Gehaltsstudie
"Jura unter den fünf finanziell attraktivsten Fächern"
02.04.2012
LTO: Frau Storck, als Volkwirtschaftlerin sind Sie vertrauter mit Statistiklehre als Juristen es regelmäßig sind. Bitte erklären Sie uns deshalb zunächst, woher Sie die ausgewerteten Daten bezogen haben und wie Sie bei deren Auswertung methodisch vorgegangen sind!
Storck: Unsere Untersuchung stützt sich auf Daten des Mikrozensus der Jahre 2005 bis 2008. Im Mikrozensus wird jedes Jahr ein Prozent der Gesamtbevölkerung unter anderem zu ihrer Erwerbsbeteiligung und Bildung befragt. Unsere Studie beruht auf Personen mit Abitur und einem weiteren Bildungsabschluss. Für die Berechnung der Verdienste haben wir Angaben zum Nettoeinkommen und den normalerweise gearbeiteten Stunden verwendet. Die Löhne für jeden Abschluss werden dann für jedes Level an Berufserfahrung geschätzt. Um zu berücksichtigen, dass die Zeit im Erwerbsleben je nach Ausbildungslänge variiert, summieren wir die Löhne auf und teilen sie durch die potentiell möglichen Erwerbsjahre eines Abiturienten.
LTO: Allgemein wird angenommen, dass Akademiker mehr verdienen als Absolventen einer Berufsausbildung. Inwiefern trifft diese Aussage heutzutage überhaupt noch zu?
Storck: Auch wir stellen fest, dass Akademiker meist mehr verdienen als Absolventen einer beruflichen Ausbildung. Dennoch gibt es einige Berufsausbildungen, vor allem im kaufmännischen Bereich, in denen höherer Verdienst als in einigen Universitäts- oder Fachhochschulfächern erreicht werden kann. Nicht nur die Art der Ausbildung, sondern auch das Fach entscheidet, ob man einen für Abiturienten überdurchschnittlichen Verdienst erzielen kann.
Beim Verdienst Männer an vierter, Frauen an dritter Stelle
LTO: Ihre Untersuchungsergebnisse beziffern den zu erwartenden Netto-Stundenlohn von Jura-Absolventen auf 15,86 Euro bei den Männern und 12,55 Euro bei den Frauen. Wie schneiden die Juristen damit im Vergleich zu anderen Akademikern ab?
Storck: Der Verdienst von Juristen steht bei den Männern an vierter Stelle. Mehr verdient wird im Schnitt nur bei den (Zahn-)Medizinern und den BWLern. Juristinnen können einen höheren Verdienst erwarten als BWLerinnen. Jura steht bei den Frauen auf Platz drei.
LTO: Wie bewerten Sie diesen Gehaltsunterschied zwischen den Geschlechtern in der Juristerei?
Storck: Das "Gender Wage Gap" in der Juristerei liegt nach unseren Berechnungen bei 20 Prozent. Ein ähnliches Gap ergibt sich in anderen Fächer und wird von weiteren Studien bestätigt. Dennoch ist ein Jurastudium für Männer und Frauen finanziell sehr attraktiv im Vergleich zu anderen Fächern.
LTO: In der Juristerei herrschen große Gehaltsunterschiede. Während sich Richter und Staatsanwälte im Mittelfeld der Gehälter befinden, reicht die Spannbreite insbesondere bei den Anwälten von Einkommen auf Höhe des Existenzminimums bis hin zu deutlich sechsstelligen Gehältern: Inwiefern ist diese Diskrepanz von Ihnen berücksichtigt worden?
Storck: In unserer Studie haben wir auch die Gehaltsunterschiede, also die Varianz der Verdienste innerhalb eines Fachs, berechnet. Setzt man den durchschnittlichen Verdienst in Relation zu dieser Varianz, schneiden die Juristen etwas schlechter ab. Doch auch unter Einbeziehung der Gehaltsunterschiede ist Jura unter den fünf finanziell attraktivsten Fächern.
LTO: Die Ausbildung bis zum Volljuristen dauert vergleichsweise länger als die von Absolventen anderen Fachrichtungen. Inwiefern lohnt sich ein Jurastudium in finanzieller Hinsicht trotzdem?
Storck: Die längere Studiendauer bzw. die dadurch entstehende kürzere Zeit im Erwerbsleben wurde in unserer Studie mitberücksichtigt. Trotzdem kann ein Absolvent eines Jurastudiums im Durchschnitt erwarten, zu den Top-Verdienern zu gehören!
LTO: Frau Storck, vielen Dank, dass Sie uns Ihre Untersuchungsergebnisse erläutert haben.
Zitiervorschlag
Constantin Körner, Gehaltsstudie: "Jura unter den fünf finanziell attraktivsten Fächern". In: Legal Tribune ONLINE, 02.04.2012, http://www.lto.de/persistent/a_id/5924/ (abgerufen am 24.05.2013)
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