Home Office: Warum Yahoo-CEO Mayer Recht hat

von Thomas Hey

13.03.2013

Eindrucksvoll hat die Yahoo-Chefin vor wenigen Tagen deutlich gemacht, was sie von Arbeit aus dem Home Office hält. Kurzerhand beorderte sie alle Tele-Arbeiter zurück in die Unternehmenszentrale. Zu Hause zu arbeiten, kann für Mitarbeiter mit erheblichen Nachteilen verbunden sein, meint auch Thomas Hey. Für den Fall, dass mal der Kabelmann kommt, sollte man aber flexibel bleiben können.

 

Home Office ist nicht gleich Home Office. Die einen dürfen an einzelnen Tagen oder unter besonderen Umständen von zu Hause aus zu arbeiten; die anderen gehen ihrem Job nur oder zumindest überwiegend vom heimischen Schreibtisch aus nach – der Betrieb spart so Arbeitsplätze ein. Ob Add-on oder Extended Home Office, beide Varianten fordern Unternehmen nicht nur organisatorisch, sondern auch rechtlich heraus.

Der Arbeitgeber muss sicherstellen, dass auch im Home Office Arbeitsschutz und -sicherheit eingehalten werden – das gleiche gilt für Datenschutz und -sicherheit, die gesetzlichen Vorgaben zur Arbeitszeit müssen eingehalten und gegebenenfalls die Mitbestimmungsrechte eines Betriebsrats beachtet werden. Gestattet der Arbeitgeber nicht jedem, aus dem Home Office zu arbeiten, muss er außerdem darauf achten, nicht gegen den arbeitsrechtlichen Gleichbehandlungsgrundsatz zu verstoßen.

Räumliche Distanz erschwert Austausch unter Kollegen

Marissa Mayer hatte gute Gründe, ihre Mitarbeiter aus dem Extended Home Office ins Büro zurück zu beordern. "Einige der besten Entscheidungen und Erkenntnisse erwachsen aus Gesprächen auf dem Flur oder in der Cafeteria", begründet die Yahoo-CEO ihre Maßnahme. Neben vielen Vorteilen hat das Home Office also auch eine gravierende Schattenseite: Vorgesetzte und Mitarbeiter sowie die Kollegen untereinander stehen nicht im unmittelbaren Kontakt.

Eine der Grundvoraussetzungen für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens ist aber die unkomplizierte interne Kommunikation. Arbeitnehmer im Extended Home Office beeinträchtigen diese jedoch empfindlich. Auch modernste Technik kann den unmittelbaren persönlichen Kontakt nicht ersetzen. Im Idealfall entwickelt sich mit der Zeit zwischen Kollegen eine persönliche Ebene, die die Bereitschaft zu fachlichem Austausch erheblich erhöhen kann. Ohne regelmäßige persönliche Kommunikation kann eine derartige Ebene in aller Regel nicht erreicht werden.

Im Übrigen hängt die Bereitschaft, sich fachlich auszutauschen, auch maßgeblich von dem dafür erforderlichen Aufwand ab. Im Büro können kleinere Anliegen leicht beiläufig besprochen werden.

"Führen und Fördern" ohne unmittelbaren Kontakt kaum realisierbar

Die räumliche Distanz zwischen dem Vorgesetzten und seinen Mitarbeitern im Extended Home Office erschwert es dem Arbeitgeber zudem erheblich, sein Direktionsrecht auszuüben, also die Aufgaben seiner Mitarbeiter zu konkretisieren. Das ist rechtlich nicht unbedenklich.

Anders als oftmals angenommen wird, schuldet der Arbeitnehmer nicht grundsätzlich eine Leistung mittlerer Art und Güte. Nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts hängt seine Leistungspflicht vielmehr von seinen individuellen Fähigkeiten ab, die er ausschöpfen muss. Was ein Mitarbeiter leisten kann, hängt aber auch davon ab, wie er von seinem Vorgesetzten "geführt und gefördert" wird. Eine gute Mitarbeiterführung zeichnet sich durch regelmäßige Anweisungen aus sowie frühzeitige Hinweise, wenn eine Aufgabe einmal nicht zufriedenstellend erledigt wird. Dieses "Führen und Fördern" von Kollegen im Extended Home Office bleibt aber wegen des fehlenden unmittelbaren Kontaktes in der Praxis häufig aus.

Bevor er abmahnt oder kündigt, muss ein Arbeitgeber außerdem zunächst zu "sanften Maßnahmen" greifen wie einer einfachen Arbeitsanweisungen, einem Personalgespräche oder mündlichen und schriftlichen Ermahnungen. Vor allem letztere eignen sich gut, den Arbeitnehmer effektiv zu fördern. Sind derartige Maßnahmen aber auf Grund der fehlenden Nähe stets ausgeblieben, sind Abmahnung und Kündigung kaum wirksam durchsetzbar.

Daneben werden im Extended Home Office auch weitere wichtige Arbeitgeberpflichten häufig nur unzureichend erfüllt: etwa die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter.

Gegen gelegentliche Home-Office-Tage ist dennoch wenig einzuwenden, können sie doch die Zufriedenheit der Mitarbeiter durchaus erhöhen. So sieht es im Übrigen wohl auch Marissa Mayer, die in ihrem Rundschreiben mitteilt, dass die Arbeit von zu Hause für den Fall gestattet bleibt, dass mal der Kabelmann kommt.

Der Autor Thomas Hey ist Fachanwalt für Arbeitsrecht und Partner im Düsseldorfer Büro der Anwaltssozietät Clifford Chance.

