das doch eigentlich ganz bezeichnend. Wäre der Beitrag in der JuS nicht eine Anleitung für Prüfungsarbeiten, sondern eine Prüfungsarbeit, würde man das Ding vermutlich schlicht einen Täuschungsversuch nennen.

    • 20.07.2015 19:46, Leguleius

      Die "kursorische Prüferlösungsskizze" hat eben nicht "der" Chef gefertigt (oder fertigen lassen), sondern ein anderer Nachwuchswissenschaftler, der sich auf derselben Karrierestufe wie der Delinquent befindet, überwiegend im selben "Teich" (Arbeits- und Sozialrecht) fischt und sich in absehbarer Zeit wohl um dieselben Stellen wird bewerben wollen/müssen.

      Da versuchen junge Leute den Grundstein für eine wissenschaftliche Karriere zu legen, die einen mehr, die anderen weniger redlich. Wenn nun die weniger Redlichen sich nicht bloß auf Kosten der Allgemeinheit (Wissenschaftssystem) oder der Etablierten (Professoren), sondern auf Kosten der jungen Konkurrenz (Habilitanten) profilieren wollen, ist das durchaus eine Meldung und Diskussion wert.

      Es handelt sich aus der Sicht eines JuS-Lesers vielleicht lediglich um die Ausformulierung einer Original-Lössungsskizze. Für den "Autor" ist es eine Nummer im Veröffentlichungsverzeichnis, es bedeutet die Steigerung von Bekanntheit und Reputation (Herr Horstkotte hat den bundesweiten Workshop angesprochen, den die Veröffentlichung beworben hatte und als dessen "Eintrittskarte" sie gesehen werden kann) - das alles ist die Währung, in der Nachwuchswissenschaftler (leider zu gewichtig) gemessen werden. Wer sich hier nicht redlich verhält, erschleicht sich einen Wettbewerbsvorteil, der zusammen mit anderen (vielleicht ebenfalls auf diese Weise erworbenen) am Ende den Ausschlag geben kann.

      Als Bagatelle kann das nur bezeichnen, wer von diesen Zusammenhängen nichts weiß oder den Leumundszeugen spielen möchte.

    • 20.07.2015 20:44, Gast

      Was meint LTO-Lesen denn mit "auf dem Teppich bleiben"? Die (öffentliche) Ächtung wissenschaftlichen Fehlverhaltens ist die einzige Sanktion hierfür. Wenn es der Fall nicht in die Presse geschafft hätte, wäre doch gar nichts passiert und der Habilitanden würde immer noch glauben, dass es richtig ist, fremde Arbeit unter eigenem Namen zu publizieren oder zB später als Professor nach einem Universitätswechsel am neuen Standort die Vorlesungen mit den Unterlagen einer Kollegin vom früheren Standort zu bestreiten.

    • 20.07.2015 20:51, kt

      Ganz so "explizit kursorisch" war die Prüferlösungsskizze nun auch wieder nicht. Etwa die Hälfte des Texts war gut genug, um 1:1 in eine mustergültige JuS-Fallösung übernommen zu werden. Man muß das vielleicht nicht zum größten Skandal der Wissenschaftsgeschichte aufpusten. Aber ein Vorbild für eine gute studentische Arbeitsweise ist das halt auch nicht. Wenn das nicht der Verfasser klarstellt, kann es durchaus Herr Horstkotte tun.

    • 20.07.2015 22:20, LTO-Leser

      Da haben die geschätzten Vorredner natürlich recht: Die Wiedereinführung des Prangers, verstärkt um die Möglichkeiten des Internet, würde sich gewiss dazu eignen, allerlei Erscheinungsformen von Delinquenz wirksam zu begegnen, und ganz gewiss wäre sie auch bei wissenschaftlicher Inkorrektheit wirksamer als zB so etwas Zahnloses wie eine Rüge durch den Ombudsman. Aber ist damit die Frage schon beantwortet, ob man sich so etwas wirklich wünschen soll?

      Zu widersprechen ist allerdings der Aussage, so eine alberne Lösungsskizze würde bei der späteren wissenschaftlichen Karriere irgendwen im Mindesten interessieren, gar "Lorbeer" oder "Bekanntheit und Reputation" mit sich bringen (ganz abgesehen davon, dass das lieblos erstellte Zweckprodukt, von dem hier konkret die Rede ist, nun wirklich gar niemandem zur Ehre gereichen könnte).

