Frauenquote an Gerichten: In der Justiz läuft es - ganz ohne Zwang

von Tanja Podolski

08.06.2015

Das BVerfG wird vorerst keine Frauenquote bekommen. Der Rechtsausschuss hat einen entsprechenden Antrag der Grünen-Fraktion kürzlich abgelehnt. Doch auch ohne gesetzlichen Zwang ist die Anzahl von Frauen in der Justiz erfreulich hoch.

 

In Hinblick auf das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) ist das vielleicht gar nicht so schlimm. Immerhin sind schon jetzt 31,25 Prozent der Richter Frauen. Also mehr als die 30 Prozent, die für börsennotierte und voll mitbestimmungspflichtige Unternehmen bezüglich Aufsichtsratspositionen gesetzlich verankert sind - und dennoch in weiter Ferne liegen. Gewünscht hatten sich die Grünen laut ihren Antrag für das BVerfG "mindestens drei Frauen" pro Senat – das macht dann mindestens sechs weibliche Richter bei zwei Senaten. Derzeit sind es fünf.

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) übertrifft diese Quote sogar: Fast 40 Prozent der Richter in Erfurt sind Frauen – und damit ist die Arbeitsgerichtsbarkeit der einzige Zweig der Gerichtsbarkeit, in dem die Quote weiblicher Richter in der ersten und in der letzten Instanz fast identisch ist. Noch höher als bei den Arbeitsgerichten ist der Frauenanteil nur noch bei den Amtsgerichten, die mit 46,48 Prozent die Liste anführen.

Bundesgerichte zu 27 bis 40 Prozent weiblich

Zu Beginn der beruflichen Laufbahn und bei dem eher weichen Thema Arbeitsrecht sind Frauen also stark vertreten. Doch auch die komplexe, abstrakte und stark zahlenlastige Arbeit des Bundesfinanzhofs wir zu immerhin 23,73 Prozent von Richterinnen erledigt. Diese Prozentsätze von Juristinnen an der Spitze der Justiz sind im Vergleich zur durchschnittlichen Wirtschaftskanzlei erfreulich hoch.

Das in der Arbeitswelt häufig beklagte Phänomen, dass zwar viele Frauen auf Einstiegspositionen arbeiten, ihre Zahl aber in höheren Hierarchieebenen deutlich abnimmt und schließlich fast ganz verschwindet, findet sich an den Gerichten nicht wieder. Zwar ist auch dort die Quote weiblicher Beschäftigter in den ersten Instanzen meist höher, doch selbst bei den Bundesgerichten liegt sie noch zwischen 27 und 40 Prozent.

Bleibt vielleicht der Makel, dass der Frauenanteil an der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter bei etwa 50 Prozent liegt; doch es sei den  Frauen zugestanden, dass sich einige gegen die Karriere und für die Familie entscheiden.

Zitiervorschlag

Tanja Podolski, Frauenquote an Gerichten: In der Justiz läuft es - ganz ohne Zwang. In: Legal Tribune Online, 08.06.2015, http://www.lto.de/persistent/a_id/15752/ (abgerufen am: 30.09.2016)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 08.06.2015 17:12, Micha

    Erfreulich hoch? Ja, damit die Frauen in Ruhe ihre Kinder ausbrüten können.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 09.06.2015 09:58, Olaf Kaspriki

      "ihre Kinder"? Es gehören bekanntlich immer zwei dazu, ein Kind zu zeugen! Wer kann es Frauen verübeln, dass sie in den Justizdienst möchten, wenn wenigsten dort Rahmenbedingungen existieren, die eine Vereinbarung von Beruf und Familie ermöglichen sollen. In Kanzleien zahlen leider früher oder später meist die Frauen den Preis für die Familiengründung in Form von beruflicher Stagnation, da die die Jahre zwischen 30 und 40 für die Karriere entscheidend sind. Zugleich bekommen die Frauen aber auch "ihre" Kinder in diesem Lebensabschnitt.

  • 09.06.2015 00:50, Mike M.

    Bei den Berufsanfängern in der Justiz sind Frauen mittlerweile überrepräsentiert. Aufgrund schlechterer Aufstiegschancen streben die guten jungen Männer, die Diskriminierungen in der Vergangenheit ausbaden müssen, ohne selbst davon profitiert zu haben, doch eher in die Anwaltschaft.

    Wäre das nicht auch ein Feld für Genderforschung und Gleichstellungspolitiker: Der Männeranteil der Inhaftierten in deutschen JVAen beträgt 95%. Eine extremere Unterrepräsentation von Frauen ist kaum denkbar, zumal im StGB nur vom Täter und nicht von der Täterin die Rede ist.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 10.06.2015 02:53, genetisch-bedingtes-erb-nazitum@dynip.name

    Aber Fauen werden vor Gericht doch gar nicht gehört. Artikel 103
    (1) Vor Gericht hat jeder MANN Anspruch auf rechtliches Gehör.
    Von Weibsvolk steht da nix!

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 12.06.2015 07:21, LetzterHase

    Sind wir ein gottloses Volk geworden?
    Denn Gott sagte …

    „... lasset eure Weiber schweigen in der Gemeinde;
    denn es soll ihnen nicht zugelassen werden, daß sie reden,
    sondern sie sollen untertan sein, …“
    Epistula ad Corinthios I (XIV, XXXIV)

    Und einer der großen Philosophen überlieferte uns:

    „Schon der Anblick der weiblichen Gestalt lehrt,
    daß das Weib weder zu großen geistigen,
    noch körperlichen Arbeiten bestimmt ist.“

    „… die Weiber … sind:
    eine Art Mittelstufe, zwischen dem Kinde und dem Manne,
    als welcher der eigentliche Mensch ist.“
    Parerga und Paralipomena II (XXVII, CCCLXIII/IV)

    Und unsere lieben Väter, die armen Teufel, sagten:

    „Weiberregiment
    Nimmt selten gut End’.“

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 22.06.2015 23:49, Ulrike Schultz

    Frau Podolski hat leider die Zahlen nicht verstanden. Wir haben 2009-2011 in der Justiz NRW eine Untersuchung zu Frauen in Führungspositionen der Justiz durchgeführt und dabei hat sich eine deutliche Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen ergeben. vgl. Schultz, Ulrike: Frauen in Führungspositionen der Justiz. Deutsche Richterzeitung 2012, S. 264 – 272

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 24.06.2015 15:41, Ulrike Schultz

    ein Bild sagt mehr als 1000 Worte: Hier ein Foto der Präsidenten der Finanzgerichte und des Bundesfinanzhofs. https://www.justiz.nrw.de/JM/Presse/presse_weitere/PresseFGs/10_06_2015_/index.php
    Quizfrage: Entdecken Sie eine Präsidentin?

    Auf diesen Kommentar antworten
Neuer Kommentar