Besonderes elektronisches Anwaltspostfach: Stell Dir vor, es ist beA und keiner macht mit

von Pia Lorenz

18.11.2015

Erst 45.000 Anwälte haben die beA-Karte bestellt. Für Mitarbeiter und Syndizi gibt es noch gar keine. Die Testphase beginnt zu spät, die Schnittstelle zu Kanzlei-Software kommt erst 2016. Haften aber sollen die Anwälte pünktlich.

 

Verschlafen die Anwälte das beA? Knapp sechs Wochen, bevor das besondere elektronische Anwaltspostfach (beA) am 1. Januar 2016 auf Empfang gehen soll, hat erst ein Viertel der rund 165.000 in Deutschland zugelassenen Anwälte die technische Grundausstattung bestellt.

Seit dem 1. September können die beA-Karte Basis, die beA-Karte Signatur, ein Chipkartenleser für den Anwalt und Softwarezertifikate sowie Chipkarten für Kanzlei-Mitarbeiter bei der Bundesnotarkammer (BNotK) erworben werden, die von der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) mit der Herstellung und Ausgabe der Karten für das besondere elektronische Anwaltspostfach (beA) beauftragt wurde. Deren Sprecher bestätigt, dass bislang etwa 45.000 Karten bestellt wurden. Erwartungen, wie viele Karten zu diesem Zeitpunkt hätten bestellt werden sollen, habe es aber nicht gegeben: "Genaue Gesamtbestellmengen waren mangels Erfahrungswert nur äußerst schwer prognostizierbar", so Dominik Hüren.

Die Zertifizierungsstelle der Bundesnotarkammer kann nach eigenen Angaben bei idealen Bedingungen etwa 3.000 Karten pro Tag produzieren. Durch Zusatzmaßnahmen könnten bei Bedarf in Spitzenzeiten auch mehr Karten hergestellt werden, versichert Hüren. "Die Bundesnotarkammer hat sich auf Wunsch der Bundesrechtsanwaltskammer darauf eingestellt, bei gleichmäßiger Bestellmenge in der Lage zu sein, für jeden bestellenden Rechtsanwalt jedenfalls eine beA-Karte Basis bis Ende des Jahres zu produzieren", sagte er gegenüber LTO.

BNotK: "Besser nicht bis Dezember warten mit der Bestellung"

Eine solche gleichmäßige Bestellung gibt es aber offenbar gerade nicht, wenn Mitte November erst ein Viertel der Advokaten die beA-Karte bestellt haben. Viele Anwälte sollen dem Vernehmen nach schon das Schreiben der BRAK entsorgt haben, mit dem sie ihre persönliche Identifikationsnummer erhielten – zum Teil schlicht, weil sie es für Werbung hielten.

Ausschließlich für solche Fragen, die unmittelbar die Kartenbestellung betreffen, ist die BNotK zuständig, die bei allen anderen Aspekten auf die BRAK verweist: "Wer das angekündigte Schreiben mit der individuellen Antragsnummer noch nicht erhalten hat, sollte sich an bea@bnotk.de wenden", rät Sprecher Hüren.

Drohende Engpässe zum Ende des Jahres will der Notarassessor zwar nicht bestätigen. Aber er weist darauf hin, dass die BNotK und die BRAK stets darauf aufmerksam gemacht hätten, "dass es sinnvoll ist, die beA-Karte eher früher als später zu bestellen". Es sei daher "ratsam, nicht bis Dezember oder gar Ende des Jahres mit der Bestellung zu warten, wenn man eine beA-Karte Basis zum 1. Januar 2016 haben möchte", betont er. Man könne aus Sicherheitsgründen schlicht nicht "auf Vorrat" produzieren, solange ein Rechtsanwalt seine beA-Karte nicht mit seiner individuellen Antragsnummer bestellt habe.

Die Mitarbeiter-Chipkarten sollen, anders als die für die Anwälte, erst ab dem ersten Halbjahr 2016 bestellbar sein. Weil jedes beA nur einem Berufsträger persönlich zugeordnet ist, müssen die Anwälte eigene Chipkarten oder Softwarezertifikate erwerben, wenn nicht nur sie allein Zugriff auf das Postfach haben wollen. Es gibt rund 30 verschiedene Zugriffsberechtigungen, die der Anwalt Dritten zuschreiben kann – wenn die Karten denn dann einmal verfügbar sein werden. "'Muss ich jetzt alles selbst machen? Kann das nicht meine Sekretärin machen?' Das sind mit die am häufigsten gestellten Fragen der Anwälte in unseren Seminaren", bestätigt Ole Bertram, Vorstandsvorsitzender des Software-Industrieverbands Elektronischer Rechtsverkehr (SIV-ERV).

Zitiervorschlag

Pia Lorenz, Besonderes elektronisches Anwaltspostfach: Stell Dir vor, es ist beA und keiner macht mit. In: Legal Tribune Online, 18.11.2015, http://www.lto.de/persistent/a_id/17575/ (abgerufen am: 29.09.2016)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 18.11.2015 15:59, Ilona Cosack,+ABC+AnwaltsBeratung+Cosack

    Informationsportal zum beA: https://bea-abc.de

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    • 26.11.2015 18:24, RA Michael+(Mike)+Schinagl

      Sehr geehrte Frau Kollegin Cosack,
      Sie sind oft sehr schnell mit Warnhinweisen wegen der bevorstehenen Einführung (z.B. "es ist 5 vor 12") und versuchen damit, "Verweigerer" zu überzeugen. Vielleicht sollten Sie auf Ihrer Website dann auch schnell darauf hinweisen, dass sich die Einführung verzögert:
      http://fach-anwalt.de/aktuelles/aktuelles-bea/

      Mit besten kollegialen Grüßen Schinagl

  • 18.11.2015 19:55, Arne Rathjen RA

    FBI, BKA, alle möglichen Sicherheitsbehörden sowie auch das BSI raten dringend davon ab, E-Mails zu öffnen, die von Absendern stammen, die man nicht persönlich kennt. Da sich das Internet mittlerweile zum globalen Kampfgebiet entwickelt hat, in dem hochgerüstete Cyber-Armeen sich gegenseitig beschießen, und der E - Mail - Verkehr nur sehr unzulänglich geschützt ist, kann man generell von der Benutzung dieses Mediums im anwaltlichen Kommunikationsverkehr abraten.

    Das beA-Projekt stammt vermutlich noch aus den neunziger Jahren. Damals träumten alle vom Internet als Information-Superhighway , an dem jeder reich wird. Daraus ist mittlerweile ein gigantischer Überwachungsapparat geworden, in dem jeglicher Datenschutz verloren gegangen ist. Nullifiziert.

    Wenn jetzt ein zivilrechtliches Haftungsrisiko konstruiert wird, wenn man Zustellungen in einem nicht registrierten noch nicht beantragten
    beA - Postfach zwar entgegennehmen kann, auf diese aber nicht reagiert, weil man ja keine Registrierung durchgeführt hat, dann kann ich mir nur mit der Hand den Kopf fassen. Darüber werden sich hochbegabte Juristen sicher streiten, und zwar ziemlich lange. Erfahrungsgemäß dauert dann die Lösung des Problems etwa 20 Jahre.

    Das Haftungsrisiko dürfte eher darin bestehen, dass man sich irgendwann einmal den Vorwurf anhören muss, man habe das Geheimhaltungsinteresse der Mandanten verletzt, indem man ein notorisch unsicheres Medium wie E-Mail benutzt. Auch die meisten Verschlüsselungstechnologien kann man wegwerfen. Beziehungsweise vergessen. Broadcast your client to the world, das geht nicht.

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    • 23.11.2015 14:03, RAin Agata Siatkowski

      Der Vorwurf, man habe das Geheimhaltungsinteresse der Mandanten verletzt, indem man ein notorisch unsicheres Medium wie E-Mail benutzt, dürfte nicht der einzige Vorwurf sein, den wir uns anhören werden müssen.

      Da das beA ja personengebunden ist, wird man sämtliche Post, die man aus einer Kanzlei bekommt, in die nächste Kanzlei mitnehmen, wenn man die Stelle wechselt. Darf man dann seinen neuen Mitarbeitern keine Lizenzen mehr geben? Dies würde nämlich massivst das Geheimhaltungsinteresse des ehemaligen Klienten verletzen. Nicht nur das, auch die Tatsache, dass ich als Anwältin, die eine neue Stelle antritt, ebenfalls keinerlei Zugang mehr zu den alten Posteingängen einer Kanzlei haben darf, für die ich nicht mehr arbeite!
      Aber es ist sehr "interessant" zu lesen, dass auch diese Fragen nicht "abschließend geklärt sind". Es steht eher zu vermuten, dass hier wieder einmal Theoretiker am Werk waren, die mit der Praxis selten bis nie (vielleicht zuletzt in ihrem Referendariat) in Berührung gekommen sind.

  • 18.11.2015 23:41, RA Andreas Schwartmann

    Meines Wissens wurden von der BNotK noch gar keine beA-Signaturkarten für die Erstregistrierung verschickt. Ich habe diese direkt nach Erhalt der ID-Nummer beantragt. Wenn ich die Karte nicht bis Jahresende erhalte, werde ich mich kaum für das beA registrieren können. Die Schlafmützen sitzen dann aber nicht in meiner Kanzlei, sondern bei der BNotK.

    Es bleibt spannend.

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    • 19.11.2015 22:59, Ilona Cosack,+ABC+AnwaltsBeratung+Cosack

      @RA Andreas Schwartmann
      Hallo Herr Schwartmann, die beA-Karten werden noch 2015 ausgeliefert. Allerdings werden derzeit die Anträge gesammelt und dann quasi en bloc die Karten gedruckt. Es sind ja noch 42 Tage bis zum Start.
      Schoene Gruesse, Ilona Cosack

  • 19.11.2015 12:22, RA Roman Pusep

    Liebe Kollegen,

    der Gesetzgeber schreibt künftig die digitale Korrespondenz zwischen Gerichten und Rechtsanwälten vor. Allerdings lässt er vier gleichwertige Alternativen offen, darunter De-Mail und beA (vgl. § 130a Abs. 4 ZPO n.F.). Die BRAK ist als beA-Betreiber verständlicherweise Recht einseitig in ihren Stellungnahmen. Aber sie geht noch weiter und lässt den Eindruck entstehen, dass beA alternativlos (!) sei und die Nichtbenutzung zu Haftungsfällen für Rechtsanwälte führen würde. Die Rechtsanwälte werden wie Schulkinder behandelt und mit Ängsten konfrontiert. Dagegen - und nur dagegen - wehren wir (WERNER RI) uns.

    Keine Nutzungspflicht, keine Haftungsfalle, kein Reinschauenmüssen

    Ich denke, dass man in den beA erst nach der Erstregistrierung hereinschauen muss. Vor der Registerierung dort eingegangene Nachrichten können dem Rechtsanwalt nicht zugerechnet werden, weil er "seinen" empfangsbereiten beA nicht veranlasst hat. Mehr noch: Der empfangsbereite beA beruht nicht auf § 31a BRAO, sondern auf der tatsächlichen Umsetzung durch die BRAK (oder eigentlich durch die BNotK).

    Der Verweis auf LG Bonn, Urteil vom 10.1.2014, Az, 15 O 189/13 (MMR 2014, 709) passt hier nicht. Dort war der Fall ganz anders gelagert. Es ging um einen Rechtsanwalt, der eine geschäftliche E-Mail einrichtete, diese auf dem Briefkopf bewarb und bei sich einen Spam-Ordner einrichtete. Allesamt keine aufoktruierten Handlungen, sondern seine eigenen Handlungen. Dementsprechend heißt es im Urteil auch wörtlich:

    "Der Bekl. hat die im Verkehr erforderliche Sorgfalt nicht beachtet, weil er seinen Spam-Filter nicht täglich kontrolliert hat. Die E-Mail-Adresse ... führt der Bekl. auf seinem Briefkopf auf und stellt sie dadurch als Kontaktmöglichkeit zur Verfügung. Es liegt im Verantwortungsbereich des Bekl., wenn er eine E-Mail-Adresse zum Empfang von E-Mails zur Verfügung stellt, dass ihn die ihm zugesandten E-Mails erreichen. Bei der Unterhaltung eines geschäftlichen E-Mail-Kontos mit aktiviertem Spam-Filter muss der E-Mail-Kontoinhaber seinen Spam-Ordner täglich durchsehen, um versehentlich als Werbung aussortierte E-Mails zurückzuholen."