    • 20.07.2015 23:09, Leguleius

      Was haben Sie denn, lieber LTO-Leser, für sinnvolle Alternativ-Vorschläge im Gepäck? Keine (fach-)öffentliche Diskussion, keine zahnlose Rüge durch den Ombudsmann ...

      Wenn es sich lediglich um eine alberne Lösungsskizze handelt, sei die Nachfrage gestattet, warum jemand meint, er müsse da seinen "Otto" draufsetzen und sich in erwähnter JuS-Beilage medienwirksam daneben ablichten lassen und Studenten Ratschläge für die Examensvorbereitung geben. Es gibt leider genug etablierte Professoren, die derartiges Verhalten Vorleben, welches der Nachwuchs adaptiert in der (sicher nicht unberechtigten) Erwartung, es werde Ihnen später zum Vorteil gereichen.
      Von alleine kommt ein dreißigjähriger Habilitant von durchschnittlicher Verstandesreife sicher nicht auf die Idee, in ein paar Jahren ca. 50 Aufsätze, Urteilsanmerkungen und sonstige Kleinbeiträge zusammenzuschustern, von denen 90 % in Mit-Autorenschaft entstanden sind, und geht damit auch noch hausieren.

    • 21.07.2015 06:58, kt

      Das mit dem Pranger liest man ja in den letzten Jahren öfter. Vielleicht sollte man wirklich auf Kritik in den Medien verzichten. Und einfach den Ombudsman rügen lassen. Der Habilitand wird gewiß das Rügeschreiben als PDF an sein im Internet veröffentlichtes Publikationsverzeichnis anhängen und so selbst für einen fairen Wettbewerb um Professorenstellen sorgen.
      Was genau spricht dagegen, - übrigens ohne Namensnennung - die Angelegenheit im General-Anzeiger, der LTO oder sonstwo zu diskutieren? Bestenfalls kommt dabei heraus: eine Vergewisserung über die Geltung bestimmter wissenschaftlicher Standards. Wär' doch auch schon mal was ...

    • 21.07.2015 07:55, rr

      Zur von LTO-Leser bemühten Argumentationslinie "Pranger" hat kt ja schon kurz und prägnant geantwortet. Das kann man noch vertiefen: Wenn ein Habilitand die Öffentlichkeit sucht, um für sich (als Wissenschaftler und privater Repetitor) dadurch zu werben, dass er fremde Leistungen als eigene verkauft, dann ist eine öffentliche Diskussion und Richtigstellung die einzige passende Reaktion hierauf. Immerhin steht der abgekupferter Beitrag des Habilitanden für Generationen in Bibliotheken und mehrt zu Unrecht den Ruf des Habilitanden. Wissenschaft ist auf unbedingte Ehrlichkeit angewiesen und Wissenschaft bedeutet öffentliche Diskussion über Sachfragen - wo aber Ehrlichkeit nicht geleistet wird, erstreckt sich die Diskussion um die Sache auch darauf, dass Wissenschaft sich zur Selbstreinigung abgrenzen muss. Die angedachte Klarstellung im nächsten JuS-Heft, welche den wahren Sachverhalt auch mehr verschleiert als erhellt, schafft hier keinen Ausgleich und schafft auch keine Wettbewerbsgleichheit.

      Die von LTO-Leser angestoßene Diskussion sollte aber vielleicht zum Nachdenken über zwei Punkten anregen: 1. Wäre es nicht gerecht, wenn vielleicht der Assistent, welcher an der Klausurerstellung tatsächlich beteiligt war, anstelle des Abkupferers den ehrenvollen Ruf in den JuS-Beirat erhielte? 2. Sollte der Mentor des abkupfernden Habilitanden nicht stärker in der Diskussion Berücksichtigung finden? Es ist leicht aus der sicheren Stellung als Beamter auf Lebenszeit den bislang nicht erfüllten Wunsch nach dem Hervorbringen eigener Schüler durch Einsatz unlauterer Mittel zu fördern und sich dann, wenn die Sache bekannt wird, unsichtbar zu machen und den mit einem Zeitvertrag ausgestatteten Schüler im Regen stehen zu lassen.

    • 21.07.2015 12:09, LTO-Leser

      Und als nächstes diskutieren Sie dann bundesweit über jeden Verkehrsrichter, der mal bei Rot über die Ampel gefahren ist? Weil nur das wirksam dafür sorgt, dass diejenigen, die anderen ihre Verkehrsverstöße vorhalten, sich auch selbst an die Regeln halten?

