Anwaltliche Arbeitszeiten: Die magi­sche 59-Stunden-Marke

02.01.2017

Anwälte arbeiten im Schnitt deutlich länger als der durchschnittliche deutsche Vollzeitbeschäftigte. Doch ab einer gewissen Grenze lohnt sich das nicht mehr, zeigt eine aktuelle Untersuchung.

 

Rechtsanwälte arbeiten im Vergleich mehr als andere Berufstätige. Zu diesem Ergebnis kommt das Soldan Institut in einer aktuellen Untersuchung. Aus seiner Studie "Anwaltstätigkeit der Gegenwart" geht hervor, dass Anwälte durchschnittlich 51,1 Stunden wöchentlich arbeiten. Damit liegt ihre Wochenarbeitszeit rund zehn Stunden über der des durschnittlichen Vollzeitbeschäftigten in Deutschland.

An der Untersuchung haben sich 1.593 Anwälte beteiligt. Die Befragungen ergaben, dass jeder Dritte 50 bis 60 Stunden in der Woche, fast jeder fünfte sogar noch mehr arbeitet. Viele leisten sich nicht einmal am Wochenende eine Pause. Rund 30 Prozent legen nur an einem einzigen Tag in der Woche die Akten beiseite.

Zumindest zahlt sich die hohe wöchentliche Arbeitszeitbelastung aus, mit ihr steigt in der Regel auch der persönliche Honorarumsatz. "Allerdings steigt der Umsatz pro Arbeitsstunde nicht kontinuierlich linear", stellt Institutsdirektor Prof. Dr. Matthias Kilian fest. Unter Umsatzaspekten seien diejenigen Rechtsanwälte am effektivsten, die zwischen 50 und 59 Stunden in der Woche arbeiten. Sie erreichten je Arbeitsstunde einen Umsatz von 96 Euro, so Kilian. Noch größerer zeitlicher Einsatz wird dagegen nur begrenzt wirtschaftlich belohnt, denn der Umsatz pro Arbeitsstunde nimmt nach den Ergebnissen der Studie ab der 59-Stunden-Marke wieder merklich ab.

nas/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Anwaltliche Arbeitszeiten: Die magische 59-Stunden-Marke. In: Legal Tribune Online, 02.01.2017, http://www.lto.de/persistent/a_id/21640/ (abgerufen am: 29.05.2017)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 02.01.2017 17:21, Cornelius Nickert

    Sollten wir uns nicht eher auf unseren gestifteten Nutzen anstatt auf die geleistete Arbeit konzentrieren? Unsere Mandanten kaufen von uns keine Zeit, sondern eine Problemlösung. Die ist ihnen etwas wert. Davon sollten wir einen angemessenen Teil als Honorar verlangen. Dann tritt aber die Frage nach dem geleisteten Arbeitspensum zurecht in den Hintergrund.

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    • 02.01.2017 22:23, Anonym

      Der rechtsanwalt ist ein organ der rechtspflege. Damit geht eine gewisse verpflichtung - losgelöst vom konkreten wirtschaftlichen nutzen - rechtsberatend tätig zu werden einher. Ähnlich wie beim prinzip der grundversorgung oder daseinsvorsorge (vielleicht kurz bei wiki lesen). Es ist sicherlich vorteilhaft, wenn eine problemlösung verkauft wird, doch handelt es sich dabei meist um eine marketingbehauptung. Natürlich muss es dem anwalt in grenzen frei stehen, seinen arbeitsaufwand vergütet zu bekommen, auch wenn im einzelfall der “nutzen“ gering sein mag.

  • 03.01.2017 11:23, Cornelius Nickert

    Wir bieten idR unseren Mandanten Festpreis und Stundensatzabrechnung an. Ca. 95% entscheiden sich für den Festpreis.

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    • 06.01.2017 13:26, Jemand_NRW

      ....mal unter uns: wie viele wären mit Stundenabrechnung denn günstiger dran gewesen?

    • 06.01.2017 14:37, Cornelius Nickert

      Wir erklären unseren Mandanten, dass wir für die Übernahme des Kalkulationsrisikos eine Zusatzprämie berechnen. Mal kommen wir damit hin mal nicht. Ich würde sagen, wir liegen mit diesem Pricing leicht besser als bei Stundensatz. Aber wir haben keine lästigen Diskussionen über die erforderlichen Stunden mehr und wir ziehen mit dem Mandanten an einem Strang.

