Juristen in der Polizei

Höchste Ämter stehen offen

von Dr. Dr. Frank EbertVistenkarte

23.04.2010

Polizisten in Uniform

Sie bearbeiten Personalfragen und führen Prozesse, sind bei schwierigen Einsätzen und Rechtsangelegenheiten aller Art gefragt: Die Tätigkeitsfelder für Juristen bei der Polizei reichen von A wie Abgabenrecht bis Z wie Zivilrecht. Die Karriereleiter kann ganz nach oben führen - allerdings sollten die Weichen schon im Studium gestellt werden.

Noch bilden Juristen unter den rund 200.000 Polizisten in Deutschland eine verschwindend geringe Minderheit. Dabei haben sie im Polizeidienst gute Berufschancen. Bewerber mit Befähigung zum Richteramt, also mit zweitem juristischen Staatsexamen, können bei der Polizei wie andere Volljuristen innerhalb der allgemeinen inneren Verwaltung arbeiten.

Auch bei der Polizei finden sich die klassischen Aufgaben von Verwaltungsjuristen, etwa die Bearbeitung von Dienstaufsichtsbeschwerden, Dispziplinarverfahren, Datenschutzangelegenheiten oder Fragen des Beamten- und Arbeitsrechts. Wie andere Behörden muss die Polizei vor Gerichten in Prozessen vertreten werden, beispielsweise wenn es um die justizielle Überprüfung polizeilicher Maßnahmen geht oder wenn Schadensersatzklagen eingereicht wurden.

Volljuristen bieten sich darüber hinaus in der Laufbahn des höheren Polizeivollzugsdienstes oder des höheren Kriminaldienstes einzigartige Berufschancen - sofern die Bewerber erhöhte gesundheitliche Anforderungen erfüllen und körperlich fit sind.

Staatsbesuche, Demonstrationen und andere Großeinsätze

Die erforderliche berufliche Zusatzqualifikation kann auf zwei Wegen erworben werden: Zum einen gibt es eine mehrmonatige Unterweisung in die speziellen Aufgaben des Vollzugsdienstes vor Ort. Der junge Jurist lernt dabei, Staatsbesuche zu organisieren, Demonstrationen zu begleiten und Großeinsätze zu planen. Er wird in die Ermittlungsarbeit der Kriminalpolizei ebenso eingewiesen wie in die polizeiliche Bewältigung von Verkehrslagen.

Zum anderen nehmen Volljuristen, in Ausnahmefällen auch Absolventen mit lediglich erstem juristischem Staatsexamen, an einem einjährigen Sonderkurs an der Hochschule der Deutschen Polizei in Münster-Hiltrup teil und erwerben die besondere Laufbahnbefähigung auf diese Weise.

Die Einsatzgebiete von Juristen im Polizeidienst sind vielfältig und durchaus reizvoll: Leiter einer größeren Dienststelle der Schutz- oder Kriminalpolizei, Dozent an einer Ausbildungseinrichtung, Referent in der Polizeiabteilung eines Innenministeriums. Haben sie sich erst einmal in den Vollzugsdienst integriert, stehen Juristen die Türen zu höchsten Ämter offen bis hin zum Polizeipräsidenten, Inspekteur der Polizei oder leitenden Funktionen in der Ministerialbürokratie – je nach laufbahnrechtlichen Anforderungen des jeweiligen Dienstherrn.

Dienstherren sind entweder die deutschen Länder oder der Bund, dort vor allem die Bundespolizei und das Bundeskriminalamt. Auskünfte erteilen die Innenministerien und -senatoren der Länder und des Bundes.

Weichen bereits im Studium stellen

Das Gros der Führungskräfte der deutschen Polizei geht aus den eigenen Reihen des mittleren und gehobenen Dienstes hervor. Die Einheitslaufbahn ermöglicht es solchen Beamten ebenfalls, in Spitzenämter vorzurücken. Aufgestiegene Beamte mit Berufserfahrung und qualifizierte Juristen ergänzen sich auf diese Weise sinnvoll.

Jurastudenten und Referendare, die sich für eine spätere Berufstätigkeit in der Polizei interessieren, sind gut beraten, ihre Ausbildungsschwerpunkte hierauf einzurichten. Neben einer soliden juristischen Grundausbildung in allen Pflichtfächern sind Studienschwerpunkte in Strafrecht, Verwaltungsrecht und Kriminologie zu empfehlen.

Übrigens: Die Polizei stellt natürlich nicht nur Männer ein. Angesprochen fühlen dürfen sich durchaus auch interessierte Frauen.

Der Autor Dr. Dr. Frank Ebert ist Ministerialrat und Vertreter des öffentlichen Interesses beim Thüringer Innenministerium. Er war Lehrbeauftragter für Kriminologie an der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung und Leiter der Polizeiabteilung im Thüringer Innenministerium.

DruckenSendenZitierenKommentieren

Zitiervorschlag

Dr. Dr. Frank Ebert, Juristen in der Polizei: Höchste Ämter stehen offen. In: Legal Tribune ONLINE, 23.04.2010, http://www.lto.de/persistant/a_id/126/ (abgerufen am 21.05.2012)

Infos zum Zitiervorschlag

Rechtsgebiete

    Kommentare

    Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.



    Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Wolters Kluwer Deutschland
    21

    Veranstaltungen und Seminare

    21.05.2012, Stuttgartheute1. PUBLICUS-Kongress

    22.05.2012 - 23.05.2012, Leipzig13. Kongress Neue Verwaltung

    25.05.2012, MainzMainz Media Forum

    11.06.2012 - 13.06.2012, BerlinSummer Academy State Aid

    12.06.2012 - 13.06.2012, BrüsselEnforcement of EU-Animal Welfare Legislation

    LTO-Quiz

    © Rido - Fotolia.com

    Was die Abkürzung AVB bedeutet, wissen Sie vielleicht noch, auch wenn Sie seit dem Examen das Versicherungsrecht eher ad acta gelegt haben. Aber was ist mit dem Begriff der Moral Hazards? Und wo ist das internationale Versicherungsrecht noch gleich geregelt? Testen Sie hier, ob Sie Ihr Staatsexamen heute noch bestehen würden!

    Ihre Meinung

    Mehr Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch

    Müssen die Gesetze gegen sexuellen Missbrauch von Kindern verschärft werden?

    © Deyan Georgiev - Fotolia.com
    Ja.

    Eine härtere Bestrafung ist notwendig.

    Nein.

    Schärfere Gesetze schützen die Kinder auch nicht besser.

    Egal.

    Dazu habe ich keine Meinung.

    Zum Ergebnis
    Die LTO App - jetzt im iTunes Store

    Artikel der Woche

    Meinungsfreiheit von Salafisten
    Entscheidend ist allein das Wie

    Wieder haben Salafisten in Berlin Koran-Exemplare verteilt und damit für Tumulte gesorgt, wobei mehrere Polizisten verletzt wurden. Für Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann ist damit das Maß voll: Er will salafistische Hassprediger in ihrer Meinungsfreiheit beschränken. Auch wenn die Schwelle hoch ist: Verfassungsrechtlich wäre das durchaus möglich, erklärt Alfred Scheidler.

    mehr

    Rechtsgebiete:

    LTO-Newsletter

    Das Wichtigste im Recht - einmal pro Woche kostenlos mit dem LTO-Redaltionsnewsletter

    Ihre E-Mail-Adresse: