Sexuelle Belästigung: In Deut­sch­land nur bei der Arbeit strafbar

von Dr. Alexander Stevens

22.02.2016

Die Debatte um sexuelle Belästigung von Frauen ebbt nicht ab, Hamburg will ein noch schärferes Sexualstrafrecht als der Bundesjustizminister. Was nach geltendem Recht strafbar ist und was geändert werden müsste, erklärt Alexander Stevens.

 

Was genau unter einer "sexuellen Belästigung" zu verstehen ist, da hat so ziemlich jeder Mensch seine ganz eigene Vorstellung. Einigkeit besteht lediglich darüber, dass die Grenze zwischen Distanzlosigkeit und sexueller Belästigung jedenfalls dann eindeutig überschritten ist, wenn "geschlechtliche Körperregionen" in unerwünschter Weise mehr als nur flüchtig berührt werden.

Im Übrigen empfinden einige Menschen bereits zweideutige Bemerkungen als sexuell belästigend, andere sexualisierte oder sexistische "Herrenwitze", wieder andere plumpe Angebote eindeutigen Inhalts. Und dann gibt es natürlich die hart umkämpften "zufälligen" Berührungen.

Eben weil die Auffassungen zur sexuellen Belästigung bis auf eindeutige Extremfälle weitgehend subjektiv geprägt sind und so weit auseinander gehen, hat der Gesetzgeber die sexuelle Belästigung bislang nicht unter Strafe gestellt. Eine allgemeingültige Definition der sexuellen Belästigung erscheint kaum möglich, aber eine rechtssichere gesetzliche Regelung muss ja unabhängig vom Einzelfall für jeden gleichermaßen gelten.

Spannen, Po und Brüste berühren: nicht strafbar

So bekommen sexuelle oder sexualisierte Handlungen nach der derzeitigen Rechtslage eine strafrechtliche Qualität erst dann, wenn sie eine gewisse Erheblichkeitsschwelle überschreiten (§ 184g StGB). Zudem müssen sie entweder durch Ausnutzen einer mangelnden Willensbildung des Opfers (sexueller Missbrauch, §§ 174 ff Strafgesetzbuch, StGB) oder durch Gewalteinwirkung oder Bedrohung erfolgen (sexuelle Nötigung, vgl. § 177 StGB).

Wegen eines echten Sexualdelikts, einer Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung i.S.d. §§ 174 StGB ff., wird strafrechtlich also nur verfolgt, wer sein Opfer durch eine erhebliche sexuelle Handlung missbraucht oder nötigt, nicht aber "nur" belästigt. Moralisch belästigende Verhaltensweisen wie das Spannen, aber auch Berührungen von Po, Brüsten oder selbst im Schritt (oberhalb der Kleidung) und nicht zuletzt der plötzliche Kuss auf den Mund sind dagegen nach geltendem Recht nicht strafbar, da unter die derzeit geltenden Normen des Sexualstrafrechts nicht subsumierbar.

Bei überraschenden Handlungen fehlt es meist schon an einer Missbrauchs- oder Nötigungssituation. Viele sexuelle Handlungen sind auch nicht erheblich i.S.v. § 184 g StGB –  und zwar nicht zuletzt angesichts der hohen Strafrahmen der "echten" Sexualdelikte. Im Fall einer Verurteilung drohen nämlich empfindliche Freiheitsstrafen von bis zu 15 Jahren.

Gesetzlicher Schutz vor sexueller Belästigung: nur am Arbeitsplatz

Einen eigenen Straftatbestand der "einfachen" sexuellen Belästigung kennt das Gesetz bislang nicht. Der Gesetzgeber hat sich bisher ganz bewusst dagegen entschieden, die einfache sexuelle Belästigungen unter den Schutz des Strafrechts zu stellen. Dem folgt die höchstrichterliche Rechtsprechung.

Der Bundesgerichtshof lehnt es konsequenterweise ab, durch eine ausufernde Auslegung beispielsweise der Beleidigung (§ 185 StGB) wegen angeblicher Verletzung der Geschlechtsehre ein nicht kodifiziertes kleines Sexualstrafrecht zu schaffen. Die Beleidigungsdelikte stellen eben kein Substitut zur bewusst nicht als Straftatbestand sanktionierten "einfachen" sexuellen Belästigung dar, zumal dogmatisch betrachtet das gewöhnliche Erscheinungsbild einer sexuellen Handlung selten mit einem Angriff auf die Ehre ist. . Auch moralisch nicht zu tolerierende Handlungen in bestimmten Konstellationen wie z. B. ein überraschendes Begrapschen sind also strafrechtlich nicht sanktionierbar.