    Mit der causa beA ist diese Situation nach meiner Auffassung nicht vergleichbar. Also keine "Obliegenheit", keine Pflicht und daher auch keine "Haftungsfalle".

    Mit besten kollegialen Grüßen

    RA Roman Pusep
    WERNER RI - www.werner-ri.de

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 22.03.2016 14:50, Kritiker

      Herr Kollege, meinen Sie, dass wir alle dennoch die Zwangsumlage (mit dem Kammerbeitrag über die rak eingezogen) an die brak bezahlen müssen?
      Die beA ist ja nicht alternativlos, so dass auch keine Nutzungspflicht bestehen kann.

  • 19.11.2015 15:35, Obermoser

    Als großer Freund jeglichen Technikspielzeugs bin ich wirklich für jeden Elektroquatsch zu begeistern - aber das Thema papierlose Kanzlei und auch der zugehörige Baustein beA macht mir einiges Kopfzerbrechen. Wir haben schon relativ lange eine "ziemlich" papierlose Kanzlei - ich würde sagen 90%. Aber der Aufwand, auch den Rest zu digitalisieren, ist wahrscheinlich genau so groß wie der, für die bisherigen 90%.

    Selbst dort, wo technikbegeisterte und technisch sehr versierte Anwälte mit Unterstützung von EDV-Spezialisten am Start sind, gibt es tonnenweise Probleme im Alltag (ich erwähne nur mal: Kalendersynchronisierung, elektronische Kommunikation mit RSVs, elektronische Akten in der mündl. Verhandlung usw.). Ich bin sehr gespannt, ob am Ende die Effektivitätsgewinne vom Wartungs-, Schulungs-, Reparatur- und Pflegeaufwand nicht mindestens aufgefressen werden. Auch in der Justiz habe ich meine Zweifel, ob die komplette Digitalisierung selbst bei rein wirtschaftlicher Betrachtung irgend einen Sinn gibt.

    Ich habe den Eindruck, es wird am Ende darauf hinauslaufen, dass wir Anwälte über diverse Schnittstellen immer mehr Zusatzaufgaben in anderen Organisationen mit erledigen sollen. Schon jetzt gibt es Mandanten, die Verlangen, dass die Anwälte ihre Zeiten usw. gleich direkt im System der Mandanten buchen (vielen Dank an dieser Stelle für das grauenvolle system tymetrix360 von Wolters Kluwer) - unbezahlter Mehraufwand von 10% der gearbeiteten Zeit..

    Der RSVs wird sicher auch noch etwas ähnliches einfallen, der Justiz ebenfalls - können wir in der Kanzlei gleich noch eine spezialisierte Buchhaltungskraft und einen EDVler anstellen.

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  • 19.11.2015 21:11, Briefbeschwerer

    1. Atos macht einen Riesenreibach, weil es ihr gelungen ist, der BNotK für jeden Nutzer ein Konto aufzuschwatzen. Es wird also viel mehr als 165.000 Konten geben und Atos verdient an jedem Konto. 2. Eigentlich hätte für jede Kanzlei ein einziges Konto genügen können. 3. Wenn ein Anwalt kein elekronisches Konto will, sollte er auch keines verwenden müssen. Das Gericht könnte z.B. im Anwaltsregister nachschlagen oder dem Briefbogen entnehmen, ob das der Fall ist. Die jetzige Regelung ist eine Verletzung der Berufsausübungsfreiheit, denn wer rein papierbasiert arbeiten will, der muss das tun können. 4. Der zentrale Atos-Server ist single point of failure und single point of intelligence. Jeder Geheimdienst freut sich darüber, auf sämtliche Schriftsätze der ihn interessierenden Rechtsstreitigkeiten zugreifen zu können. Vor allem der französische Geheimdienst wird es nutzen.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 24.11.2015 17:17, Cato d.Ä.

      Sie meinen BRAK, nicht BNotK.

    • 24.11.2015 19:49, Briefbeschwerer

      Cato d. Ä., nee, ich meinte schon die BNotK, weil sie doch den Vertrag mit Atos geschlossen hat.

  • 19.11.2015 22:12, Verweigerer

    Dass durch die Einführung des beA auch eine Vielzahl von Arbeitsplätzen bei den Postunternehmen wegfallen werden, wurde bei den Planungen höchstwahrscheinlich auch nicht bedacht.