      Ich würde das nicht tun wollen. Nicht weil ich vorsätzliche Rotlichtverstöße von wem auch immer für legitim hielte, sondern wegen Unverhältnismäßigkeit. Also genau wie hier.

    • 21.07.2015 12:22, kt

      Es gibt aber auch nicht so viele Verkehrsrichter, die Videos von ihrem verkehrsordnungsgemäßen Verhalten auf YouTube posten und sich bei der nächsten Bewerbung mit Hinweis auf ihre Leistungen im Straßenverkehr vorstellen.
      Allerdings muß man doch anständigerweise zugunsten des Habilitanden feststellen: Er hat den betreffenden Beitrag nicht mehr in seinem Verzeichnis. Und wenn er nun wirklich öffentlich sagen wollte "Tut mir leid, das war nicht in Ordnung - und vorbildlich war es auch nicht.", dann wüßte man nicht so ganz genau, wo dafür der richtige Ort wäre.
      Seien wir also mal nicht zu streng.

    • 21.07.2015 12:34, MJ

      @ LTO-Leser: Der Vergleich mit dem Verkehrsrichter hinkt. Er lässt unberücksichtigt, dass Ehrlichkeit in der Wissenschaft deshalb von Bedeutung ist, weil wissenschaftliche Erkenntnisse aufeinander aufbauen. Die Erkenntnisse der Forschung von zB Einstein werden für weitere Forschungen zu Grunde gelegt. Wäre Einstein unehrlich gewesen, wäre auch die gesamte hierauf aufbauende Forschung wertlos. Ob ein Verkehrsrichter bei Rot über die Straße geht, ist dagegen gänzlich irrelevant dafür, ob er oder seine Kollegen Verkehrssachen richtig entscheiden können. Abgesehen davon lässt Ihr Vergleich unberücksichtigt, dass der Habilitand - anders als der Verkehrsrichter - in der Hoffnung auf verschiedene Vorteile (höheres wissenschaftliches Ansehen, größere Einnahmen als privater Repetitor, der selbst im Examen Klausuren stellt) die Öffentlichkeit gesucht und gefunden hat. Er hat sich in der Öffentlichkeit Vorteile verschafft; diese können nur in der Öffentlichkeit ausgeräumt werden (vgl. für die Vorteile als Repetitor §12 III UWG). Der Vorwurf der Unverhältnismäßigkeit trifft damit sicher nicht den Umstand, dass LTO berichtet, sondern allenfalls die Frage, was LTO wie intensiv berichtet und hier diskutiert wird - da scheint mir der Rahmen durchaus noch gewahrt.

    • 21.07.2015 15:03, Leguleius

      @ kt: vielleicht die nächste Ausgabe der JuS oder diese Online-Zeitung hier.

    • 21.07.2015 15:06, kt

      @Leguleius: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

  • 20.07.2015 22:13, Fragen über Fragen

    Immer noch bleiben Fragen offen:
    - wie geht die JuS mit der Sache um? Wird der Habilitand dort auch künftig mitwirken?
    - wie kann ein Habilitand von seinem Lehrer versehentlich eine falsche Klausur erhalten? Wenn dieser sie erstellt hat, wird es eine entsprechende Word-Datei am Lehrstuhl geben. Wie kann man glauben, dass ein JPA-Hinweis ohne eine solche Datei vom Lehrer stammt?
    - wie viel Verarbeitung oder eher Bearbeitung ist tatsächlich erfolgt?
    - wie kann man glauben, dass die Veröffentlichung einer Klausur seines Lehrers unter eigenem Namen wissenschaftlich redlich sei? wie kann ein Professor ein solches Verhalten sogar noch fördern?
    - und zu guter Letzt: ist dieser Fall nur die Spitze des Eisberges?

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  • 23.07.2015 21:03, Michael

    Dies ist keine "aktuelle bzw. neue" Methode des "Geistigen Diebstahl"; bereits vor 30 Jahren hatte ein sogenannter Wissenschaftler der Bodendenkmalpflege meine Publikation eins zu eins "geklaut"!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    Diese "Blender" werden wohl nie aussterben, solange das Gefühl vermittelt wird, sie seien aufgrund ihres akademischen Grades etwas "BESONDERES"!!!

    In der Bodendenkmalpflege (Archäologie) gibt es einen Spruch, der da lautet: "Sobald du die Haut vom Körper abziehst, sieht jeder Mensch gleich aus."