Einzig im Arbeitsrecht existiert bislang überhaupt ein effektiver rechtlicher Schutz vor sexuellen Belästigungen. Derartige Verletzungen der arbeitsvertraglichen Pflichten haben regelmäßig entsprechende arbeitsrechtliche Sanktionen zur Folge. Zudem gilt bei sexuellen Belästigungen im Zusammenhang mit der Berufsausübung das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, wodurch der Arbeitgeber zu Sanktionen bis hin zur sofortigen Kündigung gezwungen werden kann.

Jenseits vom Arbeitsplatz existiert aber eine weite rechtliche Grauzone. Denn freilich ist die vom BGH abgelehnte weite Auslegung der sogenannten "Sexualbeleidigung" bei den Amtsgerichten dennoch nach wie vor ständige Praxis. Darüber hinaus gibt es auch genügend Fälle, in denen eine niederschwellige, nicht im Sinne des § 184g StGB "erhebliche" sexuelle Belästigung dennoch als "echtes" Sexualdelikt mit den damit verbundenen äußerst harten und in Relation zur Tatschwere schlicht unverhältnismäßigen Strafen verfolgt wird. Oft entscheidet allein das subjektive moralische Empfinden der Polizei, der Staatsanwaltschaft oder des Gerichtes, ob aus ein und demselben Vorgang eine Verfahrenseinstellung aus rechtlichen Gründen oder eine harte Verurteilung folgt. Soweit der Status quo.

Zitiervorschlag

Dr. Alexander Stevens, Sexuelle Belästigung: In Deutschland nur bei der Arbeit strafbar. In: Legal Tribune Online, 22.02.2016, http://www.lto.de/persistent/a_id/18533/ (abgerufen am: 29.09.2016)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 22.02.2016 11:01, Klarsicht

    Was für ein Unsinn.
    Die Taten in Köln waren strafbar genug, sogar Diebstähle/Raub etc., also nochmal zum mitschreiben für alle Strafrechts-Verschärfer, Politiker und Uneinsichtigen:

    DAS PROBLEM IST NICHT, DASS ES ZU WENIG STRAFBARKEIT GIBT, SONDERN DASS BEREITS STRAFBARES VERHALTEN NICHT VERFOLGT WIRD/WERDEN KANN.

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    • 22.02.2016 13:17, Paddington

      Sie müssen sich schon entscheiden: Entweder ist etwas strafbar dann kann es auch verfolgt werden, oder es ist nicht strafbar dann kann es auch nicht verfolgt werden.
      Was in der Diskussion vollkommen ausgeblendet wird und was Sie zutreffend feststellen ist das Problem der Beweisbarkeit.

    • 22.02.2016 23:43, Klarsicht

      Insoweit war mein Beitrag nicht ganz klar, wenn ich davon sprach, dass man Strafen nicht verfolgen kann meinte ich "faktisch den Täter zur Rechenschaft" ziehen als Gegensatz zu "theoretisch berechtigt sein den Täter zu bestrafen". Neben Beweisproblemen sind da denke ich personelle- politische- und strukturelle- sowie technische Gründe Ursachen dafür, dass eben nicht jeder Täter bestraft wird.

  • 22.02.2016 11:33, SJR

    Meines Wissens nach ist die Erheblichkeitschwelle in §184h StGB festgelegt, nicht wie im Artikel genannt in §184g StGB.

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  • 22.02.2016 12:16, Lesen mit Klarsicht

    @Klarsicht
    Wo steht denn in dem Artikel, dass die konkreten Übergriffe von Köln nicht strafbar gewesen sind? Die Strafbarkeitslücke wird doch ganz klar benannt:

    "[...] belästigende Verhaltensweisen wie das Spannen, aber auch Berührungen von Po, Brüsten oder selbst im Schritt (oberhalb der Kleidung) und nicht zuletzt der plötzliche Kuss auf den Mund sind dagegen nach geltendem Recht nicht strafbar, da unter die derzeit geltenden Normen des Sexualstrafrechts nicht subsumierbar."

    Daran vermögen auch Ihre klarsichtigen Großbuchstaben nichts zu ändern. Nun geht es allein um die Frage, ob das Begrapschen des Intimbereiches (so ganz ohne Raub und so) nicht mindestens ebenso strafwürdig ist wie z.B. eine einfache Körperverletzung und auch dementsprechend belangt werden sollte.

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    • 22.02.2016 23:46, Klarsicht

      Das Problem ist doch Rechstaatlicher Natur.
      Die Ereignisse von Köln (die wie Sie zustimmen, keine Strafbarkeitslücke nutzten) werden instrumentalisiert als Anlass um angeblich notwendige Kriminalisierungen vorzunehmen. Mir wäre nicht bekannt, dass wir in Deutschland massenhafte Übergriffe dieser Art hätten, die hier neue Pönalisierungen notwendig machen.

  • 22.02.2016 18:26, Leserin

    Warum muss eigentlich bei jedem Artikel über sexuellen Missbrauch/Belästigung etc. noch mal ein Bild dazu gezeigt werden, in dem eine Frau angefasst wird? Gäbe es nicht Bilder, die den Artikel illustrieren, ohne dass nochmal ein Minirock und ein angefasstes Hinterteil die Tat bildlich wiederholen muss?

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    • 22.02.2016 23:47, Klarsicht

      Um Aufmerksamkeit zu erzeugen natürlich, das einzige was zählt.

    • 23.02.2016 07:24, Paddington

      Da Sie offensichtlich nur seltener Gast bei LTO sind, sei Ihnen hiermit verraten dass das Thema "Verschärfung des Sexualstrafrechts" in letzter Zeit mehrfach Gegenstand der Berichterstattung dieser Plattform war. Wenn Sie sich die Artikel dazu näher anschauen, werden Sie feststellen das Ihre Äußerung reiner Populismus ist, die den Tatsachen entbehrt.
      In der Sache wenig bis gar nicht hilfreich.

  • 23.02.2016 09:03, Wildschwein-Klaus

    Auch ein flüchtiges Berühren kann strafbar sein - nämlich als tätliche Beleidigung. Das wird zumindest dann angenommen, wenn dadurch Missachtung gegenüber dem Opfer zum Ausdruck gebracht wird - etwa in der Annahme, dass es eine solche Behandlung gutheiße, sexuell leicht verfügbar sei oder es zum Sexualobjekt degradiert wird. Eine Strafbarkeitslücke existiert nicht.

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  • 23.02.2016 09:28, JÜRGEN HAMEL

    Sexuelle Belästigung ist überall strafbar und nicht nur am Arbeitsplatz.
    Wenn ein Mädchen auf der Straße belässtigt wird in dem mann sie an die Brust, am Po und zwischen die Beine fasst dann ist das sehr wohl strafbar und muss von jedem Mädchen zur Anzeige gebraucht werden. Nur wenn alle Mädchen Anzeige erstatten können die Täter auch ermittelt werden und bestraft werden.
    Wenn zum beispiel meine Freundin von einem Fremden belässtigt werden würde dann würde ich mit ihr zur Polizei gehen und es sofort zur Anzeige Bringen. Was auch sehr wichtig ist das mann Zeugen für solche Vorfälle hat die dann ihre Aussage bei der Polizei sowie vor Gericht wahrheitsgemäß machen müssen denn eine Falschaussage wird mit einer sehr hohen Geldstrafe oder mit bis zu 3 Jahren Haft bestraft.

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    • 24.02.2016 13:31, FinalJustice

      Plötzliches Fassen an "geschlechtliche Regionen" (wohl zutreffend wäre eher: sexualisierte Regionen) ist in aller Regel nicht strafbar, von der Sonderkonstellation der "tätlichen Beleidigung" abgesehen. Solches Verhalten ist zwar unanständig, aber eine Ehrherabsetzung dahinter zu sehen, geht fehl: Wenn ich jemanden aufgrund von mir empfundener Anziehung derart berühre, dann schränke ich ihn sicherlich zu einem durchaus erheblichen Maße in seinem Schamgefühl o.Ä. ein, aber mit Sicherheit nicht in seiner Ehre. Es wird zurecht nicht darauf abgestellt, dass der "Täter" sein Opfer zu einem reinen Sexualobjekt reduziert. So harsch es klingen mag, die Identifizierung eines Geschlechtspartners mit einem Lustobjekt ist Teil und Grundlage menschlicher Sexualität (bei Bedarf kann ich gerne ein nettes Gedankenexperiment dazu liefern, welches mich persönlich selbst überzeugt hat).
      Unter anderen Aspekten des Strafrechts ist das plötzliche "Begrabschen" kaum zu subsumieren. Was soll es sein? Körperverletzung scheidet entweder schon an einer tatbestandlichen Handlung oder aber an deren Erheblichkeit aus. Mit dem Gewaltbegriff der Nötigung ist es ebenfalls unvereinbar. Worin soll die Nötigung liegen? In der Duldung des Anfassens? Nötitungshandlung und abgenötigter Erfolg können in aller Regel nicht unter dieselbe Handlung fallen, sonst wäre auch jede Körperverletzung und eigentlich auch sonst jede gegen die Person gerichtete Straftat immer auch eine Nötigung. Bloßes Anfassen fällt eben auch nicht unter die Anforderungen der "üblichen" Sexualdelikte.
      Ich für meinen Teil sehe in diesem Bereich keine Strafbarkeitslücken. Der Wunsch, der dahintersteckt, mag nachvollziehbar sein, ist rechtsstaatlich jedoch keine realistische Forderung: Schutz vor jeglicher als unangenehm empfundener Einwirkung. Wer hätte das nicht gerne? Ich für meinen Teil sähe vor allem das Problem der fehlenden Objektivierbarkeit. Ab wann wäre denn die Erheblichkeitsschwelle einer Berührung überschritten, damit sie eine sexuelle Belästigung wird? Welche Region des Körpers muss ich wie berühren? Kann ich das auch verbal?