    Einige kritische Anmerkungen zum beA finden sich auch in der Septemberausgabe des Berliner Anwaltsblatts: http://www.berliner-anwaltsverein.de/wordpress/?page_id=5476

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  • 19.11.2015 23:14, Ilona Cosack,+ABC+AnwaltsBeratung+Cosack

    Es gibt die Kritiker und die Befürworter. Jeder hat gute Argumente. Zu Zeiten der Einführung von EDV in der Anwaltskanzlei vor über 30 Jahren gab es auch Zauderer. Fragen Sie die mal, ob sie heute noch ohne EDV auskommen. Der Fortschritt lässt sich nicht aufhalten. Natürlich gibt es Hindernisse zu überwinden und viele Dinge sind aus Praktikersicht nicht zu Ende gedacht. Dafür gibt es dann beA 2.0 etc. beA 1.0 ist erst der Anfang. Der Pionier des Elektronischen Rechtsverkehrs, Dr. Wolfram Viefhues, hat hier seine Meinung zu den Chancen und Risiken mitgeteilt:
    https://bea-abc.de/blog/start-des-bea-aufbruch-in-eine-neue-aera/
    Betrachten Sie auch mal die Mandantensicht. Würden Sie als Mandant einen rückständigen Anwalt wollen, der sich der modernen Zukunft verweigert? Ob Sie die Akten digital oder nach wie vor papierbasiert führen, hat nichts mit dem beA zu tun. Das beA ist ein zusätzlicher, sicherer Kommunikationskanal neben der Papierpost, dem Auslaufmodell Telefax und der gebräuchlichen, mit der anwaltlichen Verschwiegenheitspflicht nicht in Einklang zu bringenden, unverschlüsselten E-Mail. Es ist ein Briefkasten. Post geht ein, wird aus dem Briefkasten entnommen. Der Briefkasten ist leer. Was mit der Post passiert, kann jeder Anwalt selbst entscheiden. Wer die Post unbedingt ausdrucken will, kann das tun. beA zwingt niemanden zum elektronischen Arbeiten. Spätestens ab 2022 wird es allerdings die bisherigen Wege Briefpost, Fax und Nachtbriefkasten nicht mehr geben. Dann gilt ausschliesslich die elektronische Einreichung. In Frankreich wurde 2010 die elektronische Einreichungen von Berufungen Pflicht. Die Einlegung von Berufungen ist schlagartig zurückgegangen, weil die Leute mit der Technik nicht vertraut waren. Was würde Ihr Mandant dazu sagen?

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 20.11.2015 10:39, anonymous

      Wer es will, weil er es für sinnvoll hält, soll es - wie alle andere EDV - natürlich nutzen. Aber alle zwangszubeglücken geht nicht. Und genau in diese Richtung geht Ihr Beitrag und auch die BRAK mit deren angeblichen Haftungsrisiken. Wenn es so toll ist, dann kann man es ja freiwillig lassen. Die "Zauderer" werden es dann schon irgendwann einsehen. Aber wer es zwangsweise einführt hat wohl andere Motive und Zweifel daran, ob die Nützlichkeit tatsächlich gegeben ist und irgendwann jeden überzeugt.

  • 20.11.2015 18:37, RA Michael (Mike) Schinagl

    Eine erste einstweilige Anordnung wurde kürzlich beantragt.
    Eine Entscheidung wird nur die Prozessparteien binden, weshalb andere Kollegen und Kolleginnen ebenfalls aktiv werden.

    Zitat aus der Gesetzesbegründung:
    „Die Vorschriften über die elektronische Kommunikation mit den Gerichten sowie über die Vereinfachung der Zustellung gerichtlicher Dokumente sollen gemäß Absatz 1 wegen der dafür notwendigen erheblichen technischen und organisatorischen Vorbereitungen in Gerichten und Anwaltskanzleien sowie bei den Herstellern und von Anwaltssoftware erst zum 1. Januar 2018 in Kraft treten.“ (S. 67 Bundestags-Drucksache zu Art. 25 I ERV-Gesetz zum Inkrafttreten d. § 31a BRAO ab dem 1.1.2016, das ist Art. 26 im verkündeten Gesetz).