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    • 23.07.2015 23:04, Leguleius

      Ja, die berüchtigten Bodendenkmalpflegologen. Wenn Sie schon vor 30 Jahren unter Interpunktionsdiarrhö gelitten und Bodendenkmalpflege mit Archäologie verwechselt haben, stehen die Chancen sicher nicht schlecht, den Sünder noch zu stellen und die Publikation als Ihre zu entlarven.

  • 24.07.2015 13:02, Hermann Horstkotte

    Das im Art. angekündigte Corrigendum zum Aufsatz in der JuS Beilage 6 (2015) ist im aktuellen JuS-Heft in diesem Wortlaut veröffentlicht:
    " Wir weisen darauf hin, dass der Sachverhalt und die der von Akad. Rat Dr. Stephan Pötters, LL. M., verarbeiteten Lösung zu Grunde liegenden Lösungshinweise von Prof. Dr. Jacob Joussen und Wiss. Mitarbeiter Dr. Tim Husemann stammen. Leider kam dies bei der Veröffentlichung nicht zum Ausdruck, was Dr. Pötters und die JuS-Schriftleitung bedauern."
    Deutsche Sprache, schwere Sprache. Zur ganzen Wahrheit und Klarheit gehört, dass die "Stammeltern" Joussen und Husemann von der Zweitverwertung ihres Textes und dessen Veröffentlichung vorab nichts wussten. Zur ganzen Wahrheit und Klarheit gehört, dass die "Stammeltern" Joussen und Husemann von der Zweitverwertung und Veröffentlichung ihres Textes vorab nichts wussten.
    Der zweite Satz mit dem Ausdruck des Bedauerns wird womöglich zum "klassischen" Zitat für unausgewiesene Übernahmen von Fremdautoren.

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    • 24.07.2015 13:51, Leguleius

      Dieser erwartungsgemäß spärliche, verquaste und damit verschleiernde Vermerk verdient keineswegs die Bezeichnung "Richtigstellung". Eine schwache Vorstellung nicht nur des Schein-Autors, sondern auch der JuS-Schriftleitung.
      Man darf gespannt sein, ob und in welcher Form der Beitrag im Jahresverzeichnis der JuS auftauchen wird, ebenso auf die weiteren Aktivitäten des Schein-Autors in seiner Beirats-Funktion.

    • 24.07.2015 14:01, kt

      Damit dürfte die Sache bei der JuS erledigt sein. Und vermutlich auch im Übrigen. Eine mögliche Äußerung des Ombudsmans wird aus persönlichkeits- und datenschutzrechtlichen Gründen etc. nicht veröffentlicht werden.
      Die Sache ist also gerade noch einmal gutgegangen. Darauf einen Sekt.

    • 13.08.2015 14:31, kt

      Noch ein kleiner Nachtrag zum oben wiedergegebenen Corrigendum: Dieser Text ist - vermutlich nicht ganz zufällig - auf den Umschlagseiten der JuS 8/2015 abgedruckt. Spätestens im gebundenen Band (also ab Jahresende 2015) wird er nicht mehr enthalten sein, sofern sich nicht die Redaktion entschließt, die Namen der wahren Autoren im Jahresinhaltsverzeichnis aufzuführen. Damit wird voraussichtlich JuS-seits die Sache ab nächstem Jahr nicht mehr nachvollziehbar sein. Schade eigentlich. Klingt nach einer verpassten Gelegenheit.

  • 24.07.2015 14:21, MJ

    Als Ausbildungszeitschrift kann man die JuS nach diesem Hinweis kaum noch ernst nehmen, wenn eklatante Verstöße gegen wissenschaftliche Standards auf diese Weise abgetan werden. Dass sich Verlag, Plagiator und eigentliche Urheber aber auf solche vernebelnden Stellungnahmen einlassen, ist in der Verlagsbranche üblich. Die JuS will kein Aufheben machen, weil das dem Ansehen schadet. Dass insbesondere auch die eigentlichen Autoren die Sache nicht schärfer verfolgen, liegt wohl auch an den wechselseitigen Beziehungen und Abhängigkeit in der Wissenschaft: konkret gibt der Mentor des Plagiators in dem Verlag, in dem auch die JuS erscheint, einen Kommentar heraus, an welchem sowohl der Plagiator als auch der eigentliche Urheber der Klausur als Autoren mitschreiben. Mit der solchen Umständen geschuldeten Zurückhaltung bei der Ahnung von Fehlverhalten schafft sich Wissenschaft ab.

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  • 24.07.2015 14:36, Hermann Horstkotte

    Zum voranstehenden kt-Kommentar: Ob sich die Sache wirklich "unter den Teppich kehren" lässt, steht dahin. In den verbindlichen Erläuterungen zur Empfehlung 8 zur guten wiss. Praxis (bei der DFG) heißt es:"Das Ermittlungsergebnis (sc. eines Hauptverfahrens, H.H.) ist zu einem geeigneten Zeitpunkt nach Abschluss der Ermittlungen betroffenen Wissenschaftsorganisationen und Journalen mitzuteilen." Gerade die betroffene Uni hat ja in anderen Verdachtsfällen (etwa gegen Mathiopoulos oder Chatzimarkakis) den Weg in Öffentlichkeit nicht gescheut! Darauf ein Schluck bitter lemon..

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  • 30.07.2015 16:41, Hermann Horstkotte

    Der "Ombudsman" der Uni Bonn hat den Anfangsverdacht wiss. Fehlverhaltens nicht ausräumen können und deshalb den Fall inzwischen an die entsprechende Untersuchungskommission unter Vorsitz des Rechtsprofessors Christian Hillgruber weitergeleitet.

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  • 03.09.2015 18:49, Johannes

    Herr Horstkotte, vielen Dank für diesen ausgesprochen gut recherchierten Artikel und für die weiteren Informationen zur Verfahrensentwicklung. Die JuS kann einen solchen Nachwuchswissenschaftler nun wirklich nicht im Beirat beibehalten und sollte die Konsequenz aus eigenem Interesse und Wahrung wissenschaftlicher Standards ziehen. Eine Abberufung ist unumgänglich. Über weitere Berichte aus der Untersuchungskommission würde ich und mit Sicherheit auch viele andere sehr freuen.

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  • 03.11.2015 12:07, Leguleius

    Hier passiert auch nichts weiter, oder?

    Wenn die universitätseigenen Ombudsmänner hauptsächlich durch die Organisation von Untätigkeit auffallen, dürfen sich die Wahrer akademischer Selbstverwaltung und eines möglichst staatsfernen Wissenschaftsbetriebes nicht wundern, wenn Medien und Politik künftig wissenschaftliches Fehlverhalten alleine sanktionieren, mit all den negativen Begleiterscheinungen (Einmischung, Prangerwirkung etc.).

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  • 23.12.2015 09:44, Horstkotte

    To whom it may concern
    Ergänzend lässt der Pressesprecher der Uni jetzt wissen: „Die Angelegenheit hat sich durch den Austritt des Mitarbeiters (sc. aus dem Hochschuldienst, H.H.) erledigt.“ Allerdings hielt es die Uni-Leitung bislang nicht für nötig, auch den ursprünglichen Klausursteller, Prof. Dr. J. Joussen (Bochum), darüber zu informieren. Bereits im November waren die amtlichen Untersuchungen durch die Ombudsperson und eine Untersuchungskommission mit einer Empfehlung an die Uni-Leitung abgeschlossen.
    Weitergehende Fragen nach einer eventuellen Verstrickung anderer in den Fall hält der Uni-Sprecher jetzt für bloße „Spekulationen“. Ein renommierter Medienanwalt schaltet sich neuerdings ein, um einen solchen Standpunkt presserechtlich abzustützen. Ob oder inwieweit der juristische Fachbereich selber noch Klärungsbedarf hat, ist allein seine Sache.

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  • 23.12.2015 12:37, Horstkotte