  • 26.02.2016 01:18, Nachfrager

    Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt Stevens,

    beim durchlesen Ihres Artikels ist mir aufgefallen, dass es in der Überschrift heißt: "Sexuelle Belästigung, in Deutschland nur bei der Arbeit strafbar" in Ihrem Text lautet die Passage zum Schutz vor sexuellen Übergriffen am Arbeitsplatz dann jedoch:

    "Einzig im Arbeitsrecht existiert bislang überhaupt ein effektiver rechtlicher Schutz vor sexuellen Belästigungen. Derartige Verletzungen der arbeitsvertraglichen Pflichten haben regelmäßig entsprechende arbeitsrechtliche Sanktionen zur Folge. Zudem gilt bei sexuellen Belästigungen im Zusammenhang mit der Berufsausübung das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, wodurch der Arbeitgeber zu Sanktionen bis hin zur sofortigen Kündigung gezwungen werden kann."

    Ein gesonderter strafrechtlicher Schutz lässt sich daraus nicht entnehmen - oder gibt es ggf. einen gesonderten Strafrechtsparagraphen der nur für Belästigungen am Arbeitsplatz gilt?

    Für eine kurze Aufklärung wäre ich dankbar.
    Übrigens: Sehr informativ und auffallend ähnlich in seiner Struktur - einschließlich des Verweises auf das österreichische Recht - ist der Aufsatz von U. Lembke "Sexuele Übergriffe im öffentlichen Raum" in der KJ 2016, 3.

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  • 29.02.2016 07:51, Johann

    Macht nur weiter so, liebe Frauen. Und eines Tages endet ihr schön planmäßig wie
    - die verrückte Katzenlady bei den Simpsons: allein und verbittert, keiner will euch
    - eine Kollegin von mir: 1.80 groß, unfreundlich, unnahbar und allein
    - die meisten weiblichen Anwälte. im Familienrecht, weil euch keiner sonst will
    - eine Nachbarin von mir, geschieden und Feministin, aber keiner will sie
    - meine Schwiegermutter
    - die Ilsebilse. keiner will sie

    wenn man die Männer immer nur als Täter sieht, wird das nix. Kein Mann greift einer Frau freiwillig an die Wäsche, aber wenn die Frauen sich nicht um die Männer kümmern, wird der Mann halt nachdenklich und geht auf die Frau zu, wenn die Frau nicht auf ihn zugeht.

    Aber das kapiert ihr nicht, weil ihr kein Mann seid, liebe juristisch verbildeten verzweifelten Single Frauen. Männer interessieren sich halt mal für Frauen. Seid doch froh, wenn sich überhaupt jemand für euch interessiert. Denn sonst leben wir bald alle allein. Wenn schon das Ansprechen einer Frau strafbar ist und mit Gefängnis geahndet wird. Ein bißchen Weltoffenheit würde euch und unserer Gesellschaft nicht schaden.

    In Freising wurde ein Mann von Frauen über Stunden verfolgt und der sog. Polizei gemeldet, weil er ein Kind an der Hand hatte. Sein eigenes, aber die TUSSIS dachten, er sei hinter dem Kind her. So weit ist es also schon gekommen, in eurem blöden Sicherheitswahn. Früher was das undenkbar, aber heute sieht jeder gleich ein Verbrechen. So kann es doch nicht weiter gehen. Und wer ist wieder mal schuld an dem ganzen: Die Frauen, aber mit euch will eh bald kein Mann mehr was zu tun haben.