  • 04.01.2017 13:52, Dr. Sven Jürgens

    Vielen Dank LTO für den Beitrag! Das finde ich sehr interessant! Bin seit je her ein Anhänger einer ausgewogenen Work-Live-Balance und Pareto-Prinzip, muss mich da aber wohl. noch mehr disziplinieren....
    Gibt es zu der Untersuchung detaillierte Auswertungen bzw. Charts?

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    • 05.01.2017 08:04, Anonym

      Es gibt da eine neue Erfindung namens google. Da findet man: Die Studie „Anwaltstätigkeit der Gegenwart: Rechtsanwälte, Kanzleien, Mandanten und Mandate“ ist im Deutschen Anwaltverlag (Bonn) erschienen (ISBN 978-3-8240-5431-2).

  • 05.01.2017 09:46, Krokodilstränen

    Billable hours, billable hours, billable hours...

    Da tritt das Primat der Problemlösung ganz schnell in den Hintergrund. Was zählt, ist Umsatz. Zu Lasten des Ethos, des Mandanten und der Moral. Bis zur Grenze der Schamlosigkeit und darüber hinaus...


    Ein Anwalt stirbt und steht vor Petrus am Himmelstor: "Aber warum?! Ich bin doch erst 43 Jahre alt!"
    Petrus: "Deinen abgerechneten Stunden nach zu urteilen, bist Du 89. Hör aif zu heulen."

    (Und ja .. 'Himmel' ist nicht der richtige Ort, aber den Pförtner von 'unten' kenne ich nicht namentlich...)

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    • 05.01.2017 12:25, Noah

      Ein weiteres trauriges Beispiel für die Entfremdung in unserer Gesellschaft. Früher haben die Leute den Names ihres Pförtners noch gekannt und auch mal ein Fähr...ich meine Trinkgeld gegeben.

    • 05.01.2017 13:07, @Noah

      Charon als Pförtner zu bezeichnen, ist nicht fair. Er macht so viel mehr und hat noch nicht mal 8,50 Eur Mindestlohn :-)

    • 06.01.2017 13:35, Cornelius Nickert

      Sie sprechen mir aus der Seele. Rechtsberatung ist Dienstleistung und zwar am Kunden und nicht zuerst am eigenen Geldbeutel.

    • 06.01.2017 13:52, Lutz Jankus

      Nur leider wird man vom "Ethos" nicht satt. Krankenversicherung, Versorgungswerk, Fortbildungen und, und, und ... kommen noch hinzu. Weder Finanzamt noch Versorgungswerk erkennen "Ethos" an. Sie wollen Geld sehen - und zwar nicht zu knapp. Der Vermieter ist auch nicht erfreut, wenn er zu hören bekommt, man könne zwar nicht zahlen, habe aber vielen Ratsuchenden als "Organ der Rechtspflege" geholfen. Der Anwalt ist nur auf dem Papier "Organ der Rechtspflege". Tatsächlich ist er Kaufmann - und da zählt nur eins: Umsatz. Auch die Behandlung von Anwälten seitens anderer Organe der Rechtspflege lässt zu wünschen übrig. Die Kostenbeamten kürzen, was das Zeug hält. Wer einen ALG-II-Empfänger vor dem SG Dresden verztritt, darf sich auf eine Verfahrens- und Teriminsgebühr von jeweils 100,00 (einhundert) Euro "freuen" - so als ob die nagelegenheit für den Mandanten nicht existenziell sein. Zur Begründung wird dann ausgeführt, das SGB II gehöre zum Alltag der Anwaltsarbeit und werde deshalb von diesen beherrscht. Damit der Anwalt nicht auf die Idee einer Kostenbeschwerde kommt, steht in Klammern dahinter: "vgl. Sächs LSG Nummer soundso." Na klar, die meist mehrere hundert Seiten umfassende Verwaltungsakte ist ja mal eben schnell durchgesehen. Auch die Rückfragen des Mandanten, wann das Gericht denn nun terminiere, der Anwalt sollte etwas "Druck" machen, sind einfach beantwortet.

    • 06.01.2017 14:51, @Lutz

      Dann vertritt halt keine Leute vor dem Sozialgericht sondern wende Dich ertragreicheren Tätigkeitsfeldern zu? Zum Beispiel Verteidigen in OWi-Verfahren. 600 EUR für 5 Minuten Arbeit. Gern auch mal 10-15 Verhandlungen beim gleichen Richter an einem Vormittag. Da ist der für Miete und Personalkosten notwendige Monatsumsatz schon am ersten Tag eingefahren und der Rest ist dann Reingewinn.

      ARAG sei Dank.

  • 08.01.2017 19:49, @Lutz

    Wenn Sie Gutes tun wollen, hätten Sie nicht Anwalt werden dürfen...

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