    Offiziell: Keine Mitverantwortung des akademischen Lehrers

    Ergänzend übermittelt der Pressesprecher der Uni heute Mittag folgende Stellungnahme im Auftrag des Rektorats:
    "Die Untersuchungskommission für wissenschaftliches Fehlverhalten hat im Rahmen des in Rede stehenden Verdachtsfalls wissenschaftlichen Fehlverhaltens eines wissenschaftlichen Mitarbeiters des juristischen Fachbereichs auch die Frage einer Mitverantwortung seines akademischen Lehrers geprüft. Die Kommission hat auf der Grundlage ihrer Ermittlungen festgestellt, dass eine nach den „Richtlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn“ vorausgesetzte rechtsrelevante Vernachlässigung von Aufsichtspflichten nicht gegeben ist. Für das Rektorat bestand und besteht deshalb kein Anlass, in Bezug auf den akademischen Lehrer Maßnahmen zu erwägen oder sonstige Veranlassungen zu treffen."
    Die besagten Richtlinien regeln in § 7.2.: " Wissenschaftliches Fehlverhalten besteht auch in einem Verhalten, aus dem sich eine Mitverantwortung für das Fehlverhalten anderer ergibt, insbesondere durch aktive Beteiligung, Mitwissen um Fälschungen, Mitautorschaft an fälschungsbehafteten Veröffentlichungen oder grobe Vernachlässigung der Aufsichtspflicht." (https://www.uni-bonn.de/forschung/gute-wissenschaftliche-praxis/2amtl.-bek.-1426.pdf)

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    • 29.12.2015 15:20, Horstkotte

      Folgt man dem obenstehenden amtl. Hinweis auf die Untersuchungskommission der Uni Bonn, findet man auf der offiziellen Webseite ( https://www.uni-bonn.de/forschung/gute-wissenschaftliche-praxis/untersuchungskommission-fuer-wissenschaftliches-fehlverhalten) ein dreiköpfiges Gremium, bestehend aus einem Immunologen und Zellforscher (Prof. Dr. rer.nat.) und einem Humangenetiker (Prof. Dr. med.) unter Vorsitz von Prof. Dr. jur. Christian Hillgruber. Die fakultätsübergreifende "Verantwortungsstreuung" kann womöglich einer vorteilhaften Horizonterweiterung dienen oder womöglich auch einer Überdehnung der Sichtweise; immerhin berufen sich Gelehrte bei etwaigen Fehlverhaltensfragen ja immer wieder gern auch auf unterschiedliche "Fächerkulturen" mit unterschiedlichen Standards.

  • 30.12.2015 09:18, Leguleius

    Wieso hat sich die Angelegenheit durch das Ausscheiden aus dem Hochschuldienst erledigt? Die Plagiatsfälle der letzten Jahre - vor allem an der Uni Bonn - betrafen allesamt Personen, die nicht im Hochschuldienst stehen und teilweise nie standen. Es geht doch nicht um arbeits- oder dienstrechtliches Fehlverhalten.

    Aber das bestätigt einmal mehr, dass der Wissenschaftsbetrieb nur über eingeschränktes Selbstreinigungspotenzial verfügt und die Redlichkeit im Wissenschaftsbetrieb weiter durch andere Kräfte überprüft werden wird (und muss).

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    • 01.01.2016 10:18, Horstkotte

      "Wieso hat sich die Angelegenheit durch das Ausscheiden aus dem Hochschuldienst erledigt?" Diese Frage beantwortet die Unileitung nicht näher. Die Vorklärung durch die Ombudsperson Prof. Dr. Stuckenberg, dann durch die U-Kommission galt einem möglicherweise wiss. Fehlverhalten eines Dienstnehmers (und seines Vorgesetzten). Mit seinem Ausscheiden haben sich offenbar weitere dienstrechtliche Schritte erledigt. Davon unabhängig bleibt die Frage von Leguleius nach einer womöglich rein akademischen Beurteilung der Angelegenheit, ähnlich den angesprochenen pIagiatsverdächtigen Doktorarbeiten. Dabei ging es allerdings anders als beim fraglichen Klausur-Aufsatz direkt um die verwaltungsrechtliche Rücknahme eines begünstigenden Verwaltungsaktes (des Doktorgrades). Vorwürfe wegen des im Aufsatz "bearbeiteten" Klausurtextes haben naturgemäß weit weniger Gewicht als Vorwürfe gegen eine erschlichene Dissertation, womöglich überhaupt kein "besonders Gewicht", wie der eine oder andere Rechtspraktiker warnt. Dass sich jemand mit einem fraglichen Aufsatz nachträglich "unwürdig" zur Führung des zu Recht erworbenen Doktorgrades machen würde, wäre rebus sic stantibus eine wirklich vermessene Vorstellung. Als minder schwere akademische Negativ-Sanktion (im verschlossenen (Briefumschlag, also nicht öffentlich) ziehen etliche Universitäten (etwa Münster) eine sogenannte "Rüge" in Betracht, die nicht mehr ist als ein Name für den Verfahrensabschluss. Die Rechtsgrundlage für solche "Rügen" ist aber generell umstritten, weder gesetzlich noch in der Bonner Promotionsordnung vorgesehen.

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