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    • 07.03.2016 13:42, Alex

      Meine Fresse, Frauen müssen ja unglaublich dankbar sein, dass ihnen Männer als Geschenke Gottes an die Seite gegeben worden sind.

      Es geht hier um unerwünschten körperlichen Kontakt auf sexueller Ebene, eben gerade bei Menschen, meist Frauen, die diesen Kontakt eben nicht wollen, aber auch gar nicht erst dazu gefragt worden sind. Da ist frau schlicht nicht dankbar, dass sie überhaupt von einem Mann angefasst wird, sondern ekelt sich, fühlt sich massiv beschämt und herabgesetzt und wurde schlicht in ihrer sexuellen Integrität missachtet (was übrigens in der Übergriffsqualität durchaus schwerer wiegt als eine Beleidigung, was nicht zwingend für eine Strafbarkeit der sexuellen Belästigung spricht, allerdings auch die Strafbarkeit der Beleidigung in Frage stellt, deren Grenzen ja auch erst mut der Zeit herausgearbeitet werden mussten).

      Sorry, aber kein Mensch steht auf solche Leute, kein Mensch ist dankbar für eine solche Aufmerksamkeit und auch wenn sexuelle Belästigung gerne herabgespielt wird, weiß letztlich der normale Durchschnittsmensch, dass das eben kein Verhalten zum Gutheißen ist, selbst wenn man sich über eine Strafbarkeit streiten kann, auf den Stufen der sozialen Sanktionierung unter der Strafrechtsebene erfolgt die Sanktionierung und Verächtlichmachung solchen Verhaltens völlig zu Recht.

      Zu fordern, Frauen sollten sich über diese Art doch freuen, zumal Feministinnen (zu denen wohl alle Frauen gehören, die sich so etwas verbitten) eh keinen Mann abkriegen, ist menschenrechtsverachtend und verkennt, dass jeder als Person respektiert werden will, anstatt seinen Lebensinhalt darin zu sehen, Sexobjekt für den anderen zu sein und ihm ein schönes Leben zu bereiten, während man sich selbst zurückstellt (Ausgewogenheit ist hier das Stichwort). Jede Person hat dieselben Rechte, woraus ganz einfach folgt, dass niemand sich als Spielzeug oder Sexobjekt des anderen behandeln lassen muss und der andere keinen Anspruch darauf hat, seine Mitmenschen nach Gutdünken derart behandeln darf.

      Abgesehen davon kann man das Argument auch rumdrehen, denn es sind immer die Männer, die Schwierigkeiten haben, eine Frau abzukriegen, die anfangen zu grabschen, sei es, weil sie sich gerade mit Alkohol ins Aus geschossen haben und nicht einmal im Ansatz so attraktiv sind, wie ihnen ihre BAK suggeriert, oder weil sie generell Probleme im sozialen Nahbereich haben oder schlicht weil sie, aus welchen Gründen auch immer (Aussehen, sozialer Status, Bildungsgrad, Persönlichkeitsmerkmale, Alter), unattraktiv für das andere Geschlecht sind. Alternativ belästigen Männer, weil sie auf diese Weise Machtverhältnisse klar stellen und gar nicht mal so sehr sexuell an der anderen Person interessiert sind. Wer es sich leisten kann, andere als (verfügbares) Sexualobjekt zu behandeln, der ist in der stärkeren Position, zumindest scheinbar.

      Im Endeffekt läuft es also darauf hinaus, dass Männer, die es nötig haben, aber nicht in der Lage sind, auf sozial übliche Weise mit Frauen zu verkehren (Flirt, Gespräche, Absprachen zum Geschlechtsverkehr), Frauen belästigen oder Männer, die zu dumm sind, ihren Status anderweitig zu zeigen. Ob sich das die "tollen Hechte", die derartige sexuelle Übergriffe als Geschenk an die Frauenwelt hinstellen, auch nur mal ansatzweise klar machen? Wäre vielleicht gar nicht mal so schlecht, diesen Aspekt in der Diskussion deutlicher herauszukehren, dann erübrigt sich vielleicht auch die Diskussion um die Strafbarkeit und Fischer stünde nicht als Frauenfeind da, nur weil er meint, frau müsse so selbstständig sein, sich gegen derartige Übergriffe ohne strafrechtliche Sanktionsdrohung zur Wehr setzen. (Wobei hier gerne die "Schocksituation" unter den Tisch fallen gelassen wurd, aber da kann man/frau durchaus dazulernen, zumindest in Bereich der sexuellen Belästigung, bei ungewolltem Geschlechtsverkehr sieht die Situation leider anders aus, da ist frau oft zu überrumpelt, so dass es eine natürliche Reaktion ist, "gar nichts" zu tun)