    Die Begründung konstatiert auch (S. 33 BT), dass erst ab dem 1.1.2022 „der elektronische Zugang zu den Gerichten bundeseinheitlich eingeführt [wird]. Es ist zu erwarten, dass sich bis dahin ein störungsfreier Betrieb des elektronischen Rechtsverkehrs in der Justiz etabliert hat, so dass ein Zwang für Rechtsanwälte, Behörden und andere vertretungsberechtigte Personen zur Nutzung elektronischer Übermittlungswege ab 1. Januar 2022 vertretbar ist.“

    Es ist aus meiner Sicht schlechter Stil, diejenigen die das Gesetz korrekt angewandt wissen wollen als "rückständig" zu bezeichnen oder als Verweigerer zu brandmarken.

    Weitere Informationen: http://fach-anwalt.de/aktuelles/aktuelles-bea/

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 23.11.2015 15:52, RA Roman+Pusep

      Sehr geehrter Herr Kollege Schinagl,

      Sie schreiben, dass eine einstweilige Anordnung beantragt wurde. Hierzu habe ich zwei Fragen:

      1. Die Formulierung ist passiv gehalten. Haben Sie die Anordnung beantragt?
      2. Falls ja, könnten Sie den Schriftsatz der Anwaltsgemeinschaft zur Verfügung stellen?

      Mit besten kollegialen Grüßen

      RA Roman Pusep
      WERNER RI - www.werner-ri.de

  • 20.11.2015 23:23, Mutti

    Jo wir schaffen das .... oder was das doch eher Bob der Hausmeister?

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 20.11.2015 23:24, Mutti

    Jo wir schaffen das .... oder war das doch eher Bob der Hausmeister?

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 26.11.2015 16:43, RA Michael (Mike) Schinagl

    Das beA kommt später, hat die BRAK heute mitgeteilt:

    http://www.brak.de/fuer-journalisten/pressemitteilungen-archiv/2015/presseerklaerung-20-2015/

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 26.11.2015 17:05, RAin Agata+Siatkowski

      Herrlich....

    • 26.11.2015 17:11, RA Roman Pusep

      ein wenig den Druck aus dem Kessel genommen ... gut!
      Hoffentlich führt die Zeitverzögerung nicht zu Mehreinnahmen beim Softwarehersteller, weil er jetzt noch mehr Programmierstunden abrechnen darf, sondern zu Vertragsstrafen u.ä. - dazu kommt es aber mit Sicherheit nicht, schade!

    • 26.11.2015 19:33, Obermoser

      Also die Ansage: "Die BRAK führt jetzt mit Atos, dem mit der Entwicklung des beA beauftragten Unternehmen, Gespräche über einen neuen Projektplan, aus dem sich auch ein neuer Starttermin ergibt" klingt eher nach vielen, vielen zusätzlich abzurechnenden Programmierstunden und weniger nach Vertragsstrafe...

  • 26.11.2015 22:32, Mutti

    Ich werde alle angeschafften Geräte und die Karte zurückgeben und den Herren in Rechnung stellen. Was will ich mir solche Dinge ins Büro legen, wenn nach einem halben Jahr schon technisch veraltet. Aber wir schaffen das ....

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 27.11.2015 19:37, Papa

      Und warum schaffen Sie die Sachen überhaupt erst an, Sie Schwachstromelektriker?

    • 28.11.2015 10:26, Mutti

      Weil Mutti daran glaubte.... wir schaffen das .... wie auch beim BER oder Stuttgarter Hauptbahnhof oder oder oder

  • 27.11.2015 01:46, Ilona Cosack,+ABC+AnwaltsBeratung+Cosack

    Aus der DAV-Depesche 47/15:
    "Auch wenn das beA nun verschoben ist, wird der elektronische Rechtsverkehr kommen."
    M.E. ist es besser, die Generalprobe platzen zu lassen, als die Premiere.
    Ich hatte bereits darauf hingewiesen: "Natürlich gibt es Hindernisse zu überwinden und viele Dinge sind aus Praktikersicht nicht zu Ende gedacht. Dafür gibt es dann beA 2.0 etc. beA 1.0 ist erst der Anfang."
    Wollen wir hoffen, dass jetzt die Dinge auch aus Praktikersicht handhabbar gelöst werden. Das EGVP wurde ja bis zum 30.9.2016 verlängert. Hoffen wir, dass "das Baby" beA dann das Licht der Welt erblickt.

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