Zitiervorschlag

Thomas Hey, Home Office: Warum Yahoo-CEO Mayer Recht hat. In: Legal Tribune Online, 13.03.2013, http://www.lto.de/persistent/a_id/8319/ (abgerufen am: 30.07.2016)

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Kommentare
  • 13.03.2013 20:03, Zweifler

    Kann ich so nicht bestätigen. Bin selbständig und arbeite seit Jahren erfolgreich und mit hoher Produktivität überwiegend im Home Office. Letztlich kommt es aber auf Strukturen und Arbeitsumfeld an. Ich weiß noch aus meiner Angestelltenzeit, wie ermüdend und frustrierend das Arbeiten auf Zeit ist, also dass ich nicht für meine Arbeit, sondern für meine Anwesenheitszeit bezahlt werde, was mitunter ein Absitzen ist, das letztlich auch dem Unternehmen nichts bringt. Wichtig ist die Atmosphäre und auch der Service, den das Unternehmen seinen Mitarbeitern bietet, zusätzlich zu angemessener Bezahlung. Viele, die ihre Mitarbeiter als Kostenfaktor sehen und allenfalls Minimalstandards einhalten, werden wohl nie begreifen, wie viel erfolgreicher sie sein könnten, wenn sie ihre Mitarbeiter ordentlich zu motivieren verstünden.

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  • 14.03.2013 10:11, stud-iur

    Alle denkens einer sagts: Zu Hause wird eben weniger gearbeitet! LG

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  • 15.03.2013 12:38, helena

    Das kann ich nicht bestätigen. Man muss sich viel besser organisieren und wird auch nicht so abgelenkt durch jammernde Kollegen o.ä. Wenn das Ergebnis stimmt, finde ich es gleichgültig, wo man arbeitet. Und das Ergebnis kann gemessen werden. Hier sind Zielvereinbarungen einfach wichtig.

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    • 16.03.2013 11:24, stud-iur

      Sie wissen schon, dass wir nicht über Einzelschicksale sprechen? Jammernde Kollegen sind im Gegensatz zu den Versuchungen der Häuslichkeit die kleinere Ablenkung. Missbrauch kommt überall dort vor, wo man ihm die Möglichkeit eröffnet. Und wie sie schon sagen: Man benötigt Zeit und Kraft für Organisation und Strukturierung, die man auch gleich in die Arbeit stecken könnte. Netto stimmt das Ergebnis oftmals nämlich leider nicht, was unternehmenstechnisch nur dadurch kompensiert werden kann wenn der heimische Arbeitsplatz eben billiger ist. Frau Mayer wird das schon gut abgewogen haben! LG

  • 15.03.2013 18:25, Sandra

    Bei Vodafone hat die Zukunft auch schon begonnen: mit dem neuen Campus - perfekt vernetzt und dadurch höchst mobil und flexibel http://www.theeuropean.de/politikdialog/5797-topthema-arbeitswelten-der-zukunft

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  • 20.03.2013 05:29, Mooniac

    So ein Unfug. Der Autor verkennt, wie auch Marissa Mayer, vollkommen die Realitäten des amerikanischen Arbeitsrechts sowie insbesondere des Berufsfelds der Programmierer. Vergessen wir nicht, Yahoo ist zunächst einmal ein amerikanisches Unternehmen.

    Natürlich kann work from home ineffizient sein, das liegt dann aber an dem Unternehmen. Wer auf smalltalk im Flur oder der Cafeteria angewiesen ist, hat keinen Plan. Kreativität sieht anders aus, das bedeutet nicht, per Zwang den smalltalk anzuordnen. Das resultiert nur in Zwangs-Blahblah.

    "Arbeitnehmer im Extended Home Office beeinträchtigen diese jedoch empfindlich."

    Unfug

    "Auch modernste Technik kann den unmittelbaren persönlichen Kontakt nicht ersetzen"

    Unfug

    "Die räumliche Distanz zwischen dem Vorgesetzten und seinen Mitarbeitern im Extended Home Office erschwert es dem Arbeitgeber zudem erheblich, sein Direktionsrecht auszuüben, also die Aufgaben seiner Mitarbeiter zu konkretisieren"

    Unfug. Das gilt sicherlich für Piloten, nicht aber für Programmierer.

    "Eine gute Mitarbeiterführung zeichnet sich durch regelmäßige Anweisungen aus sowie frühzeitige Hinweise, wenn eine Aufgabe einmal nicht zufriedenstellend erledigt wird."

    Das geht wunderbar per work-from-home.

    "Dieses "Führen und Fördern" von Kollegen im Extended Home Office bleibt aber wegen des fehlenden unmittelbaren Kontaktes in der Praxis häufig aus."

    Das ist dann schlechtes Management. Der Mitarbeiter sollte nicht ins Büro gezwungen werden, nur weil der Chef nicht kommunizieren kann.

    Abmahnung und Kündigung ... das sieht doch in den USA vollkommen anders aus, da gibt es ja schon keine Abmahnungen mehr. Und gerade in den USA und gerade bei den Software-Unternehmen sind viele Leute nicht Angestellte, sondern Consultants auf Vertragsbasis, da sind dann auch die ganzen angeführten arbeitsrechtlichen "Gründe" schon gar nicht anwendbar.

    Der Autor "argumentiert" mit deutschem Arbeitsrecht, aber ob Marissa Mayer "Recht" hat (des Autors Prämisse), ist ein amerikanisches Thema. Und auch kein rechtliches.

    Was der Autor da schreibt über Bundesarbeitsgericht und den Betriebsrat ... das gibt es in den USA alles überhaupt nicht.

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  • 13.10.2013 18:52, www.mwonline.de

    www.mwonline.de verlinkt auf diesen Artikel mit folgendem Linktext:
    ahoo-Chefin Marissa Mayer die Mitarbeiter aus den Home Offices zurück ins Unternehmen kommandierte

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