  • 06.03.2016 23:59, Beobachter

    Eine gesetzliche Neuregelung ist höchst überfällig. Leider sind auch viele sehr extreme Fälle nicht strafbar. Fälle in denen Opfer von ganzen Tätergruppen massiv bedrängt werden, auch mit körperlichen Übergriffen und das Opfer den Tätern täglich viele Stunden lang ausgeliefert ist, müssen strafbar sein. Bislang konnten die Täter, dies in der Öffentlichkeit tun und offen damit prahlen und damit andere zum nachahmen anstiften, ohne Angst vor Konsequenzen haben zu müssen. Stellt euch vor, dass Ihr in der Uni seid und euch jemand plötzlich von hinten antatscht, ihr dreht euch um und schimpft und schon macht es der nächste auch und dann noch einer und noch einer. Stellt euch vor, dass ein Zeuge die Polizei ruft und auch alles auf einer Überwachungskamera festgehalten ist und dass es über 100 Zeugen gibt, aber die Polizei nichts machen kann weil es nicht verboten ist. Stellt euch vor, dass diese Täter dies jeden Tag immer und immer wieder machen und sich die Tätergruppe vergrößert. Stellt euch vor, dass sich diese Täter dann auch noch weitere Opfer suchen. Sies ist sexueller Missbrauch und muss strafbar sein. Unter bestimmten Umständen wäre vieleicht der Tatbestand des Stalkings erfüllt (wenn der selbe Täter es sehr oft macht, also z.B. über mehrere Monate hinweg) oder der Straftatbestand des Landfriedensbruchs. Studenten an Universitäten müssen dringend den gleichen Schutz wie Arbeitnehmer bekommen. Außerdem müssen Jagden, und ganz besonders Taten durch Gruppen geahndet werden. Und ganz wichtig ist, dass die Polizei die Ihr zur Verfügung stehenden Mittel auch anwendet und die Opfer nicht einfach wegschickt (vielleicht gibt es zu wenig Polizisten, anders kann ich mir die Praxis, die ich selbst erlebt habe kaum vorstellen). Übrigens gibt es auch viele Männer, die Opfer von sexueller Belästigung werden (oft durch Täter, die selbst Männer sind, oft sind die Täter Heteros, da das sexuelle Interesse hierbei keine Rolle spielt, aber es beteiligen sich durchaus auch viele Frauen). Den Tätern geht es hierbei nicht um sexuelles Interesse, es geht den Tätern ausschließlich um das Ausüben von Macht. Wenn ein Täter es damit begründet, dass das Opfer einen kurzen Rock anhatte und er sagt, dass er gedacht hätte, dass das Opfer es wolle, dann lügt dieser Täter. Ein kurzer Rock dient dem Täter ausschließlich als Vorwand, um dem Opfer die Schuld zuzuschieben. Leider wollen viele Leute solche Ausreden glauben, da ihnen die Wahrheit Angst macht. Jeder kann Opfer werden. Wenn ein Mann zum Opfer wird, haben Zeugen größere Hemmungen Einzuschreiten, da sie nicht als Schwulenfeindlich dastehen wollen und weil es nicht dem Klischee entspricht. Die Leute sind mit dem Bild erzogen worden, dass der Ritter die Jungfrau rettet.

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    • 07.03.2016 11:54, El Jabalí

      So ein Unsinn. Selbstverständlich ist der beschriebene Fall strafbar als sexuelle Nötigung nach § 177 Abs. 1 Nr. 3 - Ausnutzung einer Lage, in der das Opfer der Einwirkung des Täters schutzlos ausgeliefert ist.

  • 07.07.2016 14:28, Franz Horste

    Klar waren sexuelle Übergriffe nie strafbar, da diese doch fast zu 100% von Männern auf Frauen verübt wurden, und die, die Gesetze machten, waren auch fast immer nur Männer. Leider gibt es auch heute noch sogar Frauen, die der Meinung sind, man brauche keine Verschärfung des Sexualstrafrechts. Lesen Sie hier: http://wort-woche.blogspot.de/2016/07/verscharfung-des-sexualstrafrechts-nein.html

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